Tag#LifestyleBusiness

Kalkulatorische Löhne für Idealisten

K

Meine Beobachtung: Die meisten idealistisch motivierten Solopreneure vergessen, ihre eigene Arbeitszeit zu kalkulieren.

Du gründest ein Business, weil du die Welt ein bisschen besser machen willst. Nachhaltigkeit, Gemeinwohl, faire Produkte. Und du denkst dir: “Ich kann ja erstmal auf mein Gehalt verzichten. Für den Anfang.”

Aber: Deine Arbeitszeit kostet Geld. Immer. Auch am Anfang. Auch wenn du sie gerade nicht bezahlt bekommst. Auch wenn du für eine gute Sache arbeitest.

In der BWL nennt sich das kalkulatorischer Lohn. Du rechnest deine Zeit mit einem realistischen Stundensatz in deine Kosten ein – auch, wenn du das Geld gerade nicht ausbezahlst.

Ich sehe das immer wieder in Beratungsgesprächen. Die Rechnung geht auf – aber nur, weil 40 Stunden unbezahlte Idealismus-Arbeit pro Woche nicht mitgerechnet wurden.

Das funktioniert vielleicht ein Jahr. Oder zwei. Aber dann brennst du aus.

Ein Business, das nur funktioniert, wenn du dich selbst ausbeutest, ist kein nachhaltiges Business. Das ist ein Hobby mit Existenzangst.

Zeichen setzen

Z

Meine Beobachtung: Die meisten Solo-Selbständigen sind viel zu bescheiden mit dem, was sie nach außen zeigen.

Man kennt’s: Ein Projekt läuft richtig gut. Das Kundenfeedback ist durchwegs positiv. Die Zusammenarbeit hat super funktioniert. Aber auf LinkedIn oder der eigenen Website? Kein Wort darüber.

„Ich will nicht angeben”, denken sich viele.

Was für ein Aberglaube!

Wenn du einen guten Job machst, dann ist das kein Angeben. Das ist eine Klarstellung. Du zeigst, dass du kompetent bist. Du machst sichtbar, was du leistest. Du gibst potenziellen Kunden einen Grund, dir zu vertrauen.

Aber wir Österreicher haben ein seltsames Verhältnis zum Erfolg-Zeigen. Als würde man sich selbst disqualifizieren, wenn man zugibt, dass man gut ist in dem, was man tut. Das beginnt in der Schule und setzt sich in der Selbständigkeit nahtlos fort.

Wenn du als Solopreneur nicht zeigst, was du drauf hast, macht es niemand für dich. Du hast keinen Marketing-Manager. Du hast keine PR-Abteilung. Du bist dein eigener Verkäufer.

Und ein Verkäufer, der seine Erfolge versteckt, ist ein schlechter Verkäufer.

Also: Zeig, was du geschafft hast. Erzähl von deinen Kunden. Sprich über deine Projekte. Nicht, weil du ein Wunderwuzzi bist, sondern weil es dein Job ist!

[Danke Justin Welsh für diesen wichtigen Reminder.]

Slow Growth und Fast Growth

S

Es gibt zwei Geschwindigkeiten, in denen dein Solo-Business wachsen kann:

  • Slow Growth: Dein Business wächst langsam und stetig. Mit der Zeit wirst du bekannter und besser, und mit der Zeit kommen mehr Kunden und dadurch mehr Umsatz ins Haus. Dein Wachstum ist konstant, aber du bist halt im Vespa-Tempo unterwegs.
  • Fast Growth: Dein Wachstum erfolgt im Ferrari-Tempo: Du steigerst deine Umsätze sehr rasch, aber um diesen Umsatz auch zu bewältigen, brauchst du die entsprechenden Ressourcen (Personal, Produkte, Systeme etc.). Sprich: Um Fast Growth hinzulegen, musst du vorher investieren.

Viele Selbständige investieren zu wenig in ihr Business und wundern sich dann, warum sie nicht wie gewünscht weiterkommen.

Es ist eine strategische Entscheidung: Willst du Slow Growth, oder willst du Fast Growth? Und wenn du dich entschieden hast, dann manage die daraus folgenden Konsequenzen.

Neue Wege müssen sich rechtfertigen

N

Eine meiner wichtigsten Aufgaben als Gründungsberater ist es, gute neue Ideen von unnötigen Ablenkungen zu unterscheiden.

In einem Solo-Business sind wir oft gefordert, über neue Wege nachzudenken, wenn wir unser Ziel auf dem ursprünglichen Weg nicht erreichen können. Dabei ist Kreativität gefragt. Und gleichzeitig müssen wir aufpassen, dass wir unser eigentliches Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Wenn ich mit meinen Kund:innen über einen “neuen Weg” spreche, dann bin ich streng. Dieser “neue Weg” muss sich vor mir rechtfertigen: Machst du nur zusätzliche Arbeit, oder zahlst du wirklich auf das eigentliche Ziel ein?

Können ist zu wenig

K

Inspiriert von Gabe The Bass Player:

Eine Coaching-Ausbildung zu machen… das ist noch das Leichteste. Aber ein Coaching-Business aufzubauen… das ist echt schwierig.

Es geht nicht um das Handwerk. Das Handwerk kann jeder lernen.

Das Handwerk allein genügt nicht, um Menschen zu begeistern.

Es geht um die SHOW!

Das Problem erklärt

D

Für ganz viele Probleme gibt es einen Haufen Erklärungen, aber keine Lösung. 

Ein Problem zu erklären, also zu erklären, wo es herkommt und warum es so ist und nicht anders… Das ist noch keine Lösung.

Deine Kund:innen haben nicht viel davon, wenn sie durch dich ihr Problem verstanden haben, sich aber immer noch fragen: Und was mache ich jetzt dagegen?

Wenn deine Kund:innen ein Problem haben, dann suchen sie bei dir ziemlich sicher nach einer Lösung, nicht (nur) nach Erklärungen.

Online vs. digital

O

Ein „Online-Business“ (skalierbare digitale Produkte; Kunden werden ausschließlich im Internet gesucht und gewonnen) ist nicht das gleiche wie ein Business, in dem alles digitalisiert ist (z.B. persönliche Dienstleistungen, die digital abgewickelt werden).

Ich wette, das ist längst nicht allen “Online-Unternehmer:innen” klar.

Marketing-Ursulas

M

So nennt Larissa Fessl die Frauen auf Instagram, „die dann immer so sagen, du musst das und das machen“, wenn du mit deinem Business Erfolg haben willst.

Die dir sagen: “Du brauchst einen Online-Kurs. Und dann musst du hier einen Funnel aufbauen. Und e-Mail-Marketing machen und irgendwie tausend e-Mail-Sequenzen schreiben.“

Die “Marketing-Ursulas” sagen dir genau, wie’s geht. Und trotzdem spürst du: Da stimmt was nicht. „Ich hab auch irgendwie jetzt festgestellt: Ich kauf das ja selber nicht, wenn ich solche e-Mails bekomme!“, sagt Larissa Fessl.

Nimm dich in Acht vor den “Marketing-Ursulas”. (Es ist gar nicht leicht, ihnen zu entkommen.)

Erdnüsse nach Bangkok

E

Eine der entscheidendsten Überlegungen in deinem Solo-Business: Was verkaufst du eigentlich – und was kauft dein Kunde?

Stell dir vor, eine Fluglinie würde so werben: “Economy Class: Sitzgröße DIN A4, Beinfreiheit 12 cm, 3 Erdnüsse.”

Das macht keine Airline. Die werben mit: “Bangkok ab 699 €”

Sie verkaufen nicht die Erdnüsse. Sie verkaufen Bangkok.

Wir Solopreneure reden meistens über unsere Erdnüsse. Über Features, Methoden, Zertifikate. Über das, was wir tun.

Aber der Kunde kauft Bangkok. Er kauft, wo er nachher sein wird. Die Transformation. Das Ergebnis. Die Methode ist ihm wurscht. Das Ziel zählt.

Wenn du Menschen von A nach B bringst, dann fokussiere auf B. Alles andere sind nur Erdnüsse.

[Danke Matthias Barth für diesen Gedanken.]

Allein im Sturm

A

Manche sagen: Die Marktwirtschaft ist eine dog-eat-dog world. Der Wind ist jedenfalls rau.

Die Marktwirtschaft kann tatsächlich ein hartes Pflaster sein. Da kommt es nicht nur darauf an, gute Arbeit zu leisten. Da zählen Dinge wie Geschäftsmodell, Strategie, Preispolitik, Positionierung, Vertriebskanäle und, und, und.

Im Grunde unterscheiden sich deine Aufgaben als Solopreneur´:in nicht von den Aufgaben eines Weltkonzerns – nur mit dem Unterschied, dass alle diese Aufgaben dir allein zufallen.

Du bist für alles zuständig – und das ist eine Riesenherausforderung.

Mikro-Freiheiten

M

Justin Welsh beschreibt eine Situation aus seinem Solopreneur-Leben:

Er steht an einem Donnerstag um 10:47 in einem Café in Stone Ridge, New York. Um ihn herum: Pensionisten mit Zeitungen. Studenten am Laptop. Leute, die offensichtlich nirgendwohin hetzen müssen.

Und er denkt sich: Das ist Freiheit.

Nicht der große Wurf. Nicht der siebenstellige Kontostand. Nicht die Villa am Strand.

Diese Mikro-Freiheiten, sagt er, sind die echten Marker für unternehmerischen Erfolg. Um 14 Uhr den Laptop zuklappen. Eine E-Mail morgen beantworten. Zoom-Calls vom Garten aus machen.

Und: Kaffee trinken, wann du willst. Ohne jemanden fragen zu müssen.

Kein Gefallen

K

Seth Godin schreibt in seinem gescheiten Buch Tribes:

“Tribes grow when people recruit other people. […] The tribe doesn’t do it for you, of course. They do it for each other.” (S. 110)

Wenn du von anderen weiterempfohlen wirst, tun sie das nicht (in erster Linie) deswegen, um dir einen Gefallen zu tun. Sie tun es, weil der Empfänger der Empfehlung etwas davon hat — und der Empfehlungsgeber hat auch etwas davon, wenn er eine wirklich leiwande Empfehlung geben kann. Aber nur dann.

Eine Empfehlung braucht einen echt guten Grund – nicht für dich, sondern für deine Kund:innen.

Ein Blick in die Zukunft

E

Tim Ferriss warf unlängst einen Blick in die Zukunft des Solopreneurships:

“We’re gonna see probably single-person, single-owner billion dollar businesses within the next few years that employ AI Agents as they would employ someone they would otherwise hire as a CFO or something like that. I would not be surprised if that’s the case. I really wouldn’t.” 

KI ist ein game changer für Solopreneure, das glaube ich auch. Aber wie sehr, das könnte uns noch gewaltig überraschen.

Business-Härte

B

Unlängst meinte eine Unternehmerin zu mir: “Ich bin erschrocken darüber, wie hart wir geworden sind.”

Früher hatten ihr Mann und sie versucht, es allen ihren Kunden und Partnern recht zu machen. Sie waren flexibel und entgegenkommend, und sie waren großzügig mit ihrer Zeit und ihrem Geld.

Heute stellen sie fest, dass von dieser Großzügigkeit wenig zurückgekommen ist. Im Gegenteil: Ihre Großzügigkeit hat bei Kunden und Partnern zu einer Erwartungshaltung geführt, die sie nicht mehr erfüllen können und wollen. Sie haben keine Lust mehr, sich ausnützen zu lassen. Sie haben keine Lust mehr, ständig zu diskutieren.

Sie haben gelernt, wie wichtig klare Regeln sind – und wie wichtig es ist, diese konsequent einzuhalten. Sie haben gelernt, dass sie ohne sorgfältige Kontrolle ausgenützt werden. Sie haben gelernt, dass sie ihre Führungsrolle einnehmen müssen, ob sie wollen oder nicht.

Ich würde sagen, irgendwann (in ihrem Fall: nach fünf Jahren) kommt jedes Business an den Punkt, wo es einen Entwicklungs-Schub braucht. Wo weniger improvisiert und mehr geführt und gemanagt werden muss.

Ich glaube auch nicht, dass das mit “Härte” zu tun hat, sondern mit Professionalität. In diese Professionalität müssen wir hineinwachsen, und auf dem Weg dorthin werden wir Lehrgeld zahlen.

Das ist ganz normal.

Ein großer Garten

E

Das Problem: Viele Menschen haben einen Garten, der nicht zu ihren Ressourcen passt.

Wir glauben, der Garten, den wir haben, „ist halt so“. Aber er muss nicht so sein.

Er ist irgendwann entstanden, aber wir können ihn jederzeit umgestalten.

Ständige Preis-Diskussionen

S

In manchen Branchen wird mehr über den Preis diskutiert als in anderen.

Und in manchen Branchen wird immer über den Preis diskutiert.

So eine Branche ist eine Sch…-Branche.

Mach, dass du raus kommst.

Versprochen – Gebrochen

V

Zalando hat jahrelang mit „Schrei vor Glück oder schick’s zurück!” Kund:innen angelockt. Jetzt drohen sie genau diesen Kund:innen mit Bestellverboten, wenn sie zu oft retournieren.

Das Muster dahinter: Erst bauen sie sich einen Kundenstock mit einem leiwanden Versprechen auf. Dann kommen sie drauf, dass dieses Versprechen zu halten teuer ist. Und dann, wenn sie groß genug sind, streichen sie es wieder – aus Kosten- oder „Nachhaltigkeits”-Gründen.

Es stimmt schon: Wenn du ein großzügiges Versprechen gibst, wird es immer einige geben, die es über Gebühr ausnützen. Aber das musst du dir überlegen, bevor du dein Versprechen gibst. Das war ja abzusehen. Entweder gilt dein Versprechen – oder nicht.

Große Konzerne können sich so ein Theater leisten. Sie schwindeln sich raus, verlieren dabei Vertrauen, aber haben genug Marktmacht, dass es wurscht ist.

Wir Solopreneure können uns das nicht leisten. Wenn wir ein Versprechen geben, müssen wir es halten. Punkt.

Deshalb: Überlege dir vorher, was du versprichst. Kalkuliere die Kosten mit ein. Und dann stehe dazu – auch wenn’s manchmal teuer wird.

(Zu) viel Herzblut

(

Unlängst hatte ich ein sehr nettes Gespräch mit einem Gründer, den ich seit fünf Jahren begleite.

Er meinte, dass ihm in Gesprächen mit anderen Solo-Selbständigen auffällt, dass sich diese “viel zu sehr den A… aufreißen”. Also, dass sie sehr, sehr viel Arbeit und Engagement in ihr Business investieren und dafür relativ wenig rausbekommen. Und dass er sich fragt, warum die sich das alle antun.

Darauf ich: “Und bei dir? Ist es da nicht genauso?”

Er: “Ja, eh.”

Wir Solopreneure haben alle unsere Gründe, warum wir uns “das antun”.