AutorGünter Schmatzberger

Leise Kunden

L

Wir lieben sie: Jene Kunden, mit denen es einfach Spaß macht zu arbeiten. Die unkompliziert sind, die keinen Stress machen, die immer gut drauf sind und die pünktlich zahlen.

Und dann sind da jene Kunden, die ganz viel unserer Aufmerksamkeit brauchen. Die laut sind, bei denen immer alles dringend ist und die auch spätabends oder am Wochenende eine Antwort erwarten.

Nun die Königsfrage: Mit welchen Kunden verbringst du mehr Zeit, mit den leisen oder den lauten? Mit wem telefonierst du öfter? Wem schreibst du öfter ein eMail? Mit wem triffst du dich öfter?

Sollten es die lauten Kunden sein, läuft in deinem Business etwas gewaltig schief.

Es könnte nämlich sein, dass sich mit der Zeit die Lieblingskunden heimlich, still und leise von dir verabschieden – und zwar ohne, dass du es merkst. Weil du dir nie die Mühe gemacht hast, mit ihnen in Kontakt zu bleiben, auch wenn es gerade nicht brennt.

Weil du dir nicht die Zeit genommen hast, ihnen rechtzeitig jene Aufmerksamkeit und Dankbarkeit zu zeigen, die sie eigentlich verdient hätten.

Studierende helfen Studierenden

S

Manchmal ist es gar nicht nötig, dass ich als Lehrender rasch auf eine Frage eines Studierenden antworte.

Wenn ich mir mit meiner Antwort ein bisschen Zeit lasse, kann es sein, dass mir eine andere Studierende mit der richtigen Antwort zuvor kommt.

So helfen einander die Studierenden untereinander.

Win – win.

Das Fiaker-Prinzip

D

Die Fiaker in Wien bestreiten es heftig, aber es geht folgendes Gerücht:

Die Fiaker hatten keine festen Preise für ihre Fahrgäste, sondern trafen die Preisentscheidung ganz spontan. Kam ein Fahrgast auf sie zu, der vornehm gekleidet war, so war der Fahrpreis entsprechend hoch. Ließ das Äußere den Fahrgast weniger vermögend erscheinen, wurde der Fahrtpreis entweder gesenkt (wenn gerade Flaute herrschte), oder der Preis wurde im Gegenteil noch viel höher festgesetzt, weil der Fiaker mit einem armen Schlucker seine Zeit nicht verschwenden und lieber auf einen reicheren Fahrgast warten wollte.

Fair ist dieses Prinzip natürlich nicht, aber man kann den Fiakern nicht absprechen, dass sie verstanden haben, dass jeder Preis auch einen Steuerungseffekt bei unseren Kunden hat.

Lebendig

L

Manchmal müssen wir etwas Neues wagen, damit wir uns wieder lebendig fühlen.

Damit wir uns mal wieder richtig g‘spüren.

Riskieren

R

Machmal hat man nur zwei Möglichkeiten: Entweder, etwas zu versuchen mit dem Risiko, dass es nicht gut geht. Oder es gar nicht zu machen.

Lange Zeit war ich überzeugt: Wenn du was machst, dann mach es gscheit – oder gar nicht.

Langsam beginne ich aber umzudenken. Manchmal ist es besser, etwas zu versuchen, als gar nichts zu machen. Ja, es kann schiefgehen. Aber gar nichts zu machen würde die vorhandene Chance zunichte machen, dass es klappt.

Wenn es klappt, hast du gezaubert. Wenn nicht, hast du’s zumindest versucht. Dafür gebührt dir auf jeden Fall Respekt.

Positionierung

P

“Ich bin ein Damenfriseur. Keine Herren, keine Kinder, nicht gemischt”, sagte unlängst eine Gründerin zu mir.

So geht Positionierung.

Das schönste Logo

D

Ich beobachte immer wieder, wie viel Zeit Gründer*innen auf ein Logo für ihr Business verwenden. Ein Logo steht sehr häufig ganz oben auf der To-Do-List einer Gründung.

Es ist ja auch verständlich: Das Logo macht das neue Business zum ersten Mal sichtbar. Die Gründungsidee bekommt ein Gesicht, ein Bild, wird plastisch und farbig. Das ist für viele Gründer*innen ein erhebendes Gefühl.

Es ist aber auch klar, dass für die Kund*innen kaum etwas unwichtiger ist als ein Logo. Kein einziger Kunde kauft jemals wegen des Logos – und wenn es noch so schön ist.

Deshalb hat sich eine Gründer*in von mir, die demnächst einen Friseursalon eröffnet, entschieden, kein Logo zu haben. Sie hat das so ausgedrückt: “Das Logo ist die Kundin selbst.”

Ich finde das wunderbar. Weil: Es gibt wohl kein schöneres Logo auf der Welt als das Lächeln zufriedener Kund*innen.

Baustelle

B

In Wien eröffnet demnächst eine tolle neue Pizzeria. Der Gründer hat mir heute das Lokal gezeigt – mitten im Umbau, alles eine einzige Baustelle.

Der Unterschied zu anderen Gründungsprojekten ist allerdings nur, dass diese Baustelle sichtbar und handfest ist.

Alle Gründungen sind Baustellen. Manche sieht man halt nicht so deutlich.

Ehrlichkeit (2)

E

Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, dann ist Ehrlichkeit notwendig.

Wenn wir zueinander und uns gegenüber nicht ehrlich sind, brauchen wir uns nicht wundern, wenn alles bleibt, wie es ist.

Zeit-Problem

Z

Die Lösung deines Zeit-Problems als Solopreneur ist nicht, dass du auf den Tag wartest oder hoffst, an dem du wie von Zauberhand dann endlich genug Zeit haben wirst für all das, was du noch vor hast.

Dieser Tag wird nie kommen. Nie.

Die Lösung ist folgende:

  1. Überleg dir, was du wirklich willst in deinem Leben und in deinem Business. Nicht, was andere tun oder für gut halten, sondern was du willst.
  2. Schmeiß alles, was dir nicht wichtig (genug) ist, raus aus deinem Leben und vor allem aus deinem Business. Gnadenlos.
  3. Lass dir helfen. Kapier endlich, dass du den Impact, den du machen willst, alleine niemals schaffst. Hol dir Menschen an Board, die Experten in ihrer Sache sind und dir kompetent Arbeit abnehmen können. Und bezahl sie fair dafür.

Mit diesen drei Schritten wirst du vom Hamsterradläufer zum Unternehmer.

Hervorragende Betriebswirte

H

Unser Land braucht hervorragende Betriebswirte. Nicht gute Betriebswirte, sondern hervorragende.

Die Herausforderungen unserer Zeit sind groß. Es gibt viel zu tun.

Gute, also durchschnittliche, Betriebswirte werden diese Herausforderungen nicht lösen. Gute Betriebswirte werden keinen großen Erfolg haben. Wir brauchen sehr, sehr gute Betriebswirte, weil wir sehr, sehr große Räder drehen müssen. Wir brauchen sie wie einen Bissen Brot.

Die Zukunft unserer Welt liegt maßgeblich in den Händen jener jungen Betriebswirt*innen, welche dieser Tage mit ihrem BWL-Studium beginnen.

Wir zählen auf euch!

Böse Leistungsgesellschaft

B

Es ist sehr en vogue, die Leistungsgesellschaft zu kritisieren.

Aber: Was kritisieren wir eigentlich, wenn wir Leistung oder die Leistungsgesellschaft kritisieren?

  • Die Art und Weise, wie wir arbeiten und leisten?
  • Die Ergebnisse, die unsere Leistungen erbringen?
  • Das Wofür?
  • Oder Leistung als solche?

Leistung als solche zu kritisieren, ist keine gute Idee. Wenn wir Dinge verändern wollen, brauchen wir Leistung. Wir wollen ja was bewirken. 

Über das Wie und vor allem das Wozu der Leistung… Das lasst uns gerne neu denken.

[Danke Benjamin Rolff für diesen Gedanken.]

Lang geredet, wenig verstanden

L

Zwei IT-Techniker hatten sich anderthalb Stunden über ein Projekt unterhalten.

Eine Woche später kommt der Projektleiter drauf, dass zwischen den beiden ein Missverständnis entstanden ist und jeder auf die Rückmeldung des anderen wartet. Das Projekt hat dadurch eine Woche an unnötiger Verzögerung aufgerissen.

Nur, weil zwei Menschen lang miteinander reden, heißt das nicht, dass sie einander auch verstanden haben.

Engagement

E

Engagement ist keine Selbstverständlichkeit und kein Zufall.

Es gibt verschiedene Werkzeuge, Engagement wahrscheinlicher zu machen.

Diese Werkzeuge haben ihre Grenzen, aber wer das Mögliche nicht tut, braucht sich nicht zu wundern, wenn kein Engagement zustande kommt.

Oder wenn sich nur die üblichen drei Verdächtigen melden.

Zufallskunden

Z

Natürlich nehmen wir Kunden, die uns zufällig finden, gerne mit.

Aber wenn der Zufall die Basis der Vertriebsstrategie ist, dann hast du keine Strategie.

Dann lebt dein Unternehmen vom “Prinzip Hoffnung”.

Für BWL begeistern

F

Ich möchte BWL nicht unterrichten wie vor zwanzig oder fünfzig Jahren.

Ich möchte meine Studierenden, meine Seminar-Teilnehmer*innen und meine Unternehmensgründer*innen für die BWL begeistern. Ja, das ist mein Anspruch. Begeisterung!

Ich möchte BWL lebendig machen. BWL ist praktisch und interessant, ein sehr nützliches Handwerk, mit dem man etwas erschaffen kann.

Aber, damit kein Missverständnis entsteht: Mein Anspruch ist hoch. Nicht, weil ich mir etwas auf mich einbilde, sondern weil meine Schüler*innen profundes BWL-Wissen brauchen werden wie einen Bissen Brot.

Ich wiederhole: Wer BWL bei mir lernt, wird es nicht leicht haben. Ich werde meine Schüler*innen fordern. Nicht, weil ich ein Sadist bin, sondern ihnen zuliebe.

Irritation

I

Ein bisschen Irritation bietet die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen.

Zu viel Irritation sorgt für Vermeidungsreaktionen.

Gar keine Irritation ist langweilig.

Kein Problem

K

Ich selbst habe ja kein Problem damit, aber die Anderen…

Immer dann, wenn wir anderen Menschen ein Problem unterstellen, von dem wir denken, dass uns dieses Problem absolut überhaupt nicht selbst betrifft (Beispiel: falsche Ernährung), dann sind wir auf dem Holzweg.

Probleme, die wir anderen unterstellen, sind meistens unsere eigenen.

Bei mir kriegst du mehr!

B

Wenn wir für unsere Kunden ein tolles Angebot schnüren wollen, dann denken wir meist: Okay, was kann ich in mein Angebot noch alles reinpacken, damit meine Kunden sehen, wie wertvoll mein Angebot ist?

Aber: Unsere Kunden wollen nicht unbedingt mehr. Sie wollen besser. Also sollte unsere Frage lauten: Wie kann ich für meine Kunden mein Angebot noch besser und noch besser und noch besser machen?

Weniger ist mehr. Weniger, aber besser.

Ein neues Thema

E

Wenn wir innovativ sind und ein neues Thema, eine neuartige Methode oder ein noch nie da gewesenes Angebot auf einem Markt bekannt machen wollen, dann stehen wir vor einer großen Herausforderung: Wir müssen unser Thema zuerst mal erklären.

Bevor unsere Kunden kaufen können, müssen sie zuerst verstehen. Wir müssen also wie ein Lehrer unsere Kunden zuerst informieren, worum es bei unserem neuen Thema geht. Wir müssen ihnen erklären, was sie von unserer neuartigen Methode haben. Sie müssen verstehen, warum dieses noch nie da gewesene Angebot genau das ist, was sie immer schon gesucht haben.

Diese “Lehrtätigkeit” ist wahrlich keine einfache Aufgabe. Sie verlangt Überzeugung, Geduld und Durchhaltevermögen.

Umso wichtiger ist es, dass wir uns diese Aufgabe nicht schwerer machen als notwendig. Bedeutet: Dass wir unseren Kunden die Lernaufgabe nicht schwerer machen als nötig.

Beispiel: Wenn wir in Österreich ein neues Beratungsthema etablieren möchten, dann sollten wir es auf Deutsch erklären – nicht auf Englisch. Klar, viele Österreicher sprechen auch Englisch. Aber wer ein neues Thema in einer Fremdsprache erklärt, baut zwei Hürden auf: Neues Thema und fremde Sprache.

Eine Hürde zu überspringen ist schwer genug.