Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Lehrkraft

L

Ich bin als Lehrender sehr service-orientiert. Ich bin bestrebt, meinen Studierenden eine angenehme Lernerfahrung zu ermöglichen und ihnen auf ihrer Lernreise (unnötige) Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Mit diesem Zugang bin ich immer gut gefahren, und auch von den Studierenden wurde diese Service-Orientierung zumeist sehr geschätzt.

Und dennoch tut es gut, diesen Zugang immer wieder mal kritisch zu hinterfragen. Tue ich meinen Studierenden damit eigentlich einen Gefallen? Sind es wirklich nur die unnötigen Hindernisse, die ich da aus dem Weg räume? Haben die Studierenden denn auch genügend Gelegenheit, Hindernisse selbst aus dem Weg zu räumen und daran zu wachsen?

Dabei hilft es, auf andere (sehr gute) Lehrer*innen zu treffen, die ein anderes Selbstverständnis von sich als Lehrende haben. Wie Olivia Vrabl, die ihre Aufgabe als Lehrende so beschreibt:

Ich bin keine Serviceeinrichtung, ich bin eine Lehrkraft. Die Studierenden kommen vorbereitet zu mir und gehen mit Arbeit wieder nach Hause.

Olivia Vrabl

Unknown unknowns

U

Am ärmsten sind jene Studierenden dran, die gar nicht wissen, dass sie etwas nicht wissen. Oder, wie Olivia Vrabl es sagt:

Die, die nicht wissen, dass sie es nicht wissen, wissen ja nicht, dass sie es nicht wissen.

Olivia Vrabl

Wer sich seiner eigenen Ignoranz bewusst ist, kann etwas dagegen tun. Oder nicht. Jedenfalls ist es seine freie Entscheidung.

Wer sich seiner Ignoranz nicht bewusst ist, dem müssen wir als Lehrer*innen die Augen öffnen. Wir müssen ihnen die Ignoranz immer wieder vor Augen führen. Denn:

Jede Lehrveranstaltung ist eine Reparaturwerkstatt.

Olivia Vrabl

Auch, wenn diese Reparaturen mitunter schmerzvoll sind – für alle Beteiligten.

Trade-offs tun weh

T

Es tut weh, jemandem abzusagen. Mir zumindest.

Auch wenn ich weiß, dass es die richtige Entscheidung war, habe ich ein schlechtes Gewissen. Ich fühle mich schuldig, weil ich eine Zusage nicht einhalten kann. Auch, wenn es beim besten Willen nicht möglich gewesen wäre.

Trade-offs tun weh. Deswegen vermeiden wir sie gerne. Deswegen versuchen wir, mit Gewalt alles unter einen Hut zu bringen.

Aber Schmerzen sind Teil des Lebens. Genau wie Enttäuschungen, Irrtümer und Fehler.

Wenn wir das nicht anerkennen und lernen, damit umzugehen, dann ist der Trade-off, dass wir nach und nach an unseren eigenen Ansprüchen zugrunde gehen.

Kapitalismus-Kritik

K

Eine Sache, die Wolf Lotter sehr stört und die mir in Diskussionen mit an sich sehr schlauen Menschen auch immer wieder auffällt:

Viele derer, die meinen, dass der Kapitalismus an allem Schlechten in der Welt schuld sei (Klimakrise, Kriege, soziale Isolation, Korruption etc.), haben (leider) erstaunlich wenig Ahnung vom Kapitalismus.

Um etwas zu kritisieren, müsste man sich zuerst mal gründlich damit auseinandersetzen. Schon in der Bibel heißt es:

“Lobe keinen Menschen, ehe du nachgedacht hast;
denn das ist die Prüfung für jeden!”

Sir 27,7

Mit dem Kapitalismus ist es wie mit dem Handy: Das Handy ist nicht schuld. Das Handy ist das, was wir Menschen damit machen. Es ist der Umgang mit dem Handy, den man kritisieren kann. Aber das Handy ist nur ein Ding. Es hat keine Agenda.

Auch der Kapitalismus ist nur ein Werkzeug, das von Menschen geschaffen wurde. Der Kapitalismus an sich will gar nichts. Wir Menschen sind es, die den Kapitalismus für unsere Sache einsetzen. Und diese Sache ist mal gut und mal schlecht. Und manchmal selbstzerstörerisch.

Ja, am Kapitalismus gäbe es viel zu verbessern. Da tut sich ein breites Feld auf, und da gibt es auch schon durchdachte Überlegungen (z.B. die Gemeinwohlökonomie).

Aber reparieren kann nur jemand, der tragfähiges Vorwissen hat.

Echter Profi

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Es ist wunderbar, einem echten Profi bei der Arbeit zuzusehen.

Unlängst hatte ich einen Online-Workshop bei der Hochschule-Didaktikerin Olivia Vrabl. Sie ist überaus kompetent, sie ist sympathisch, und das Workshop-Design war abwechslungsreich und engagierend.

Nach diesem Workshop war ich nicht erledigt, sondern energetisiert.

Echte Profis können Wunder wirken.

Sidepreneure

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Sidepreneure sind Unternehmer*innen, die ihr Business zunächst nebenbei (“on the side”) starten. Die also zunächst noch Angestellte bleiben, daneben ihr Business aufbauen und ihren Job erst dann aufgeben, wenn ihr neues Business auf soliden Beinen steht – vor allem finanziell.

Als Sidepreneur zu starten, ist keine blöde Idee. Es reduziert das Risiko und ermöglicht einen schrittweisen Start ohne finanziellen Druck.

Andererseits weiß ich (auch aus eigener Erfahrung), dass der Spagat zwischen Selbständigkeit und Job mitunter aufreibend sein kann. Zeit und Energie müssen ständig aufgeteilt werden, und es kommt notwendigerweise zu Interessenskonflikten.

Und: Es ist gar nicht leicht zu erkennen, wann der rechte Zeitpunkt für den Absprung gekommen ist. Wann es soweit ist, den Job loszulassen, sich mit voller Konzentration dem Business zu widmen – und “side” endgültig aus dem Namen zu streichen.

Raum für die Angst

R

Unlängst habe ich eine Gründerin gefragt, worauf es im ersten Jahr der Selbständigkeit denn besonders ankommt.

Ihre Antwort:

Man muss an sich glauben. Das Problem ist die Angst – vor dem Scheitern. Man darf der Angst einfach nicht zu viel Raum geben.

Es bringt nichts, so zu tun, als wäre die Angst nicht da. Aber die Idee, der Angst zu sagen: Bis hier her – und nicht weiter! Das sollten wir hinbekommen.

Erlesen – Erlernen – Erproben

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Wir Edupreneure eignen uns ein neues Thema in drei Schritten an:

  1. Erlesen: Wir lesen uns in ein Thema ein. Wir versuchen, Informationen zu bekommen und verschiedene Blickwinkel auf das Thema zu gewinnen.
  2. Erlernen: Wir eignen uns das Thema an. Wir versuchen, es zu verstehen. Wir versuchen, uns unsere eigenen Fragen dazu zu beantworten und mögliche Widersprüche miteinander zu verbinden.
  3. Erproben: Wir versuchen, das Thema an andere weiterzugeben. Wir beginnen, es zu lehren. Wir spüren dabei, welche Aspekte wir doch noch nicht so ganz durchschaut haben oder welche Fragen unserer Schüler*innen wir noch nicht beantworten können.

Und dann beginnen wir wieder von vorne.

Mit Wasser

M

Ein Gründer hatte zu Marktforschungszwecken bei einem Seminar eines Mitbewerbers teilgenommen. Seine Erkenntnis daraus:

Alle kochen nur mit Wasser. Und dieses Wasser ist zum Teil sehr dünn.

Wir brauchen uns wirklich nicht vor unseren Mitbewerbern fürchten. Sie haben keine besseren Voraussetzungen als wir. Sie haben auch nur begrenzte Zeit und begrenzte Mittel. Sie sind auch keine Wunderwuzzi.

Sehen wir unsere Mitbewerber also als Mitspieler in einem Spiel, in dem wir alle besser werden und voneinander lernen können – zum Wohle unserer Kund*innen.

Komfortzonen-Bürger

K

Etwas zum Nachdenken von Wolf Lotter:

Es ist in unserer Gesellschaft schwer, nichts zu tun.

Aber es ist ganz, ganz leicht, intellektuell faul zu sein.

Langsam tippen

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Der IT-Trainer der heutigen Schulung wollte zu Demonstrationszwecken nur schnell mal irgendeinen Text eintippen. Dabei vertippte er sich mehrmals und äußerte anschließend eine große Wahrheit:

Manchmal ist langsam tippen doch schneller im Endeffekt.

Wenn du es eilig hast, dann gehe langsam. Bei den großen Dingen und bei den kleinen.

Nachhilfe-Kraftakte

N

Bei der Mathematik-Nachhilfe mit meiner Nichte lässt sich immer wieder folgendes Phänomen beobachten:

Zwei Wochen vor der Schularbeit setzen wir uns zusammen und üben sehr fleißig die Themen und Beispiele, die zur Schularbeit kommen könnten. Weil meine Nichte schlau und fleißig ist, schaffen wir es meistens, sie gut auf den Tag X vorzubereiten und das Optimum herauszuholen. Eine gute Note ist meist der Lohn für unsere gemeinsame Mühe.

Aber – und da ist ein großes Aber: Nach der Schularbeit, sobald die Schlacht geschlagen ist, sinkt ihr Interesse an Mathematik schlagartig. Gerade an dem Moment, wo sie durch harte Arbeit ein Top-Level erreicht hätte, lässt sie schlagartig nach.

Statt auf diesem hohen Level kontinuierlich weiterzumachen und damit mit weniger Aufwand für die nächste Schularbeit ein noch besseres Ergebnis einzufahren, stellt sie die Arbeit ein – bis zwei Wochen vor der nächsten Schularbeit, wo der Kraftakt wieder von Neuem beginnt.

Mir ist schon klar, dass meine Nichte hier keine Ausnahme ist, sondern die Regel unter Teenagern. Und ich verstehe sie auch irgendwie.

Und trotzdem denke ich mir: Schade drum.

Stundensatz

S

Wenn dich jemand fragt, wie viel eine Stunde bei dir kostet…

Kannst du deinen Stundensatz nennen, ohne komisch dabei drein zu schauen?

Kannst du deinen Stundensatz nennen, ohne im nächsten Moment zu sagen, dass aber alles verhandelbar ist und ihr euch preislich sicher einigen werdet?

Kannst du deinen Stundensatz nennen, ohne dass du innerlich ein schlechtes Gewissen bekommst, weil du so viel verlangst für eine Arbeit, die dir ehrlich gesagt sehr leicht fällt?

Wenn nicht, dann fang sofort an, das zu üben.

Eine echte Unternehmerin

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Ich gründe nicht nebenbei. Ich bin eine echte Unternehmerin!

Das sagte heute eine Gründerin zu mir.

Nicht, weil sie davon fest überzeugt ist.

Sondern, weil sie sich täglich selbst daran erinnert, dass es ihr ernst ist mit ihrer Selbständigkeit. Dass eine Unternehmensgründung kein Hobbyprojekt ist. Dass sie in Zukunft wie ein Profi auftreten und auch so behandelt werden will.

Wir müssen in unsere Rolle als Unternehmerin und Unternehmer hineinwachsen.

Jeden Tag auf’s Neue.

Gib dem Wichtigen Beine

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Bei Philipp Maderthaner gehört:

Gib dem Wichtigen Beine!

Bedeutet: Wenn du bei einem wichtigen Projekt nicht weiter kommst, dann such dir einen Menschen (mit zwei Beinen), der sich um diese wichtige Sache endlich kümmert, die du selbst nicht zuwege bringst.

Bring Schwung rein durch die Motivation und Expertise einer externen Person.

Logo

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Ein Logo ist nicht dazu da, dass es dein Unternehmen oder deine Produkte erklärt. Apple verkauft ja auch keine Äpfel.

Ein Logo ist dazu da, aufzufallen und wiedererkennbar zu sein.

Auch Seth Godin

A

In seinem wunderbaren Podcast Akimbo beantwortet Seth Godin jede Woche die Fragen seiner Hörer*innen.

Fast jede Woche. Denn diese Woche ist es Seth Godin passiert, dass er keine Hörer*innen-Fragen bekommen hat.

Ich kenne das aus meinem eigenen Podcast [Projekt: Leben] gut, wo ich auf in jeder Folge dazu aufgerufen habe, mir Fragen zu schicken. Mir ist es, im Gegensatz zu Seth Godin, jedoch immer so gegangen, dass ich keine Hörer*innen-Fragen bekommen habe.

Immerhin ist es ein bisschen tröstlich, dass es auch dem großen Seth Godin manchmal so geht wie mir.

Warum melden Sie sich nicht?

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Als Gründungsberater stoße ich immer wieder auf folgendes Paradoxon:

Viele Gründer*innen fühlen sich in der Anfangsphase ihres Business überfordert. Sie fühlen sich alleine, haben Sorgen, Zweifel und Unsicherheiten, was ihr Unternehmen und ihre neue Rolle als Unternehmer*innen betrifft.

Aber: Sie scheuen sich, in dieser Situation Hilfe zu holen. Sie scheuen sich, mich zu kontaktieren und in einem Gespräch vielleicht ein bisschen mehr Klarheit zu schaffen und neue Motivation mitzubekommen.

Warum ist das so? Ich habe Vermutungen, aber ganz verstehe ich es nicht.

Geld macht nicht glücklich

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Folgendes schreibt uns Naval Ravikant in unser Stammbuch:

“One on the things you learn after you make money is that money doesn’t make you happier. It takes care of your money problems, but it’s not necessarily going to put you in a place where you are in some kind of bliss all the time. In fact, there’s nothing out there that will make you happy forever.”

Naval Ravikant

10x besser

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Wenn wir unsere Kreativität und Energie dafür aufwenden, ein neues Produkt zu erschaffen, dann sollten wir nicht nur irgendein Produkt erschaffen.

Es sollte ein Produkt sein, dass spürbar besser ist als alles, was es bereits gibt.

Ein Produkt, das 10x besser ist.