Tag#Gründungsberatung

Teure Ideen

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Als Gründungsberater weiß ich: Ideen sind nichts wert.

Ideen gibt es wie Sand am Meer, auch Geschäftsideen. Ich habe noch keine*n Gründer*in gesehen, die/der unter einem Mangel an Ideen gelitten hätte.

Ideen werden erst durch ihre Umsetzung wertvoll. Und durch’s Dranbleiben.

Aber es ist noch schlimmer mit unseren Ideen: Ideen sind teuer. Sie kosten uns was – und zwar ganz besonders jene Ideen, auf die wir stolz sind, die wir aber nie umsetzen.

Für nicht umgesetzte Ideen, die wir aber auch nicht los lassen, zahlen wir jeden Tag einen Preis.

Türen öffnen

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Jordan Peterson drück wunderbar aus, warum ich so gerne Lehrer und Gründungsberater bin:

One of the reasons why good professors – and good businessmen – love to be in the position they’re in is because they can identify young people who are promising and open up doors of opportunity to them. It’s really intrinsically motivating. 

Jordan Peterson

Love my job! ❤️

Drei gute Tipps

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Ein sehr erfolgreicher Gründer von mir ist gerade erst 22 Jahre alt. Ich habe ihn gefragt, was für ihn die wichtigsten Erfolgsfaktoren gerade für junge Gründer*innen sind:

  1. Verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, etwas versuchen und dann aus den Fehlern lernen.
  2. Sich nicht überarbeiten. Rechtzeitig ins Bett gehen, damit man ausgeschlafen ist und gute Entscheidungen treffen kann.
  3. Nicht obergescheit sein und alles anders machen wollen. Lieber schauen, was die Anderen bereits gut machen und von da aus die Dinge nach und nach verbessern.

Die Zauberkraft von Konzepten

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Gute Konzepte – zur richtigen Zeit am richtigen Ort – erklären uns die Welt.

Sie bringen Licht in Situationen, wo Dunkel herrschte. Sie verändern den Blickwinkel in Richtung Klarsicht. Sie lösen Aha-Erlebnisse aus und wirken verlässlich gegen Verwirrung.

Gute Konzepte wirken Wunder.

Viel hilft viel?

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Ein neues Bildungs-Angebot der Wirtschaftskammer Österreich für Gründer*innen rühmt sich damit, dass es Zugang zu über 16.000 Kursen ermöglicht.

Grundsätzlich ist jedes Angebot willkommen, das Gründer*innen unterstützen soll.

Aber 16.000 Kurse? Im Ernst?

So viel Angebot ist in Wirklichkeit gar kein Angebot. Das Problem für Gründer*innen ist ja nicht, an Wissen und Information zu kommen. Das Problem ist, Orientierung zu finden in der Informationsflut. Zu wissen, was relevant ist und was nicht. Zu unterscheiden, was für den Start essenziell ist und was nur Ablenkung.

Es käme also nicht auf den Umfang an, sondern auf die Auswahl. Dafür bräuchten Gründer*innen Unterstützung – nicht für noch mehr ungefilterte Information.

Entlastungsgespräch

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Eine Kollegin in der Gründungsberatung meinte unlängst, unsere Beratungsgespräche seien auch “Entlastungsgespräche”.

Unsere Gründer*innen haben häufig niemanden, mit dem sie über den “life-changing process” des Selbständigmachens sprechen könnten.

Wir Gründungsberater*innen sind daher nicht nur Unternehmensberater, sondern auch Wegbegleiter.

Missverständnisse

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Es gibt Beratungsgespräche, die sind eine einzige Aneinanderreihung von Missverständnissen zwischen Berater und Kunden.

Als Berater fällt dir das meistens nicht auf. Klar, sonst würdest du ja versuchen, die Missverständnisse auszuräumen.

Aber als neutraler Zuhörer ist das echt schwer zu ertragen.

Teppich

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Wenn du dir einen neuen Teppich für dein Büro kaufen willst, dann hast du zwei Möglichkeiten:

  1. Du kaufst einen fix-fertigen Teppich, in Standardmaßen. Lagernd, abholbereit, sofort zum Mitnehmen. Geht schnell und ist günstig. Allerdings wird es wahrscheinlich so sein, dass der Teppich nicht hundertprozentig ins Büro passt. Da ein bisschen zu lang, dort ein bisschen zu kurz – und bei der Tür zu dick, sodass sie nicht mehr problemlos aufgeht.
  2. Du überlegst vorher ausführlich, misst alles genau aus und lässt dir einen Teppich nach Maß liefern. Der Maßteppich passt natürlich super ins Büro, alles ist am rechten Platz. Das verlangt mehr Nachdenken, mehr Planung, es dauert länger und ist wahrscheinlich auch teurer.

Beide Möglichkeiten haben was für sich. Pass halt nur auf, dass deine Lösung auch zu deinem Anspruch passt.

Expectation Management

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Eine der wichtigsten Aufgaben von Gründungsberater*innen ist, die Erwartungen unserer Gründer*innen mit der Realität in Einklang zu bringen.

Wie lange etwas dauert, bis die ersten Kunden gewonnen werden. Wie viel Arbeit eine Website ist. Wie lange ein Firmenbucheintrag dauert. Welche Umsätze in den ersten Monaten zu erwarten sind. Und so weiter.

Manchmal sind die Gründer*innen zu optimistisch, manchmal zu pessimistisch.

Wir Gründungsberater*innen sind der Reality Check, bevor die Wirklichkeit tatsächlich zuschlägt.

First Mover Advantage in Österreich

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Wir Österreicher sind ein ängstliches Volk. Sehr vorsichtig. Nur keine Wellen schlagen. Nur nichts riskieren, es könnte ja schief gehen.

Das ist die negative Seite. Die positive: Wer in Österreich etwas wagt, hat meistens den First Mover Advantage. Wer etwas probiert, das schief gehen könnte, hat meistens wenig Konkurrenz zu fürchten.

Wer in Österreich erfolgreich ist, hat schnell Neider. Aber wer in Österreich etwas riskiert, das schief gehen könnte, braucht praktisch keine Angst vor Nachahmern haben.

Storno

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Wenn du dich darüber freust, dass ein geplanter Beratungstermin mit einer Kundin ausfällt, dann läuft etwas schief.

Denk mal nach, was.

Do be do be do

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Meine Erfahrung ist, dass das Mindset ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor in der Selbständigkeit ist. Wie wir über uns selbst denken, wie wir unser Business sehen, was für uns Erfolg ist und was nicht… das sind ganz fundamentale Dinge.

Aber: Das richtige unternehmerisches Mindset allein genügt nicht. Wir müssen damit auch etwas tun.

Am Ende zählen die Dinge, die wir geschaffen haben und nicht die, die wir erdacht haben.

[Danke Bernhard Reingruber für den Gedanken.]

Denkmöglich

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Damit man ein Lifestyle Business schaffen kann, muss man ein Lifestyle Business überhaupt mal als mögliche Option wahrnehmen.

Als etwas, das “man” tut. Als etwas, das für einen selbst in dieser Situation “möglich” ist. Als etwas, das “normal” ist.

Je mehr Lifestyle Entrepreneure man kennt, desto mehr Vorbilder gibt es, und desto denkmöglicher wird es, selbst ein Lifestyle Business zu starten.

In vielen Teilen der Gesellschaft ist diese Idee aber noch alles andere als angekommen.

Es gibt noch viel zu tun.

Nebenjob

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Eine Gründerin hat mir erzählt, dass sie eine “Online-Heldin” hat. Ihre Heldin macht genau das, was sie auch gerne machen möchte – sehr professionell, und bereits seit einigen Jahren.

Allerdings hat ihre Online-Heldin einen Nebenjob. Jetzt zweifelt meine Gründerin: Wenn nicht mal ihre Heldin in dieser Nische ein Vollzeit-Business aufbauen kann, wie soll sie es dann schaffen?

Nun gut, das ist die eine Sichtweise. Die andere wäre: Ob deine Heldin einen Nebenjob hat oder nicht, hat möglicherweise gar nichts damit zu tun, wie ertragreich deine Nische ist. Vielleicht hat sie den Nebenjob ja nicht, weil sie muss, sondern weil sie will.

Und: Vielleicht ist es Zeit für eine Staffelübergabe. Zeig deiner Heldin, was du kannst und wie du es besser machst. Und vielleicht wirst dann du zu ihrer Heldin.

Das Ratschlag-Monster

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Wir Lehrer*innen und Berater*innen neigen, quasi von Berufswegen, häufig dazu, Ratschläge zu geben – auch ungefragt.

Wir glauben, dass wir unsere Aufgabe dann (und nur dann) gut erfüllen, wenn wir auf alles eine Antwort parat haben.

Dabei übersehen wir zumeist, dass unsere Ratschläge gar nicht so gut sind, wie wir denken – und zwar aus mindestens zwei Gründen:

  1. Der Empfänger der Ratschläge wird demotiviert, weil er etwas “auf das Auge gedrückt” bekommt. Er wird reduziert auf jemanden, der vielleicht gute Ratschläge ausführen, aber selbst keine guten Ideen haben kann.
  2. Die Ratgebenden überfordern sich, weil sie sich unnötige Arbeit und Verantwortung aufhalsen für etwas, das eigentlich der Empfänger des Ratschlages selbst lösen kann – und haben damit weniger Zeit für ihre eigenen Herausforderungen.

Es lohnt also doppelt, wenn wir lernen, das Ratschlag-Monster zu zähmen und uns mit unseren Ratschlägen zurückzuhalten.

Auch wenn uns das sicher schwer fällt, besonders am Anfang.

[Danke Michael Bungay Stanier für die Anregung.]

Vor-vollziehbar

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Es ist wunderbar, wenn deine Kund*innen (oder Studierenden) sagen: “Ah, das ist nachvollziehbar. Das habe ich verstanden.”

Der Punkt ist aber, dass das, was du sagen willst, vor-vollziehbar sein muss. Bedeutet: Es muss von vorn herein klar sein, dass das, was du zu sagen hast, relevant sein wird. Dass du damit bei deinem Gegenüber etwas auslösen wirst. Dass du damit einen Schmerzpunkt treffen wirst.

Oder, kurz gesagt: Dass es sich lohnen wird, dir zuzuhören.

In- und auswendig

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Eine Kollegin von mir in der Gründungsberatung macht sich gerade selbständig.

Und sie sagt: “Ich habe schon auch Schiss. Genau wie unsere Kunden.”

Selbst, wenn man den Prozess des Selbständigwerdens in- und auswendig kennt, bleibt doch der Respekt vor dem Selbständigmachen.