Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Ideenfriedhof

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“Ich habe einen Friedhof von Ideen”, sagte unlängst eine Gründer*in zu mir.

Wir Lifestyle Entrepreneure sprühen häufig vor Ideen. Und wir haben immer mehr Ideen als Zeit, diese Ideen auch umzusetzen.

Deshalb erfüllt unser Ideenfriedhof eine wichtige Funktion. Dort landen die Ideen, die nicht ganz gut genug sind. Für die es nicht ganz reicht. Für die es sich nicht ganz ausgeht.

Dort mögen sie in Frieden ruhen, damit wir uns voll auf unsere wenigen exzellenten Ideen konzentrieren können.

Trainer-Angst

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Die unausgesprochene Angst jedes Trainers, wenn er vor seiner Seminar-Gruppe steht:

“Ich habe Angst, dass ihr erkennt, dass ich gar nicht so gut bin, wie ihr denkt.”

Zuerst ein Bildungsauftrag

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Wir neigen dazu, das Vorwissen unserer potenziellen Kund*innen zu überschätzen.

Weil wir uns so intensiv mit unserem Thema, mit unseren Produkten und Angeboten auseinander gesetzt haben, gehen wir unbewusst davon aus, dass andere das auch tun.

Und so stellen wir immer wieder ernüchtert fest, dass bevor wir jemanden unsere Angebote verkaufen können, wir erst mal erklären müssen, worum es da eigentlich geht. Was wir da eigentlich tun und wollen.

Und zwar von Anfang an. Ganz von Anfang an.

Denn was wir für die absoluten Basics halten, ist für viele unserer Kund*innen komplettes Neuland.

2. Geburtstag

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Heute feiert mein Blog seinen zweiten Geburtstag.

Seit 13. März 2020 habe ich jeden Tag einen Blog-Artikel veröffentlicht und keinen einzigen Tag versäumt.

Dafür möchte ich mir heute ausnahmsweise selbst auf die Schulter klopfen und mir sagen: Günter, ich bin stolz auf dich. Weiter so!

Ein Kunde, der nicht bezahlt

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Ist kein guter Kunde.

Es heißt zwar „Der Kunde ist König“, aber das gilt nur für Kunden, die sich auch gut zu „benehmen“ wissen. Und das heißt unter anderem, sich an die Vereinbarungen halten – genauso, wie du es tust. Das bedeutet nicht zuletzt auch, dass er dich pünktlich und vollständig bezahlt. Das ist kein Entgegenkommen des Kunden, sondern das ist Teil des Deals. Das steht dir zu. Punkt.

In dem Moment, wo ein Kunde dich nicht (mehr) bezahlen will, ändern sich die Spielregeln. Du brauchst kein Verständnis mehr zu zeigen, und du musst auch nicht länger Geduld mit ihm haben – egal, wie die bisherige Zusammenarbeit gelaufen ist und die lange die Zusammenarbeit schon besteht. Du sind ihm nichts schuldig, solange er dir dein Geld schuldig bleibt.

Deswegen: Feuer diesen Kunden! Arbeite nicht mehr für ihn. Verschwende keine weitere Zeit, Gedanken und Energien an diesen Kunden. Konzentrier dich auf die Zukunft und auf deine verlässlichen Kunden. Steh für dich ein und lass dir das nicht gefallen. Diesen Selbst-Respekt hast du dir verdient.

Und: Werde nicht weich, wenn sich dieser Kunde doch wieder mal melden sollte und Besserung gelobt. Wer das einmal macht, macht das wieder. Bleib bei deiner Entscheidung.

Es gibt Kunden, die dir auf deinem Weg mehr schaden als nützen.

Und ein Kunde, der nicht bezahlt, ist so einer.

Buzzwords

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Buzzwords haben einen einzigen Zweck: Sie wollen beeindrucken. Buzzwords sind Teil der “Beeindruckungssprache” (Axel Gloger).

Buzzwords sind nicht zugänglich. Buzzwords erklären nichts. Buzzwords erregen vielleicht Aufmerksamkeit, aber sie haben wenig Substanz.

Ich glaube, wir lernen das Arbeiten mit Buzzwords im Studium. Zumindest finde ich Buzzwording fast ausschließlich bei Akademiker*innen. 

Buzzwords helfen in Wirklichkeit niemandem. Nicht dir selbst in deiner Außenwirkung, und schon gar nicht deinen Kund*innen.

Wer es nicht schafft, seine Lösungen in einer Alltagssprache relevant zu machen, schafft es schon gar nicht mit Buzzwords.

First Generation Entrepreneurs

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Es gibt Gründer*innen, die werden in ein unternehmerisches Umfeld hineingeboren. Ihre Eltern sind selbständig, und sie wissen von klein auf, was es bedeutet, ein Unternehmen zu haben. The good, the bad and the ugly.

Das kann mitunter dazu führen, dass sie sich denken: “Nein, so wie meine Eltern möchte ich nie werden. Ich mache mich sicher niemals selbständig.” Aber viele wählen, früher oder später, ebenfalls den Weg in die Selbständigkeit – und können auf ein unterstützendes und verständnisvolles Umfeld zurückgreifen.

Bei First Generation Entrepreneurs (wie ich einer bin), ist das anders. Als (bis heute) einziger in meiner ganzen Familie, der selbständig ist, fühle ich mich manchmal wie ein Exot. Mir wurden nie Steine in den Weg gelegt auf meinem Weg, aber ich glaube, dass sich meine Familie mitunter schon wundert, warum ich es mir als Selbständiger so schwer mache. Ich könnte es als Angestellter doch viel leichter haben. Vermeintlich.

Für First Generation Entrepreneurs ist es besonders wichtig, Menschen in ihrem Umfeld zu finden, die ebenfalls selbständig sind. Mit denen sie sich austauschen können, die ähnliche Gedanken und Träume haben und die ähnliche Sorgen haben.

Manchen wird dieses Umfeld in die Wiege gelegt, und manche sind Pioniere für die späteren Generationen.

Vogel oder Igel?

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Heute bin ich in einem Beratungsgespräch drauf gekommen, dass es zwei verschiedene Typen von Lifestyle Entrepreneuren gibt: Vögel und Igel.

Vögel-Unternehmer*innen suchen die Abwechslung. Sie flattern von Ast zu Ast. Sie sind mit viel Begeisterung am Werk, aber diese Begeisterung ist nur über eine bestimmte Dauer verfügbar. Die Stärke der Vögel liegt darin, Projekte (Businesses) zu starten und die Anschub-Energie zu leisten. Aber sie sind nicht gut darin, sich langfristig auch mit den Mühen des Projekt-Alltags zu beschäftigen. Serial Entrepreneurs sind solche Vögel.

Igel-Unternehmer*innen widmen sich einem Thema über eine lange Zeit. Sie beißen sich förmlich daran fest und empfinden Freude daran, wenn sie sich einem Projekt (einem Business) viele Jahre lang widmen können. Sie bleiben dran und lassen sich nicht leicht ablenken.

Igel sind nicht besser als Vögel (oder umgekehrt). Sie sind nur anders. Wir brauchen beide.

Wichtig ist nur, dass du weißt, ob du Igel oder Vogel bist. Damit es dir nicht passiert, dass du als Vogel versuchst, dein Business mit Igel-Werkzeugen zu führen.

Lehrkraft

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Ich bin als Lehrender sehr service-orientiert. Ich bin bestrebt, meinen Studierenden eine angenehme Lernerfahrung zu ermöglichen und ihnen auf ihrer Lernreise (unnötige) Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Mit diesem Zugang bin ich immer gut gefahren, und auch von den Studierenden wurde diese Service-Orientierung zumeist sehr geschätzt.

Und dennoch tut es gut, diesen Zugang immer wieder mal kritisch zu hinterfragen. Tue ich meinen Studierenden damit eigentlich einen Gefallen? Sind es wirklich nur die unnötigen Hindernisse, die ich da aus dem Weg räume? Haben die Studierenden denn auch genügend Gelegenheit, Hindernisse selbst aus dem Weg zu räumen und daran zu wachsen?

Dabei hilft es, auf andere (sehr gute) Lehrer*innen zu treffen, die ein anderes Selbstverständnis von sich als Lehrende haben. Wie Olivia Vrabl, die ihre Aufgabe als Lehrende so beschreibt:

Ich bin keine Serviceeinrichtung, ich bin eine Lehrkraft. Die Studierenden kommen vorbereitet zu mir und gehen mit Arbeit wieder nach Hause.

Olivia Vrabl

Unknown unknowns

U

Am ärmsten sind jene Studierenden dran, die gar nicht wissen, dass sie etwas nicht wissen. Oder, wie Olivia Vrabl es sagt:

Die, die nicht wissen, dass sie es nicht wissen, wissen ja nicht, dass sie es nicht wissen.

Olivia Vrabl

Wer sich seiner eigenen Ignoranz bewusst ist, kann etwas dagegen tun. Oder nicht. Jedenfalls ist es seine freie Entscheidung.

Wer sich seiner Ignoranz nicht bewusst ist, dem müssen wir als Lehrer*innen die Augen öffnen. Wir müssen ihnen die Ignoranz immer wieder vor Augen führen. Denn:

Jede Lehrveranstaltung ist eine Reparaturwerkstatt.

Olivia Vrabl

Auch, wenn diese Reparaturen mitunter schmerzvoll sind – für alle Beteiligten.

Trade-offs tun weh

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Es tut weh, jemandem abzusagen. Mir zumindest.

Auch wenn ich weiß, dass es die richtige Entscheidung war, habe ich ein schlechtes Gewissen. Ich fühle mich schuldig, weil ich eine Zusage nicht einhalten kann. Auch, wenn es beim besten Willen nicht möglich gewesen wäre.

Trade-offs tun weh. Deswegen vermeiden wir sie gerne. Deswegen versuchen wir, mit Gewalt alles unter einen Hut zu bringen.

Aber Schmerzen sind Teil des Lebens. Genau wie Enttäuschungen, Irrtümer und Fehler.

Wenn wir das nicht anerkennen und lernen, damit umzugehen, dann ist der Trade-off, dass wir nach und nach an unseren eigenen Ansprüchen zugrunde gehen.

Kapitalismus-Kritik

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Eine Sache, die Wolf Lotter sehr stört und die mir in Diskussionen mit an sich sehr schlauen Menschen auch immer wieder auffällt:

Viele derer, die meinen, dass der Kapitalismus an allem Schlechten in der Welt schuld sei (Klimakrise, Kriege, soziale Isolation, Korruption etc.), haben (leider) erstaunlich wenig Ahnung vom Kapitalismus.

Um etwas zu kritisieren, müsste man sich zuerst mal gründlich damit auseinandersetzen. Schon in der Bibel heißt es:

“Lobe keinen Menschen, ehe du nachgedacht hast;
denn das ist die Prüfung für jeden!”

Sir 27,7

Mit dem Kapitalismus ist es wie mit dem Handy: Das Handy ist nicht schuld. Das Handy ist das, was wir Menschen damit machen. Es ist der Umgang mit dem Handy, den man kritisieren kann. Aber das Handy ist nur ein Ding. Es hat keine Agenda.

Auch der Kapitalismus ist nur ein Werkzeug, das von Menschen geschaffen wurde. Der Kapitalismus an sich will gar nichts. Wir Menschen sind es, die den Kapitalismus für unsere Sache einsetzen. Und diese Sache ist mal gut und mal schlecht. Und manchmal selbstzerstörerisch.

Ja, am Kapitalismus gäbe es viel zu verbessern. Da tut sich ein breites Feld auf, und da gibt es auch schon durchdachte Überlegungen (z.B. die Gemeinwohlökonomie).

Aber reparieren kann nur jemand, der tragfähiges Vorwissen hat.

Echter Profi

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Es ist wunderbar, einem echten Profi bei der Arbeit zuzusehen.

Unlängst hatte ich einen Online-Workshop bei der Hochschule-Didaktikerin Olivia Vrabl. Sie ist überaus kompetent, sie ist sympathisch, und das Workshop-Design war abwechslungsreich und engagierend.

Nach diesem Workshop war ich nicht erledigt, sondern energetisiert.

Echte Profis können Wunder wirken.

Sidepreneure

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Sidepreneure sind Unternehmer*innen, die ihr Business zunächst nebenbei (“on the side”) starten. Die also zunächst noch Angestellte bleiben, daneben ihr Business aufbauen und ihren Job erst dann aufgeben, wenn ihr neues Business auf soliden Beinen steht – vor allem finanziell.

Als Sidepreneur zu starten, ist keine blöde Idee. Es reduziert das Risiko und ermöglicht einen schrittweisen Start ohne finanziellen Druck.

Andererseits weiß ich (auch aus eigener Erfahrung), dass der Spagat zwischen Selbständigkeit und Job mitunter aufreibend sein kann. Zeit und Energie müssen ständig aufgeteilt werden, und es kommt notwendigerweise zu Interessenskonflikten.

Und: Es ist gar nicht leicht zu erkennen, wann der rechte Zeitpunkt für den Absprung gekommen ist. Wann es soweit ist, den Job loszulassen, sich mit voller Konzentration dem Business zu widmen – und “side” endgültig aus dem Namen zu streichen.

Raum für die Angst

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Unlängst habe ich eine Gründerin gefragt, worauf es im ersten Jahr der Selbständigkeit denn besonders ankommt.

Ihre Antwort:

Man muss an sich glauben. Das Problem ist die Angst – vor dem Scheitern. Man darf der Angst einfach nicht zu viel Raum geben.

Es bringt nichts, so zu tun, als wäre die Angst nicht da. Aber die Idee, der Angst zu sagen: Bis hier her – und nicht weiter! Das sollten wir hinbekommen.

Erlesen – Erlernen – Erproben

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Wir Edupreneure eignen uns ein neues Thema in drei Schritten an:

  1. Erlesen: Wir lesen uns in ein Thema ein. Wir versuchen, Informationen zu bekommen und verschiedene Blickwinkel auf das Thema zu gewinnen.
  2. Erlernen: Wir eignen uns das Thema an. Wir versuchen, es zu verstehen. Wir versuchen, uns unsere eigenen Fragen dazu zu beantworten und mögliche Widersprüche miteinander zu verbinden.
  3. Erproben: Wir versuchen, das Thema an andere weiterzugeben. Wir beginnen, es zu lehren. Wir spüren dabei, welche Aspekte wir doch noch nicht so ganz durchschaut haben oder welche Fragen unserer Schüler*innen wir noch nicht beantworten können.

Und dann beginnen wir wieder von vorne.

Mit Wasser

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Ein Gründer hatte zu Marktforschungszwecken bei einem Seminar eines Mitbewerbers teilgenommen. Seine Erkenntnis daraus:

Alle kochen nur mit Wasser. Und dieses Wasser ist zum Teil sehr dünn.

Wir brauchen uns wirklich nicht vor unseren Mitbewerbern fürchten. Sie haben keine besseren Voraussetzungen als wir. Sie haben auch nur begrenzte Zeit und begrenzte Mittel. Sie sind auch keine Wunderwuzzi.

Sehen wir unsere Mitbewerber also als Mitspieler in einem Spiel, in dem wir alle besser werden und voneinander lernen können – zum Wohle unserer Kund*innen.

Komfortzonen-Bürger

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Etwas zum Nachdenken von Wolf Lotter:

Es ist in unserer Gesellschaft schwer, nichts zu tun.

Aber es ist ganz, ganz leicht, intellektuell faul zu sein.

Langsam tippen

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Der IT-Trainer der heutigen Schulung wollte zu Demonstrationszwecken nur schnell mal irgendeinen Text eintippen. Dabei vertippte er sich mehrmals und äußerte anschließend eine große Wahrheit:

Manchmal ist langsam tippen doch schneller im Endeffekt.

Wenn du es eilig hast, dann gehe langsam. Bei den großen Dingen und bei den kleinen.

Nachhilfe-Kraftakte

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Bei der Mathematik-Nachhilfe mit meiner Nichte lässt sich immer wieder folgendes Phänomen beobachten:

Zwei Wochen vor der Schularbeit setzen wir uns zusammen und üben sehr fleißig die Themen und Beispiele, die zur Schularbeit kommen könnten. Weil meine Nichte schlau und fleißig ist, schaffen wir es meistens, sie gut auf den Tag X vorzubereiten und das Optimum herauszuholen. Eine gute Note ist meist der Lohn für unsere gemeinsame Mühe.

Aber – und da ist ein großes Aber: Nach der Schularbeit, sobald die Schlacht geschlagen ist, sinkt ihr Interesse an Mathematik schlagartig. Gerade an dem Moment, wo sie durch harte Arbeit ein Top-Level erreicht hätte, lässt sie schlagartig nach.

Statt auf diesem hohen Level kontinuierlich weiterzumachen und damit mit weniger Aufwand für die nächste Schularbeit ein noch besseres Ergebnis einzufahren, stellt sie die Arbeit ein – bis zwei Wochen vor der nächsten Schularbeit, wo der Kraftakt wieder von Neuem beginnt.

Mir ist schon klar, dass meine Nichte hier keine Ausnahme ist, sondern die Regel unter Teenagern. Und ich verstehe sie auch irgendwie.

Und trotzdem denke ich mir: Schade drum.