„Berate so, wie du selbst beraten werden willst.“
Das konsequent umgesetzt, ist schon sehr viel.
Mehr ist wahrscheinlich gar nicht möglich.
„Berate so, wie du selbst beraten werden willst.“
Das konsequent umgesetzt, ist schon sehr viel.
Mehr ist wahrscheinlich gar nicht möglich.
Ich beobachte es immer wieder, auch und besonders unter Berater*innen:
Bevor jemand sagt, dass er es nicht weiß, erzählt er lieber ein Märchen. Er präsentiert das, was er sich in diesem Moment gerade ausdenkt, als Fakten.
Und zwei Augenblicke später ist er dann sogar selbst felsenfest davon überzeugt, dass dieses Märchen die reine Wahrheit ist.
Jeder Mensch hat das Recht, lieber in seinem Problem zu verharren. Lieber in Opposition zu gehen. Lieber nichts zu tun.
Man kann niemandem zum Erfolg zwingen.
[Danke Valentina Mörz für diesen Gedanken.]
Das Erfolgsgeheimnis vieler Gründer*innen ist nicht die eine Stärke, sondern die einmalige Kombination von (einzeln betrachtet) unspektakulären Fähigkeiten.
Wie der ehemalige Bankberater, der dann bei der Stadtverwaltung in der Planung tätig war und jetzt die Baubranche genauso kennt wie die Banken – und damit ein idealer Projektabwickler ist.
Oder der Psychologe, der gerne surft und jetzt Therapie und Surfen verbindet.
Die Kombination ist individuell, einzigartig und wird deswegen am Markt geschätzt.
[Danke Scott Adams für diesen Gedanken, der das Ganze talent stacks nennt.]
Die Faszination von Persönlichkeitstests liegt darin, dass sie uns eine Landkarte geben, damit wir uns besser verstehen.
Endlich erklärt uns jemand, was mit uns los ist. Endlich bekommen wir eine Story dafür, warum wir sind, wie wir sind.
Und selbst, wenn diese Story unvollständig oder gar falsch ist… Es ist immerhin eine Story mehr, als wir bisher hatten.
Das Problem liegt oft nicht (nur) darin, eine Lösung zu finden.
Das Problem beginnt schon dabei zu erkennen, dass man ein Problem hat. Und welches Problem man eigentlich hat.
Damit man nicht versucht, Lösungen zu finden, die gar nicht auf das Problem passen.
Eine Gründerin hat heute sehr treffend zusammengefasst, wie es ist, ihr eigenes Unternehmen zu gründen:
Echt viel Arbeit, aber sehr interessant.
Wir Gründungsberater sprechen oft mehr mit unseren Kund*innen über private Dinge (den letzten Urlaub, die Kinder usw.) als mit unseren Kolleg*innen.
Unsere Kund*innen wissen mehr Privates von uns als unsere Kolleg*innen.
Teilzeit-Gründungsberater, die nebenbei selbständig sind, sind allerdings auch nicht unproblematisch:
Es ist zwar super, dass sie die Erfahrung und das Praxiswissen mitbringen, aber sie sind eben auch selbst Unternehmer. Sie arbeiten in einem Umfeld, wo rund um sie Menschen sind, die bereits selbständig sind oder sich gerade selbständig machen.
Das stimuliert natürlich auch sie selbst. Sobald ihr Business (wieder) gut läuft oder sie eine neue Geschäftsidee verfolgen, die traction bekommt, kündigen sie die Anstellung und sind weg.
Bei Vollzeit-Angestellten passiert das längst nicht so schnell. Die wechseln vielleicht die Aufgabe innerhalb des Unternehmens und versuchen “aufzusteigen”, aber sie kündigen längst nicht so leicht.
Ein Problem im Online-Business ist, dass die so genannten “Success Coaches” nicht immer für ihre Aufgabe geeignet sind:
„You‘ve got someone who’s never run a business, who’s just got a job, who’s now maybe trained in the method or the systems or the process or whatever, but they don’t actually have your lived experience of being a business owner.“
Duped Podcast vom 15. November 2021
Dieses Problem kann es durchaus auch in der Gründungsberatung mit unselbständigen Vollzeit-Berater*innen geben.
Folgendes Gedankenexperiment:
Wie wäre es, wenn du zu einem Astrologen gehst und für dein Business ein Horoskop erstellen lässt? Oder wenn du dir von einer Wahrsagerin die Zukunft deiner Geschäftsidee voraussagen lässt?
Ist das Ergebnis, das du dort bekommst, wirklich so viel schlechter als das, was du nach langem Hin- und Herübergeben in deinen Businessplan schreibst?
Eines gebe ich dir jedenfalls schriftlich: Die Entscheidungen, die du aufgrund eines Horoskops triffst, sind tausendmal besser als die Entscheidungen, die du nach wochenlangem Grübeln nicht triffst.
Durch meine Kinder habe ich Ritter Rost kennen- und schätzengelernt.
In einer seiner Geschichte kommt Ritter Rost in die Verlegenheit, sich zum ersten Mal in seinem Leben selbst um den Haushalt kümmern zu müssen. Er geht voller Motivation an die Sache heran und nimmt sich vor: Heut helfe ich.
Und natürlich macht er alles falsch.
Für mich ist das Lied immer wieder ein Reminder, dass auch wir Berater*innen voll motiviert beraten und trotzdem (oder gerade deswegen) das Chaos bei unseren Kund*innen nicht verkleinern, sondern eher vergrößern.
Stephan A. Jansen spricht in brand eins von einer “Bildung-Wende” und fragt: Erfordert der leichtere Zugang zu Wissen eine radikal andere Didaktik?
Auch für Solopreneure ist eigentlich alles Wissen vorhanden, auf Knopfdruck.
Was bräuchten sie, um dieses Wissen für sich in den Dienst stellen zu können?
Hat diese Frage überhaupt etwas mit Didaktik zu tun? Oder scheitert es zuvor an ganz anderen Dingen?
Mein Sohn (6) hatte heute die Idee, sich selbst Schachfiguren aus Papier zu basteln.
Etwas, das ich ihm beim besten Willen nicht vorschlagen hätte können. Nur er konnte diese Idee haben, und nur er konnte diese Idee auf seine einzigartige Weise umsetzen. Meine Aufgabe war es lediglich, ihm das Papier zu geben, das er zum Basteln brauchte.
Das ist ein wunderbarer Reminder für mich, wenn ich in der Rolle des Beraters bin: Meine Aufgabe ist es nicht, Ideen und Lösungen für meine Kund*innen zu finden. Meine Aufgabe ist es, den Rahmen zu schaffen, damit gute Ideen entstehen und umgesetzt werden können.

Das funktioniert so:
Du schwingst dich von Liane zu Liane. Mit der Liane, die dir am nächsten ist, startest du los.
Und dann schwingst du dich Liane um Liane weiter. Immer in dem Vertrauen, dass die nächste Liane rechtzeitig auftauchen wird.
Natürlich hast du keine Ahnung, wo du fünf Lianen später landen wirst.
Aber irgendwo musst du mal anfangen.
[Danke Anne Scoular für diesen Gedanken.]
Unlängst hatte ich eine Info-Veranstaltung zum Unternehmensgründungsprogramm, an der (ausnahmsweise) nur Frauen teilgenommen haben.
In dieser Gruppe ist eine ganz einzigartige konstruktive Stimmung entstanden. Da war zu spüren, wie motiviert und voller Tatendrang die Teilnehmerinnen sind. Und es war toll zu beobachten, wie sie sich gegenseitig in ihrem Vorhaben unterstützt haben.
Ein wunderbares Erlebnis!
Ein Kollege berichtete unlängst von einer seiner Kundinnen, einer eher nervösen Person. “Sie möchte alles richtig machen – und genau deswegen macht sie alles falsch.”
Das ist das Paradox und das Schicksal der Übervorsichtigen auf den Punkt gebracht.
Im aktuellen EPU-Monitor 2021/22, den die KMU Forschung Austria im Auftrag der Wirtschaftskammer erstellt hat, wurden die Motive zum Selbständigmachen abgefragt:
82 Prozent nennen mehr Unabhängigkeit als Motiv, 78 Prozent wünschen sich mehr Selbstverwirklichung und 70 Prozent flexiblere Zeiteinteilung. Für rund die Hälfte war das Erkennen einer Marktchance entscheidend für den Schritt in die Selbständigkeit.
Letzteres finde ich besonders interessant. Das bedeutet nämlich auch, dass sich rund die Hälfte der Gründer*innen selbständig macht, ohne konkrete Chancen am Markt zu sehen.
Ich bin nicht sicher, ob das gut oder schlecht ist. Jedenfalls gibt es mir zu denken.
Wir haben immer die Wahl, ein bisschen länger neugierig zu bleiben.
(mehr …)Der Profi-Berater führt nicht nur ein spannendes Beratungsgespräch, sondern er sagt am Ende auch nochmal: „Ich fasse zusammen: Wir haben Folgendes besprochen: …“ Oder er fragt: “Was war in unserem Gespräch heute für Sie am wertvollsten?”
Das tut er für sich selbst, aber vor allem tut er es für seine Kund*innen.
Lernen lebt von der Wiederholung.