Tag#LifestyleBusiness

Die geerbte Bühne

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Wer schon eine Bühne hat, braucht kein Mikrofon mehr zu suchen. Er stellt sich einfach drauf.

Ein Promi startet einen Podcast, eine Influencerin launcht einen Kurs, ein Ex-Politiker schreibt ein Buch. Die Reichweite war vorher schon da — und das neue Produkt profitiert davon. Das Publikum folgt ihnen nicht primär wegen des neuen Angebots, es folgt ihnen, weil es ihnen immer schon gefolgt ist.

Für alle anderen — die, die ohne “geerbte” Aufmerksamkeit starten — bedeutet das: Der Wettbewerb ist nicht fair. Er war es nie. Weil es nicht nur um Inhalte geht, sondern um Beziehungen.

Aber dieses Ungleichgewicht wird gerade verstärkt sichtbar. Denn je mehr geerbte Bühnen belegt werden, desto weniger Platz bleibt für jene, die sich Aufmerksamkeit erst Schritt für Schritt erarbeiten müssen.

Sich Reichweite zu erarbeiten, dauert immer länger. Falls es überhaupt gelingt.

Der Feed zeigt nicht die Welt, er zeigt dich

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Unlängst wieder: LinkedIn geöffnet, Feed reingezogen, und nach zehn Minuten die quälende Frage im Hinterkopf: Mache ich eigentlich irgendetwas richtig?

Dabei passiert da etwas Eigenartiges: Der Feed zeigt mir nicht, wie die Welt wirklich funktioniert. Er zeigt mir, wo ich unsicher bin.

Ein Coach mit hundert Reaktionen auf einen einzigen Post trifft mich genau dort, wo ich mir selbst nicht erfolgreich genug vorkomme. Die Zeitmanagement-Queen mit drei extra “freien Stunden” pro Tag trifft mich dort, wo ich das Gefühl habe, selbst zu wenig zu schaffen.

Der Feed ist ein Spiegel der eigenen Zweifel. Und er ist sehr gut darin, diese Zweifel zu finden – und zu nähren.

[Danke Matthias Barth für diesen Gedanken.]

Die Rückkehr des Grundsätzlichen

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In unsicheren Zeiten wird das Grundsätzliche (die “Basics”) plötzlich wieder interessant.

Was ist das Grundsätzliche in einem Solo-Business? Im Grunde der BWL-Stoff für Erstsemester. Also: Deckungsbeitrag, Liquidität, Kundenbindung, Pricing, Positionierung. Dinge, die man eigentlich wissen sollte, bevor man über Funnels, Content-Strategien oder Personal Branding nachdenkt.

Aber das Notwendige ist oft das Erste, das übersprungen wird – weil es so unspektakulär klingt.

Wenn die Zeiten ruhig sind, kommt man damit durch. Schlechte Kalkulation? Macht nix, der Umsatz verzeiht’s. Kein klares Wertversprechen? Auch kein Problem, solange wer kauft. Aber: Wenn die Kaufzurückhaltung kommt – wie wir sie gerade spüren –, dann räumt der Markt auf. Nicht böse und nicht ungerecht, aber konsequent.

Das Ärgerliche daran ist, dass viele genau jetzt nach neuen Taktiken suchen. Ein frischer Hook, eine andere Zielgruppe – oder doch ein Podcast? Dabei wäre die richtige Frage: Stimmt eigentlich das Fundament? Verdiene ich an jedem Auftrag wirklich Geld? Wissen meine Kund:innen, wofür sie zahlen? Kann ich drei Monate ohne Neukund:innen überleben?

Die “Basics” werden nicht trendiger. Aber sie waren immer die Voraussetzung für alles andere – was man meistens erst dann merkt, wenn sie fehlen.

Für und wider Social Media

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Die Fußballer Stefan Schwab und Richard Windbichler haben einen leiwanden Podcast, Play 2 Grow.

Unlängst haben sie über Social Media gesprochen. Stefan Schwab sagt, dass er Social Media nicht versteht. Er findet, das ist “ein Kasperltheater”. Es hat keine Substanz, es interessiert ihn nicht, weil in den ganzen Kommentaren “keine Wahrheiten” stehen. Er sagt, was auf Social Media über Fußball gesprochen wird, ist “ganz weit weg von Fußball”.

Richard Windbichler hingegen versteht, dass es bei Fußball auch viel um Entertainment geht. Um das Rundherum. Um die Inszenierung. Kann sein, dass er das in seiner Zeit in Amerika gelernt hat.

Schwab und Windbichler sind wie die beiden Stimmen, die auch in mir sprechen, wenn es um Social Media geht. Wenn ich Vorteile und Nachteile von Social Media für mein Solo-Business abwiege.

Spannend, den beiden beim Reden zuzuhören.

Schneller durch KI

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Ja, durch die KI werde ich schneller. Aber alle anderen auch!

Was das alles für unsere Arbeitsbelastung insgesamt bedeutet!

(Weil ich denke nicht, dass wir durch KI weniger arbeiten werden – auch wenn ich mir das sehr wünschen würde:)

Die stille Seite des Sonntags

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Manche Fragen stellen sich nur in ruhigen Momenten.

Unter der Woche ist man zu beschäftigt dafür. Man checkt ständig die Inbox, schaut ob der letzte LinkedIn-Post performt hat, zählt die Follower auf Insta. Man weiß rational, dass es keine Rolle spielt — und checkt trotzdem drei-, viermal am Tag. Das Wissen hilft nicht gegen den Reflex.

Aber: “Genug” ist kein Zustand, den man irgendwann erreicht. Es ist eher eine Entscheidung — und zwar eine, die sich nur in stillen Momenten treffen lässt.

Wie lange das dauert!

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Viele meiner Gründer:innen sind überrascht, wie lang die Behördenwege bei der Gründung dauern können.

Alles dauert nämlich sehr lang. Die Betriebsanlagengenehmigung. Das Bankkonto. Der AWS-Kredit. Die Feststellung der individuellen Befähigung. Die Zuteilung einer UID-Nummer. Und so weiter.

Die Behördenwege sind mühsam, und man hat das Gefühl, dass am anderen Ende Menschen sitzen, denen es wurscht ist, wie lang es dauert.

Das, was an unternehmerischer Motivation da war, wird auf dem Amtsweg ausgebremst.

Niemand kauft dein Angebot

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Menschen entscheiden sich nicht beim Angebot – sie entscheiden sich beim Zuhören. Wer deine Diagnose nicht teilt, wird deine Therapie nicht wollen. Wer deine Sichtweise nicht übernimmt, wird dein Paket nicht buchen. Punkt.

Für Solopreneure ist das eine wichtige Unterscheidung. Viele präsentieren ihr Angebot, bevor sie ihre Haltung erklärt haben. Sie zeigen das „Was” und „Wie”, bevor das „Warum” klar ist.

Kein Wunder, dass sich das dann nach “Verkaufen” anfühlt – für beide Seiten.

Entscheidungen ohne Strategie

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Viele Solopreneure verwenden eine Menge Energie darauf, einzelne Entscheidungen zu optimieren. Welches Angebot? Welcher Preis? Welcher Kanal?

Das kann auf Dauer sehr anstrengend werden.

Dieses Klein-Klein entsteht dann, wenn man keine Strategie hat. (Und die allermeisten Solo-Businesses haben keine Strategie.)

Der eigentliche Aufwand liegt also nicht in den tausend Einzelentscheidungen. Er liegt in der Stufe davor, wenn es darum geht, seine Solo-Business-Strategie zu entwickeln: Wer bin ich, was will ich eigentlich erreichen – und warum?

Der Philosoph stört

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Social-Media-Plattformen sind keine Diskursräume. Differenzierte Meinungen und tiefgehende Gespräche haben es dort ganz, ganz schwer.

Alles, was die Leichtigkeit und die Gefälligkeit des kontinuierlichen Inhalte-Flusses stört (also differenzierte Argumentationen oder ein echter Meinungsaustausch), wird vom Algorithmus nicht gern gesehen.

Der Clown wird gegenüber dem Philosophen eindeutig bevorzugt, weil der Clown platt ist und sofort Reaktionen auslöst — und kein langes Nachdenken verlangt.

Die Plattformen sind wie Einkaufszentren: Alles ist darauf ausgerichtet, dass man möglichst lang weitergeht und weiterschaut – und seine gute Laune nicht verliert.

Vertrauen und Hinterfragen

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Je komplexer die Welt wird, desto öfter müssen wir Menschen und Systemen vertrauen, die wir nicht durchschauen. Und damit meine nicht nur KI.

Es bleibt dir als Solopreneur ja auch gar nichts anderes über. Du kannst nicht alles kontrollieren, nicht alles wissen, überall up to date sein. Niemand kann das.

Niklas Luhmann hat das „Komplexitätsreduktion” genannt. Vertrauen ermöglicht uns, trotz Nichtwissen zu handeln. Aber das bedeutet auch: Gerade weil wir uns auf Systeme verlassen müssen, die wir nicht durchschauen, brauchen wir wirksame Kontrollmöglichkeiten. Sonst wird aus dem notwendigem Vertrauen gefährliche Naivität.

Das Paradoxon des modernen Lebens ist also: Wir müssen vertrauen, um überhaupt handlungsfähig zu bleiben. Gleichzeitig dürfen wir nie aufhören, dieses Vertrauen zu hinterfragen.

Gut gemacht, trotzdem schlecht

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Auch Folgendes ist denkbar: Du hast alles richtig gemacht, und das Ergebnis ist trotzdem suboptimal.

Es liegt nicht immer alles nur an dir!

Du hast nicht die volle Kontrolle über das Ergebnis eines Prozesses. So leid es mir tut, und so sehr du dir das auch wünschen würdest.

Der Anfang vom Ende

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“Veränderung kann ein Umweg sein, um Abschied zu vermeiden”, sagt Gordon Schönwälder.

Er meint damit Podcasts.

Aber der Gedanke geht viel weiter — und tiefer.

Die Tragik der Kakao-Bauern

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Schokolade ist ein Produkt, das eine extrem lange Wertschöpfungskette hat. Es sind viele Hände im Spiel, jeder will etwas verdienen.

Die kleinen Kakaobauern in Côte d’Ivoire und Ghana sind in diesem Spiel die ärmsten Hunde. Sie verdienen meist gerade genug, um zu überleben. Aber sie haben kein Geld für Investitionen, um etwas an ihrer Situation zu ändern (Anbaumethoden, Klimawandel, Schädlinge etc.).

Warum? Weil diese Bauern zu vereinzelt sind. Sie haben als kleiner Familienbetrieb keine Verhandlungsmacht gegen die Big Player. Ein Weg da heraus wäre, Kooperativen und Genossenschaften zu stärken, in denen sich diese Bauern zusammentun. Durch die econmies of scale, die dabei entstünden, könnten sie sich gemeinsam z.B. eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung leisten.

Solange sie allein bleiben und sich gegenseitig als Konkurrenten sehen, wird sich an ihrer prekären Situation nichts ändern.

(Und was für die Kakaobauern in Westafrika gilt, gilt ohne Abstiche auch für EPUs in Österreich.)

PS: Don’t buy cheap chocolate – auch nicht zu Ostern.

Wie unsere Kinder

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Wir beschützen unsere Geschäftsidee, wie wir unsere Kinder beschützen.

Und wir wollen, dass die Kinder immer anders sind, als sie gerade sind. Wir wollen gerne, dass sie größer oder kleiner oder schneller oder langsamer sind.

Aber so funktioniert das nicht – nicht in der Erziehung, und nicht im Business.

Die alte Schule ist die neue Schule

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Spannend, dass “Beziehungen pflegen” plötzlich als Marketing-Innovation gilt.

Jahrelang haben uns die Business-Gurus erzählt: Skaliere! Automatisiere! Baue Funnels! Poste Content bis die Finger bluten und hoffe, dass die Algorithmus-Götter gnädig sind. Persönliche Gespräche? Das war die alte Schule. Unsexy. Nicht skalierbar.

Aber was haben wir bekommen? Eine große “Broadcast-Müdigkeit” (Michelle Mazur). Menschen vertrauen dem, was gepostet wird, nicht mehr.

Deshalb ist die “alte Schule” wieder angesagt. Weil alles andere nicht mehr funktioniert. Du musst deine Zielgruppe wieder kennen. Mit ihnen reden. Ihnen zuhören. Beziehungen aufbauen, bevor du etwas verkaufst.

Es ist schon paradox: Was gerade als “innovativer Marketing-Shift” verkauft wird, ist exakt das, was der “redliche Kaufmann” immer schon gemacht hat: Er kennt seine Kund:innen. Er wird weiterempfohlen. Er muss nicht hoffen, dass der LinkedIn-Algorithmus ihn mag.

Vielleicht war die alte Schule nie alt. Vielleicht war nur der Umweg falsch.

Ausgelernt

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Wer wirklich ein Experte ist auf einem Gebiet, der weiß, dass er mit dem Lernen niemals fertig sein wird.

Es sind die Pseudo-Experten, die sagen: Ich brauche keine Weiterbildung mehr, ich weiß schon alles.

Echte Profis bilden sich ständig weiter.

Der rotierende Wahnsinn

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Unlängst habe ich bei Tad Hargrave einen witzigen Satz gelesen:

“A healthy village doesn’t mean that no one’s crazy. It’s just that not everyone is crazy at the same time.”

Deswegen sind der vertrauensvolle Austausch mit anderen Solopreneur:innen so wichtig. Denn in gesunden Beziehungen rotiert der Wahnsinn: Heute bin ich überfordert, morgen du. Heute kannst du mich auffangen, nächste Woche ich dich. Wer gerade stabil ist, hilft dem anderen ein bisschen, wieder zu seiner Mitte zu finden.

Das gilt auch für den Umgang mit deinen Kund:innen. Ein Problem entsteht erst, wenn alle gleichzeitig durchdrehen. Wenn deine Kundin und du beide gestresst sind und beide patzig werden, dann eskaliert die Situation.

Manchmal bedeutet das: Die E-Mail erst morgen beantworten, wenn du wieder klar denkst. Manchmal: Einen Business Buddy anrufen, der/die gerade nicht im Drama steckt.

Und manchmal einfach nur: Erkennen, dass du heute der/die Verrückte bist – und entsprechend vorsichtig agieren.

Ein Feiertag, nur für dich

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Heute, am 26. März, ist Make Up Your Own Holiday Day.

Jeder Feiertag ist irgendwann mal von jemandem erfunden worden. Oder, besser gesagt: Feiertage werden nicht gefunden, sie werden gemacht. Von jemandem, der beschlossen hat: Dieser Tag soll anders sein. Dieser Tag bedeutet etwas.

Für Solopreneure ist das eine merkwürdig übersehene Möglichkeit. Du hast alle Freiheiten — auch die, dir selbst einen Feiertag zu gönnen.

Nicht irgendeinen. Deinen ganz persönlichen Feiertag. Vielleicht den Jahrestag deiner Gründung. Oder den Tag, an dem du die erste Kundin gewonnen hast. Oder den Tag, an dem du aufgehört hast, etwas zu tun, das dir nicht gut getan hat. Irgendeinen Tag, der für dich eine ganz besondere Bedeutung hat — und den du von nun an jedes Jahr markierst, vielleicht sogar feierst.

Markiere dir diesen Tag ganz dick im Kalender. Jetzt.

Wir, nicht ich

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Es heißt Wirtschaft, nicht Ichschaft, sagt Markus Gull. 

Das sollten gerade wir Solopreneur:innen nicht vergessen.