Tag#Gründungsberatung

Wirtschaftspädagogik

W

Ich bin Wirtschaftspädagoge.

Auch wenn ich nie Wirtschaftspädagogik studiert habe.

Ungebetene Hilfe

U

Unlängst selbst erlebt:

Hilfe, um die man nicht gebeten hat, ist nicht erwünscht – auch, wenn sie aus besten Intentionen kommt. Im schlimmsten Fall ist sie beleidigend, entmündigend und übergriffig.

Es hat mir gut getan, das wieder mal selbst zu spüren – auch wenn es alles andere als angenehm war.

Ein guter Reminder für mich als Berater, das Mantra von Ernesto Sirolli nicht zu vergessen: If people don’t wish to be helped, leave them alone!

The spirit of play

T

Ein schönes Date, ein erfolgreiches Business-Meeting, eine gelungene Beziehung…

Alles, was wir in unserem Leben gut machen, ist der Geist des Spielens inne – the spirit of play.

Meine besten Beratungsgespräche sind “spielerisch” – ein Austausch auf Augenhöhe, in dem beide Seiten herausgefordert sind und Freude an der Interaktion empfinden.

Meine besten Lehrveranstaltungen sind wie ein Spiel. Ernsthaft, aber mit einer gewissen Leichtigkeit, mit Humor und mit Raum für spontane Ideen.

Der Grad an “playfulness” ist ein sehr verlässlicher Indikator dafür, ob etwas “passt” oder nicht.

If it’s not fun, you’re playing it wrong.

[Danke Jordan Peterson für diesen wunderbaren Gedanken.]

Überhaupt nicht zugehört

Ü

Ein Gründer klagte unlängst über seine Erfahrungen mit Finanzamt und Sozialversicherung. Er hatte ein etwas ungewöhnliches Anliegen und hoffte, dafür kompetente Auskunft zu bekommen. Aber, so seine Erfahrung, “die haben mir überhaupt nicht zugehört“.

Ich denke, es ist eher die Regel als die Ausnahme, dass sich jemand nicht wirklich für uns interessiert. Dass wir Antworten, Ratschläge und Auskünfte bekommen, die überhaupt nicht für uns passen. Und dass wir es aber auch nicht schaffen, unsere Sache ausreichend zu erklären, weil nach kurzer Zeit die Ohren einfach zugeklappt werden.

Echtes Interesse ist eine USP. Echtes Zuhören ist ein Markt-Wert.

Selbsthilfegruppen

S

Wir Lehrer*innen lehren oft, was wir selber lernen wollen.

Wir Berater*innen beraten oft, worin wir selbst Beratung gebraucht haben oder immer noch brauchen.

Wir lehren und beraten also “unsere Themen”, die uns ein Leben lang begleiten. Diese Themen kommen nicht zufällig zu uns, sondern sind ein integraler Bestandteil dessen, was uns als Person ausmacht.

In Wirklichkeit gründen wir Selbsthilfegruppen.

Selbstvergessen

S

Viele Gründer*innen gehen von dem aus, was sie selbst gerne haben wollten, treffen Annahmen – und “vergessen” dabei völlig, ihre Kunden zu fragen, ob diese Annahmen überhaupt stimmen.

Manchmal (zugegeben: wesentlich seltener) passiert aber auch das Umgekehrte: Gründer*innen beschäftigen sich so viel mit ihren Kund*innen, dass sie darüber vergessen, was sie selbst eigentlich wollen: Wie muss dass Business, wie müssen die Produkte aussehen, damit es IHNEN gut tut?

Gezeichnet

G

Es gibt auch unter Gründer*innen vom Leben schwer gezeichnete Menschen.

Da geht es bei einer Gründung auch viel um neues Selbstbewusstsein und darum, wieder das Gefühl von Selbstwirksamkeit zu bekommen.

Es sich selbst und anderen noch einmal zu beweisen.

Teure Ideen

T

Als Gründungsberater weiß ich: Ideen sind nichts wert.

Ideen gibt es wie Sand am Meer, auch Geschäftsideen. Ich habe noch keine*n Gründer*in gesehen, die/der unter einem Mangel an Ideen gelitten hätte.

Ideen werden erst durch ihre Umsetzung wertvoll. Und durch’s Dranbleiben.

Aber es ist noch schlimmer mit unseren Ideen: Ideen sind teuer. Sie kosten uns was – und zwar ganz besonders jene Ideen, auf die wir stolz sind, die wir aber nie umsetzen.

Für nicht umgesetzte Ideen, die wir aber auch nicht los lassen, zahlen wir jeden Tag einen Preis.

Türen öffnen

T

Jordan Peterson drück wunderbar aus, warum ich so gerne Lehrer und Gründungsberater bin:

One of the reasons why good professors – and good businessmen – love to be in the position they’re in is because they can identify young people who are promising and open up doors of opportunity to them. It’s really intrinsically motivating. 

Jordan Peterson

Love my job! ❤️

Drei gute Tipps

D

Ein sehr erfolgreicher Gründer von mir ist gerade erst 22 Jahre alt. Ich habe ihn gefragt, was für ihn die wichtigsten Erfolgsfaktoren gerade für junge Gründer*innen sind:

  1. Verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, etwas versuchen und dann aus den Fehlern lernen.
  2. Sich nicht überarbeiten. Rechtzeitig ins Bett gehen, damit man ausgeschlafen ist und gute Entscheidungen treffen kann.
  3. Nicht obergescheit sein und alles anders machen wollen. Lieber schauen, was die Anderen bereits gut machen und von da aus die Dinge nach und nach verbessern.

Die Zauberkraft von Konzepten

D

Gute Konzepte – zur richtigen Zeit am richtigen Ort – erklären uns die Welt.

Sie bringen Licht in Situationen, wo Dunkel herrschte. Sie verändern den Blickwinkel in Richtung Klarsicht. Sie lösen Aha-Erlebnisse aus und wirken verlässlich gegen Verwirrung.

Gute Konzepte wirken Wunder.

Viel hilft viel?

V

Ein neues Bildungs-Angebot der Wirtschaftskammer Österreich für Gründer*innen rühmt sich damit, dass es Zugang zu über 16.000 Kursen ermöglicht.

Grundsätzlich ist jedes Angebot willkommen, das Gründer*innen unterstützen soll.

Aber 16.000 Kurse? Im Ernst?

So viel Angebot ist in Wirklichkeit gar kein Angebot. Das Problem für Gründer*innen ist ja nicht, an Wissen und Information zu kommen. Das Problem ist, Orientierung zu finden in der Informationsflut. Zu wissen, was relevant ist und was nicht. Zu unterscheiden, was für den Start essenziell ist und was nur Ablenkung.

Es käme also nicht auf den Umfang an, sondern auf die Auswahl. Dafür bräuchten Gründer*innen Unterstützung – nicht für noch mehr ungefilterte Information.

Entlastungsgespräch

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Eine Kollegin in der Gründungsberatung meinte unlängst, unsere Beratungsgespräche seien auch “Entlastungsgespräche”.

Unsere Gründer*innen haben häufig niemanden, mit dem sie über den “life-changing process” des Selbständigmachens sprechen könnten.

Wir Gründungsberater*innen sind daher nicht nur Unternehmensberater, sondern auch Wegbegleiter.

Missverständnisse

M

Es gibt Beratungsgespräche, die sind eine einzige Aneinanderreihung von Missverständnissen zwischen Berater und Kunden.

Als Berater fällt dir das meistens nicht auf. Klar, sonst würdest du ja versuchen, die Missverständnisse auszuräumen.

Aber als neutraler Zuhörer ist das echt schwer zu ertragen.

Teppich

T

Wenn du dir einen neuen Teppich für dein Büro kaufen willst, dann hast du zwei Möglichkeiten:

  1. Du kaufst einen fix-fertigen Teppich, in Standardmaßen. Lagernd, abholbereit, sofort zum Mitnehmen. Geht schnell und ist günstig. Allerdings wird es wahrscheinlich so sein, dass der Teppich nicht hundertprozentig ins Büro passt. Da ein bisschen zu lang, dort ein bisschen zu kurz – und bei der Tür zu dick, sodass sie nicht mehr problemlos aufgeht.
  2. Du überlegst vorher ausführlich, misst alles genau aus und lässt dir einen Teppich nach Maß liefern. Der Maßteppich passt natürlich super ins Büro, alles ist am rechten Platz. Das verlangt mehr Nachdenken, mehr Planung, es dauert länger und ist wahrscheinlich auch teurer.

Beide Möglichkeiten haben was für sich. Pass halt nur auf, dass deine Lösung auch zu deinem Anspruch passt.

Expectation Management

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Eine der wichtigsten Aufgaben von Gründungsberater*innen ist, die Erwartungen unserer Gründer*innen mit der Realität in Einklang zu bringen.

Wie lange etwas dauert, bis die ersten Kunden gewonnen werden. Wie viel Arbeit eine Website ist. Wie lange ein Firmenbucheintrag dauert. Welche Umsätze in den ersten Monaten zu erwarten sind. Und so weiter.

Manchmal sind die Gründer*innen zu optimistisch, manchmal zu pessimistisch.

Wir Gründungsberater*innen sind der Reality Check, bevor die Wirklichkeit tatsächlich zuschlägt.

First Mover Advantage in Österreich

F

Wir Österreicher sind ein ängstliches Volk. Sehr vorsichtig. Nur keine Wellen schlagen. Nur nichts riskieren, es könnte ja schief gehen.

Das ist die negative Seite. Die positive: Wer in Österreich etwas wagt, hat meistens den First Mover Advantage. Wer etwas probiert, das schief gehen könnte, hat meistens wenig Konkurrenz zu fürchten.

Wer in Österreich erfolgreich ist, hat schnell Neider. Aber wer in Österreich etwas riskiert, das schief gehen könnte, braucht praktisch keine Angst vor Nachahmern haben.

Storno

S

Wenn du dich darüber freust, dass ein geplanter Beratungstermin mit einer Kundin ausfällt, dann läuft etwas schief.

Denk mal nach, was.

Do be do be do

D

Meine Erfahrung ist, dass das Mindset ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor in der Selbständigkeit ist. Wie wir über uns selbst denken, wie wir unser Business sehen, was für uns Erfolg ist und was nicht… das sind ganz fundamentale Dinge.

Aber: Das richtige unternehmerisches Mindset allein genügt nicht. Wir müssen damit auch etwas tun.

Am Ende zählen die Dinge, die wir geschaffen haben und nicht die, die wir erdacht haben.

[Danke Bernhard Reingruber für den Gedanken.]