Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Das Schulfest (Freewriting XXIII)

D

Über Elternvereine und deren Schulfeste gäbe es sehr viel zu sagen. Wie immer, wenn sich Menschen zusammenfinden, um an einer gemeinsamen Sache (einem “Projekt”) zu arbeiten, passieren allerhand interessante Dinge. Es gibt Gschaftlhuber, fleißige Helfer und vollkommen Desinteressierte. Und es gibt mitunter sogar Saboteure und Wichtigmacher in eigener Sache.

Jedenfalls stehen und fallen solche Projekte mit Menschen, die die Richtung vorgeben. Die Führung übernehmen. Oder auch nicht. Das zeigt sich besonders, wenn das Projekt nicht wie geplant läuft. Denn Führung ist leicht, solange alles gut läuft. Wirklich gute “Leader” erkennt man aber erst in dem Momenten, wo es kriselt. Oder wo es überhaupt kracht.

Wenn so ein Projekt nur ein wenig aus dem Ruder läuft, kann man sagen, es ist halt schlecht organisiert. Ein bisschen Chaos, aber damit können wir meistens ganz gut umgehen. Man improvisiert ein bisschen, und mit etwas gutem Willen kriegt man’s schon irgendwie hin.

Wenn in so einem Projekt hingegen Leadership fehlt, dann lässt sich das praktisch nicht kompensieren. Dann ist das Projekt dem Untergang geweiht.

Versprochen ist versprochen (Freewriting XXII)

V

Mein Sohn war heute sehr verstört, weil ein Freund ihm ein “hoch und heiliges Versprechen” gegeben und es dann gebrochen hat.

Für ihn war das vollkommen unverständlich. Weil wir ihm seit sieben Jahren einbläuen, dass man seine Versprechen halten muss. Wenn man etwas zusagt, dann gilt das. Punkt.

Für mich ist das auch ein Kennzeichen von professionellen Selbständigen und Unternehmer*innen. Profis überlegen sich zweimal, was sie versprechen. Aber wenn sie etwas versprochen haben, dann gilt’s. Amateure hingegen nehmen es mit ihren Versprechen nicht so genau. Sie versprechen bald mal was, aber diese Versprechen sind nicht verbindlich, sondern bestenfalls Absichtserklärungen.

Böses Blut entsteht immer dann, wenn Profis (mein Sohn) und Amateure (sein Freund) aufeinandertreffen. Der eine versteht nicht, wie man ein Versprechen brechen kann, und der andere versteht nicht, wo überhaupt das Problem ist.

Solche Missverständnisse lassen sich nur schwer auflösen, weil sie die Werte-Ebene betreffen. Die lassen sich nicht ausdiskutieren, die lassen sich nur leben – oder eben nicht.

Mir ist es wichtig, meinem Sohn den Wert mitzugeben, dass Versprechen zählen. Aber ich kann ihm nicht den Frust ersparen, der entsteht, wenn andere Menschen das anders sehen.

Unerlaubte Abkürzung (Freewriting XXI)

U

Unlängst habe ich in einem Seminar eine sehr sympathische junge Frau kennengelernt, die Mathematik studiert hat. In der Schule hat mir Mathematik immer getaugt, weil sie immer sehr knifflige und herausfordernde Probleme bereitgestellt hat, mit denen man sein Hirn trainieren kann. Aber ein Mathematik-Studium hätte ich mir niemals zugetraut. Deswegen war ich sehr beeindruckt.

Wir sprachen im Seminar gerade über die Besteuerung von Unternehmensgewinnen und die verschiedenen Prozentsätze, da habe ich die junge Dame gefragt, ob sie das mal schnell ausrechnen kann – sie ist ja schließlich Mathematikerin. Ihre Antwort: “Tut mir leid, im Kopfrechnen bin ich ganz schlecht.”

Ich war einen Moment lang völlig von den Socken. Schlecht im Kopfrechnen? Als Mathematikerin? Und dann, einen Moment später, war mir meine Frage furchtbar peinlich. Wie selbstverständlich bin ich davon ausgegangen, dass eine Mathematikerin auch schnell rechnen kann. Aber das ist total unfair. Weil Kopfrechnen und mathematisches Verständnis zwar was miteinander zu tun haben, aber zwei vollkommen verschiedene Fähigkeiten sind.

Ich habe ihr also was unterstellt, was ich mir in meinem Kopf als logischen Zusammenhang konstruiert habe. Das ist jedoch nicht das Besondere hier. Das Besondere ist, dass ich es gemerkt habe.

Hilflos (Freewriting XX)

H

Ich bin gerade in Salzburg, um ein Seminar zu halten. Und daheim ist ein Riesenbahö, weil jemand aus der Familie ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Und ich sitze da in meinem Hotelzimmer, vollkommen hilflos. Ich kann gar nichts beitragen um der Familie daheim zu helfen.

Ja, ich kann zuhören. Ich kann ermutigen. Aber ich kann nichts Aktives tun. Dabei ist es gerade die Aktivität, die mich (und die meisten anderen Menschen) beruhigen würde. Irgendetwas tun, das fühlt sich viel, viel besser an als herumzusitzen mit gebundenen Händen.

Dabei ist es gar nicht so entscheidend, ob meine Hilfe tatsächlich hilfreich wäre. Ob meine sogenannte Hilfe überhaupt irgendjemandem helfen würde. Hauptsache, ich bin mit meinen Gedanken nicht allein und habe irgendetwas, wo die überschüssige Energie kanalisiert wird und aus mir raus kann.

Es gibt aber gar nichts zu tun als zu warten. The waiting is the hardest part, sagt Tom Petty. Und recht hat er.

Ich würde so viel lieber was tun. Irgendwas. Wahrscheinlich auch, damit ich mir später nicht vorwerfen kann, nichts getan zu haben.

Ziemlich egoistisch, im Grunde. Aber sind wir das nicht alle?

Adel verpflichtet (Freewriting XIX)

A

Ich glaube fest daran, dass mit einem Geschenk immer auch eine Verpflichtung einhergeht. Das steht wunderbar beschrieben bei Lewis Hyde. Aber es geht dabei nicht nur um Geschenke im klassischen Sinn, sondern auch um Geschenke in Form von Ressourcen, insbesondere Geld und Talente.

Wer ein Talent hat, hat auch die Pflicht, dieses Talent zum Wohle aller einzusetzen. Es wäre falsch, dieses Talent nicht auszuleben oder nur egoistische Ziele damit zu verfolgen.

In der Bibel heißt es: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.* Das drückt für mich sehr prägnant aus, worum es geht: Nimm die Privilegien, die du bei deiner Geburt bekommen hast, als Geschenke an. Und dann geh mit diesen Geschenken verantwortungsvoll um. Pass auf auf sie, entwickle sie weiter, und tu Gutes damit.

Und: Genauso großzügig, wie du deine eigenen Geschenke mit anderen teilst, darfst du zugreifen, wenn andere Menschen dir ihre Geschenke anbieten und mit dir teilen wollen.

Geben und Nehmen, der Blutkreislauf des guten menschlichen Zusammenlebens.

[*Hinweis für alle Solopreneure: Umsonst meint hier nicht gratis!]

Am Ende des Semesters (Freewriting XVIII)

A

Gestern war die letzte Lehrveranstaltung meines Sommersemesters 2023, eine Abschlussprüfung in Bilanzierung.

Und das war auch gut so. Um diese Zeit ist es jedes Jahr so, dass ich froh bin, wenn das Semester sein Ende findet. Es war lang, intensiv, fordernd, und ich brauche die vorlesungsfreie Zeit nun, um Kraft zu sammeln und wieder voller Freude und Energie ins kommende Wintersemester zu starten.

Es ist wie der Kreislauf der Natur. Auf Phasen des intensiven Arbeitens müssen auch Phasen der intensiven Ruhe folgen. Nur so ergibt sich ein natürliches Gleichgewicht, und nur so ist das Tun nachhaltig.

In diesem Sinne: Schöne Ferien!

Unproduktiv (Freewriting XVII)

U

Unlängst war ich in einem Meeting, das war vollkommen unproduktiv. Zwei Dutzend Menschen, mehrere Stunden, alles für A und F.

Die Tragik dabei: Das war ein Desaster mit Ansage. Es war abzusehen. Das Ziel des Meetings war nicht klar, und die Ergebnisse hatten von vorn herein keine Chance auf Umsetzung.

Noch trauriger: Das war eigentlich allen Beteiligten klar. Aber keiner hat‘s offen ausgesprochen. Ein reines Theater. Ein Popanz.

Ich habe in diesem Meeting gelitten, körperlich. Ich habe mir so viele Kommentare verbissen, weil‘s eh nichts gebracht hätte. Danach war ich vollkommen fertig, als hätte ich schwer körperlich gearbeitet.

An diesem Tag habe ich für mich beschlossen: Ich will und werde nie mehr in meinem Leben in so einem Meeting sein.

Systemfehler (Freewriting XVI)

S

Unlängst war ich in einer Kinderarzt-Praxis. Die kleinen Patientinnen und Patienten konnten nicht behandelt werden, weil die Software ausgefallen war. Weinende Kinder im Warteraum, angespannte Eltern und hilfloses Personal war die Folge. Vollkommene Machtlosigkeit.

Später, selber Tag: Lange Wartezeiten am Bahnhof Mödling, massig Zugausfälle. Niemand wusste, wann und mit welchem Zug es weitergehen würde. Ob heute überhaupt noch was weitergehen würde. Genervte Pendler, verspätete Verabredete, hilfloses Zugpersonal. Vollkommene Machtlosigkeit.

Systeme sind großartig — solange sie funktionieren. Tritt ein Fehler im System auf, sind wir sehr schnell sehr aufgeschmissen.

Einen schönen Tag (Freewriting XV)

E

Gestern war ich frühmorgens bei unserem BILLA einkaufen. Nach dem Zahlen habe ich der Dame an der Kassa einen schönen Tag gewünscht. Ihre Antwort: “Ja, hoffentlich vergeht er schnell.”

Ich war ganz perplex und habe gar nicht gewusst, was ich darauf sagen soll. Weil: Mir ist so ein Gedanke völlig fremd (geworden). Meine Tage können gar nicht lang genug dauern. Ich habe so vieles, auf das ich mich jeden Tag freue – und ja, auch auf meine Arbeit.

Mir tut diese Frau (und wahrscheinlich tausende Menschen in Österreich) echt leid. Was ist das denn für ein Leben, wenn man an jedem Tag hofft, dass er möglichst schnell vorbei geht? Am Ende so eines Lebens wird man zurückblicken auf sehr viele Tage, an denen man nicht wirklich gelebt hat.

Mir ist schon klar, dass das die Lebensrealität von ganz vielen Menschen ist. Aber es ist eine traurige Realität, die mir heute seit langem wieder mal deutlich geworden ist.

Ich hatte nämlich völlig vergessen, dass es nicht allen Menschen so gut geht wie mir. Oder, in aller Bescheidenheit und Demut anders ausgedrückt: Dass ich einige mutige Entscheidungen in meinem Leben getroffen habe und sich das jetzt auch auszahlt.

Barmherzigkeit (Freewriting XIV)

B

Unlängst habe ich im UGP das Wort “Erbarmen” gebraucht im Zusammenhang mit einer Beratungssituation. Ein Kollege meinte dann, dass die Worte “Erbarmen” und “Barmherzigkeit” sehr schöne Worte sind, die man wahrscheinlich zu wenig liest und hört und fühlt.

Er hat recht. Barmherzigkeit ist wohl eines der edelsten Geschenke, die man einem Mitmenschen machen kann. Barmherzigkeit im Großen, aber noch viel mehr in den vielen kleinen Dingen des Alltags.

Der Begriff Barmherzigkeit ist religiös aufgeladen. Wahrscheinlich wird er deswegen heute so selten verwendet. Aber das “Konzept” dahinter ist aktueller denn je.

Barmherzig zu sein, bedeutet für mich, einen Menschen mit all seinen Schwächen und Verfehlungen zu sehen und ihm trotzdem in seiner Not zu helfen. Barmherzigkeit bedeutet anzuerkennen, dass wir alle im selben Boot sitzen und die Not des Anderen auch meine eigene Not sein könnte.

Wie schön könnte die Welt sein, wenn Barmherzigkeit unser default mode in unserem Umgang miteinander wäre! Der Himmel auf Erden.

Polizeiautos (Freewriting XIII)

P

Heute habe ich im Kopierkammerl aus dem Fenster rausgeschaut und ein Polizeiauto vorbeifahren gesehen. Es war ein Skoda. Und da kam mir spontan der Gedanke: Das hätte sich vor 30 Jahren wohl niemand vorstellen können, dass die österreichische Polizei mal mit tschechischen Autos fahren würde.

Überhaupt sind die Dinge besonders spannend, die sich irgendwann mal niemand hätte vorstellen können und dann mit der Zeit ganz normal geworden sind. Nämlich so normal, dass man ganz vergisst, wie groß die Veränderung eigentlich ist, die zu dieser “neuen Normalität” geführt hat.

Es lohnt sich also – besonders für alle Unternehmer*innen –, heute an all die fantastischen Ideen zu glauben, die morgen völlig normal sein werden, aber sich heute noch niemand vorstellen kann.

2053, in 30 Jahren, wird es das Normalste der Welt sein.

Unzureichend (Freewriting XII)

U

Es gibt diese Momente, an denen ich weiß, dass das, was ich gerade tue, nicht gut genug ist. Dass ich gerne mehr tun würde — aber es geht halt gerade nicht.

Besonders schmerzvoll sind diese Momente, wenn sie Menschen betreffen, die ich liebe. Wenn ich gerne mehr sagen oder tun würde, aber nicht mehr zusammenbringe. Wenn ich einer schwierigen Situation lieber aus dem Weg gehe, statt zu tun, was notwendig ist.

Ich versuche, in diesen Momenten nicht zu streng mit mir zu sein. Ich bin auch nur ein Mensch, und das Leben ist kompliziert.

Und gleichzeitig sind es diese Momente, die mir meine eigenen Grenzen und Schwächen so unbarmherzig vor Augen führen, dass meine Energie dahinschmilzt wie Eis in der Sonne.

Ich tue immer mein Bestes, aber an manchen Tagen ist mein Bestes verdammt wenig.

Im Alter (Freewriting XI)

I

Mein Schwiegervater wird heuer 88 Jahre alt.

Er hört schon sehr schlecht, und sein Gedächtnis ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Und so kommt es vor, dass er immer wieder von den gleichen Dingen spricht. Seine Lieblingsthemen.

Heute habe ich mal genauer hingehört, was denn die Themen eigentlich sind, die ihm besonders wichtig sind:

  1. Die Arbeit. Dass man “einen Posten” hat, der möglichst sicher ist. Weil sich heutzutage, so meint er, viele Menschen schwer tun, einen guten Job zu bekommen und zu behalten.
  2. Die Familie. Er hat jedes Mal eine Riesenfreude, wenn seine Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder da sind. Es erfüllt ihn mit Stolz, seine Familie zu sehen, seine Nachkommen.
  3. Der Charakter von Menschen. Dass manche Menschen neidisch sind. Dass manche Menschen unehrlich sind. Dass er mit seinen Chefs immer gut ausgekommen ist. Dass er froh ist, unproblematische Nachbarn zu haben.
  4. Seine Frau. Wie froh er ist, dass er sie hat, und wie gut sie sich um ihn kümmert.
  5. Seine Tochter. Wie fleißig sie ist, und dass sie ein guter Mensch ist.

Gut möglich, dass ich in 45 Jahren über die vollkommen gleichen Dinge reden werde.

Die Zahlen im Griff? (Freewriting X)

D

Solopreneure und ihr Finanzmanagement ist ein leidiges Thema.

Zum einen ist es so, dass sich viele Solopreneure praktisch nicht um ihre Finanzen kümmern. Solange genug Geld am Konto ist, ist doch alles in Ordnung, oder? Das gilt insbesondere auch für Gründer*innen. Die wollen am Anfang oft gar nicht so genau wissen, wie viel Umsatz sie eigentlich machen müssten, um gut von ihrer Geschäftsidee leben zu können. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß – und kann mich im worst case auch nicht enttäuschen, wenn ich es nicht erreiche. Erfolglos, aber ich weiß es nicht.

Zum anderen ist es so, dass gerade Solopreneure eigentlich Experten sein müssten in Sachen Finanzmanagement. Kaum vorstellbar, dass irgendein größeres Unternehmen so schlecht mit seinen Zahlen umgehen würde wie der durchschnittliche Solopreneur. Dabei ist ein Solo-Business eine Riesenherausfoderung, für die es das beste Finanzmanagement bräuchte, das es überhaupt nur gibt!

Und mir selbst geht es ja nicht viel anders. Meist habe ich bestenfalls ein ungefähres Gefühl für die Zahlen in meinem Business. Von einem regelmäßigen Controlling mit klaren Kennzahlen kann ich wohl kaum sprechen.

Bis jetzt. Ab heute ändert sich das.

Wie Erwachsene (Freewriting IX)

W

Obwohl wir im Business alle Erwachsene sind, benehmen wir uns oft nicht so.

Woran erkennt man Erwachsene?

  1. Sie übernehmen Verantwortung für das, was sie tun.
  2. Sie geben Versprechen und halten sie ein.
  3. Sie übernehmen auch Verantwortung für ihre Fehler und versuchen nicht, sich bei anderen abzuputzen.
  4. Sie gehen unangenehmen Gesprächen nicht aus dem Weg, sondern sagen, was gesagt werden muss.
  5. Sie handeln integer. Das heißt, sie haben einen Wertekompass, an den sie sich auch dann halten, wenn es unbequem ist.
  6. Sie ändern ihre Meinung, wenn sie etwas Neues gelernt und erkannt haben, dass sie unrecht hatten.
  7. Sie bitten um Entschuldigung.
  8. Sie streichen nicht beim ersten Gegenwind die Segel.
  9. Sie wissen, wofür es sich zu streiten lohnt und wofür nicht.
  10. Sie wollen nicht recht haben, sondern sind an der Wahrheit interessiert.
  11. Sie können mit Sunk Cost umgehen.
  12. Sie lassen ihre Entscheidungen nicht von ihrem Ego leiten.
  13. Sie bleiben auch in Unsicherheit und Zweifel handlungsfähig.
  14. Sie können durch ihre Angst hindurchgehen.
  15. Sie führen Gespräche auf Augenhöhe und hören zu.

Es würde uns allen gut tun, wenn wir uns öfter wie Erwachsene begegnen würden.

Professionell (Freewriting VIII)

P

Unlängst hat sich Philipp Maderthaner in einer Podcast-Folge mit der Frage beschäftigt, ob man als Unternehmer bzw. Unternehmen auf Social Media sein muss.

Einen Aspekt seiner Antwort fand ich besonders interessant. Er meinte, dass man sich bei der Frage, ob Social Media oder nicht, um eine professionelle Auseinandersetzung bemühen sollte. Ja, er hat sogar gesagt, er erwartet von einem Unternehmer, dass er sich professionell mit dieser Frage auseinandersetzt.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang professionell? Es bedeutet, dass wir uns nicht von unserer privaten Meinung leiten lassen oder von unseren persönlichen Vorlieben ausgehen. Es ist völlig unerheblich, ob wir privat Facebook, Twitter, Insta etc. mögen oder nicht. Eine professionelle Haltung sieht sich z.B.. Facebook völlig umemotional an und fragt: Wie kann Facebook mir helfen, mein Unternehmen zum Erfolg zu bringen?

Gerade wir Solopreneure tappen häufig in die Falle, dass wir unsere privaten Meinungen unreflektiert in unser Business übertragen. Aber da sollten wir wirklich aufpassen, weil wir uns dadurch mitunter Chancen vergeben.

Private Meinungen und Intuitionen haben ihren Platz, gar keine Frage. Aber sie sollten nicht das einzige Kriterium sein, wenn wir unternehmerische Entscheidungen treffen.

Angehalten (Freewriting VII)

A

Ein häufiges Problem in Ein-Personen-Unternehmen: Alles steht und fällt mit dem Aktivitätsgrad der Unternehmerin bzw. des Unternehmers. Oder, wie es eine befreundete Unternehmerin ausgedrückt hat: When I stop, everything stops.

Solange alles gut bei uns läuft, solange wir ausgeschlafen, ausgeglichen und gesund sind, geht’s auch unserem Business gut. Da geht richtig was weiter. Aber sobald etwas ein bisschen aus dem Ruder läuft, sobald wir ein paar Tage lang krank sind (oder die Kinder!) oder wenn ein familiärer Notfall dazwischen kommt, steht die Mühle. Weil einfach alles auf Kante genäht ist in unseren EPU und wir kaum Puffer oder Backup haben.

Dabei sagt uns ja die Erfahrung, dass außerplanmäßige Ereignisse nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind. Eigentlich müssten wir es ja besser wissen, und doch treffen wir kaum Vorkehrungen für den Fall, dass unser Business auch mal ohne uns laufen muss. Weil wenn wir aktiv sind, dann ist ja eh alles in bester Ordnung. Und wenn wir dann doch mal wieder ausfallen, dann nehmen wir und ganz fest vor, jetzt aber wirklich bald was zu unternehmen, endlich zu automatisieren und auszulagern usw.

Und dann…

Bitte Geduld! (Freewriting VI)

B

Eine der Konsequenzen, dass ich eben bin, wie ich bin, ist, dass ich nicht gerade sehr spontan bin in der Umsetzung.

Man könnte auch sagen: Bei mir dauert alles ziemlich lange. Weil ich gerne lange nachdenke. Weil ich nicht sehr spontan bin. Weil ich nicht einfach mal was ausprobiere, ohne lang zu überlegen. Weil ich mir viele Gedanken und auch Sorgen mache, bevor ich aktiv werde. Darauf bin ich nicht stolz, aber was soll ich machen.

Mitunter führt das bei Menschen in meiner Umgebung zu Frust. Meine Frau kann davon ein Lied singen, aber auch der eine oder die andere Geschäftspartner*in. Bis bei mir einmal was weitergeht!

Was dann halt immer auch ist: Dass mein mangelnder Umsatzdrang mit fehlendem Interesse gleichgesetzt wird. Nach dem Motto: Wenn Günter wirklich wollte, dann würde er doch längst. Aber das stimmt nicht. Nur, weil ich (noch) nicht tue, heißt das nicht, dass ich niemals tun werde. Es dauert halt nur sehr, sehr lang.

Aber am Ende habe ich noch jede Idee, die ich für wirklich gut befunden habe, umgesetzt.

Habt Geduld mit mir!

Siegesfeier (Freewriting V)

S

Gestern war ich live dabei, als meine Mannschaft, die Admira, den Worst Case abgewendet hat und im letzten Spiel gegen den direkten Konkurrenten den Klassenerhalt geschafft hat.

Das Spiel selbst war weitestgehend furchtbar, aber das Ergebnis hat gepasst. Ende gut, alles gut, könnte man sagen. Und entsprechend ausgelassen war auch die Siegesfeier nach Schlusspfiff.

Nun kann man natürlich sagen: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. An dem Tag wurde das gesteckte Ziel erreicht, und deshalb darf man auch feiern. Bei der Mannschaft, bei den Fans, im ganzen Verein war die Erleichterung riesengroß.

Andererseits denke ich mir: Was genau feiern wir denn da? Dass eine Saison nicht in der absoluten Katastrophe geendet hat, sondern nur in einer ziemlich großen? Dass es bis zum letzten Spieltag gedauert hat, den Klassenerhalt zu sichern? Dass die Mannschaft trotz wenig überzeugender Leistung immerhin gewonnen hat?

Setzen wir einen Haken unter diese Saison. Die Katastrophe ist nicht eingetreten, Schwamm drüber.

Aber in der nächsten Saison hätte ich gerne wieder echte Gründe zum Feiern.

Ganz wenige (Freewriting IV)

G

Wie viele Menschen gibt es da draußen, mit denen du wirklich tiefgehende Gespräche führen kannst?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du das Gefühl hast, dass du tatsächlich über das sprichst, worum es im Leben wirklich geht?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo es im Gespräch nicht darum geht, recht zu haben oder gescheiter zu sein als der andere, sondern darum, gemeinsam einen Gedanken zu entwickeln und gemeinsam schlauer zu werden?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du dich auf das Gespräch schon lange vorher freust?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du sofort mitten im Gespräch einsteigen kannst, auch wenn ihr euch schon Monate lang nicht mehr gesehen habt?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du nach dem Gespräch mehr Energie hast als davor?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du das Gefühl hast, du wirst gehört, gesehen und verstanden?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du es wirklich schade finden würdest, wenn das Gespräch, das du gerade mit ihnen führst, das letzte Gespräch mit ihnen wäre?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, denen es mit dir ganz genauso geht wie dir mit ihnen?

Ich weiß es nicht. Aber ich vermute mal, es sind ganz, ganz wenige. Diese Menschen sind ein Segen, ein Geschenk des Himmels.

Und dieses Geschenk sollten wir hüten wie unseren Augapfel.