Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Es ist alles wahr!

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Das sagte der Ostbahn-Kurti immer, wenn er auf der Bühne wieder mal eines seiner G’schichteln erzählt hat.

Er sagte es mit einem Augenzwinkern, aber trotzdem mit Überzeugung. Als Jugendlicher fand ich das lustig, weil ich es für Selbstironie hielt.

Später bin ich dann drauf gekommen, dass sehr viel Weisheit hinter seinen Worten steckte, und dass er das wahrscheinlich sehr genau wusste.

Mit der Wahrheit ist es nämlich so eine Sache, gerade in Geschichten. Manchmal, z.B. in Märchen, ist die Geschichte an sich nicht “wahr” im strengen Sinn, aber die Geschichte dahinter, die Botschaft, die “Moral”, die ist sowas von wahr.

Jordan Peterson meinte einmal, dass die großen Geschichten der Weltliteratur wahrer als wahr sind. Natürlich sind sie streng genommen erfunden, aber in ihnen findet sich verdichtet so viel Wahrheit über die Menschen, ihre Sehnsüchte, ihre Schwächen, ihr Ringen mit sich selbst und anderen, dass sie wahr sein könnten.

Gute Geschichten müssen nicht wahr sein. Sie sind wahrhaftig.

Die richtige Größe

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Gar nicht so leicht, besonders für Gründer*innen: Das Business in der richtigen Größe aufstellen.

Nicht zu groß, weil die Fixkosten dich dann erdrücken.

Aber auch nicht zu klein, weil du dann nicht vom Fleck kommst. Oder nur im Schneckentempo.

Die richtige Größe zu finden, zu wissen, was zu viel, zu wenig und genug ist, ist eine Kunst. Aber nur mit der richtigen Größe ist sichergestellt, dass du mit deinem Business flexibel genug bist, wenn sich die Umwelt ändert.

Und die Umwelt ändert sich garantiert.

Content Curation

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Es gibt sooooo viele Informationen im Internet. So viel, dass man leicht die Übersicht verliert. Deshalb ist Content Curation wichtig. Nämlich um anderen dabei zu helfen zu erkennen: Was ist wichtig, was ist nicht wichtig? Welchen Informationen kann man trauen, welchen nicht? Was muss ich wissen, was lenkt nur ab?

Wenn du dich in einem Thema gut auskennst, dann kannst du in deinem Thema anderen beim Lernen helfen, indem du Content Curation machst. Hier ein paar Ideen:

  • Lernressourcen sammeln (um schnellen Zugriff zu ermöglichen)
  • Arbeitsunterlagen zu den Lernressourcen entwickeln
  • Relevante Inhalte zu einem bestimmten Thema zusammenfassen
  • Lernpfade erstellen
  • Lernziele first: Was sollst du erreichen, und wie kommst du dahin?
  • Lerngruppen organisieren
  • Teilen von Erfahrungen ermöglichen; eigene Erfahrungen zu den Informationen anreichern
  • Sammeln und teilen von Good-Practice-Beispielen
  • Webinare und Online-Kurse kuratieren: Was ist ein guter Kurs, was nicht? Was ist nützlich, was weniger?
  • Eigene Mitschriften und Notizen teilen
  • Quizfragen erstellen und damit das Wissen spielerisch vertiefen
  • Mindmaps, Lernkarten: Wissen visualisieren
  • Anderen helfen, beim (Lern-)Thema bzw. (Lern-)Ziel zu bleiben
  • Lerntagebücher schreiben (zu einem bestimmten Thema)
  • Lernstrategien teilen
  • Eigenen e-Learning-Kurs erstellen

[Danke Sandra Mareike Lang für die Tipps!]

NIMBY

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NIMBY ist die Abkürzung für “Not In My Backyard” und beschreibt das Phänomen, dass viele Menschen zwar grundsätzlich für Veränderungen sind, aber nur so lange, wie es sie nicht selbst betrifft oder ihre Lebensqualität einschränkt.

Die meisten Menschen würden sagen: Ja, der Ausbau von Windkraft zur Stromerzeugung ist eine gute Sache. Aber nur so lange, wie das Windrad nicht in der eigenen Nachbarschaft gebaut wird.

Die meisten Wiener würden sagen: Ja, es braucht mehr Bäume in der Stadt. Aber nur so lange, wie der neue Baum nicht da gepflanzt wird, wo dann der Parkplatz für das eigene Auto fehlt.

Die allermeisten Menschen würden sagen: Ja, es ist total wichtig, dass Kinder an die frische Luft gehen und Bewegung machen und nicht nur immer vor ihren Spielkonsolen hocken. Aber nur so lange, wie der neue Spielplatz oder Motorikpark nicht vor dem eigenen Balkon gebaut wird und die Sonntagsruhe stören könnte.

NIMBY ist ein Riesenproblem, weil wir zwar verbal immer für die “richtigen” Dinge eintreten, aber wenn es hart auf hart kommt, ziehen wir den Schwanz ein.

Und falls das noch nicht klar sein sollte: NIMBY betrifft auch viele Solopreneure und Lifestyle Businesses – und zwar sowas von!

Headliner

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Zur Festival-Saison ein spannender Gedanke von Gabe The Bass Player:

Es ist ein ganz bestimmter Typ von Bands, die Headliner auf einem Festival sind. Das sind Bands, die eine große Bühne vor einem großen Publikum “füllen” können. Bands, die “große Musik” machen.

Der Irrtum ist zu glauben, dass eine Band nur bekannt genug sein muss, dann kann sie auch Festival-Headliner werden. Aber das stimmt nicht. Damit eine Band eines Tages Headlines werden kann, muss sie von Anfang an “große Musik” machen.

Bereits dann, wenn sie noch längst nicht auf Festivalbühnen spielt.

Deutungshoheit

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Sehr viele Entscheidungen in Gesellschaft und Politik fallen aus ökonomischen Überlegungen. Nach dem Motto: Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut. Und wenn es darum geht, aktuelle Entwicklungen oder gar Krisen (Inflation! Rezession!) zu analysieren, so haben in unserer Medienlandschaft häufig die Ökonomen die Deutungshoheit.

Matthias Horx meint, das kommt auch aus den Erfahrungen der schweren Wirtschaftskrisen im frühen 20. Jahrhundert und den Folgen des 2. Weltkriegs.

Das klingt für mich verständlich und plausibel. Aber wäre es jetzt, 100 Jahre später, nicht auch an der Zeit, diesen Tunnelblick ein bisschen zu erweitern?

Neid und Erfolg

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Eine spannende Beobachtung von Theresa Imre:

Einerseits leben wir in einer Neidgesellschaft. Es scheint für ganz viele Menschen nichts Schöneres zu geben, als erfolgreiche Menschen von ihrem vermeintlich hohen Ross herunterzuholen.

Andererseits haben wir keine Wertschätzung für das Scheitern. Wir sind gefordert, immerzu erfolgreich zu sein. Denn wer nicht erfolgreich ist, dem wird kaum Achtung geschenkt.

Eine äußerst ungesunde Mischung.

Freewriting-Experiment: Fazit (Freewriting XXX)

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Jetzt habe ich also 29 Tage Freewriting in diesem Blog probiert. Sechs Minuten schreiben, was mir gerade in den Sinn kommt, ohne danach zu editieren.

Was habe ich daraus gelernt?

  • Was mir am besten gefallen hat, war der Rahmen von sechs Minuten. Sechs Minuten zu schreiben, das war (und ist) jeden Tag drin. Manchmal kommt in sechs Minuten viel raus, manchmal weniger, aber in jedem Fall war die Übung in sechs Minuten vorbei. Dadurch, dass sechs Minuten vom Gefühl her ganz easy machbar sind, gab es auch keinen einzigen Tag, an dem ich das Bloggen vor mir hergeschoben hätte.
  • Was interessant war: Manchmal hatte ich das Thema für den Blog schon früh am Tag identifiziert, und dann habe ich dieses Thema den ganzen Tag mit mir herumgetragen. Wenn ich mich dann am Abend hingesetzt habe zum Schreiben, sind die Gedanken dazu förmlich aus mir herausgesprudelt, weil sie im Prinzip ja das Ergebnis eines ganzen Tages darüber Nachdenken waren.
  • Was mir gut gefallen hat: Dass ich keine Scheu hatte, einfach zu schreiben, was mir einfällt. Ganz ohne Druck zu schreiben, ohne auf einen bestimmten thematischen Fokus achten zu müssen, ja eigentlich ganz ohne jeglichen Anspruch – das war sehr befreiend.
  • Im Rückblick bin ich überrascht, dass jedes Mal innerhalb von sechs Minuten ein sehr brauchbarer Text herausgekommen ist. Klar, nichts davon ist nobelpreiswürdig, aber die Texte sind gut lesbar und allesamt zumindest okay. Es scheint so, als hätte mich das jahrelange tägliche Bloggen dazu gebracht, besser und schneller zu werden in der Fähigkeit, meine Gedanken tatsächlich zu Papier zu bringen.

Ich werde das Freewriting-Experiment jetzt nicht mehr fortsetzen, weil es nämlich dem Stadium eines Experiments entwachsen ist. Ich werde weiterhin die sechs Minuten als Richtlinie für alle meine künftigen Blogs nehmen, aber ich werde wieder dazu übergehen, mehrere Tage (oder Wochen) Puffer zu haben, damit ich nicht mit Muss jeden Tag bloggen brauche (gerade angesichts der Sommerferien).

Experiment geglückt, würde ich sagen.

Oft undankbar, immer wichtig (Freewriting XXIX)

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Meine Frau ist Mitglied des Elternbeirats im Kindergarten. Als solche hat sie immer wieder Dinge zu tun, die viele andere Eltern lieber nicht machen möchten. Sie kümmert sich, wo andere sich verlassen.

Wir brauchen solche Menschen. Wir brauchen Menschen, die Verantwortung übernehmen, die mehr tun als unbedingt notwendig. An allen Ecken und Enden unserer Gesellschaft, und gerade da, wo es um die (Aus-)Bildung unserer Kinder geht.

Wir brauchen diese Menschen nämlich nicht zuletzt als Vorbilder für die Kinder und Jugendlichen. Sie sollen sehen: Erwachsen zu sein bedeutet, dass man Verantwortung übernimmt. Dass man zusammenhilft, wo es Probleme zu lösen gibt. Dass man auch mal Dinge tut, die einem nicht taugen, einfach weil es das Richtige ist.

Der englische Populärphilosoph Paul Heaton sagte mal: Save us from baldness and saving the earth. Soll heißen: Vorsicht vor Menschen, die die Welt retten wollen.

Aber es geht nicht darum, die Welt zu retten. Es geht darum, sich wie ein*e Erwachsene zu benehmen und das zu tun, was zu tun ist.

Ein Hoch auf jede*n Einzelne*n da draußen, der*die genau das macht!

Ausgestiegen (Freewriting XXVIII)

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Jeder Lehrer, jede Lehrerin kennt das: Manchmal passiert es, dass man einen Schüler, eine Studentin, eine Teilnehmerin im Laufe einer Stunde/Lehrveranstaltung/Seminar “verliert”. Man kriegt mit, dass sie gerade (aus welchem Grund auch immer) ausgestiegen sind, und man bekommt sie auch nicht mehr an Board.

Das ist natürlich bedauerlich, und mir tut es jedes Mal im Herzen weh, weil ich ja möchte, dass meine Teilnehmer*innen wirklich verstehen, was ich ihnen mitzugeben versuche. Am liebsten würde ich dann den Unterricht unterbrechen und sagen: “Moment, stop, ich sehe, dass du gerade nicht mitkommst. Lass mich nochmal von vorne beginnen und dir alles in Ruhe nochmal erklären.”

Aber das geht meistens nicht. Meine Verantwortung als Lehrer gilt nämlich nicht nur jenen, die ausgestiegen sind, sondern vor allem auch jenen, die noch an Board sind. Und die wollen weiterkommen. Die wollen weitermachen. Die haben nicht die Zeit und nicht die Geduld, auf jeden einzelnen zu warten.

In diesem Spannungsfeld zu navigieren, ist nicht leicht für mich. Ja, ich kann nicht jeden einzelnen retten. Aber ich würde es so gerne!

Selbstmanagement (Freewriting XXVII)

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Der ultimative Test, an dem du erkennst, ob du in deinem Business gut organisiert bist oder nicht:

Stell dir vor, ein Termin fällt aus oder ein Meeting ist kürzer als gedacht. Plötzlich hast du 30 Minuten Zeit geschenkt bekommen. Weißt du ohne langes Nachdenken, was du in diesen 30 Minuten tun könntest, das dein Business nach vorne bringt? Kannst du nahtlos an einem deiner Projekte weiterarbeiten? Weißt du, welches Projekt gerade am wichtigsten ist? Oder hast du keine Ahnung, bist völlig orientierungslos und weißt nichts Besseres zu tun, als die Zeit am Handy zu verdaddeln?

Es kommt relativ selten vor, dass wir einige Stunden am Stück an unserem Business arbeiten können. Aber 20 Minuten hier oder 30 Minuten da, das geht schon. Aber dazu ist es notwendig, eine Liste griffbereit zu haben, auf der sich

  • Aufgaben befinden, die in max. 20 Minuten zu erledigen sind
  • die ein klares Ergebnis haben
  • die in der richtigen Reihenfolge (also nach Wichtigkeit) geordnet sind.

Wenn du so eine Liste hast, bist du der Kaiser. Dann kannst du, wenn du Zeit geschenkt bekommst, sofort loslegen und dein Business einen kleinen Schritt weiter bringen.

Hast du diese Liste nicht, brauchst du dich auch nicht wundern, wenn du das Gefühl hast, du trittst auf der Stelle.

Im Garten (Freewriting XXVI)

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Ich bin nicht gerade der geborene Gärtner, und doch mag ich es sehr gern, in einem Garten herumzuspazieren.

Es ist schon interessant, wie attraktiv etwas ist, wenn man sich nicht darum kümmern muss. Das Genießen fällt viel leichter, wenn man die ganze Arbeit ausblenden kann, die einem auffallen würde, wenn man nicht nur Garten-Besucher, sondern auch Garten-Besitzer wäre.

Und so kommt es, dass es mir gestern Spaß gemacht hat, ein bisschen die Paradeiser zu gießen und die Himbeeren vom Unkraut zu befreien. Weil ich gerade Zeit hatte, und weil ich, wie gesagt, nicht musste.

Es ist vollkommen okay, nach Lust und Laune zu agieren, sozusagen der Inspiration zu folgen, wenn man keine Verpflichtungen eingegangen ist. Ein bisschen hier und ein bisschen da, das kann sehr entspannend sein. Weil es zwar eine Beschäftigung, aber keine Arbeit ist.

Es ist deshalb keine Arbeit, weil es nicht ernsthaft ist. Aber gerade die Ernsthaftigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg, wenn es um Lifestyle Businesses geht. Wirst du das Unkraut auch dann zupfen, wenn es dir keinen Spaß macht? Wirst du die Paradeiser auch dann gießen, wenn du müde bist und eigentlich weder Zeit noch Lust hast?

Wirst du tun, was zu tun ist, auch wenn du gerade nicht die Inspiration dazu fühlst?

Maria Enzersdorf (Freewriting XXV)

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Ich lebe seit 2016 in Maria Enzersdorf (im Ortsteil Südstadt), aber ich muss leider sagen, dass ich so gut wie nichts über den Ort wusste – bis gestern.

Es ist ja so, dass ich zu Maria Enzersdorf ja gekommen bin durch reinen Zufall. Meine Frau hat die Wohnung entdeckt, wo wir jetzt wohnen, die war optimal, und kurze Zeit später war der Mietvertrag unterschrieben. Wo genau ich da wohnen würde, war mir überhaupt nicht klar.

Bis gestern eben. Da wurde vom Vizebürgermeister der Gemeinde eine Führung durch den Ort organisiert. Und ich muss schon sagen, je länger man sich mit dem Ort beschäftigt, desto interessanter wird er. Wir haben viel über die Geschichte des Ortes und die verschiedenen Einflüsse erfahren, und ich habe besser verstanden, warum die Dinge hier so sind, wie sie sind.

Ich würde mich immer noch nicht als Einheimischen bezeichnen. Ich bin ein Weinviertler, und werde das wohl auch immer bleiben. Aber ich fühle mich meinem Wohnort durch diese Führung stärker verbunden als zuvor.

Etwas zu wissen, etwas zu verstehen… das verbindet.

Ein kurzes Gespräch (Freewriting XXIV)

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Heute hatte ich ein Gespräch mit einem Kunden, das hat keine Viertelstunde gedauert. Es gab nichts Neues bei ihm, er hatte keine Fragen, also waren wir ruck-zuck fertig.

Es war mein letzter Beratungstermin vor dem Wochenende, so gesehen hat mir das nichts ausgemacht. War ich schneller fertig und daheim bei den Kindern.

Aber irgendwie denke ich mir schon: Wie kann es sein, dass es immer wieder Gründer*innen gibt, welche die Möglichkeiten zum Lernen und Austauschen so leichtfertig ziehen lassen? Ich begründe das meistens mit der Selbstverantwortung, die jeder Mensch – und auch jede*r Gründer*in – hat. Ich kann (und will) niemanden zu seinem Glück zwingen. Und doch wurmt es mich.

Es ist sicher so, dass wir im UGP einen Querschnitt aller Persönlichkeitstypen und Charaktere haben. Da sind Interessierte dabei und weniger Interessierte. Da sind Menschen dabei, die gerne etwas Neues erfahren und welche, die lieber ihre Ruhe haben wollen.

Und noch etwas: Gerade als Berater sollte man nicht den Fehler machen zu denken, dass nur das, was man selbst für gut und richtig hält, auch tatsächlich für alle gut und richtig ist.

Das Schulfest (Freewriting XXIII)

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Über Elternvereine und deren Schulfeste gäbe es sehr viel zu sagen. Wie immer, wenn sich Menschen zusammenfinden, um an einer gemeinsamen Sache (einem “Projekt”) zu arbeiten, passieren allerhand interessante Dinge. Es gibt Gschaftlhuber, fleißige Helfer und vollkommen Desinteressierte. Und es gibt mitunter sogar Saboteure und Wichtigmacher in eigener Sache.

Jedenfalls stehen und fallen solche Projekte mit Menschen, die die Richtung vorgeben. Die Führung übernehmen. Oder auch nicht. Das zeigt sich besonders, wenn das Projekt nicht wie geplant läuft. Denn Führung ist leicht, solange alles gut läuft. Wirklich gute “Leader” erkennt man aber erst in dem Momenten, wo es kriselt. Oder wo es überhaupt kracht.

Wenn so ein Projekt nur ein wenig aus dem Ruder läuft, kann man sagen, es ist halt schlecht organisiert. Ein bisschen Chaos, aber damit können wir meistens ganz gut umgehen. Man improvisiert ein bisschen, und mit etwas gutem Willen kriegt man’s schon irgendwie hin.

Wenn in so einem Projekt hingegen Leadership fehlt, dann lässt sich das praktisch nicht kompensieren. Dann ist das Projekt dem Untergang geweiht.

Versprochen ist versprochen (Freewriting XXII)

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Mein Sohn war heute sehr verstört, weil ein Freund ihm ein “hoch und heiliges Versprechen” gegeben und es dann gebrochen hat.

Für ihn war das vollkommen unverständlich. Weil wir ihm seit sieben Jahren einbläuen, dass man seine Versprechen halten muss. Wenn man etwas zusagt, dann gilt das. Punkt.

Für mich ist das auch ein Kennzeichen von professionellen Selbständigen und Unternehmer*innen. Profis überlegen sich zweimal, was sie versprechen. Aber wenn sie etwas versprochen haben, dann gilt’s. Amateure hingegen nehmen es mit ihren Versprechen nicht so genau. Sie versprechen bald mal was, aber diese Versprechen sind nicht verbindlich, sondern bestenfalls Absichtserklärungen.

Böses Blut entsteht immer dann, wenn Profis (mein Sohn) und Amateure (sein Freund) aufeinandertreffen. Der eine versteht nicht, wie man ein Versprechen brechen kann, und der andere versteht nicht, wo überhaupt das Problem ist.

Solche Missverständnisse lassen sich nur schwer auflösen, weil sie die Werte-Ebene betreffen. Die lassen sich nicht ausdiskutieren, die lassen sich nur leben – oder eben nicht.

Mir ist es wichtig, meinem Sohn den Wert mitzugeben, dass Versprechen zählen. Aber ich kann ihm nicht den Frust ersparen, der entsteht, wenn andere Menschen das anders sehen.

Unerlaubte Abkürzung (Freewriting XXI)

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Unlängst habe ich in einem Seminar eine sehr sympathische junge Frau kennengelernt, die Mathematik studiert hat. In der Schule hat mir Mathematik immer getaugt, weil sie immer sehr knifflige und herausfordernde Probleme bereitgestellt hat, mit denen man sein Hirn trainieren kann. Aber ein Mathematik-Studium hätte ich mir niemals zugetraut. Deswegen war ich sehr beeindruckt.

Wir sprachen im Seminar gerade über die Besteuerung von Unternehmensgewinnen und die verschiedenen Prozentsätze, da habe ich die junge Dame gefragt, ob sie das mal schnell ausrechnen kann – sie ist ja schließlich Mathematikerin. Ihre Antwort: “Tut mir leid, im Kopfrechnen bin ich ganz schlecht.”

Ich war einen Moment lang völlig von den Socken. Schlecht im Kopfrechnen? Als Mathematikerin? Und dann, einen Moment später, war mir meine Frage furchtbar peinlich. Wie selbstverständlich bin ich davon ausgegangen, dass eine Mathematikerin auch schnell rechnen kann. Aber das ist total unfair. Weil Kopfrechnen und mathematisches Verständnis zwar was miteinander zu tun haben, aber zwei vollkommen verschiedene Fähigkeiten sind.

Ich habe ihr also was unterstellt, was ich mir in meinem Kopf als logischen Zusammenhang konstruiert habe. Das ist jedoch nicht das Besondere hier. Das Besondere ist, dass ich es gemerkt habe.

Hilflos (Freewriting XX)

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Ich bin gerade in Salzburg, um ein Seminar zu halten. Und daheim ist ein Riesenbahö, weil jemand aus der Familie ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Und ich sitze da in meinem Hotelzimmer, vollkommen hilflos. Ich kann gar nichts beitragen um der Familie daheim zu helfen.

Ja, ich kann zuhören. Ich kann ermutigen. Aber ich kann nichts Aktives tun. Dabei ist es gerade die Aktivität, die mich (und die meisten anderen Menschen) beruhigen würde. Irgendetwas tun, das fühlt sich viel, viel besser an als herumzusitzen mit gebundenen Händen.

Dabei ist es gar nicht so entscheidend, ob meine Hilfe tatsächlich hilfreich wäre. Ob meine sogenannte Hilfe überhaupt irgendjemandem helfen würde. Hauptsache, ich bin mit meinen Gedanken nicht allein und habe irgendetwas, wo die überschüssige Energie kanalisiert wird und aus mir raus kann.

Es gibt aber gar nichts zu tun als zu warten. The waiting is the hardest part, sagt Tom Petty. Und recht hat er.

Ich würde so viel lieber was tun. Irgendwas. Wahrscheinlich auch, damit ich mir später nicht vorwerfen kann, nichts getan zu haben.

Ziemlich egoistisch, im Grunde. Aber sind wir das nicht alle?

Adel verpflichtet (Freewriting XIX)

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Ich glaube fest daran, dass mit einem Geschenk immer auch eine Verpflichtung einhergeht. Das steht wunderbar beschrieben bei Lewis Hyde. Aber es geht dabei nicht nur um Geschenke im klassischen Sinn, sondern auch um Geschenke in Form von Ressourcen, insbesondere Geld und Talente.

Wer ein Talent hat, hat auch die Pflicht, dieses Talent zum Wohle aller einzusetzen. Es wäre falsch, dieses Talent nicht auszuleben oder nur egoistische Ziele damit zu verfolgen.

In der Bibel heißt es: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.* Das drückt für mich sehr prägnant aus, worum es geht: Nimm die Privilegien, die du bei deiner Geburt bekommen hast, als Geschenke an. Und dann geh mit diesen Geschenken verantwortungsvoll um. Pass auf auf sie, entwickle sie weiter, und tu Gutes damit.

Und: Genauso großzügig, wie du deine eigenen Geschenke mit anderen teilst, darfst du zugreifen, wenn andere Menschen dir ihre Geschenke anbieten und mit dir teilen wollen.

Geben und Nehmen, der Blutkreislauf des guten menschlichen Zusammenlebens.

[*Hinweis für alle Solopreneure: Umsonst meint hier nicht gratis!]

Am Ende des Semesters (Freewriting XVIII)

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Gestern war die letzte Lehrveranstaltung meines Sommersemesters 2023, eine Abschlussprüfung in Bilanzierung.

Und das war auch gut so. Um diese Zeit ist es jedes Jahr so, dass ich froh bin, wenn das Semester sein Ende findet. Es war lang, intensiv, fordernd, und ich brauche die vorlesungsfreie Zeit nun, um Kraft zu sammeln und wieder voller Freude und Energie ins kommende Wintersemester zu starten.

Es ist wie der Kreislauf der Natur. Auf Phasen des intensiven Arbeitens müssen auch Phasen der intensiven Ruhe folgen. Nur so ergibt sich ein natürliches Gleichgewicht, und nur so ist das Tun nachhaltig.

In diesem Sinne: Schöne Ferien!