Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Zum Schmied, nicht zum Schmiedl

Z

Wenn wir etwas wirklich lernen wollen, dann sollten wir nicht von Menschen lernen, die selbst nur ihre eigenen Erfahrung anzubieten haben.

Wir sollten lernen von Menschen, welche die Konzepte dahinter durchschaut haben.

Von Menschen also, die uns verständlich erklären können: Warum funktioniert etwas, und warum funktioniert etwas anderes (bei mir) nicht?

Nicht im Geringsten

N

Was bei anderen funktioniert, kann ich als Inspiration nehmen, aber ich darf überhaupt nicht versuchen, nicht im Geringsten versuchen, diese Konzepte auf mein Business überzustülpen.

[Danke Anne Bucher für diese Formulierung.]

Urlaubsplanung

U

Was den Urlaub von Solo-Selbständigen betrifft, stelle ich folgendes Muster fest:

Der Urlaub, der fix gebucht und bezahlt ist, findet statt.

Der Urlaub, der “spontan” passieren soll (weil man ist ja schließlich selbständig!), findet nicht statt.

Die Grenzen des Systems

D

Egal, in welchem System wir uns bewegen, es wird darin Menschen geben, die die Grenzen dieses Systems ausloten. Die schauen, was sie sich erlauben können, ohne sanktioniert zu werden. Die Schwachstellen und Schlupflöcher aufstöbern und ausnutzen.

Das kann man diesen Menschen nur bedingt vorwerfen. Der moralische Kompass, dass alles erlaubt ist, was nicht verboten ist, ist weit verbreitet – und wird ja sogar von vielen “Vorbildern” in Politik, Wirtschaft und Kultur so vorgelebt.

Wenn man nicht will, dass etwas passiert, dann braucht es dafür klare Regeln. Was nicht erwünscht ist, darf einfach nicht erlaubt sein. Dann wird es auch (fast) nicht mehr passieren.

Angst vor den Zahlen (2)

A

Eine Konsequenz, die aus der Angst der Gründer*innen vor den Zahlen (bzw. vor dem Ergebnis) entsteht:

Viele Gründer*innen haben zwar ein Gefühl, aber relativ wenig Wissen über den Finanzierungsbedarf ihrer Gründung. Sprich: Wie viel Geld sie denn überhaupt brauchen, um Ihr Business auf die Beine zu stellen und in der Startphase abgesichert zu sein.

Aber es wäre doch sehr nützlich, das zu wissen, oder?

Angst vor den Zahlen (1)

A

Viele Gründer*innen scheuen sich davor, einen Finanzplan zu erstellen. Wenn man von außen drauf schaut, könnte man meinen, dass viele Gründer*innen Angst vor Zahlen haben.

Aber das stimmt nicht. Sie haben keine Angst vor den Zahlen, sie haben Angst vor dem Ergebnis

Dass sich herausstellt, dass sich ihre Gründungsidee nicht rechnet. Dass sie das, was sie bisher als ungutes Bauchgefühl hatten, nun schwarz auf weiß vor Ihnen sehen.

[Danke Michaela Schächner für diesen Gedanken.]

Wie Kunden unsere Preise sehen

W

Wir Lifestyle Entrepreneure machen uns sehr, sehr, sehr viele Gedanken über unser Pricing.

Unsere Kunden nicht. Sie interessiert es am Ende nicht, ob wir mit unserer Preiskalkulation kostendeckend sind oder ob der Preis über/unter unserem errechneten Mindeststundensatz liegt.

Unsere Kunden fragen sich nur: “Ist mir das Ergebnis, das ich da bekomme, den Preis wert?“

Die Quelle ist nicht wichtig

D

Für alle Berater*innen und Lehrer*innen:

In unserer Kultur geht es immer mehr weg von “Von wem ist das?” hin zu “Wofür ist das gut?“.

Alleine essen

A

Als bekennender Introvertierter habe ich so meine Schwierigkeiten mit größeren Gruppen. Ich mag Menschen, aber ich brauche auch immer wieder meine Ruhe.

Unlängst war ich auf einem Kongress. Ein ganzer Tag mit ganz vielen Leuten, von denen ich niemanden kannte. Dabei vorgesehen war auch ein gemeinsames Mittagessen. Kostenlos.

Aber davon habe ich mich freigekauft. Ich habe 14,90 in mein Wohlbefinden investiert und in einem veganen Burgerladen alleine zu Mitttag gegessen.

Darauf bin ich stolz. Früher hätte ich mir das nicht erlaubt.

Wissen vermitteln

W

Wichtiger Reminder, immer wieder:

Nur, weil ich etwas erkläre, heißt das nicht, dass beim Gegenüber Wissen entsteht.

Weil: Wissen ist das Produkt eines konstruktiven und kollaborativen Prozesses.

Beschäftigungstherapie

B

Was hast du von einem Geschäftsmodell, das dich zwar mit Arbeit versorgt, aber mit zu wenig Einkommen?

[Danke Roman Kmenta für diesen Gedanken.]

Doch nicht der Richtige

D

Vor wenigen Monaten hat die Admira einen neuen Trainer installiert.

Der ist wieder weg vom Fenster. Es ist noch schlechter gelaufen als unter dem Trainer davor.

Nun gibt es dafür sicher viele Gründe, und ich als Fan weiß in Wirklichkeit gar nichts über die Interna des Vereins.

Aber ein Gedanke drängt sich mir schon auf: Kann es sein, dass der Verein von Menschen geführt wird, die nicht genau wissen, was (wen) sie eigentlich wollen?

Wahrscheinlich zu teuer

W

Es ist total herablassend, wenn wir von irgendeinem unserer potenziellen Kund*innen annehmen, dass er/sie sich unser hochpreisiges Angebot wohl nicht leisten können wird und wir es ihm/ihr deswegen gar nicht anbieten.

Warum glauben wir, dass wir uns erlauben können, diese Entscheidung für sie zu treffen?

Warum nehmen wir unser Gegenüber nicht einfach für voll, nennen unseren Preis und überlassen es dann ihm/ihr, ob er/sie sich das Angebot leisten möchte oder nicht?

Promotion ist Arbeit!

P

Das ist für alle so.

Ich glaube, 99% aller Lifestyle Entrepreneure würden lieber produzieren als promoten. Die meisten haben eine Scheu davor, über sich selbst und ihre Angebote zu sprechen. Deswegen werden auf Partys Cocktails serviert.

Auch Van Morrison freut sich wahrscheinlich nicht darauf, zum tausendsten Mal Moondance zu spielen. Die Frage ist: Macht er es trotzdem?

Machst du es trotzdem?

Ein großer Aufwand

E

Wolfgang Ambros spielt im Sommer 2023 einige Konzerte gemeinsam mit Gert Steinbäcker, dem ersten S von STS.

Der Plan ist, dass jeder von den beiden eine Stunde plus Zugaben spielt. Und dann, eventuell, noch ein Lied gemeinsam, aber: “Wir müssen uns noch zusammensetzen und das genauer besprechen”, sagt Gert Steinbäcker.

Wolfgang Ambros sieht das hingegen viel pragmatischer: “Was sollen wir gemeinsam spielen? Das sagt sich so leicht und man stellt es sich einfach vor, aber in Wirklichkeit muss man sehr viel dafür proben. Das ist ein großer Aufwand für ein oder zwei gemeinsame Lieder.”

Und diesen Aufwand zu betreiben, das scheint Wolfgang Ambros nicht mehr zu wollen.

Zumindest ist er ehrlich.

Unmoralisch?

U

Unlängst habe ich mit meinen Studierenden an der FH St. Pölten darüber diskutiert, ob es denn nicht unmoralisch ist, dass ein Ticket für das Pink-Konzert in Wien zwischen 100 und 600 Euro kostet, wo Pink doch ein geschätztes Vermögen von 180 Millionen Euro hat. Müsste Pink angesichts ihres Reichtums nicht gratis spielen?

Ein Student hat diese Frage mit folgender Faustregel beantwortet: Immer, wenn man fordert, dass irgendwer was gratis machen sollte, darf man sich fragen: Würde ich es an seiner Stelle gratis machen?

Meistens hat sich das moralische Dilemma damit schlagartig aufgelöst.

Menschliches Unternehmertum

M

Spannender Gedanke von Stephan Park:

Wie wäre es, wenn wir menschliche Wärme ins Zentrum all unserer Handlungen und all unserer Entscheidungen als Unternehmer*innen stellen würden?

Wie wäre es, wenn in unserem Business menschliche Wärme der rote Faden von allem wäre — im Content, in den Verkaufsgesprächen, in der Arbeit und in der Betreuung unserer Kunden?

Erfolgreich verkauft

E

Unlängst ist mir an einer Hausmauer das Banner eines Immobilienmaklers aufgefallen, auf dem stand: Erfolgreich verkauft!

Dem Sprachwissenschaftler in mir hat das zu denken gegeben, denn:

  1. Das Wort verkaufen kennt nur zwei Zustände: Entweder, ein Ding wurde verkauft, oder es wurde nicht verkauft. Es kann nicht erfolgreich verkauft worden sein, denn jeder Verkauf ist per definitionem erfolgreich. Es handelt sich hier also um einen Pleonasmus, genauso wie das kleine Baby oder der wohlhabende Millionär.
  2. Wäre es dennoch theoretisch denkbar, dass ein Verkauf nicht erfolgreich war, also im übertragenen Sinn? Dass ein Verkauf zwar stattgefunden hat, aber es trotzdem ein Misserfolg war? Denkbar wäre das im unternehmerischen Kontext, wenn ein Vertreibler einen Auftrag mit einem Kunden abschließt, der aber so schlecht kalkuliert ist, dass im Endeffekt ein negativer Deckungsbeitrag raus kommt. Dann wäre zwar ein Verkauf passiert, aber von Erfolg kann man dennoch nicht sprechen.
  3. Wem nützt die Formulierung “erfolgreich verkauft“ eigentlich? Für wen schreibt man das? Wirkt so ein übertriebener Superlativ wirklich für den Verkäufer der Immobilie, den Käufer oder den Makler? Oder soll dieses Wording vor allem zukünftige Immobilien-verkaufende Kunden beeindrucken?

Wie so oft im Leben sind auch hier die Fragen mitunter spannender als die möglichen Antworten.

Traurig sein

T

Unlängst habe ich mit einer Gründerin gesprochen, die ohne eigenes Verschulden plötzlich zwei Kunden und damit einen Großteil ihres Umsatzes verloren hat.

Neben den konkreten und ganz praktischen Tipps, wie man mit so einer Situation umgehen kann, war mir eine Botschaft ganz wichtig: Dass sie sich die Zeit nimmt und sich erlaubt, über diesen Verlust traurig zu sein.

Auch wenn wir ganz professionell sind, dürfen wir uns zugestehen, dass wir alle nur Menschen sind. Und die meisten Menschen macht es traurig, wenn sie etwas verlieren.

Und das darf auch so sein. Da müssen wir nicht drüber stehen.

Unbändiger Gründungswille

U

Ich begleite derzeit einen Gründer, dessen Gründungsidee für mein Dafürhalten ein bisschen, nun ja, schwachbrüstig ist.

Ich habe ihn mehrfach darauf angesprochen, er sieht das anders. Denn was für diesen Gründer spricht: Er ist uneingeschränkt determined.

Dieser Mann wird gründen – mit oder ohne mir.

Dann besser mit mir.