AutorGünter Schmatzberger

Persönliche Entwicklungen

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Wenn man sich überlegt, warum Gründungen scheitern, dann fällt einem ein:

  • Liquiditätsprobleme.
  • Keine oder zu wenige Kunden.
  • Das Produkt war nicht gut.
  • Misslungenes Marketing.
  • Schlechte Wirtschaftslage.
  • Corona-Krise.
  • Und so weiter.

Was aber unterschätzt wird: Viele Gründungen scheitern an den Menschen hinter der Gründung. Also an den Gründern selbst. Streit im Gründerteam. Unterschiedliche Zielsetzungen. Gründer verlieren das Interesse. Persönliche Krisen wie Scheidungen oder Krankheit.

Ja, oft sind es betriebswirtschaftliche Fehler, die Unternehmen scheitern lassen.

Aber genauso oft ist es auch einfach das Leben, das sich nicht immer so entwickelt, wie wir es uns wünschen.

Länger als gedacht

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Als Faustregel gilt für alle Gründungsprojekte: Es dauert immer länger, als gedacht.

Das bestätigt sich immer und immer und immer wieder, sogar bei kleinen Gründungsprojekten, und bei großen sowieso.

Weh dem, der das ignoriert.

Keine Konkurrenz

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Wenn Gründer*innen mir mit leuchtenden Augen erzählen, dass Sie etwas völlig Neuartiges machen werden und dass es keine Konkurrenz gibt, reagiere ich meist skeptisch.

Es gibt keine Konkurrenz? Okay, aber warum gibt es keine Konkurrenz?

Meistens aus einem von zwei Gründen:

  1. Es ist wirklich eine völlig neue Idee, an die bisher noch überhaupt niemand gedacht hat. (Selten)
  2. Es gibt deswegen keine Konkurrenz (mehr), weil die Konkurrenz, die es gegeben hat, mit der Idee Schiffbruch erlitten hat und untergegangen ist. (Wesentlich häufiger)

Wenn es Konkurrenz gibt, ist das also ein gutes Zeichen, kein schlechtes.

Weil: Wo es Konkurrenz gibt, da gibt es auch Kunden.

Wie in der Schule

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Beim SCS Run gab es, wie vor jedem Lauf, ein animiertes Aufwärmprogramm. Ich stand dabei, wie immer passiv etwas abseits und hörte, wie ein Mit-Läufer meinte: „Schau, das ist wie in der Schule: Die Motivierten sind vorne und machen mit, und hinten sind die Faulen.“

Besser konnte man die Szenerie nicht zusammenfassen. Denn es war wirklich wie in der Schule.

Auch, wenn wir als Erwachsene schon lange aus der Schule draußen sind, verhalten wir uns oft immer noch genauso wie die Buben und Mädchen in der vierten Klasse.

Wir haben das ja auch jahrelang trainiert.

Wo die Angst ist

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Als Daumenregel gilt bei jedem Gründungsprojekt: Dort, wo die größte Angst ist, lohnt es sich, besonders gut hinzusehen.

Und: Sehr wahrscheinlich ist es so, dass genau dort, wo die größte Angst ist, der richtige Weg für dich ist.

Folge der Angst.

Wall Of Progress

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Eine Gründerin, eine junge, sehr talentierte Animation Artist, hat in ihrem Zimmer eine Wall Of Progress. Dorthin hat sie über die Jahre ihre Zeichnungen aufgehängt, quasi als Zeitreise durch ihre künstlerische Entwicklung.

Auf dieser Wall Of Progress wird in beeindruckender Weise sichtbar, wie viel sie über die Jahre dazugelernt hat und wie viel besser sie geworden ist. Aber sie macht das nicht für die Außenwelt, für ihre Kunden und Fans, sondern einzig und allein für sich selbst.

Jedes Mal, wenn sie mit ihrer Arbeit hadert und nicht zufrieden ist, wenn sie denkt, wie limitiert ihre Fähigkeiten sind, kann sie auf ihrer Wall Of Progress sehen, wie weit sie über die Jahre gekommen ist und wie viel besser sie bereits ist als am Anfang.

Wir Lifestyle Entrepreneure sind selten zufrieden mit uns und unserer Arbeit. Wir sehen das Verbesserungspotenzial (das es zweifellos gibt) oft viel deutlicher als den Fortschritt, den wir bereits gemacht haben. Damit hadern wir, und das ist schade.

Eine Wall Of Progress würde uns allen gut tun.

Vorbilder im Verkaufen

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Es lohnt, sich unter seinen Vorbildern als Lifestyle Entrepreneur auch einige zu suchen, die Meister*innen im Verkaufen sind.

Unternehmer, die gut und gern und viel verkaufen, verdienen unseren Respekt. Viel zu oft werten wir sie jedoch ab, nach dem Motto: Denen geht es ja nur um’s Geld!

Um’s Geld sollte es aber auch uns gehen. Nicht nur um’s Geld, versteht sich. Aber auch. Deshalb finde ich es eine gute Idee, sich von Meister-Verkäufer*innen etwas abzuschauen.

Weil: Ohne Umsatz kein Business. Ohne Moos nix los.

Unruhe

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Es ist ganz normal, dass Gründer*innen zu verschiedenen Phasen ihres Gründungsprozesses nervös werden. Dass sie unruhig werden, weil vermeintlich zu wenig weitergeht. Dass sie zu grübeln beginnen, was alles passieren könnte, wenn…

So normal diese Unruhe ist, so wenig hilfreich ist sie auch. Die Dinge entwickeln sich deswegen nicht schneller, besser oder erfolgreicher.

Deswegen rate ich in solchen Fällen gerne: Entspannen Sie sich, soweit Sie können – und bleiben Sie trotzdem dran!

Selbstverantwortung

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Meine Aufgabe als Berater ist es, zuzuhören, mitzudenken und jene Inputs zu geben, die mir nützlich erscheinen.

Meine Kund*innen jedoch sind es, die die Verantwortung tragen für die Fragen, für den Fokus, für das Ziel der Beratung – und auch für die Vorbereitung auf das Gespräch.

Ich kann nur liefern, was eingefordert wird.

Kaffee trinken gehen

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„Meine Aufgabe in den nächsten Wochen wird es sein, mit den richtigen Leuten einen Kaffee trinken zu gehen“, sagte unlängst ein Gründer zu mir.

Und es stimmt: Mindestens so wichtig wie gute Arbeit zu leisten ist es, Beziehungen zu pflegen, damit diese gute Arbeit auch wirksam werden kann.

Kaffee trinken zu gehen ist eine Chef-Aufgabe.

Von Gott gegeben

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Jesus sagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. (Joh 6,65)

Jesus weiß, dass es Menschen gibt, die nie oder nur schwer Zugang zu ihm finden werden.

Jesus weiß, dass er niemandem helfen kann, der nicht bereit ist dazu – selbst wenn dieser Jemand die Hilfe von Jesus dringend brauchen könnte.

Jesus weiß, dass er nicht die ganze Welt auf einmal retten kann.

Warum sollte es uns Lifestyle Entrepreneuren, uns Edupreneuren, uns Beratern und Lehrerinnen anders gehen als Jesus?

Handwerk

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Jeder Beruf, jede Aufgabe setzt Wissen und Können voraus. Im Deutschen nennt man das Handwerk, auf Englisch heißt das (mit einer etwas anderen, noch treffenderen Bedeutung) craft.

Wir müssen unser Handwerk exzellent beherrschen, wenn wir unseren Kund*innen wirklich helfen wollen. Wer sein Handwerk nicht beherrscht, ist ein Pfuscher.

Eine Trainerin muss wissen, wie sie Wissen zugänglich macht. Ein Berater muss nicht nur beraten, sondern auch zuhören können. Eine Elementarpädagogin muss Kinder nicht nur mögen, sondern auch wissen, wie man altersgerecht mit ihnen umgeht.

Selbstverständlich, oder? Nein, keineswegs.

Es wimmelt nur so von Pfuschern. Und das schadet leider auch den wirklichen Könnern.

Lernsprung

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Nur, weil du dich im Fitness-Studio verausgabst, heißt das nicht, dass fitter geworden bist.

Nur, weil du Bewegung machst, heißt das nicht, dass du weißt, wie du deinen Körper richtig verwendest.

Der Unterschied ist ein Lernprozess: Der Weg vom “irgendwelche Dinge irgendwie tun” hin zu “die Dinge richtig tun” und “die richtigen Dinge tun”.

Dieser Unterschied ist ein Quantensprung im Lernen.

Ein gewaltiger Lernsprung.

Dankbarkeit (2)

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Eigentlich müssten wir am dankbarsten sein für jene Kunden, Projekte oder Aufträge, die besonders herausfordernd sind. Die anstrengend sind. Die mühsam sind. Weil wir dabei am meisten lernen können. Wir wachsen tatsächlich mit der Aufgabe.

Aber das ist nicht immer leicht. Weil mühsame Kunden bleiben auch dann mühsam, wenn wir viel von ihnen lernen können.

Gerade dann.

Dankbarkeit

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Dankbarkeit ist keine Kategorie im Geschäftsleben, davon bin ich überzeugt.

Dankbarkeit ist eine der wichtigsten Kategorien im Leben, davon bin ich überzeugt.

Es liegt an uns Lifestyle Entrepreneuren, diesen Widerspruch aufzulösen.

Wertschätzung

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Wertschätzung ist ein absoluter Wert. Entweder man ist wertschätzend, oder man ist nicht wertschätzend.

Man kann nicht selektiv wertschätzend sein, also in manchen Situationen schon und in manchen Situationen nicht. Oder zu manchen Menschen wertschätzend, zu anderen nicht. Oder wertschätzend im Berufsleben, aber nicht im Privatleben.

Das ist wie schwanger sein: Man kann nicht ein bisschen schwanger sein. Entweder, man ist schwanger, oder man ist es nicht. Genauso ist es mit der Wertschätzung.

Wertschätzung, die selektiv ist, ist keine Wertschätzung. Das ist Sympathie. Oder Vorliebe. Oder Kalkül.

Aber niemals Wertschätzung.

Niemand will ein Verlierer sein

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Am Wochenende war mein fünfjähriger Sohn bei seinem ersten Fußballspiel. Ich habe ihm erklärt, zu welcher Mannschaft wir helfen und wer unser Gegner ist. Ich habe auch versucht zu erklären, dass wir unseren Gegner nicht hassen, aber dass wir trotzdem wollen, dass unsere Mannschaft gewinnt.

Lange stand es null zu null, bis zehn Minuten vor Schluss der Gegner in Führung ging. Mein Sohn meinte daraufhin zu mir, dass er ab jetzt lieber zum Gegner halten möchte, nicht mehr zu unserer Mannschaft. Er wollte nicht zu den Verlieren gehören.

Ich habe ihm erklärt, dass das so nicht geht. Dass man zu seiner Mannschaft auch dann halten muss, wenn sie verliert. Weil beim nächsten Mal gewinnen sie ja vielleicht wieder.

Was bei einem Kind vielleicht drollig wirkt, begegnet uns auch im Business: Niemand will ein Verlierer sein, und niemand will zu den Verlierern gehören. Da werden skrupellos die Seiten gewechselt. Da werden munter Prinzipien über Bord geworfen.

Treue auch in Momenten der Niederlage ist leider keine Kategorie im Business.

Visionen

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Alle Visionen, die du für dein Lifestyle Business hast, sind okay. Keine Vision ist an sich besser als die andere. Keine Vision ist automatisch erfolgsversprechender. Keine Vision ist zu unrealistisch, um sie nicht wahr machen zu können.

Einziges Kriterium aus betriebswirtschaftlicher Sicht: Dein Cash Flow muss dir erlauben, deine Visionen zu verfolgen.

Solange der Cash Flow passt, also solange, bildlich gesprochen, der Blutkreislauf deines Lifestyle Business in Schwung ist, darfst du träumen so viel du willst.

Die Großen (2)

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Warum sollte das, was bei Nintendo oder Nike oder Nissan funktioniert, nicht auch bei dir funktionieren?

Ernst gemeinte Frage.

Was kannst du als “kleiner” Lifestyle Entrepreneur von den Großen in deiner Branche lernen?

Und was nicht?

Strategie

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Lifestyle Entrepreneuren mangelt es praktisch nie an Ideen. Woran es hapert, ist die Strategie.

Eine Strategie ist der Weg, wie aus einer Idee ein Umsatz-bringendes Business wird. Eine Strategie zu haben bedeutet, sich bewusst für einen Weg zu entscheiden und, ganz wichtig, über längere Zeit dabei zu bleiben – auch (und gerade dann), wenn man nicht weiß, ob dieser Weg Erfolg bringen wird.

Eine Strategie zu haben bedeutet zu fokussieren. Fokus wiederum bedeutet, zu ganz vielen (auch guten) Ideen nein zu sagen und sich auf Weniges zu konzentrieren.

Eine Strategie wird auch nicht leichtfertig geändert. Besonders nicht in Situationen, wo Angst und Stress das Kommando übernehmen. Strategien dürfen nur zu festgelegten Zeitpunkten adaptiert werden – in Ruhe, mit Besonnenheit, mit guten Gründen.

Die unternehmerische Aufgabe, eine Strategie zu entwickeln, kommt deswegen ein bisschen unsexy daher. Strategiearbeit ist anstrengend, weil es den Mut zur Entscheidung und den Willen zum Nachdenken braucht. Und weil man trotzdem nie mit Sicherheit sagen kann, ob eine Strategie funktionieren wird.

Aber gerade wir Lifestyle Entrepreneure brauchen Strategien wie einen Bissen Brot. Denn ohne Strategie wird unser Lifestyle Business nicht gelingen, kann nicht gelingen. Zu groß sind die Ablenkungen, zu vielfach unsere Möglichkeiten. Ohne Strategie ist “Ende nie”.

Wir brauchen eine Strategie also nicht deswegen, weil im BWL-Lehrbuch steht, dass Unternehmen nun mal eine Strategie haben. Oder weil der Gründungsberater sagt, wir brauchen eine.

Wir brauchen eine Strategie für unser eigenes Seelenheil. Ohne Strategie werden wir narrisch.