Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Unproduktiv (Freewriting XVII)

U

Unlängst war ich in einem Meeting, das war vollkommen unproduktiv. Zwei Dutzend Menschen, mehrere Stunden, alles für A und F.

Die Tragik dabei: Das war ein Desaster mit Ansage. Es war abzusehen. Das Ziel des Meetings war nicht klar, und die Ergebnisse hatten von vorn herein keine Chance auf Umsetzung.

Noch trauriger: Das war eigentlich allen Beteiligten klar. Aber keiner hat‘s offen ausgesprochen. Ein reines Theater. Ein Popanz.

Ich habe in diesem Meeting gelitten, körperlich. Ich habe mir so viele Kommentare verbissen, weil‘s eh nichts gebracht hätte. Danach war ich vollkommen fertig, als hätte ich schwer körperlich gearbeitet.

An diesem Tag habe ich für mich beschlossen: Ich will und werde nie mehr in meinem Leben in so einem Meeting sein.

Systemfehler (Freewriting XVI)

S

Unlängst war ich in einer Kinderarzt-Praxis. Die kleinen Patientinnen und Patienten konnten nicht behandelt werden, weil die Software ausgefallen war. Weinende Kinder im Warteraum, angespannte Eltern und hilfloses Personal war die Folge. Vollkommene Machtlosigkeit.

Später, selber Tag: Lange Wartezeiten am Bahnhof Mödling, massig Zugausfälle. Niemand wusste, wann und mit welchem Zug es weitergehen würde. Ob heute überhaupt noch was weitergehen würde. Genervte Pendler, verspätete Verabredete, hilfloses Zugpersonal. Vollkommene Machtlosigkeit.

Systeme sind großartig — solange sie funktionieren. Tritt ein Fehler im System auf, sind wir sehr schnell sehr aufgeschmissen.

Einen schönen Tag (Freewriting XV)

E

Gestern war ich frühmorgens bei unserem BILLA einkaufen. Nach dem Zahlen habe ich der Dame an der Kassa einen schönen Tag gewünscht. Ihre Antwort: “Ja, hoffentlich vergeht er schnell.”

Ich war ganz perplex und habe gar nicht gewusst, was ich darauf sagen soll. Weil: Mir ist so ein Gedanke völlig fremd (geworden). Meine Tage können gar nicht lang genug dauern. Ich habe so vieles, auf das ich mich jeden Tag freue – und ja, auch auf meine Arbeit.

Mir tut diese Frau (und wahrscheinlich tausende Menschen in Österreich) echt leid. Was ist das denn für ein Leben, wenn man an jedem Tag hofft, dass er möglichst schnell vorbei geht? Am Ende so eines Lebens wird man zurückblicken auf sehr viele Tage, an denen man nicht wirklich gelebt hat.

Mir ist schon klar, dass das die Lebensrealität von ganz vielen Menschen ist. Aber es ist eine traurige Realität, die mir heute seit langem wieder mal deutlich geworden ist.

Ich hatte nämlich völlig vergessen, dass es nicht allen Menschen so gut geht wie mir. Oder, in aller Bescheidenheit und Demut anders ausgedrückt: Dass ich einige mutige Entscheidungen in meinem Leben getroffen habe und sich das jetzt auch auszahlt.

Barmherzigkeit (Freewriting XIV)

B

Unlängst habe ich im UGP das Wort “Erbarmen” gebraucht im Zusammenhang mit einer Beratungssituation. Ein Kollege meinte dann, dass die Worte “Erbarmen” und “Barmherzigkeit” sehr schöne Worte sind, die man wahrscheinlich zu wenig liest und hört und fühlt.

Er hat recht. Barmherzigkeit ist wohl eines der edelsten Geschenke, die man einem Mitmenschen machen kann. Barmherzigkeit im Großen, aber noch viel mehr in den vielen kleinen Dingen des Alltags.

Der Begriff Barmherzigkeit ist religiös aufgeladen. Wahrscheinlich wird er deswegen heute so selten verwendet. Aber das “Konzept” dahinter ist aktueller denn je.

Barmherzig zu sein, bedeutet für mich, einen Menschen mit all seinen Schwächen und Verfehlungen zu sehen und ihm trotzdem in seiner Not zu helfen. Barmherzigkeit bedeutet anzuerkennen, dass wir alle im selben Boot sitzen und die Not des Anderen auch meine eigene Not sein könnte.

Wie schön könnte die Welt sein, wenn Barmherzigkeit unser default mode in unserem Umgang miteinander wäre! Der Himmel auf Erden.

Polizeiautos (Freewriting XIII)

P

Heute habe ich im Kopierkammerl aus dem Fenster rausgeschaut und ein Polizeiauto vorbeifahren gesehen. Es war ein Skoda. Und da kam mir spontan der Gedanke: Das hätte sich vor 30 Jahren wohl niemand vorstellen können, dass die österreichische Polizei mal mit tschechischen Autos fahren würde.

Überhaupt sind die Dinge besonders spannend, die sich irgendwann mal niemand hätte vorstellen können und dann mit der Zeit ganz normal geworden sind. Nämlich so normal, dass man ganz vergisst, wie groß die Veränderung eigentlich ist, die zu dieser “neuen Normalität” geführt hat.

Es lohnt sich also – besonders für alle Unternehmer*innen –, heute an all die fantastischen Ideen zu glauben, die morgen völlig normal sein werden, aber sich heute noch niemand vorstellen kann.

2053, in 30 Jahren, wird es das Normalste der Welt sein.

Unzureichend (Freewriting XII)

U

Es gibt diese Momente, an denen ich weiß, dass das, was ich gerade tue, nicht gut genug ist. Dass ich gerne mehr tun würde — aber es geht halt gerade nicht.

Besonders schmerzvoll sind diese Momente, wenn sie Menschen betreffen, die ich liebe. Wenn ich gerne mehr sagen oder tun würde, aber nicht mehr zusammenbringe. Wenn ich einer schwierigen Situation lieber aus dem Weg gehe, statt zu tun, was notwendig ist.

Ich versuche, in diesen Momenten nicht zu streng mit mir zu sein. Ich bin auch nur ein Mensch, und das Leben ist kompliziert.

Und gleichzeitig sind es diese Momente, die mir meine eigenen Grenzen und Schwächen so unbarmherzig vor Augen führen, dass meine Energie dahinschmilzt wie Eis in der Sonne.

Ich tue immer mein Bestes, aber an manchen Tagen ist mein Bestes verdammt wenig.

Im Alter (Freewriting XI)

I

Mein Schwiegervater wird heuer 88 Jahre alt.

Er hört schon sehr schlecht, und sein Gedächtnis ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Und so kommt es vor, dass er immer wieder von den gleichen Dingen spricht. Seine Lieblingsthemen.

Heute habe ich mal genauer hingehört, was denn die Themen eigentlich sind, die ihm besonders wichtig sind:

  1. Die Arbeit. Dass man “einen Posten” hat, der möglichst sicher ist. Weil sich heutzutage, so meint er, viele Menschen schwer tun, einen guten Job zu bekommen und zu behalten.
  2. Die Familie. Er hat jedes Mal eine Riesenfreude, wenn seine Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder da sind. Es erfüllt ihn mit Stolz, seine Familie zu sehen, seine Nachkommen.
  3. Der Charakter von Menschen. Dass manche Menschen neidisch sind. Dass manche Menschen unehrlich sind. Dass er mit seinen Chefs immer gut ausgekommen ist. Dass er froh ist, unproblematische Nachbarn zu haben.
  4. Seine Frau. Wie froh er ist, dass er sie hat, und wie gut sie sich um ihn kümmert.
  5. Seine Tochter. Wie fleißig sie ist, und dass sie ein guter Mensch ist.

Gut möglich, dass ich in 45 Jahren über die vollkommen gleichen Dinge reden werde.

Die Zahlen im Griff? (Freewriting X)

D

Solopreneure und ihr Finanzmanagement ist ein leidiges Thema.

Zum einen ist es so, dass sich viele Solopreneure praktisch nicht um ihre Finanzen kümmern. Solange genug Geld am Konto ist, ist doch alles in Ordnung, oder? Das gilt insbesondere auch für Gründer*innen. Die wollen am Anfang oft gar nicht so genau wissen, wie viel Umsatz sie eigentlich machen müssten, um gut von ihrer Geschäftsidee leben zu können. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß – und kann mich im worst case auch nicht enttäuschen, wenn ich es nicht erreiche. Erfolglos, aber ich weiß es nicht.

Zum anderen ist es so, dass gerade Solopreneure eigentlich Experten sein müssten in Sachen Finanzmanagement. Kaum vorstellbar, dass irgendein größeres Unternehmen so schlecht mit seinen Zahlen umgehen würde wie der durchschnittliche Solopreneur. Dabei ist ein Solo-Business eine Riesenherausfoderung, für die es das beste Finanzmanagement bräuchte, das es überhaupt nur gibt!

Und mir selbst geht es ja nicht viel anders. Meist habe ich bestenfalls ein ungefähres Gefühl für die Zahlen in meinem Business. Von einem regelmäßigen Controlling mit klaren Kennzahlen kann ich wohl kaum sprechen.

Bis jetzt. Ab heute ändert sich das.

Wie Erwachsene (Freewriting IX)

W

Obwohl wir im Business alle Erwachsene sind, benehmen wir uns oft nicht so.

Woran erkennt man Erwachsene?

  1. Sie übernehmen Verantwortung für das, was sie tun.
  2. Sie geben Versprechen und halten sie ein.
  3. Sie übernehmen auch Verantwortung für ihre Fehler und versuchen nicht, sich bei anderen abzuputzen.
  4. Sie gehen unangenehmen Gesprächen nicht aus dem Weg, sondern sagen, was gesagt werden muss.
  5. Sie handeln integer. Das heißt, sie haben einen Wertekompass, an den sie sich auch dann halten, wenn es unbequem ist.
  6. Sie ändern ihre Meinung, wenn sie etwas Neues gelernt und erkannt haben, dass sie unrecht hatten.
  7. Sie bitten um Entschuldigung.
  8. Sie streichen nicht beim ersten Gegenwind die Segel.
  9. Sie wissen, wofür es sich zu streiten lohnt und wofür nicht.
  10. Sie wollen nicht recht haben, sondern sind an der Wahrheit interessiert.
  11. Sie können mit Sunk Cost umgehen.
  12. Sie lassen ihre Entscheidungen nicht von ihrem Ego leiten.
  13. Sie bleiben auch in Unsicherheit und Zweifel handlungsfähig.
  14. Sie können durch ihre Angst hindurchgehen.
  15. Sie führen Gespräche auf Augenhöhe und hören zu.

Es würde uns allen gut tun, wenn wir uns öfter wie Erwachsene begegnen würden.

Professionell (Freewriting VIII)

P

Unlängst hat sich Philipp Maderthaner in einer Podcast-Folge mit der Frage beschäftigt, ob man als Unternehmer bzw. Unternehmen auf Social Media sein muss.

Einen Aspekt seiner Antwort fand ich besonders interessant. Er meinte, dass man sich bei der Frage, ob Social Media oder nicht, um eine professionelle Auseinandersetzung bemühen sollte. Ja, er hat sogar gesagt, er erwartet von einem Unternehmer, dass er sich professionell mit dieser Frage auseinandersetzt.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang professionell? Es bedeutet, dass wir uns nicht von unserer privaten Meinung leiten lassen oder von unseren persönlichen Vorlieben ausgehen. Es ist völlig unerheblich, ob wir privat Facebook, Twitter, Insta etc. mögen oder nicht. Eine professionelle Haltung sieht sich z.B.. Facebook völlig umemotional an und fragt: Wie kann Facebook mir helfen, mein Unternehmen zum Erfolg zu bringen?

Gerade wir Solopreneure tappen häufig in die Falle, dass wir unsere privaten Meinungen unreflektiert in unser Business übertragen. Aber da sollten wir wirklich aufpassen, weil wir uns dadurch mitunter Chancen vergeben.

Private Meinungen und Intuitionen haben ihren Platz, gar keine Frage. Aber sie sollten nicht das einzige Kriterium sein, wenn wir unternehmerische Entscheidungen treffen.

Angehalten (Freewriting VII)

A

Ein häufiges Problem in Ein-Personen-Unternehmen: Alles steht und fällt mit dem Aktivitätsgrad der Unternehmerin bzw. des Unternehmers. Oder, wie es eine befreundete Unternehmerin ausgedrückt hat: When I stop, everything stops.

Solange alles gut bei uns läuft, solange wir ausgeschlafen, ausgeglichen und gesund sind, geht’s auch unserem Business gut. Da geht richtig was weiter. Aber sobald etwas ein bisschen aus dem Ruder läuft, sobald wir ein paar Tage lang krank sind (oder die Kinder!) oder wenn ein familiärer Notfall dazwischen kommt, steht die Mühle. Weil einfach alles auf Kante genäht ist in unseren EPU und wir kaum Puffer oder Backup haben.

Dabei sagt uns ja die Erfahrung, dass außerplanmäßige Ereignisse nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind. Eigentlich müssten wir es ja besser wissen, und doch treffen wir kaum Vorkehrungen für den Fall, dass unser Business auch mal ohne uns laufen muss. Weil wenn wir aktiv sind, dann ist ja eh alles in bester Ordnung. Und wenn wir dann doch mal wieder ausfallen, dann nehmen wir und ganz fest vor, jetzt aber wirklich bald was zu unternehmen, endlich zu automatisieren und auszulagern usw.

Und dann…

Bitte Geduld! (Freewriting VI)

B

Eine der Konsequenzen, dass ich eben bin, wie ich bin, ist, dass ich nicht gerade sehr spontan bin in der Umsetzung.

Man könnte auch sagen: Bei mir dauert alles ziemlich lange. Weil ich gerne lange nachdenke. Weil ich nicht sehr spontan bin. Weil ich nicht einfach mal was ausprobiere, ohne lang zu überlegen. Weil ich mir viele Gedanken und auch Sorgen mache, bevor ich aktiv werde. Darauf bin ich nicht stolz, aber was soll ich machen.

Mitunter führt das bei Menschen in meiner Umgebung zu Frust. Meine Frau kann davon ein Lied singen, aber auch der eine oder die andere Geschäftspartner*in. Bis bei mir einmal was weitergeht!

Was dann halt immer auch ist: Dass mein mangelnder Umsatzdrang mit fehlendem Interesse gleichgesetzt wird. Nach dem Motto: Wenn Günter wirklich wollte, dann würde er doch längst. Aber das stimmt nicht. Nur, weil ich (noch) nicht tue, heißt das nicht, dass ich niemals tun werde. Es dauert halt nur sehr, sehr lang.

Aber am Ende habe ich noch jede Idee, die ich für wirklich gut befunden habe, umgesetzt.

Habt Geduld mit mir!

Siegesfeier (Freewriting V)

S

Gestern war ich live dabei, als meine Mannschaft, die Admira, den Worst Case abgewendet hat und im letzten Spiel gegen den direkten Konkurrenten den Klassenerhalt geschafft hat.

Das Spiel selbst war weitestgehend furchtbar, aber das Ergebnis hat gepasst. Ende gut, alles gut, könnte man sagen. Und entsprechend ausgelassen war auch die Siegesfeier nach Schlusspfiff.

Nun kann man natürlich sagen: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. An dem Tag wurde das gesteckte Ziel erreicht, und deshalb darf man auch feiern. Bei der Mannschaft, bei den Fans, im ganzen Verein war die Erleichterung riesengroß.

Andererseits denke ich mir: Was genau feiern wir denn da? Dass eine Saison nicht in der absoluten Katastrophe geendet hat, sondern nur in einer ziemlich großen? Dass es bis zum letzten Spieltag gedauert hat, den Klassenerhalt zu sichern? Dass die Mannschaft trotz wenig überzeugender Leistung immerhin gewonnen hat?

Setzen wir einen Haken unter diese Saison. Die Katastrophe ist nicht eingetreten, Schwamm drüber.

Aber in der nächsten Saison hätte ich gerne wieder echte Gründe zum Feiern.

Ganz wenige (Freewriting IV)

G

Wie viele Menschen gibt es da draußen, mit denen du wirklich tiefgehende Gespräche führen kannst?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du das Gefühl hast, dass du tatsächlich über das sprichst, worum es im Leben wirklich geht?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo es im Gespräch nicht darum geht, recht zu haben oder gescheiter zu sein als der andere, sondern darum, gemeinsam einen Gedanken zu entwickeln und gemeinsam schlauer zu werden?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du dich auf das Gespräch schon lange vorher freust?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du sofort mitten im Gespräch einsteigen kannst, auch wenn ihr euch schon Monate lang nicht mehr gesehen habt?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du nach dem Gespräch mehr Energie hast als davor?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du das Gefühl hast, du wirst gehört, gesehen und verstanden?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du es wirklich schade finden würdest, wenn das Gespräch, das du gerade mit ihnen führst, das letzte Gespräch mit ihnen wäre?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, denen es mit dir ganz genauso geht wie dir mit ihnen?

Ich weiß es nicht. Aber ich vermute mal, es sind ganz, ganz wenige. Diese Menschen sind ein Segen, ein Geschenk des Himmels.

Und dieses Geschenk sollten wir hüten wie unseren Augapfel.

Bluatschink (Freewriting III)

B

Gestern war ich bei einem Konzert von Bluatschink. Einem Familienkonzert. Was zum Mitmachen, für Kinder und Erwachsene. Solche Sachen stehen immer in dem Verdacht, ein bisschen peinlich weil All-Inclusive-Animationsprogramm-mäßig zu sein, aber das war es nicht. Das Konzert hat uns allen vieren gefallen. Es war kurzweilig, lustig und im besten Sinn unterhaltsam.

Was mir aus meiner Gründungsberater-Brille aufgefallen ist: Toni Knittel, der Mastermind von Bluatschink, ist ein geschickter Marketer. Sehr charmant und gänzlich unaufdringlich, aber gleichzeitig auch sehr konsequent hat er immer wieder dazugesagt, wo Bluatschink demnächst wieder in der Nähe auftreten wird. Welche Musicals von ihnen gerade wo aufgeführt werden. Welche Goodies sie zum Kaufen mitgebracht haben.

Na klar. Wie soll denn das zufriedene Publikum wiederkommen, wenn es nicht weiß, wann es dazu die nächste Gelegenheit gibt? Wie sollen die Mamas und Papas wissen, wie sie ihren begeisterten Kindern eine Freude machen können, wenn sie niemals erfahren, dass es nach dem Konzert auch Bücher und CDs und DVDs zu kaufen gibt?

Derek Sivers hat mal gesagt, dass Marketing die letzte Ausformung eines Kunstwerks ist. Dass das gute Marketing zum Kunstwerk dazugehört, nicht ein Anhängsel ist.

Toni Knittel hat das verstanden.

Viel zu viel vor (Freewriting II)

V

Heute war wieder (mal) so ein Tag, an dem ich viel mehr vor hatte, als ich geschafft habe.

Nicht, dass mich das überraschend treffen würde. Im Prinzip war mir schon heute Morgen klar, dass sich all die Dinge, die ich auf meine To-Do-Liste gesetzt habe, niemals ausgehen können. Völlig illusorisch. Und doch habe ich keine Aufgaben gestrichen, sondern bin nach dem Prinzip Hoffnung vorgegangen: Irgendwie könnte es ja doch sein, dass sich irgendwie doch irgendwie alles irgendwie ausgehen könnte. Wunder gescheh’n.

Natürlich ist kein Wunder eingetreten, wie soll es auch. Ich hätte zwei, ach, was sage ich… ich hätte drei bis vier Wunder gebraucht. Und so kam alles, wie es kommen musste: Am Ende des Tages stehe ich vor einer nahezu unerledigten Aufgabenliste.

Was ich mich jetzt frage: Wenn mir das ohnehin schon in der Früh klar war, dass dieses Ergebnis am Abend rauskommen würde… Wieso hatte ich dann nicht den Mut anzuerkennen, was Sache ist und gleich die richtigen Konsequenzen zu ziehen? Gleich von Anfang an Aufgaben zu verschieben oder (noch besser!) zu streichen? Warum überfrachte ich meinen Tag mit Aufgaben, obwohl ich weiß, dass diese Taktik noch nie zum Erfolg geführt hat. Noch nie!

Ist es wirklich mein unerschütterlicher Glaube an die kleinen Wunder des Lebens, oder lüge ich mich hier regelmäßig selbst an?

Zu zweit gründen (Freewriting I)

Z

Es hat viele Vorteile, als Solopreneur zu gründen. Sich also allein auf den Weg in die Selbständigkeit zu machen. Zuallererst, aus meiner Sicht, dass man keine Kompromisse eingehen braucht und wirklich seine Gründungsidee so umsetzten kann, wie man sie sich vorgestellt oder erträumt hat. Man muss sich nach niemandem richten, braucht sich kein Einverständnis abholen, braucht niemanden um Erlaubnis zu fragen.

Wahrscheinlich ist die Sehnsucht, sich mit der eigenen Selbständigkeit auch ein großes Stück Freiheit zu “erkaufen”, genau mit diesem Gedankengang verbunden: Alleine gründen = maximal mögliche Freiheit.

Allerdings komme ich in der letzten Zeit immer mehr drauf, dass diese Gleichung möglicherweise nicht stimmt. Mitunter ist eine Gründung zu zweit der bessere Weg in die Selbständigkeit und paradoxerweise auch zu mehr Freiheit.

Ja, eine Gründung mit einem Mitgründer oder einer Mitgründern braucht mehr Abstimmung, und da und dort wird es auch Kompromisse brauchen. Aber dafür eröffnen sich durch die Zusammenarbeit Freiheitsräume, die als Solo-Selbständiger einfach nicht da wären. Es ist eine andere Form der Freiheit, die durch eine Gründung zu zweit möglich wird. Nicht besser oder schlechter, nicht einfacher oder komplizierter, sondern schlicht anders.

Womöglich lohnt es sich also, sich zumindest den Gedanken zu erlauben, ob eine Partnerschaft auf dem Weg zur maximalen individuellen Freiheit nicht sogar der bessere Zugang ist.

Freewriting-Experiment

F

Ein Experiment, das ich im Juni 2023 hier im Blog versuchen möchte und zu dem mich Alison Jones’ Buch Exploratory Writing inspiriert hat:

Ich werde einen Monat lang, also im Juni 2023, jeden Tag eine 6-Minuten-Freewriting-Session machen – und das Ergebnis ungekürzt, unbearbeitet und ungefiltert als Blogpost veröffentlichen. Ungekünstelt aufschreiben, was mir gerade durch den Kopf geht – zu einem bestimmten Thema, oder zu meinen täglichen Erfahrungen. Quasi wie ein Working Out Loud: Jede*r kann mir beim Denken zusehen. The good, the bad and the ugly.

Das ist insofern ein aufregender Gedanke, als es mich aus meiner Komfortzone herausholt, die ich mir in vier Jahren Daily Blogging geschaffen habe. Ich habe nämlich keine Ahnung, ob beim Freewriting irgendetwas auch nur halbwegs Interessantes herauskommt. Aber das zu erfahren, ist ja Sinn der Übung.

Mal sehen, wo uns dieses Experiment bis zum 30. Juni hinführen wird…

Im Namen des Kindes

I

Ich hatte einmal einen Gründer, der wollte seine Firma nach seinem Sohn benennen. In der Hoffnung, dass sein Sohn eines Tages dieses Unternehmen übernehmen und weiterführen wird.

Es ist mir schon klar, dass das ein Ausdruck von großer Liebe eines Vaters für seinen Sohn ist.

Aber ob sein Sohn das dereinst genauso sehen wird?

Ich habe da meine Zweifel…

Boost

B

Unlängst sagte eine Gründerin in einem Beratungsgespräch (auf Englisch) zu mir:

Things are advancing but very slowly. Hopefully we have a boost.

Klar, die Hoffnung stirbt zuletzt, aber erfahrungsgemäß kommt so ein Boost nicht einfach daher.

Wobei… Manchmal schon. Dann heißt es, das Eisen zu schmieden, solange es heiß ist. (Seth Godin hat dazu unlängst einen lesenswerten Beitrag geschrieben.)

Aber zu allen anderen Zeiten müssen wir uns an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Und das geht nur Schritt für Schritt. Eines nach dem anderen. No hurry, no pause.

Eine Lokomotive rollt auch ganz langsam an, aber wenn sie dann mal unterwegs ist…