Selbst, wenn du der genialste Mensch der Welt wärst, würdest du Fehler machen.
Weil du noch nicht weißt, was überhaupt das Problem ist.
Selbst, wenn du der genialste Mensch der Welt wärst, würdest du Fehler machen.
Weil du noch nicht weißt, was überhaupt das Problem ist.
Ignaz Semmelweis hat die Blutvergiftung entdeckt und wie sie übertragen wird.
Er war Arzt in einer Wiener Geburtenstation. Die behandelnden Ärzte sezierten zu Ausbildungszwecken auch Leichen, ohne sich danach die Hände zu desinfizieren. (Ihre Hände haben sie sehr wohl gewaschen, aber das reichte nicht.) Dadurch wurden Keime übertragen, welche über die Schleimhäute bzw. die Gebärmutter ins Blut der Frauen gelangten und tödliches “Kindbettfieber” auslösten.
Seine Entdeckung war bahnbrechend. Sie hat Millionen Menschen das Leben gerettet und die moderne Chirurgie im 20. Jahrhundert erst möglich gemacht.
Er war aber kein lupenreiner Held. Er war lange zu passiv. Er war viel zu lange schweigsam. Er hat viel zu lange nichts zu seinen Erkenntnissen publiziert. In der Zeit sind viel zu viele Frauen gestorben. Er hätte viel mehr tun können, um seine Entdeckung zu verbreiten.
Wie so viele Lifestyle Entrepreneure auch hat er viel zu lange geglaubt, dass seine Arbeit für sich spricht und sich Vernunft und Qualität von selbst durchsetzen werden.
Ein teurer Aberglaube.
Es sieht für mich zumindest nicht so aus, als wäre es recht ernst gemeint:

In einem Interview zum Start der neuen Saison, spricht der Trainer der Admira, Thomas Pratl, öfters von “Lösungen”, die seine Mannschaft im Spielaufbau finden muss.
Ich finde, das ist eine sehr passende Beschreibung dafür, wie Fußball (und auch jedes andere Spiel) funktioniert. Es gibt Herausforderungen, und dafür sind Lösungen zu entwickeln. Es gibt nicht die eine richtige Lösung, es gibt verschiedene, und man darf auch durchaus kreativ sein und noch nie da gewesene Lösungswege finden (wenn man kann). Hauptsache, man löst das Problem. Und das nicht einmalig und zufällig, sondern systematisch, immer und immer wieder.
Insofern ist ein Lifestyle Business auch nichts anderes als ein Spiel, bei dem wir täglich antreten und aufgefordert sind, Lösungen zu finden.
Wenn es darum geht, möglichst interessant für deine Zielgruppe zu sein, hast du viel Konkurrenz.
Wenn es darum geht, möglichst interessiert an deiner Zielgruppe zu sein, hast du praktisch keine Konkurrenz.
[Danke Dan Sullivan für diesen Gedanken.]
Ein sehr wahrer Gedanke von Gudrun Lange zum Gründen:
Wenn du nicht mit dir selbst im Reinen bist, wenn du die innere Klarheit nicht hast, wenn du nicht weißt, wer du bist und was du willst, dann ist es unheimlich schwierig, ein eigenes Business aufzubauen.
Ich kenne ein Unternehmen, da läuft Folgendes:
Früher hatte jede Führungskraft dieses Unternehmens einen fixen Parkplatz. Während der Corona-Zeit und durch das vermehrte Home Office hat das Unternehmen die Chance genutzt, das Parkplatz-Thema neu zu organisieren. Seither gibt es eine App, wo jede*r Mitarbeiter*in die Parkplätze im Vorhinein reservieren kann, wenn er/sie an diesem Tag in die Zentrale kommt und einen Parkplatz braucht.
Den Führungskräften wurde also der fixe Parkplatz weggenommen, und sie müssen jetzt ebenfalls einen Parkplatz via App reservieren.
Und es geschah das, was geschehen musste: Einige Führungskräfte reagierten mit passivem Widerstand und parken trotzdem noch immer auf ihrem Stamm-Parkplatz. Sie pfeifen auf die App. Und der arme Mitarbeiter, der diesen Parkplatz eigentlich reserviert hätte, hat das Nachsehen. Denn: Wer will sich schon mit der Führungskraft wegen eines Parkplatzes anlegen?
Es tut weh, Privilegien zu verlieren. Und wenn man jemandem Privilegien wegnimmt, darf man sich nicht wundern, wenn man Rache- und Sabotageakte als “Dankeschön” bekommt.
Ich liebe es zu unterrichten. Und ich liebe es, mir zu überlegen, wie ich ein Thema am besten aufbereiten kann, damit es meine Lernenden am besten verstehen und sie am meisten aus meinem Unterricht mitnehmen können.
Seminare, wo es um eine reine Prüfungsvorbereitung geht, sind jedoch eine besondere Herausforderung für mich. Ich denke, da geht es mir wie vielen Lehrer*innen.
Einerseits sind solche Kurse super, weil das Ziel vollkommen klar ist: Möglichst viele sollen die Prüfung bestehen. Somit steht von vornherein fest, was nützlich ist und was unnötig. Die Prüfung schafft den Rahmen, der mehr oder weniger eng ist.
Innerhalb dieses Rahmens habe ich als Unterrichtender dann mehr oder weniger Freiheiten in der Unterrichtsgestaltung.
Und hier liegt der Kern der Herausforderung: Mir geht der Spaß immer dann verloren, je mehr meine Freiheit als Lehrer eingeschränkt ist. Damit meine ich die Entscheidung, was von den prüfungsrelevanten Inhalten genau wichtig ist und wie sehr. Das ist immer eine subjektive Wertung des Lehrenden, und da gehen die Wertungen der Prüfungsstelle mit meinen eigenen Wertvorstellungen schon mal auseinander.
Wie dem auch sei… Ich stelle mich dieser Herausforderung, ohne mich zu beschweren. Denn eines kann mir keiner nehmen: Den Spaß, wenn ich auf der „Bühne“ des Seminarraums stehe.
Die ersten Wochen, Monate, ja Jahre nach der Gründung können hart sein.
Das liegt daran, dass ein Business eine gewisse Anlaufphase braucht, bis es so weit ist, dass es regelmäßig genügend Umsatz und Cash Flow liefert, um für den Lifestyle Entrepreneur auch finanziell lukrativ zu sein.
Der Weg zu so einem “reifen” Business wird oft als sehr anstrengend und mühsam empfunden. Es sind die Mühen der Ebene, die es zu bewältigen gilt: Der Reiz des Neuen, der Zauber des Anfangs ist verflogen, jetzt gilt es, konsequent dranzubleiben und den Plan zu verfolgen. Fokussiert und ohne Ablenkungen.
Das bedeutet für die meisten Lifestyle Entrepreneure: Für mehr Aufträge zu sorgen. Es ist selten so, dass ein neues Business gar keine Aufträge hat. Aber sehr häufig sind es nicht genug. Was bedeutet, dass in dieser Phase die wichtigste Aufgabe die Kund*innengewinnung ist. Aufträge, Aufträge, Aufträge, darum geht es in dieser Phase.
Das ist nicht sexy, aber es ist auch nicht kompliziert. Es erfordert nur, dranzubleiben. Und genau das ist der Knackpunkt, wo viele Gründer*innen dann auch aufgeben: Weil sie die Mühen der Ebene nicht auf sich nehmen können oder möchten, sondern lieber was Neues starten. Das bringt zwar auch kein Geld, aber es fühlt sich leichter an.
Durchhalten. Weitermachen. Dranbleiben. Mehr braucht es nicht. Und trotzdem (oder deswegen) ist es nicht leicht.
Bis dein Kind 18 Jahre alt geworden ist, wird es dich ca. 300.000 Euro gekostet haben.
Das bedeutet nicht, dass ein Kind nicht die beste “Investition” deines Lebens sein kann. Aber es bedeutet, dass angesichts dieser hohen Kosten du notwendigerweise in anderen Bereichen deines Lebens (finanzielle) Abstriche machen musst.
Unlängst hat die Berliner Polizei tagelang nach einer freilaufenden Löwin gefahndet.
Wie sich herausgestellt hat, war die vermeintliche Raubkatze in Wirklichkeit ein Wildschwein.
Natürlich kann man jetzt lachen und sagen: “Wie kann denn das passieren, dass man eine Löwin mit einem Wildschwein verwechselt? Den Unterschied erkennt ja jedes Kind!”
Aber gerade wir Lifestyle Entrepreneure sollten uns davor hüten. Denn auch in unseren Lifestyle Businesses kann es uns jeden Tag passieren (und passiert uns auch tatsächlich), dass wir Löwin und Wildschwein nicht auseinanderhalten können.
Unlängst habe ich mit einer Gründerin gesprochen, die sich quasi dafür entschuldigt hat, dass sie eine “egoistische Kosten-Nutzen-Rechnung” angestellt hat.
Dabei ist es genau das, was im Unternehmertum (auch) notwendig ist: Genau hinzuschauen, nachzurechnen und dann die Entscheidung zu treffen, die ökonomisch Sinn macht.
Das ist nicht egoistisch, das ist verantwortungsvoll.
Beim Mühle-Spielen mit meinem Sohn habe ich unlängst zwei Dinge über’s Fehlermachen gelernt:
Du gewinnst, wenn du hoch konzentriert bist, deine Züge weise planst, den Überblick behältst und keine Fehler machst.
Du gewinnst auch, wenn du nicht voll bei der Sache bist, aber dein Gegner deine Fehler nicht bemerkt.
Wichtiger Merksatz:
Nur, weil du als Selbständiger nicht mehr angestellt bist, heißt das nicht, dass du keinen Chef mehr hast.
Im Gegenteil: Als Selbständiger hast du wahrscheinlich den strengsten, härtesten, forderndsten, gemeinsten, ausbeuterischsten, grantigsten und unzufriedensten Chef, den du jemals gehabt hast:
Dich selbst.
Ich bin der festen Überzeugung, dass sich jeder Mensch einmal im Leben selbständig machen sollte.
Gleichzeitig weiß ich, dass sehr, sehr viele Gründungen nicht den Erfolg bringen, den sich die Gründer*innen erhofft hatten – weder finanziell noch emotional.
Dieser Aspekt wird in der glamourösen Online-Business-Coaching-Welt oft ausgeklammert. Klar, ist auch schlecht fürs Business. Aber es sei in aller Deutlichkeit gesagt: Es kann gut sein, dass die Selbständigkeit nicht der Weg zu deinem persönlichen Glück ist.
Oder, wie Bruce Springsteen es ausdrückt:
Now they’d come so far and they’d waited so long
Bruce Springsteen, The Price You Pay
Just to end up caught in a dream where everything goes wrong.
Sieben Dinge, die ich von den Bruce-Springsteen-Konzerten in Wien und München gelernt habe:
Aktuell gibt es eine Debatte darüber, ob es angesichts der heißen Temperaturen auch bei uns eine Siesta geben sollte, so wie in den südlichen Ländern Europas. Also eine Arbeitspause um die Mittagszeit, wenn es besonders heiß ist.
Wie immer bei diesen (Sommerloch-)Themen, lässt sich die Idee sehr emotional diskutieren. Aber solche Diskussionen bringen uns nicht weiter.
Ich bin da bei Wolf Lotter, der sich dafür ausspricht, sich vernünftig mit der Sache auseinanderzusetzen:
“Wir müssen heute ein bisschen mehr mit Verstand arbeiten, und der Verstand gebietet es, wenn es heiß ist, sich nicht anzustrengen, sondern sich auszuruhen, damit man dann besser arbeiten kann.”
Wolf Lotter im Interview bei Deutschlandfunk, 23. Juli 2023
Für meine Lehrveranstaltungen an der Fachhochschule St. Pölten bekomme ich von meinen Studierenden immer sehr freundliche, mitunter begeisterte Evaluierungen. Das freut mich natürlich sehr. Ich lehre nicht, um Applaus dafür zu bekommen, aber er tut trotzdem gut.
Dieses Mal war jedoch ein Feedback dabei, das mich besonders emotional gepackt hat. Es hat nämlich in einem Satz zusammengefasst, worum es mir in meinem Leben geht und was ich an meinen besten Tagen sein und tun will.
Ein*e Studierende*r hat geschrieben:
Ein herzensguter Mensch, der mit Leib und Seele unterrichtet.
Wenn dieser Satz am Ende meines Lebens auf meinem Grabstein steht, dann habe ich es geschafft. Dann habe ich mein Leben gelebt. Dann habe ich keinen Tag meines Lebens zu bereuen.
Ich weiß nicht genau, wo die Idee herkommt, dass eine Selbständigkeit der Weg zum Glück ist.
Irgendwo da draußen wird die Verheißung propagiert, dass das eigene Business die Lösung für praktisch alle Probleme ist, die man im Leben so hat. Mehr Freiheit, nicht mehr nach der Pfeife des Chefs tanzen, nur mehr mit Wunschkund*innen arbeiten, grenzenloses Einkommenspotenzial – und das quasi nebenbei, ortsunabhängig und passiv.
Meine Erfahrung als Gründungsberater ist eine andere. Ich spreche mit Menschen, die selbständig sind und das auch nie mehr missen möchten, aber dass sich alle Probleme in Luft aufgelöst hätten… Nein.
Im Gegenteil: Die Probleme, die man vor der Selbständigkeit gehabt hat (v.a. mit sich selbst), werden durch die Selbständigkeit nicht gelöst, sondern sogar noch potenziert. Und ja, die Probleme einer Anstellung sind weg, aber mit der Selbständigkeit hat man sich für neue Probleme entschieden, die es nun zu lösen gilt.
Nicht weniger Probleme, nur andere. Nicht mehr Glück, sondern ein anderes.
Woran liegt es, dass wir Lifestyle Entrepreneure uns immer und immer wieder überfordern?
Ich glaube, an drei Ursachen: