Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Gute und schlechte Fehler

G

Unlängst meinte ein HR-Leiter in einem Meeting: Wenn ich etwas Neues mache und es schiefläuft ist es kein Fehler, weil ich es ja nicht wusste.

Diese Logik ist spannend, hat aber ihre Tücken. Ich würde nämlich so sagen:

  1. Wenn sich etwas, das ich getan habe, im Nachhinein als falsch herausstellt, dann war das ein Fehler. Egal, ob es unabsichtlich oder unwissentlich geschehen ist. Auch im Recht heißt es: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
  2. Aber: Fehler gehören zum Lernen dazu. Wenn wir keine Fehler machen, können wir uns (oder ein Unternehmen) nicht weiterentwickeln. Fehler helfen uns zu wachsen, auch wenn (oder gerade weil) sie unangenehm sind.
  3. Das bedeutet: Es gibt verschiedene Arten von Fehlern. Fehler, die passieren, weil man etwas Neues ausprobiert, weil man etwas wagt, sind vollkommen anders zu bewerten als Fehler, die passieren, obwohl man es längst besser wissen sollte.
  4. Es gibt also “gute” Fehler, aus denen wir was lernen können, und “schlechte” Fehler, die wir unserer natürlichen menschlichen Dummheit zu verdanken haben.
  5. Leider haben wir im Deutschen keine unterschiedlichen Worte für diese beiden grundverschiedenen Arten von Fehlern. Bei uns heißt alles Fehler, und wir machen da überhaupt keinen sprachlichen oder konzeptuellen Unterschied. Und das ist ein großes Problem. Darauf wollte der HR-Leiter wahrscheinlich hinaus.

Zusammengefasst könnte man Folgendes sagen: “Gute” Fehler sind okay, auch wenn sie im Ergebnis schmerzhaft sind. Für “gute” Fehler sollten wir uns nicht schämen, sondern sie als Geschenk begreifen, aus dem wir lernen und an dem wir wachsen können. Damit sie uns beim nächsten Mal nicht mehr passieren und wir uns auf neue “gute” Fehler konzentrieren können, die uns weiterbringen.

Jahre und Erfahrung

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Nur, weil jemand seit zehn Jahren einen Gewerbeschein angemeldet hat, heißt das nicht, dass dieser Jemand zehn Jahre Erfahrung hat als Selbständiger.

Und nur, weil jemand neu im Business ist, heißt das nicht, dass sie naiv und grün hinter den Ohren ist.

Es heißt aber auch nicht das Gegenteil. Es heißt per se gar nichts.

Wir dürfen nicht den Fehler machen, automatisch Jahre und Erfahrung gleichzusetzen.

Zufriedenheits-Business

Z

Eine meiner Hypothesen lautet, dass viele (und immer mehr) Solopreneure bewusst oder insgeheim nach einem Lifestyle Business streben.

In einem Lifestyle Businesses geht es sehr viel darum, was “genug” ist. Um erfolgreicher Lifestyle Entrepreneur zu sein, ist es wichtig ist herauszufinden, wann man zufrieden ist. Man ist quasi im “Zufriedenheit-Business”.

Das bedeutet nicht, dass man mit seinem Lifestyle Business nicht immer weiter streben kann und dass man keinen Ehrgeiz mehr haben darf. Im Gegenteil: Ich finde, wir dürfen ruhig einen ordentlichen Anspruch haben an uns selbst und in unserem Leben.

Aber es bedeutet, dass wir wissen müssen, dass der Lohn für unser Streben nicht irgendwann am Ende kommt wie im Finale einer Weltmeisterschaft. Sondern dass der Wert unseres Strebens im Streben an sich liegt, in jedem einzelnen Moment. 

Shifting gears

S

Unlängst von Arnold Schwarzenegger gelernt:

Wenn sich die Situation schlagartig ändert, weil etwas Ungeplantes passiert oder man in einer Sackgasse gelandet ist, dann heißt es, den Modus wechseln. Nicht am ursprünglichen Plan festhalten, sondern schauen, was jetzt möglich ist und was nicht. Sich neu orientieren, die Prioritäten neu ordnen und sich aufmachen auf die neue Mission.

Arnold Schwarzenegger nennt das shifting gears.

Und das ist genau das, was ich im November 2023 vor habe.

Josef Zotter

J

Ich habe höchsten Respekt vor Josef Zotters unternehmerischer Leistung. Er ist ein Visionär, der den Platz am Markt für hochqualitative und fair produzierte Schokolade gesehen hat, als ihn die meisten Anderen für einen kompletten Spinner gehalten haben.

(Und seine Schokoladen sind gut, da legst die Ohren an. Ein Traum.)

Und dennoch frage ich mich als Gründungsberater: Was können Gründer*innen von Josef Zotter wirklich lernen?

Ist es wirklich immer eine so gute Idee, mit voller Überzeugung an einer Idee festzuhalten, an die sonst niemand glaubt und auf die auch keiner gewartet hat?

Bei Josef Zotter hat es superb funktioniert. Aber auf jeden Josef Zotter kommen zwanzig andere Visionäre, denen der Markt die kalte Schulter für ihre außergewöhnliche Idee zeigt.

Coachende Haltung

C

Unlängst von Dr. Andrea Klein gelernt:

Als Hochschullehrer kann ich kein Coach für meine Studierenden sein. Das gibt die Zeit und das geben die Rahmenbedingungen nicht her.

Auch als Gründungsberater bin ich kein Coach, sondern Berater.

Aber: Ich kann in beiden Rollen, als Lehrender und als Berater, eine coachende Haltung einnehmen. Das bedeutet, dass ich einen wohlwollenden Zugang, einen freundlichen Blick und ein Interesse an der Entwicklung meiner Studierenden bzw. Gründer*innen habe.

Von einer coachenden Haltung profitieren nicht nur Studierende und Gründer*innen, sondern es macht auch für mich selbst die Arbeit menschlicher und damit wertvoller.

Angemessene Reaktion

A

Du kannst nicht alles kontrollieren in deinem Leben. Auch wenn der Manager in dir sich das so sehr wünscht.

Es geht auch gar nicht darum, alles vorherzusehen und vorauszuplanen.

Es geht darum, dass wir das Vertrauen in uns selbst entwickeln, dass wir zu jeder Zeit angemessen reagieren können werden.

Die Freude kommt nicht später

D

Leo Babauta hat 17 Tipps für Menschen zusammengetragen, die sich selbständig machen möchten.

Tipp Nummer 11 lautet: The joy doesn’t come later. Und ich denke, dass das ein sehr weiser Hinweis ist.

Viele Selbständige arbeiten auf ein bestimmtes Ziel hin. Wenn ich erst mal über 100.000 Euro Umsatz mache. Wenn ich erst mal fünf Mitarbeiter habe. Wenn ich erst mal zehn Kunden habe. Dann…

Was dann? Was ist dann anders als vorher? Oder, anders formuliert: Wenn du deinen Weg als Selbständige*r nicht jetzt schon als leiwand empfindest, dann wirst du auch nicht mehr Freude empfinden, wenn du dein vermeintliches Ziel erreicht hast.

Oder vielleicht schon, aber nur kurzfristig. Schau lieber, dass du jeden Tag Freude an deinem Tun hast, dann brauchst du nicht darauf warten, dass dir irgendwann der große Wurf gelingt.

Inkonsequent

I

Unlängst ist meiner Tochter (5) aufgefallen, dass ich mich nicht (immer) an meine eigenen Regeln halte.

Willkommen in der Welt der Erwachsenen.

Fangfragen

F

Nicht jede Frage, die nicht eindeutig zu beantworten ist oder die das Potenzial hat, uns in die Irre zu führen, ist eine Fangfrage.

Im Gegenteil: Praktisch jede wichtige Frage, die uns das Leben stellt, ist uneindeutig und potenziell irreführend.

Auf dem Weg zu unserem persönlichen Lebensglück müssen wir gut darin werden, die vermeintlichen Fangfragen des Lebens mutig zu beantworten.

Externalisierte Kosten

E

Ein Riesenproblem in der Version des Kapitalismus, die wir aktuell betreiben: Externe (oder externalisierte) Kosten.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen erzeugt und verkauft Produkte, die umweltschädlich sind, weil sie sehr schwer recyclebar sind. Dieses Unternehmen macht Gewinn mit diesen Produkten, aber die Kosten für das Recycling hängt sie der Allgemeinheit um. Dafür fühlt sich das Unternehmen nicht zuständig.

Ergo sind auch die Kosten für das Recycling nicht im Preis des Produktes inbegriffen. Der Preis des Produktes ist also “künstlich” kleiner gehalten, als er tatsächlich wäre, weil die Kosten des Recyclings “externalisiert” wurden. Sprich: Diese Kosten sind von der Öffentlichkeit (d.h. vom Steuerzahler) zu tragen.

Wir müssen uns als Gesellschaft da hin bewegen, diese externen Kosten tatsächlich in die Verkaufspreise der Produkte einzupreisen. Damit wir eine echte Kostenwahrheit haben. Damit jede*r Konsument*in erkennen kann, welches Produkt welche tatsächlichen Kosten erzeugt. Dann wären Flugreisen erheblich teurer, und bei McDonald’s gäbe es keinen einzigen billigen Burger mehr, weil die gesundheitlichen Folgekosten von Fast Food von McDonald‘s mitzutragen wären.

Die Unternehmen wären also (endlich!) in der Pflicht, sich um alle von ihnen verursachten Kosten zu kümmern, wenn sie Gewinn machen wollen.

Als Folge würden sehr bald einige besonders teure (= schädliche) Unternehmen sich vollkommen umorientieren oder ihren Betrieb einstellen müssen.

Und das wäre eine sehr gute Nachricht.

Eine gute Leistung

E

An manchen Tagen läuft’s nicht rund.

Kann sein, dass du nicht gut geschlafen hast. Kann sein, dass das Wetter mitspielt. Kann sein, dass dich andere Menschen irritieren. Was auch immer, ist eigentlich egal.

An solchen Tagen ist es schon eine gute Leistung, seine Aufgaben professionell über die Bühne zu bringen und dafür zu sorgen, dass die Karre nicht vollkommen auseinanderfliegt.

Für diese gute Leistung darfst du dir auch an solchen miesen Tagen auf die Schulter klopfen.

Personalverrechnung

P

Im Sommer hatte ich heuer erstmals eine Ferialpraktikantin.

War eh super, aber womit ich nicht gerechnet habe: Wie viel Verwaltungsaufwand ich mir damit ins Haus geholt habe. Wie viele verschiedene Meldungen an die Sozialversicherungen ich abgeben muss. Welche Fristen ich dabei einhalten sollte. Und prompt habe ich eine Frist versäumt.

Mag schon sein, man beim ersten Mal eben Fehler macht und dass ich mich in Zukunft leichter tun würde mit den administrativen To Dos.

Aber ich lerne eher daraus: Ich werde es mir in Zukunft zweimal überlegen, ob ich mir nochmal eine Ferialpraktikantin leisten möchte.

Und wahrscheinlich geht es unzähligen anderen Ein-Personen-Unternehmen ganz gleich wie mir.

Wasser predigen, Wein trinken

W

Es ist eine Sache, Dinge gut erklären zu können. Gut lehren zu können.

Und es ist eine vollkommen andere Sache, diese Dinge auch wirklich selber immer konsequent anzuwenden.

Vergiss daher nie: Auch deine besten Lehrer sind nur Menschen – und damit genauso fehlbar wie du.

Nichts Neues gelernt

N

Es kann sein, dass du in dem Kurs heute gar nichts Neues lernst.

Sondern dass das, was du intuitiv eh schon weißt, in Worte gefasst wird.

Das macht den Kurs nicht weniger wertvoll.

Voicebot-Beratung

V

Die Wirtschaftskammer Wien plant, ab Juli 2024 einen Voicebot für Erstauskünfte in der Gründungsberatung einzusetzen.

Damit soll das Service der WKW “revolutioniert” werden.

Was mir dazu spontan einfällt:

  1. Angekündigte Revolutionen finden selten statt.
  2. Nicht jede Revolution ist auch eine Verbesserung.

Aber ich bin schon sehr gespannt, und ich würde mich ehrlich freuen, wenn der Voicebot tatsächlich dazu beitragen würde, dass Gründer*innen in Österreich besseren Zugang zu den richtigen (und v.a. relevanten) Informationen bekommt.

Verletzlich bleiben

V

Niemand ist gern unsicher, und kaum jemandem taugt es, sich in eine Situation zu begeben, dessen Ausgang ungewiss ist. Weder bei den großen noch bei dein kleinen Dingen des Lebens.

Eine Taktik, mit Unsicherheit und Ungewissheit umzugehen, ist sich abzuschotten. Dem Außen gegenüber hart zu werden und einen Schutzpanzer zu errichten. Nach dem Motto: Was ich nicht an mich heranlasse, das kann mich auch nicht verletzen.

Dabei ist genau diese Taktik der schlechteste Weg, mit unserer Verletzlichkeit umzugehen. Indem wir verletzlich bleiben und uns diese Verletzlichkeit auch erlauben, schützen wir uns am besten vor Schmerz.

Das mag vollkommen paradox klingen. Aber: Probier’s einfach mal aus. Wirst schon sehen spüren.

Nimm dir Zeit zum Verkaufen

N

Wenn du dir schon so viel Zeit nimmst für deine Social-Media-Posts. Wenn du dir schon so viel Mühe gibst bei deinem Podcast. Wenn du schon bei jedem Webinar eine Stunde lang wirklich guten Content hergibst.

Dann nimm dir auch die Zeit, über diese Plattformen zu verkaufen.

Sprich über dein Angebot. Sprich darüber, wie man mit dir zusammenarbeiten kann. Mach dein Angebot attraktiv und schmackhaft.

Es gibt nur zwei Gründe, warum du darauf verzichten kannst:

  1. Du hast eh schon mehr als genügend Kund*innen bzw. Aufträge.
  2. Du willst gar kein Business haben, sondern ein Hobby.

Aber ansonsten gilt: Verkaufen ist im Lieferumfang eines Lifestyle Business einfach dabei.

Also nimm dir auch die Zeit dafür, verdammtnochmal.

Mein Vorbild

M

Oft weiß man erst zu schätzen, wie viel eine Person geleistet hat, wenn man selber versucht, diesen Job zu erledigen.

Daher, zum Geburtstag: Danke für alles, Vati. Du warst und bist großartig!

Achtung: Verwechslungsgefahr!

A

Gründer*innen tun sich oft schwer damit, folgendes auseinanderzuhalten:

  1. Das objektive Risiko
  2. Die subjektive Angst

Das ist nämlich praktisch niemals das Gleiche. Und so fürchten sie sich vor Dingen, die objektiv ein ganz geringes Risiko haben, dass sie überhaupt jemals eintreten. Und sie ignorieren völlig die größten Risikofaktoren in ihrem Business, gegen die sie sofort etwas unternehmen könnten.

Es ist eigentlich verrückt. Aber wir können besser darin werden zu unterscheiden.

Wir können es lernen.