Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Teure Fehler

T

Es kommt öfter vor, dass wir eine Situation falsch einschätzen.

Eine Variante davon (und die ist gar nicht so selten): Wir überschätzen unsere Fähigkeiten. Wir glauben, dass wir kompetenter sind, als wir glauben. Wir glauben, dass das ja nicht so schwer sein kann und wir das sicher auch selbst hinbekommen. Wir glauben, dass wir den Experten nicht brauchen. Ist ja nur unnötig teuer.

Voll Energie stürzen wir uns dann ins Projekt. Und dann passiert es, dass wir irgendwann (eher spät, oft einen Tick zu spät) drauf kommen: Moment mal, so leicht ist das ja doch nicht. Das ist viel anstrengender, als es aussieht.

Und dann holen wir uns doch noch den Profi. Weil wir das Projekt in den Graben gefahren haben. Und der Profi hat jetzt mehr Arbeit mit unserer “Vorarbeit”, als wenn er es gleich selbst gemacht hätte. Und für uns wird die geplante Kostenersparnis zu einem teuren Fehler.

“Learnings sind super, aber die Kostenseite nervt”, meinte unlängst ein Kollege von mir dazu.

Eine super Zusammenfassung. Wenn wir halt auch wirklich was lernen würden aus unseren teuren Fehlern…

Reife

R

Unlängst habe ich mit einer Gründerin über die Reife gesprochen, die man nach ein paar Jahren in der Selbständigkeit bekommt.

Es ist eine unternehmerische Reife, weil man lernt, wie man mit den Herausforderungen umgeht. Mit unterschiedlichen Auslastungsgraden. Mit unregelmäßigem Cash-Flow. Mit anstrengenden Kunden. Mit ersten Mitarbeiterinnen, die nicht das bringen, was man erhofft hatte.

Mit dieser unternehmerischen Reife geht im besten Fall auch eine persönliche emotionale Reifung einher.

Wer als Unternehmer*in wächst, wächst auch als Mensch.

Sauhaufen

S

“Es ist halt ein Sauhaufen”, meine unlängst ein Gründer zu mir auf die Frage, wie’s ihm denn so geht mit der Vorbereitung seines Launches.

Ich denke, auf viel mehr können wir in einem Lifestyle Business auch nicht hoffen. Die totale Ordnung, die vollkommene Klarheit, alles wohlig aufgeräumt und an seinem Platz… das wird nie eintreten.

Wir haben jeden Tag viel zu viele Ideen. Wir haben viel zu viele Gedanken, die wir nicht zu Ende denken und im besten Fall irgendwann wieder aufnehmen. Oder auch nicht. Ein Schritt vor und zwei zurück.

Und doch kommen wir voran. Nicht so schnell und nicht so geradlinig, wie wir gerne hätten. Aber auf unsere ganz eigene Art machen wir Fortschritt.

Darauf können wir uns verlassen, und darin dürfen wir Mut und Zuversicht finden.

Noch ein Kind

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Scott Galloway sagt, ein eigenes Business ist wie (noch) ein Kind zu haben:

It disappoints you, it delights you.

Gegen die Wurstigkeit!

G

Es macht schon einen Riesenunterschied, wenn dir als Unternehmer*in deine Kund*innen nicht wurst sind.

Wenn du dich ein bisschen für sie interessierst, wenn du ihnen mit echtem Interesse begegnest, wenn du ein bisschen freundlich zu ihnen bist… dann bist du eh schon der Kaiser!

Das scheinbar Selbstverständliche ist alles andere als selbstverständlich.

Schade, aber auch eine Riesenchance für Unternehmer*innen mit einem guten Herz.

Nicht schnell genug

N

Den allermeisten Gründer*innen geht es viel zu langsam – mit dem geschäftlichen Erfolg, mit dem Umsatzwachstum, mit den Followern und so weiter.

Aber: Geschäftserfolg ist keine Bestellung bei Lieferando. Das dürfen wir nicht vergessen.

Verschiedene Müllsammlungen

V

Wenn ich den Müll aus unserer Wohnung raus bringe, dann sammle ich die Säcke und Kübel im Vorraum. In unserer Wohnung.

Wenn unsere Nachbarn den Müll aus ihrer Wohnung rausbringen, dann sammeln sie die Säcke im Stiegenhaus. Außerhalb ihrer Wohnung.

Ich stelle den Müll herinnen zusammen, weil ich mir denke, dass mein Müll meine Nachbarn nichts angeht.

Meine Nachbarn stellen ihren Müll draußen zusammen, weil sie sich denken (glaube ich): Hauptsache, der Müll ist mal draußen aus unserer Wohnung.

Im Prinzip ist es ja egal, ob man es so macht oder so. Gibt ja kein Richtig oder Falsch.

Aber man sieht: Selbst solche scheinbar banalen Dinge des täglichen Lebens sind Werte-getrieben.

Unsere Werte schlagen überall durch.

Wie die Hunde

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Es kann sein, dass uns Menschen Abschiede leichter fallen würden, wenn wir uns verabschiedeten wie Hunde.

Weil: Hunde verabschieden sich nicht. Sie freuen sich, wenn jemand kommt, aber sie sagen nicht tschüss. Sie gehen einfach weiter.

[Danke Oliver Kimmel für diesen Hinweis.]

Verstehenshypothesen

V

Unlängst habe ich einen spannenden Begriff aus der Psychotherapie kennengelernt: Verstehenshypothesen.

Wenn eine Psychotherapeutin ihren Klient*innen zuhört, dann tut sie das möglichst unvoreingenommen, vorurteilsfrei und wertungsfrei.

Und dennoch kann sie sich nicht dagegen wehren, sich insgeheim einen Reim auf das zu machen, was ihre Klient*innen ihr da so alles erzählen. Dass sie sich insgeheim denkt: Ah, jetzt verstehe ich langsam, was da eigentlich läuft.

Mit der Zeit bilden sich also bei der Psychotherapeutin so genannte Verstehenshypothesen heraus. Diese kann die Therapeutin gegenüber ihren Klient*innen offen aussprechen oder nicht, aber auf jeden Fall helfen sie ihr dabei, Licht ins Dunkel zu bringen.

Besonders mag ich an diesem Konzept den Namen: Es sind und bleiben Verstehens-Hypothesen. Therapeut*innen maßen sich nie an zu glauben, dass sie die alleingültige Wahrheit kennen.

Daran können wir Unternehmensberater*innen gerne mal ein Beispiel nehmen.

Wintersemester 2023

W

Heute beginnt mein Wintersemester 2023/24 mit der ersten Einheit der LV “Einführung in Betriebswirtschaft & Accounting” an der Fachhochschule St. Pölten.

Ich freue mich auf dieses Semester. Auf die vielen neuen Studierenden, die mit großer Motivation in ihr Studium starten und die ich im Laufe dieses Studienjahres ein bisschen besser kennenlernen darf.

Ich freue mich auf alles, was ich als Lehrender von meinen Studierenden lernen werde.

Und ich freue mich darauf zu wissen und zu erleben, dass ich sinnvolle Arbeit leiste.

Eric Clapton steigt aus

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Als Eric Clapton bei den Yardbirds ausstieg, dachte er, ohne ihn würde es die Band zerreißen. Schließlich war er einer der besten Gitarristen der damaligen Zeit.

Die Yardbirds hat es aber nicht zerrissen. Im Gegenteil: Sie haben Jeff Beck engagiert und waren mit ihm erfolgreicher als mit Clapton.

Egal, wie gut du bist: Bilde dir nie ein, dass eine Organisation nicht ohne dich auskommt. Kurzfristig mag der Schmerz zwar groß sein, aber die Organisation wird es überleben.

Und mitunter geht es ihr ohne dich sogar besser.

Subventionen

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Wenn du regelmäßig zu niedrige Preise verlangst, dann ist das, wie wenn du mit deinem Geld die Unternehmen deiner Kund*innen subventionierst.

Bist du dir sicher, dass du das willst?

[Danke Maggie Patterson für diesen Blickwinkel.]

Nicht nachlassen

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Am Ende eines Projekts, am Ende eines Auftrags, am Ende einer Beziehung… Wenn man weiß, dass es keine Verlängerung geben wird, dass das Ende endgültig ist und dass sich die Zukunft anderswo abspielt…

Dann ist es herausfordernd, den Schlendrian nicht einreißen zu lassen und alles noch professionell zu Ende zu bringen.

Profis lassen nicht nach, auch wenn sie bereits mit einem Fuß aus der Tür sind.

Hochpreis-Strategie

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Hochpreis-Strategie? Von mir aus. 

Aber vergiss nicht: Kein Kunde der Welt möchte sich veräppelt fühlen!

Eine Hochpreis-Strategie braucht viel, viel Nachdenken, einen extrem hohen Wert und ein sehr, sehr gutes Konzept.

Fata Morgana

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Egal, wie es auf Social Media aussieht:

Das Business läuft bei niemandem so glatt, wie es vielleicht aussieht.

Wunschträume

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Meine Tochter (5) hat mir heute von ihrem aktuell größtem Wunschtraum erzählt: Ein Haus mit Garten zu kaufen, um dann einen Hund zu haben.

Das rationale erwachsene Papa-Ich hat daraufhin gemeint, dass die Sache aus meiner Sicht wahrscheinlich so bald nichts werden wird.

Daraufhin hat mir meine Tochter etwas ganz Wichtiges gesagt, das ich nie vergessen sollte:

“Du kannst es nicht wissen, Papa!”

Marketing verlernen

M

Wenn Gründer*innen mit dem Marketing für ihre Angebote starten wollen, ist häufig der erste Schritt, dass sie zuerst mal alles vergessen, was sie über Marketing zu wissen glauben.

Weil das, was sie bisher als Marketing kennengelernt haben, ist meistens wenig hilfreich für die eigene Inszenierung und Vermittlung ihrer eigenen Angebote.

Dafür haben Gründer*innen die einzigartige Chance, mit unvoreingenommenem Blick auf der grünen Wiese den einfachsten Marketingplan der Welt zu entwickeln.

Keine Schuld

K

Eine der letzten Fragen, die sich die meisten Menschen stellen, wenn etwas schief gegangen ist:

“Was hätte ich anders machen können?”

Unrund

U

Das ist wohl eine passende Beschreibung für das Meiste im Leben.

Das ganze Leben ist unrund.

It’s not a bug, it’s a feature.