Eine fantastische Frage, die man sich selbst stellen kann, wenn man gerade nicht weiter weiß:
If you were a character in a book,
Eliezer Yudkowsky
what would your readers be yelling at you to do?
Eine fantastische Frage, die man sich selbst stellen kann, wenn man gerade nicht weiter weiß:
If you were a character in a book,
Eliezer Yudkowsky
what would your readers be yelling at you to do?
Unlängst habe ich im Admira-Stadion ein schönes Beispiel für effektives Marketing beobachtet:
Ein kleiner lokaler Bierbrauer hat beim Eingang Flyer für seine Biere ausgeteilt.
Alles richtig gemacht. Marketing kann ja so einfach sein.
Wir Solopreneure sind oft sehr zögerlich und vorsichtig, wenn es darum geht, anderen von unseren Angeboten zu erzählen.
Wir warten recht lange zu. Wir haben Angst davor, jemanden mit unserer Werbung vor den Kopf zu stoßen. Wir wollen keinen Fehler machen, der uns dann auf den Kopf fallen könnte. Und natürlich haben wir Angst vor der Ablehnung und der Stille, wenn auf unsere Botschaft nichts zurückkommt.
Besser wäre natürlich, den Kopf ein bisschen auszuschalten und einfach zu machen. Was soll schon Schlimmes passieren in Wirklichkeit?
In 99 % der Fälle: Gar nichts. Und für das eine Prozent wird uns sicher eine gute Lösung einfallen, wenn’s dann jemals soweit ist.
Wenn man zu zehnt auf einem Segelboot unterwegs ist und man an die Reihe kommt, die Musik auszusuchen, dann gibt es zwei Möglichkeiten:
Man weiß intuitiv, welche Musik im Urlaub auf einem Segelboot passend ist (und was nicht), wenn man halbwegs empathisch ist.
Und die Chancen stehen gut, dass das eben nicht die eigene Lieblingsmusik ist.
In diesem Spannungsfeld bewegen wir Lifestyle Entrepreneure uns ebenfalls jeden Tag. Für wen machen wir das Ganze eigentlich – für uns, oder für unsere Kunden?
Die Kunst ist, den sweet spot in der Mitte dieses Spannungsfeldes zu finden: Die passende Musik, die uns selbst auch gefällt.
[Danke Martin Schmidt für diesen Gedanken.]
Unlängst saß ich mal wieder auf der Tribüne bei einem Match meines Lieblingsvereins Admira Wacker.
Dabei ist mir ein Spieler der Admiraner aufgefallen, der nicht seinen besten Tag hatte. Man könnte sogar sagen, dass das Spiel völlig an ihm vorbeigelaufen ist. Ein wahnsinnig sympathischer Typ, bemüht und alles, aber in meiner Wahrnehmung hatte er keinen gewonnenen Zweikampf und keine einzige gelungene Aktion.
Beim Zuschauen ist mir die Formulierung wieder eingefallen: “Der Spieler ist eine Vorgabe.” Vorgabe in dem Sinn bedeutet Startvorteil – und zwar für den Gegner. Indem dieser Spieler für die Admira am Platz war, entstand ein Vorteil für den Gegner, weil der Spieler praktisch nicht anwesend war und die Admira quasi zu zehnt spielen musste.
Auch im Kontext der Unternehmensgründung gibt es jede Menge Vorgaben. Nämlich Gründungen, die überhaupt keinen Unterschied machen (im besten Fall) oder (im schlimmsten Fall) den Mitbewerbern sogar in die Hände spielen. Gründungen, an denen die Dynamik des Marktes völlig vorbeiläuft und die am Markt niemals Fuß fassen.
Ich sehe es als meine Aufgabe als Gründungsberater, solche Vorgaben zu verhindern, wenn ich nur irgendwie kann. Genau wie der Admira-Trainer alles versuchen wird, damit der Spieler beim nächsten Spiel wieder in seine Kraft kommt.
Ganz neue Konzepte anzulegen im Gehirn ist anstrengend.
Dafür brauchen Lernende Zeit, Geduld und Unterstützung.
Das gilt für meine Studierenden, und das gilt für meine Gründer*innen. Und es gilt für mich selbst.
Ich habe in meinem Schlafzimmer eine Ablagefläche auf meiner Kommode.
Mir ist wichtig, dass auf dieser Ablagefläche nicht zu viel herumliegt. Idealerweise liegt gar nichts drauf. Ich mag einfach den Anblick von leerer Fläche, von freiem Platz.
Solche freien Ablageflächen sind aber unglaublich anziehend – nämlich für Menschen, die mit ihren eigenen Ablageflächen nicht auskommen. So wird meine Kommode regelmäßig gekapert und mit Dingen belegt, die gar nicht die meinen sind.
So ist es auch im Leben: Für einen Großteil des Lärms in unserem Leben sind wir selbst verantwortlich. Wir können ihn lauter oder leiser drehen.
Aber ganz still wird es nie werden. Weil wir nicht allein auf der Welt sind.
Unlängst durfte ich lernen, dass ich (wie jede*r Österreicher*in) meine CO2-Emissionen jedes Jahrzehnt um die Hälfte reduzieren müsste, um das Pariser Klima-Ziel von “nur” 1,5 Grad Erderwärmung zu erreichen. Was, wie ich erfahren habe, praktisch eh nicht mehr realistisch ist. Aber trotzdem.
Ich nehme das ernst und gehe nicht her und sage: Naja, was soll ich schon machen? Was machen meine Emissionen schon für einen Unterschied im Vergleich zur österreichischen Industrie, und überhaupt im Vergleich zu Indien und China?
Dieser whataboutism bringt uns nicht weiter. Klimaschutz ist ein gemeinsames Projekt, und jeder muss im Rahmen seiner Verantwortung seinen Teil dazu betragen.
Ich will meinen Teil zum Klimaschutz beitragen. Mein Problem ist aber Folgendes: Ich habe keine Ahnung, wie hoch meine CO2-Emissionen aktuell gerade sind. Ich kenne meine Startlinie gar nicht. Also habe ich auch keine Vorstellung davon, was es konkret bedeutet, meine CO2-Emissionen um 50% zu reduzieren. Reicht es, dass ich kaum noch Fleisch esse? Dass ich ganz oft mit dem Zug fahre und selten mit dem Auto? Ist es okay, wenn ich einmal im Jahr in den Urlaub fliege, oder überschreite ich damit schon mein persönliches CO2-Budget? Und so weiter.
Das Ziel ist klar, Immerhin. Aber damit ein Ziel auch umsetzbar wird, braucht es einen Plan, was jeder zu tun hat und bis wann.
Ein klassisches Management-Problem.
Viele Lifestyle Entrepreneure arbeiten sehr hart an ihrer Geschäftsidee. Sie sind tüchtig und tun und machen – und haben trotzdem keinen (finanziellen) Erfolg.
Manche von ihnen werden dadurch verbittert. Weil sie meinen, dass sie für ihre Anstrengung auch belohnt werden sollten. Sie sind ja so fleißig, warum bleibt der Erfolg aus? Das ist doch ungerecht!
In der Schule haben wir gelernt: Wenn wir uns nur genug anstrengen, bekommen wir gute Noten. In der Schullogik führt Anstrengung direkt zu Erfolg. Mehr Anstrengung = mehr Lob.
Nur stimmt diese Logik in der Selbständigkeit halt nicht mehr. Belohnt wird im Unternehmertum, wer für andere Menschen Probleme löst. Ob er sich dabei anstrengt oder das aus dem Ärmel schüttelt, ist vollkommen egal. Was zählt, ist einzig, wie groß das Problem ist und wie kompetent die Lösung.
Schade, dass wir das in der Schule nicht lernen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als die Erfolgsstrategien unserer Schuljahre wieder zu verlernen und gegen nützlichere Strategien auszutauschen.
[Daily-Blogging-Kollege Gabe The Bass Player hat unlängst einen ähnlichen Gedanken gebloggt.]
Das Problem bei vielem, was in der institutionellen Gründungsberatung (also in Gründungsberatung von großen staatlichen oder halbstaatlichen Organisationen, in Österreich z.B. WKO, AMS, Wirtschaftsagentur, RIZ Up etc.) vermittelt wird (in Kursen, Webinaren, Beratungen etc.):
Inhaltlich ist das schon okay. Es werden relevante Informationen weitergegeben, nützliche Tipps geteilt und auf Gefahren im Gründungsprozess hingewiesen.
Aber emotional passt es nicht. Das kommt alles sehr oberlehrerhaft daher. Da ist viel “Sie müssen…”, “Sie sollten schauen, dass…”, “Versuchen Sie stattdessen,…”, “Ich würde Ihnen nicht empfehlen,…”. Es wird mit jedem Satz klargemacht, wer der Experte ist und wer der Schüler.
Ich habe da einen anderen Zugang. Ich bin Anhänger der Sichtweise, dass ein Lernprozess (und Gründungsberatung ist ein Lernprozess) ein co-creation-Prozess ist und in einem solchen nicht immer eindeutig ist, wer der Lehrer und wer der Schüler ist. Beziehungsweise, dass alle Beteiligten zu verschiedenen Zeiten diese Rollen verschieden besetzen.
Wenn man Gründungsberatung aus diesem Blickwinkel sieht, dann kommt man zu einer demütigeren Haltung. Der Gründungsberater ist nicht mehr der allwissende Experte, und der Gründer ist nicht mehr der hilflose Schüler, der möglichst viele Inhalte, Tipps und Warnungen braucht.
Unter diesem Blickwinkel sind beide auf Augenhöhe. Sie sind nicht gleichartig, aber gleichwertig (würde Jesper Juul sagen). Ich als Berater bin im besten Fall ein kompetenter Diskussionspartner. Ich kann Hinweise geben, ich kann Erfahrungen teilen, aber ich bin nicht der allwissende Wunderwuzzi, der den richtigen Weg kennt, dem es zu folgen gilt.
Ich bin davon überzeugt, dass diese demütigere Haltung einen Riesenunterschied im Gründungsberatungsprozess macht: für die Atmosphäre, für den Lernerfolg und nicht zuletzt für die Gründung als Ergebnis.
Denn: Wie > Was. In jedem Lernprozess, und auch in der Gründungsberatung.
An manchen Tagen sind die Fortschritte in deinem Lifestyle Business beachtlich. Du bist euphorisch, weil dir der große Wurf gelungen ist. Endlich den Durchbruch erzielt. Endlich das Ziel erreicht. An solchen Tagen bist du meilenweit vorwärts gekommen, und das fühlt sich soooo gut an.
An anderen Tagen sind die Fortschritte klein, fast mikroskopisch. Jeden einzelnen Meter hast du dir und deinem Business abgerungen, im Schweiße deines Angesichts. Von Euphorie keine Spur. Eher macht sich Enttäuschung und Ermüdung breit. Muss es wirklich so anstrengend sein?
Ja, das muss es. Denn ohne die vielen kleinen Fortschritte kann es auch keine großen Durchbrüche geben. Eines bedingt das andere. Mit jedem kleinen Fortschritt erhöhst du die Wahrscheinlichkeit für den nächsten großen Durchbruch.
Was wären die großen Erfolge ohne die kleinen?
Manchmal entsteht für deine Kunden der größte Wert dann, wenn du aufhörst, etwas zu tun.
Wie im Fall einer Bekannten. Sie hat gekündigt und sich in der gleichen Branche selbständig gemacht. Ihre (ehemaligen) Kunden waren heilfroh zu hören, dass sie nun direkt mit ihr zusammenarbeiten können und nicht mehr mit ihrem ehemaligen Chef, der recht ein Ungustl war.
Es lohnt sich also immer zu schauen, welchen Ballast wir abwerfen können und von welchen Hemmschuhen wir uns trennen können, damit wir noch nützlicher sind für unsere Kund*innen.
Das Buch Kohélet ist ca. 2500 Jahre alt. Und doch gibt es eine Stelle darin, die viel besser als viele moderne Ratgeber zusammenfasst, worum’s in einem Lifestyle Business (oder im Leben überhaupt) geht:
Am Morgen beginne zu säen, auch gegen Abend lass deine Hand noch nicht ruhen; denn du kannst nicht im Voraus erkennen, was Erfolg haben wird, das eine oder das andere, oder ob sogar beide zugleich zu guten Ergebnissen führen.
Koh 11,6
Unlängst bin ich im ICE gefahren, von St. Pölten nach Wien. Er war voll, kein Sitzplatz zu bekommen, also habe ich mich mir einen Stehplatz gesucht einem Bereich, wo es Ablageflächen für Gepäck und auch Stellplätze für Fahrräder gab.
Ungefähr eine Viertelstunde vor Wien kam dieses ältere Ehepaar und fing an, an ihren Fahrrädern herumzufummeln und diese zum Aussteigen bereit zu machen. Mit dem Effekt, dass die Fahrräder nun im Weg standen und den wenigen Platz noch reduzierten.
Es hat keinen Sinn, mit den Vorbereitungen vor der Zeit zu beginnen. Man tut sich selbst keinen Gefallen. Auch dann nicht, wenn man glaubt, dass die Sache sehr wichtig und dringend ist und man auf keinen Fall dein Ausstieg verpassen will.
Ja, fang rechtzeitig an, dich vorzubereiten. Aber mach dir auch klar, wann die Zeit ist, um noch ein bisschen zu chillen.
Meine Kund*innen brauchen viel Vertrauen zu mir als Gründungsberater.
Gründungsberatung, das ist eine sehr intime Tätigkeit. Im besten Fall vertrauen mir meine Kund*innen viel von sich und ihrem Leben an.
Der Wunschtraum der allermeisten Gründer*innen:
Maximale Freiheit bei maximaler Sicherheit.
Das geht natürlich nicht. Für niemanden.
Aber den Traum lässt sich niemand gerne nehmen.
Du bist müde. Die Hälfte deiner Emotionen kannst du ignorieren, weil es nicht deine Emotionen sind. Es ist dein Geist, der dir Emotionen vorgaukelt – weil er eben müde ist.
Hör einfach nicht hin. Was morgen, wenn du ausgeschlafen ist, davon noch da ist, das kannst du dir genauer ansehen.
Traue deinen Gefühlen nicht, wenn du müde bist.
Mein Sohn fragte mich unlängst, ob ich beim nächsten Mal beim Eis-Greissler in Krumbach mit ihm mit dem Milchshaker fahre.
Ich sage: Das muss ich mir vor Ort anschauen. Und dann überlege ich es mir, ob ich damit fahre.
Er sagt: Nein, Papa! Zuerst fahren, dann überlegen!
Eine nützliche Grundannahme vor schwierigen Gesprächen:
Wahrscheinlich haben wir in Wirklichkeit eh alle das gleiche Ziel.
Unlängst hat mir ein Kunde anhand eines sehr anschaulichen Beispiels erklärt, wie große Unternehmen in der Praxis oft Investitionsentscheidungen treffen:
Es wird vorbildlich eine Investitionsrechnung durchgeführt. Es werden die verschiedenen Varianten durchgespielt. Es werden Kennzahlen berechnet und ausgewertet. Und in der Auswertung kommt man dann drauf, dass man sich keine der Varianten leisten kann.
Und schließlich wird entschieden nach dem Motto: “Ich kann mir den Golf nicht leisten und den Ferrari auch nicht – also nehme ich gleich den Ferrari!”