Tag#Gründungsberatung

Langzeitgründer

L

Unlängst hat sich ein Kunde des Unternehmensgründungsprogramms (UGP) selbständig gemacht, den ich vor zweieinhalb Jahren zum ersten Mal getroffen habe.

Es gibt Gründer*innen, die rauschen in wenigen Wochen durch das UGP. Aber es gibt eben auch Gründer*innen, deren Gründungsprojekt viele Monate oder sogar Jahre braucht, bis die Zeit dafür reif ist.

Sind diese Langzeitgründer also Loser? Überhaupt nicht! Jedes Gründungsprojekt ist anders, und jedes Gründungsprojekt hat seine Eigenzeit.

Erfolgreiche Gründer sind jene, die das erkennen und dem Projekt so viel Zeit geben, wie es eben benötigt.

Bürokratie und Individualität

B

In öffentlich geförderten Unterstützungsprogrammen für Gründer*innen (wie das UGP des AMS Wien) bewegen wir uns als Berater*innen ständig zwischen den Rollen Bürokrat und Sozialarbeiter:

Wie viel ist standardisiert, wie viel ist individuell? Was lässt sich „digitalisieren“, wozu braucht es „den Menschen?“ Was ist möglich, und was geht einfach nicht?

Das ist auch eine zentrale Konfliktlinie in vielen Gründungsprojekten: Wie passt die eigene Individualität in die standardisierten Formen, mit denen wir uns das gesellschaftliche Zusammenleben organisieren?

Keinen Fehler machen

K

“Wenn Sie in Ihrem Unternehmen etwas falsch machen, haben Sie dafür die Konsequenzen zu tragen!”, sagt die Dame von der WKO beim Gründer*innen-Workshop.

Und genau darum geht es vielen Gründer*innen in der Gründungsphase: Nur ja keine Fehler machen mit Gewerbe, Finanzamt oder Sozialversicherung.

Für diese Menschen ist die wertvollste Beratungsleistung, Orientierung zu geben im Gründungs- und Behördendschungel und sie da unbeschadet durchzubringen.

Dabei geht es beim Gründen doch eigentlich um etwas ganz, ganz anderes…

Sintflut

S

Wir Gründungsberater*innen müssen uns immer wieder kritisch mit der Frage auseinandersetzen:

Was passiert eigentlich nach der Gründung?

Haben wir als Gründungsberater*innen dafür auch noch Verantwortung, oder sagen wir: Nach mir die Sintflut?

Erinnerungen

E

Das meiste von dem, was ich meinen Gründer*innen sage, wissen sie eh selber.

Ich muss sie nur daran erinnern, weil sie gerade darauf vergessen haben.

Micro-Entrepreneurship

M

Unlängst habe ich einen neuen Begriff kennengelernt: Micro-Entrepreneurship

Es ist die Idee, dass immer mehr Menschen in immer mehr Bereichen des Lebens unternehmerisch tätig werden. Nicht unbedingt in ihren eigenen kleinen Unternehmen oder als Selbständige, sondern auch als Mikro-Unternehmer in ihren Karrieren, Netzwerken und Gemeinschaften.

Micro-Entrepreneurship ähnelt der Idee des Zivilkapitalismus insofern, als Entrepreneurship hier nicht mehr nur den großen Unternehmen vorbehalten bleibt, sondern jeder Bürger und jede Bürgerin für sich unternehmerisch tätig werden kann. Eine Demokratisierung des Entrepreneurship also, ganz im Sinne eines Citizen Entrepreneurship.

Ich bin davon überzeugt, dass Micro-Entrepreneurship eines der großen Themen der nächsten Zeit ist.

[Danke Philipp Maderthaner für diesen Hinweis.]

Eine ganz spezielle Frage

E

Meine Kund*innen in der Gründungsberatung haben tausende Fragen rund um die Selbständigkeit und die Gründung.

Aber: Jede Gründerin und jeder Gründer hat ihre oder seine ganz spezielle Frage, an der sie sich während des gesamten Gründungsprozesses (und häufig noch weit danach) abarbeiten.

Solange diese eine ganz spezielle und ganz individuelle Frage nicht gelöst ist, läuft das Werkl nicht rund.

Die Herausforderung dabei ist, diese eine ganz spezielle Frage überhaupt mal zu identifizieren und in Worte fassen zu können.

Echte Gründungsberatung beginnt erst da, wo Kunde und Berater diese eine ganz spezielle Frage herausgefunden haben.

Wohlgemerkt: Die Frage, nicht die Antwort darauf.

[Danke Sheila Kalenda für diesen Gedanken.]

Richtige Einstellung

R

Ein sehr spannender Zugang zu jeder Form von Beratung, gelernt von Timo Heinz:

Lass jeden Menschen besser zurück, als du ihn vorgefunden hast.

Was macht mich eigentlich aus?

W

Eine Gründer*in sagte unlängst zu mir:

Ich biete so viele Sachen an – aber was macht mich denn eigentlich aus?

Und damit stellt sie die wahrscheinlich schwierigste und gleichzeitig grundlegendste Frage, die man im Zeitalter des Individualismus stellen kann: Wer bin ich eigentlich? Was macht mich besonders?

Auf diese Frage lässt sich halt leider keine endgültige Antwort finden.

Jede Antwort ist eine Momentaufnahme.

Berater-Faustregel

B

„Berate so, wie du selbst beraten werden willst.“

Das konsequent umgesetzt, ist schon sehr viel.

Mehr ist wahrscheinlich gar nicht möglich.

Die Märchen der Erwachsenen

D

Ich beobachte es immer wieder, auch und besonders unter Berater*innen:

Bevor jemand sagt, dass er es nicht weiß, erzählt er lieber ein Märchen. Er präsentiert das, was er sich in diesem Moment gerade ausdenkt, als Fakten.

Und zwei Augenblicke später ist er dann sogar selbst felsenfest davon überzeugt, dass dieses Märchen die reine Wahrheit ist.

Erfolg ist immer freiwillig

E

Jeder Mensch hat das Recht, lieber in seinem Problem zu verharren. Lieber in Opposition zu gehen. Lieber nichts zu tun.

Man kann niemandem zum Erfolg zwingen.

[Danke Valentina Mörz für diesen Gedanken.]

Stärkenbündel

S

Das Erfolgsgeheimnis vieler Gründer*innen ist nicht die eine Stärke, sondern die einmalige Kombination von (einzeln betrachtet) unspektakulären Fähigkeiten.

Wie der ehemalige Bankberater, der dann bei der Stadtverwaltung in der Planung tätig war und jetzt die Baubranche genauso kennt wie die Banken – und damit ein idealer Projektabwickler ist.

Oder der Psychologe, der gerne surft und jetzt Therapie und Surfen verbindet.

Die Kombination ist individuell, einzigartig und wird deswegen am Markt geschätzt.

[Danke Scott Adams für diesen Gedanken, der das Ganze talent stacks nennt.]

Persönlichkeitstests

P

Die Faszination von Persönlichkeitstests liegt darin, dass sie uns eine Landkarte geben, damit wir uns besser verstehen.

Endlich erklärt uns jemand, was mit uns los ist. Endlich bekommen wir eine Story dafür, warum wir sind, wie wir sind.

Und selbst, wenn diese Story unvollständig oder gar falsch ist… Es ist immerhin eine Story mehr, als wir bisher hatten.

Wo das Problem liegt

W

Das Problem liegt oft nicht (nur) darin, eine Lösung zu finden.

Das Problem beginnt schon dabei zu erkennen, dass man ein Problem hat. Und welches Problem man eigentlich hat.

Damit man nicht versucht, Lösungen zu finden, die gar nicht auf das Problem passen. 

Gründungserfahrung

G

Eine Gründerin hat heute sehr treffend zusammengefasst, wie es ist, ihr eigenes Unternehmen zu gründen:

Echt viel Arbeit, aber sehr interessant.

Kundengespräche

K

Wir Gründungsberater sprechen oft mehr mit unseren Kund*innen über private Dinge (den letzten Urlaub, die Kinder usw.) als mit unseren Kolleg*innen.

Unsere Kund*innen wissen mehr Privates von uns als unsere Kolleg*innen.