Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Boost

B

Unlängst sagte eine Gründerin in einem Beratungsgespräch (auf Englisch) zu mir:

Things are advancing but very slowly. Hopefully we have a boost.

Klar, die Hoffnung stirbt zuletzt, aber erfahrungsgemäß kommt so ein Boost nicht einfach daher.

Wobei… Manchmal schon. Dann heißt es, das Eisen zu schmieden, solange es heiß ist. (Seth Godin hat dazu unlängst einen lesenswerten Beitrag geschrieben.)

Aber zu allen anderen Zeiten müssen wir uns an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Und das geht nur Schritt für Schritt. Eines nach dem anderen. No hurry, no pause.

Eine Lokomotive rollt auch ganz langsam an, aber wenn sie dann mal unterwegs ist…

Zufall

Z

Gott verbirgt sich hinter dem Zufall.

ChatGPT in der Lehre

C

Das ist ein Thema, das gerade viele Hochschulen umtreibt. So auch die FH St. Pölten, an der ich unterrichte.

Die FH hat zum Umgang mit ChatGPT “Leitlinien” für Lehrende und Studierende verfasst. An sich eine gute Sache, weil etwas Orientierung immer hilft, Neuigkeiten und Veränderungen besser zu managen.

So gut die Absicht ist, so wenig hilfreich ist eine Umsetzung, in der sich Formulierungen wie diese finden:

Die Nutzung von ChatGPT und vergleichbaren Tools braucht ein Konto, für das persönliche Daten inkl. Telefonnummer eingegeben werden müssen. Hier ist abzuklären, inwiefern eine Kontoerstellung für den Kompetenzerwerb in einer Lehrveranstaltung notwendig ist.

Der Sprachwissenschaftler in mir fragt sich: Hä? Abzuklären mit wem? Inwiefern besteht eine Verbindung zwischen Kontoerstellung und Kompetenzerwerb? Von welchen Kompetenzen reden wir hier überhaupt? Was, liebe Autorin, willst du mir damit zu verstehen geben? Was möchtest du mir damit eigentlich sagen?

Und warum sagst du es mir nicht klar und deutlich – in Worten, die mich nicht interpretieren und raten lassen müssen?

Tunnelblick

T

Woran ich merke, dass ich gerade überlastet bin?

Wenn ich eine eigentlich sehr gute Idee am liebsten nicht hören möchte, weil ich keine Lust, keine Kraft und keine Energie habe, mich mit der Idee auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken.

Dringend Zeit für eine Pause.

Schlechte Evaluierung

S

Unlängst habe ich eine ganz schlechte Evaluierung für eine meiner Lehrveranstaltung bekommen. Eine Einzelmeinung, aber trotzdem.

Eine Studentin oder ein Student hat mich und meine LV in allen Kategorien mit der schlechtesten Note bewertet. Da war wohl jemand sehr unzufrieden.

Natürlich ist es nicht sehr hilfreich, ein Semester lang nichts zu sagen und dann am Ende sein Missfallen mit schlechten Bewertungen auszudrücken. Aber da sage ich das Offensichtliche, so geht es auch ganz vielen Unternehmer*innen, z.B. auf Google My Business oder Amazon.

Was mich eher wurmt, ist, dass ich aus dieser Bewertung nichts lernen kann. Ich vermute, sie beruht auf einem grundlegenden Missverständnis zu meinem didaktischen Konzept, aber ich bin mir nicht sicher. Weil ich keine konkreten Hinweise bekommen habe, ist diese Evaluierung für mich praktisch wertlos.

Schade um die vertane Chance.

Zukunft gestalten

Z

Der Zukunftsforscher Matthias Horx hat unlängst etwas sehr Spannendes gesagt:

Die Zukunft ist eine Frage des Selbstbewusstseins.
Es ist eine Frage, wie hart du dich in den Wind stellst.

Matthias Horx

Wir stehen unserer Zukunft nicht machtlos gegenüber. Wir können sie zwar nicht bis ins Detail planen und vorherbestimmen, aber wir können uns entscheiden, mit welcher Haltung wir ihr entgegentreten.

Und die Haltung, die wir wählen, wird unsere Zukunft formen.

Plausibel

P

Es kann ja sein, dass etwas plausibel klingt.

Aber das heißt noch lange nicht, dass es auch valide ist!

Kühn

K

Wirklich gewagte Ideen und Handlungen zahlen sich meistens aus.

Weil sie kaum jemand tut.

Aufsichtsrat

A

In einer Aktiengesellschaft gibt es den Aufsichtsrat. Der Aufsichtsrat wird von den Eigentümern (= den Aktionären) bestimmt und hat die Aufgabe, der Geschäftsleitung (= dem Vorstand) auf die Finger zu schauen, ob er eh alles richtig macht.

Einzelunternehmer haben keinen Aufsichtsrat. Sie verfügen nicht über so ein Kontrollorgan – und braucht auch keines. Das unternehmerische Risiko, die Gefahr, dass ihm das Geld ausgeht… das sollte eigentlich schon Kontrolle genug sein, damit sie keine Dummheiten machen.

Hinkend und tanzend

H

Unlängst habe ich eine alte Unternehmer-Weisheit kennengelernt:

Das Geld kommt hinkend rein und geht tanzend raus.

Ich interpretiere das so: Es ist sehr mühsam, Geld zu verdienen (= Umsatz zu machen), aber ausgeben tut sich das sauer verdiente Geld quasi wie von selbst.

Die unternehmerische Kunst wäre jetzt, das umzudrehen.

Verkaufen und Vertrauen

V

Verkaufen braucht Vertrauen.

Nämlich zu allererst mal unser eigenes Vertrauen in unser eigenes Angebot.

Wer kein bedingungsloses Vertrauen in sein Angebot hat, wird auch nicht fähig sein, es überzeugend zu präsentieren und zu verkaufen.

Richtig und falsch

R

Auch Expert*innen und Berater*innen können im Grunde nicht beurteilen, ob etwas richtig oder falsch ist. Niemand kann in die Zukunft schauen.

Wir können bestenfalls voraussagen, ob etwas in Schmerz oder Leid enden wird. Aber selbst dann: Wenn wir jemanden vor dem Schmerz bewahren möchten, tragen wir möglicherweise nur dazu bei, seinen Schmerz langfristig zu vergrößern. 

Da wäre es besser gewesen, wir hätten den kurzfristigen Schmerz zugelassen, um ihn von langfristigem Leid zu erlösen. 

Kunde oder Teilnehmer

K

Es macht einen Unterschied, ob Gründungsberater*innen des UGP die Gründer*innen als Kunden oder als Teilnehmer bezeichnen.

Ich weiß nur noch nicht genau, welchen.

Taube Ohren

T

Ich glaube, fast alle Lehrer*innen da draußen haben Schüler*innen, an denen sie sich die Zähne ausbeißen.

Als Gründungsberater habe ich erst heute wieder mit so jemandem telefoniert. Egal, was ich sage, es scheint einfach nicht anzukommen. Die berühmten tauben Ohren.

Fast Eddie Felson (Paul Newman) bringt im Film Die Farbe des Geldes wunderbar auf den Punkt, woran es liegen kann:

Entweder unterrichte ich dich nicht richtig, oder du hörst mir nicht zu.
Oder du hörst zu, aber du verstehst nicht.

Fast Eddie Felson in “Die Farbe des Geldes

Eines von den dreien also. Wenn ich jetzt nur wüsste, was…

Vertrauen ist nützlich

V

Als Content Creator steht man vor der Herausforderung, mit seinem Content nützlich zu sein. Etwas zu produzieren, das für das Publikum relevant und im besten Fall actionable ist.

Man kann Nützlichkeit aber auch anders denken. Nützlich kann auch etwas sein, was meinem Publikum Vertrauen zu mir gibt.

Wenn ich eine neue Buchnotiz auf meine Website lade, dann ist es gut möglich, dass diese Notiz von niemandem jemals gelesen wird.

Aber das ist vielleicht gar nicht der Punkt, denn: Mein Publikum weiß nun, dass ich das Buch gelesen habe.

Gefährlicher Unfug

G

Es gibt Business Coaches da draußen, die sagen: Wenn du einen Plan B hast, dann bist du nicht all-in mit deinem Business! Dann bist du nicht committed genug!

Was für ein Bullshit.

In Wahrheit ist es so, dass der klassische sorgfältige Kaufmann immer einen Plan B hat. Er würde niemals alles auf eine Karte setzen. Gute Unternehmer versuchen immer, ihr Risiko zu streuen. Genau das macht sie zu guten Unternehmern.

Bitte glaubt nicht alles, was da draußen von selbsternannten Business Coaches an Unfug verzapft wird!

Merci

M

Ich habe von meinen Studierenden an der FH St. Pölten bei der letzten Einheit meiner Lehrveranstaltung “Media Cost Management and Finance” ein Packerl Merci zum Abschied bekommen.

Ich war total überrascht und gerührt.

Und gleichzeitig mag es ein Beweis sein für etwas, das seit 2000 Jahren in der Bibel steht: Gib, dann wird dir gegeben werden.

Unerkannte Privilegien

U

Wie wir als Kind aufwachsen, halten wir für ganz normal. Wir glauben, alle Kinder wachsen so auf wie wir. 

Wir sind uns unserer Privilegien überhaupt nicht bewusst – nicht als Kind, und nicht als Erwachsene.

Das ist ein Problem, wenn wir erwachsen sind, weil darin die Wurzel von Diskriminierung und Rassismus liegt. 

[Danke Betiel Berhe für diesen Gedanken.]

Ignorant

I

Nach dem letzten Podcast von Anitra Eggler beschleicht mich das Gefühl:

Ich glaube, ich unterschätze die aktuelle KI-Revolution völlig.

Bittere Wahrheit

B

Nicht alles, was unsere Kunden brauchen würden, wollen sie auch (kaufen).