Tag#Gründungsberatung

Business-Härte

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Unlängst meinte eine Unternehmerin zu mir: “Ich bin erschrocken darüber, wie hart wir geworden sind.”

Früher hatten ihr Mann und sie versucht, es allen ihren Kunden und Partnern recht zu machen. Sie waren flexibel und entgegenkommend, und sie waren großzügig mit ihrer Zeit und ihrem Geld.

Heute stellen sie fest, dass von dieser Großzügigkeit wenig zurückgekommen ist. Im Gegenteil: Ihre Großzügigkeit hat bei Kunden und Partnern zu einer Erwartungshaltung geführt, die sie nicht mehr erfüllen können und wollen. Sie haben keine Lust mehr, sich ausnützen zu lassen. Sie haben keine Lust mehr, ständig zu diskutieren.

Sie haben gelernt, wie wichtig klare Regeln sind – und wie wichtig es ist, diese konsequent einzuhalten. Sie haben gelernt, dass sie ohne sorgfältige Kontrolle ausgenützt werden. Sie haben gelernt, dass sie ihre Führungsrolle einnehmen müssen, ob sie wollen oder nicht.

Ich würde sagen, irgendwann (in ihrem Fall: nach fünf Jahren) kommt jedes Business an den Punkt, wo es einen Entwicklungs-Schub braucht. Wo weniger improvisiert und mehr geführt und gemanagt werden muss.

Ich glaube auch nicht, dass das mit “Härte” zu tun hat, sondern mit Professionalität. In diese Professionalität müssen wir hineinwachsen, und auf dem Weg dorthin werden wir Lehrgeld zahlen.

Das ist ganz normal.

Bestärkung

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Es ist total super, wenn du jemanden an deiner Seite hast, der deine neueste Geschäftsidee kritisch hinterfragt. Der die Lücken in deinen Überlegungen aufdecken kann und der sich nicht scheut, auch mal eine unangenehme Frage zu stellen.

Aber manchmal wünscht man sich einfach nur jemanden, der sagt: “Mach! Ich glaube an dich! Du schaffst das!”

Schnecken im Unglück

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Wenn es geregnet hat, kommen die Schnecken raus.

Unlängst bin ich mit dem Auto in der Früh auf einer stark befahrenen Straße gefahren. Es hatte geregnet, und am Straßenrand machten sich gerade Schnecken auf den Weg, die Straße zu überqueren.

Ein Himmelfahrtskommando. Ich bin mir sicher, dass keine einzige Schnecke ihr Ziel erreicht hat. Alle plattgewalzt von einem der vielen Autos, die natürlich nicht für Schnecken bremsen oder ausweichen.

Mir haben diese Schnecken schrecklich leid getan, weil ihr Unglück sowas von absehbar war. Am liebsten hätte ich mein Fenster runtergekurbelt und ihnen zugerufen: Halt! Nicht weitergehen! Dreht um, euer Plan wird euch umbringen!

Spannend, dass ich diesen Impuls manchmal auch in meinen Gründungsberatungen fühle…

Dein Traum

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Träume sind wichtig  

Und du brauchst jemanden, der deine Träume ernst nimmt  

[Danke für diesen Gedanken Barbara Sher, die heute 90 Jahre alt geworden wäre.]

Auf der Bremse

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Es ist wunderschön, mit einem Gründer zu sprechen, der voller Energie für sein Gründungsprojekt ist. Bei dem die Euphorie hör- und spürbar ist. Der nachts wach liegt, weil der über seine Idee nachdenkt – und das aber nicht als Last, sondern als pure Freude empfindet.

Als Gründungsberater stehe ich in so einem Fall vor einer Herausforderung: Einerseits will ich den Gründer in seinem Enthusiasmus auf keinen Fall bremsen. Diese Anfangsenergie ist enorm wichtig, um die große Lernaufgabe, die eine Gründung mit sich bringt, zu bewältigen.

Andererseits beobachte ich oft, dass in dieser Euphorie die Strategiearbeit zu kurz kommt. Der Gründer ist schon mit ganz konkreten Umsetzungsfragen beschäftigt, hat aber das Geschäftsmodell des neuen Business noch nicht (fertig) durchdacht.

Das ist, als würde sich ein Häuslbauer schon Gedanken über den Wohnzimmerteppich machen, wenn noch nicht mal der Rohbau des Kellers steht.

Also sehe ich es als meine Aufgabe als Gründungsberater zu sagen: Moment mal! Ganz mit der Ruhe! Lass uns mal über ganz grundsätzliche Dinge nachdenken. Lass uns die Idee mal in Ruhe anschauen, von allen Seiten beleuchten und gemeinsam überlegen, wie wir die Idee in eine passende Form bringen können.

Das mag zwar ein bisschen unsexy daherkommen und eine Spaßbremse sein, aber mit der Erfahrung aus 250+ Gründungsprojekten weiß ich:

Nur so macht eine Gründungsidee langfristig Spaß.

Die grössten Fehler beim ersten Mitarbeiter

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Aus meiner Erfahrung als Gründungsberater: Die drei größten Fehler von Solopreneur:innen, wenn sie ihre:n erste:n Mitarbeiter:in aufnehmen:

  1. Sie suchen eine Kopie von sich selbst. Genauso engagiert, genauso motiviert, genauso begeistert von der Geschäftsidee. Genauso flexibel in den Arbeitszeiten. Genauso interessiert an den Kund:innen. Genauso kreativ und innovativ und produktiv. Das Problem dabei: Ein Mitarbeiter ist kein Mit-Unternehmer. Ein guter Mitarbeiter ist jemand, der verlässlich das tut, was man ihm sagt. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.
  2. Sie sehen ihre:n Mitarbeiter:in als Freund:in. Oder stellen überhaupt jemanden aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis an. Aber Mitarbeiter:innen sind keine Freund:innen – sie sind Angestellte. Und mit Angestellten kommt es notwendigerweise zu Interessenkonflikten. Und die sind mit Freund:innen nur ganz, ganz schwer zu lösen.
  3. Sie schauen zu lange zu. Die neue Mitarbeiterin performt nach zwei Wochen nicht wie gewünscht? Der neue Mitarbeiter war schon im Bewerbungsgespräch komisch, und er scheint mit jedem Tag eigenartiger zu werden? Guess what – das wird so bleiben! Solopreneur:innen glauben ganz oft an das Gute im Menschen und hoffen, dass sich mit ein bisschen mehr Geduld die Dinge von selber verbessern. Aber das tun sie nicht. Zuwarten ist keine Lösung. Erwartungen klar ansprechen, und wenn sie trotz Unterstützung und Hilfe nicht erfüllt werden, dann war er/sie nicht der/die Richtige – und sollte so schnell wie möglich in die Freiheit entlassen werden.

Hilfreich sein

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Hilfreich zu sein muss nicht unbedingt nur heißen, dass man eine Lösung hat.

Hilfreich kann man auch sein, wenn man jemandem hilft, ein Problem besser zu verstehen.

Hilfreich zu sein kann auch heißen, dass man Optionen aufzeigt, welche der andere zuvor nicht gesehen hat.

Hilfreich kann man auch sein, wenn man dem Gegenüber zeigt, dass er gesehen, geschätzt und verstanden wird.

Hilfreich zu sein kann manchmal auch einfach nur bedeuten, jemanden mit seinem Problem erst zu nehmen.

[Danke David Bornstein für diesen Gedanken.]

Gefühlt erfolgreich

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Ja, man kann “Erfolg” nicht eindeutig definieren. Jeder Mensch hat dafür andere Maßstäbe. 

Aber jeder Mensch hat ein eindeutiges Gefühl dafür, ob er gerade “erfolgreich” ist oder nicht. 

Genug beraten

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Eine Arbeitshypothese:

Solopreneur:innen wollen in der ersten Zeit nach ihrer Gründung nicht (mehr) beraten werden.

Sie wollen nicht (mehr) gesagt bekommen, was sie tun sollen und was nicht. Sie wollen auch nicht, dass jemand hinterfragt, was sie tun. Sie wollen es sich selbst und den anderen beweisen, dass sie es (allein) schaffen können.

Aber: Sie wollen auf dem neuen Abenteuer ihrer Selbständigkeit lernen und persönlich wachsen. Sie wollen inspiriert werden!

Als Berater habe ich in der Startphase eines Solo-Business kein Leiberl (mehr) – als Impuls-Geber allerdings schon.

Scham im Business

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Scham spielt eine große Rolle im Business.

Viele Solopreneur:innen, die Schwierigkeiten im Business haben, die an den Mühen der Ebene verzweifeln, gehen lieber in die Komfortzone einer Anstellung zurück, als sich für den Marsch durch die Wüste einen Lehrer/Helfer/Mentor zu suchen.

Aus Scham, sich und anderen eingestehen zu müssen, dass man es alleine nicht schafft.

Das ist sehr schade.

Was mich als Lehrer antreibt

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Ich will nicht etwas erzählen, damit ich Recht habe

Ich will etwas erzählen, das etwas bewirkt.

Enabling Spaces

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Wenn man sich weiterentwickeln will, braucht man einen Raum dafür. Einen Rahmen. Man kann sich nicht ins Grenzenlose hinein entwickeln. Es braucht Leitlinien und Orientierung, Anfänge und Enden.

Diese Räume müssen nicht perfekt sein. Sie können ruhig ein bisschen chaotisch und improvisiert sein, aber die Intention der Raum-Geber muss gut (righteous) sein.

Sitzen wir alle im selben Bus, ist es wurscht, wenn der Bus ein bisschen holprig daher kommt, solange wir alle in dieselbe Richtung unterwegs sind.

Outcoached

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Im Fußball kann eine Mannschaft “outcoached” werden. Nämlich dann, wenn der Trainer des Gegners dem eigenen Trainer taktisch überlegen war.

Ein Trainer wurde outcoached, wenn er während des Spiels nicht die richtigen Anpassungen gemacht hat, seine Strategie durchschaut wurde oder er auf gegnerische Veränderungen zu spät oder falsch reagiert hat.

Das ist kein Vorwurf mangelnder Kompetenz – eher ein Hinweis auf ein taktisches „Verlieren im Kopf“, ein Schachspiel, das man auf der Bank verloren hat.

Auch in der Gründungsberatung kann der Berater “outcoached” werden. Allerdings nicht durch einen “gegnerischen Gründungsberater”, sondern auf subtilere Art.

Wenn der Berater zu sehr seiner eigenen Agenda folgt und nicht merkt, dass die Gründerin längst woanders ist – mental, emotional oder strategisch. Beispiel: Der Berater hat einen fixen Plan für die Finanzplanung, aber seine Klientin ringt innerlich gerade mit einer Sinnkrise. Er „coacht“ über das eigentliche Thema hinweg. Zack: outcoached.

Oder: Äußere Faktoren (Markt, KI, Förderlandschaft) können die Beratungsbranche verändern – und die Gründungsberater:in reagiert nicht schnell genug. Outcoached. Oder: Wenn ein Berater zu stark an seinen Methoden hängt und nicht erkennt, dass eine neue Denkweise gefragt wäre. Outcoached.

Wie ein guter Fußballcoach sollte auch ein:e gute:r Gründungsberater:in nicht nur seinem Plan folgen, sondern live beobachten, Muster erkennen, flexibel reagieren. Kurz: Mitdenken.

Gute Gründungsberater:innen sind wie ein Jazzmusiker:innen: Sie kennen die Noten, aber ihr wahres Können zeigen sie in der Improvisation.

Das Hobby zum Beruf

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Eine Warnung von Seth Godin an alle Gründer:innen:

“Hobbies are great. Hobbies help make us more human.”
Aber:

„Don‘t sell your hobbies! Do your hobbies for you.“

Ich kann das aus meiner Erfahrung als Gründungsberater bestätigen: Hobbys verlieren schnell an Freude und Leichtigkeit, wenn man sie mit Umsatzdruck belädt.

Und damit ist keinem gedient – weder dir noch deinem Hobby.

Mein Impact

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Nicht immer werde ich die Folgen meines Impacts als Berater und Lehrer sehen können.

Von den meisten Momenten, in denen ich Menschen berührt habe, werde ich nie erfahren.

Aber das ist voll okay.  

Ein gutes Gefühl geben

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Ich will als Berater meinem Gegenüber nicht das Gefühl geben, dass ich ihm zuhöre.

Nein, ich will ihm wirklich zuhören! Ich will nicht ein Gefühl erzeugen, sondern echtes Interesse haben am Gegenüber und an der gemeinsamen Suche nach einer Lösung.

Dann entsteht das gute Gefühl im Gegenüber quasi von selbst.

Der Traum trägt nicht

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“Ich folge meinem Traum, aber der trägt mich finanziell nicht.”

Das ist eine der großen, verbindenden Herausforderungen von ganz, ganz, ganz vielen Lifestyle Entrepreneur:innen.

Dicht verwoben

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Spannender Gedanke von Greg McKeown:

In dem, was wir zu wissen glauben, sind wahre und falsche Anteile dicht ineinander verwoben. 

Es wäre toll, wenn wir die richtigen von den falschen Annahmen unterscheiden und heraustrennen könnten. Aber das ist schwer.

Im besten Fall gibt es Menschen, die uns helfen, die verschiedenen verwobenen Fäden auseinanderzuklauben, damit wir uns dann jeden einzelnen Faden ansehen, mit frischen Augen beurteilen und neu zusammensetzen können.

Zahlen, bitte!

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Wieder ein schönes Beispiel aus der Reihe “Glaub keiner Statistik…”:

In brand eins vom April 2025 ist zu lesen: “300.000 Gründungsinteressierte meldete die DIHK noch im Jahr 2013. Elf Jahre später sind es 40 Prozent weniger: Nur 180.000 Menschen kamen 2024 zu Gründungsgesprächen in die IHKs.” Daraus wird gefolgert, dass das Klima für Gründungen in Deutschland immer schlechter wird.

Was diese Zahlen aber in Wirklichkeit sagen, ist Folgendes: Immer weniger Menschen kommen zu Gründungsgesprächen bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Das heißt aber noch lange nicht, dass es weniger Gründungsinteressierte in Deutschland gibt.

Ja, der DIHK laufen die Gründer:innen davon. Das ist vielleicht wirklich dramatisch – für die DIHK. Aber es ist gut möglich, dass sich die deutschen Gründungsinteressierten einfach an anderer Stelle ihre Infos und Tipps holen.

Nur, weil du sie nicht siehst, heißt es nicht, dass es sie nicht gibt.

Unglücklich im Job

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Unlängst habe ich mich mit jemandem unterhalten, der sehr unglücklich in seinem Job ist.

Der Grund: Das Unternehmen, in dem er arbeitet, serviciert die Kund:innen nicht optimal. Er hat das Gefühl, dass die Kunden oft Leistungen bekommen, die sie eigentlich gar nicht brauchen oder dass sie Leistungen verkauft bekommen, die sie aber nie abrufen.

Er findet, dass das viel besser ginge. Er findet, dass es sich auszahlen würde, die Kund:innen besser zu beraten und passendere Angebote für sie zu entwickeln. Das würde zu zufriedeneren Kund:innen führen und im Endeffekt auch zu mehr Umsatz.

Aber in seinem derzeitigen Job scheinen diese Veränderungen nicht möglich zu sein. Er leidet darunter, dass er wüsste, wie es besser ginge, sich aber in seinem Unternehmen niemand dafür zu interessieren scheint.

Was für eine wunderbare Motivation, sich selbständig zu machen und zu zeigen: Leute, ich kann es besser!