Tag#Gründungsberatung

Outcoached

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Im Fußball kann eine Mannschaft “outcoached” werden. Nämlich dann, wenn der Trainer des Gegners dem eigenen Trainer taktisch überlegen war.

Ein Trainer wurde outcoached, wenn er während des Spiels nicht die richtigen Anpassungen gemacht hat, seine Strategie durchschaut wurde oder er auf gegnerische Veränderungen zu spät oder falsch reagiert hat.

Das ist kein Vorwurf mangelnder Kompetenz – eher ein Hinweis auf ein taktisches „Verlieren im Kopf“, ein Schachspiel, das man auf der Bank verloren hat.

Auch in der Gründungsberatung kann der Berater “outcoached” werden. Allerdings nicht durch einen “gegnerischen Gründungsberater”, sondern auf subtilere Art.

Wenn der Berater zu sehr seiner eigenen Agenda folgt und nicht merkt, dass die Gründerin längst woanders ist – mental, emotional oder strategisch. Beispiel: Der Berater hat einen fixen Plan für die Finanzplanung, aber seine Klientin ringt innerlich gerade mit einer Sinnkrise. Er „coacht“ über das eigentliche Thema hinweg. Zack: outcoached.

Oder: Äußere Faktoren (Markt, KI, Förderlandschaft) können die Beratungsbranche verändern – und die Gründungsberater:in reagiert nicht schnell genug. Outcoached. Oder: Wenn ein Berater zu stark an seinen Methoden hängt und nicht erkennt, dass eine neue Denkweise gefragt wäre. Outcoached.

Wie ein guter Fußballcoach sollte auch ein:e gute:r Gründungsberater:in nicht nur seinem Plan folgen, sondern live beobachten, Muster erkennen, flexibel reagieren. Kurz: Mitdenken.

Gute Gründungsberater:innen sind wie ein Jazzmusiker:innen: Sie kennen die Noten, aber ihr wahres Können zeigen sie in der Improvisation.

Das Hobby zum Beruf

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Eine Warnung von Seth Godin an alle Gründer:innen:

“Hobbies are great. Hobbies help make us more human.”
Aber:

„Don‘t sell your hobbies! Do your hobbies for you.“

Ich kann das aus meiner Erfahrung als Gründungsberater bestätigen: Hobbys verlieren schnell an Freude und Leichtigkeit, wenn man sie mit Umsatzdruck belädt.

Und damit ist keinem gedient – weder dir noch deinem Hobby.

Mein Impact

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Nicht immer werde ich die Folgen meines Impacts als Berater und Lehrer sehen können.

Von den meisten Momenten, in denen ich Menschen berührt habe, werde ich nie erfahren.

Aber das ist voll okay.  

Ein gutes Gefühl geben

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Ich will als Berater meinem Gegenüber nicht das Gefühl geben, dass ich ihm zuhöre.

Nein, ich will ihm wirklich zuhören! Ich will nicht ein Gefühl erzeugen, sondern echtes Interesse haben am Gegenüber und an der gemeinsamen Suche nach einer Lösung.

Dann entsteht das gute Gefühl im Gegenüber quasi von selbst.

Der Traum trägt nicht

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“Ich folge meinem Traum, aber der trägt mich finanziell nicht.”

Das ist eine der großen, verbindenden Herausforderungen von ganz, ganz, ganz vielen Lifestyle Entrepreneur:innen.

Dicht verwoben

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Spannender Gedanke von Greg McKeown:

In dem, was wir zu wissen glauben, sind wahre und falsche Anteile dicht ineinander verwoben. 

Es wäre toll, wenn wir die richtigen von den falschen Annahmen unterscheiden und heraustrennen könnten. Aber das ist schwer.

Im besten Fall gibt es Menschen, die uns helfen, die verschiedenen verwobenen Fäden auseinanderzuklauben, damit wir uns dann jeden einzelnen Faden ansehen, mit frischen Augen beurteilen und neu zusammensetzen können.

Zahlen, bitte!

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Wieder ein schönes Beispiel aus der Reihe “Glaub keiner Statistik…”:

In brand eins vom April 2025 ist zu lesen: “300.000 Gründungsinteressierte meldete die DIHK noch im Jahr 2013. Elf Jahre später sind es 40 Prozent weniger: Nur 180.000 Menschen kamen 2024 zu Gründungsgesprächen in die IHKs.” Daraus wird gefolgert, dass das Klima für Gründungen in Deutschland immer schlechter wird.

Was diese Zahlen aber in Wirklichkeit sagen, ist Folgendes: Immer weniger Menschen kommen zu Gründungsgesprächen bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Das heißt aber noch lange nicht, dass es weniger Gründungsinteressierte in Deutschland gibt.

Ja, der DIHK laufen die Gründer:innen davon. Das ist vielleicht wirklich dramatisch – für die DIHK. Aber es ist gut möglich, dass sich die deutschen Gründungsinteressierten einfach an anderer Stelle ihre Infos und Tipps holen.

Nur, weil du sie nicht siehst, heißt es nicht, dass es sie nicht gibt.

Unglücklich im Job

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Unlängst habe ich mich mit jemandem unterhalten, der sehr unglücklich in seinem Job ist.

Der Grund: Das Unternehmen, in dem er arbeitet, serviciert die Kund:innen nicht optimal. Er hat das Gefühl, dass die Kunden oft Leistungen bekommen, die sie eigentlich gar nicht brauchen oder dass sie Leistungen verkauft bekommen, die sie aber nie abrufen.

Er findet, dass das viel besser ginge. Er findet, dass es sich auszahlen würde, die Kund:innen besser zu beraten und passendere Angebote für sie zu entwickeln. Das würde zu zufriedeneren Kund:innen führen und im Endeffekt auch zu mehr Umsatz.

Aber in seinem derzeitigen Job scheinen diese Veränderungen nicht möglich zu sein. Er leidet darunter, dass er wüsste, wie es besser ginge, sich aber in seinem Unternehmen niemand dafür zu interessieren scheint.

Was für eine wunderbare Motivation, sich selbständig zu machen und zu zeigen: Leute, ich kann es besser!

Standby-Hilfe

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Ein Teilnehmer des Unternehmensgründungsprogramms (UGP) in Niederösterreich hat sich unlängst lobend über das Programm geäußert: “Man hat mich in Ruhe mein Unternehmen aufbauen lassen. Und wenn ich Rat gebraucht habe, konnte ich mich jederzeit melden.”

Schön, wenn das UGP für diesen Teilnehmer so gut gepasst hat. Aber ich finde, dass Gründungsberatung mehr sein könnte (und sollte!) als passiv im Standby-Modus darauf zu warten, dass ein Gründer seine Probleme von selber erkennt.

Denn: Das größte Problem in der Lehre (und damit auch in der Gründungsberatung) ist, dass diejenigen, welche Unterstützung am dringendsten bräuchten, gar nicht wissen, dass sie ein Problem haben.

Anders formuliert: Wir wissen gar nicht, was wir alles nicht wissen. Deswegen bräuchten Gründer:innen wohlmeinende, großzügige Mentor:innen, die an den passenden Stellen aktiv auf sie zugehen und ihnen liebevoll ihre blinden Flecken aufzeigen.

Zu zweit

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Zu zweit zu gründen hat viele Vorteile, aber es hat auch einige Nachteile.

Welche Vorteile und welche Nachteile es konkret hat, kann ich dir aber leider nicht sagen. Das hängt nämlich von deiner Persönlichkeit und der deines Business-Partners ab.

Aber eines kann ich dir versichern: Du musst deinen Business-Partner wirklich, wirklich mögen.

Sonst wird das nix.

Fragen ohne Antworten

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Schöner Gedanke von Michael und Manfred Winterheller:

Nur, weil mich jemand fragt, heißt das nicht, dass ich eine Antwort haben muss.

Das klingt paradox, und das ist gerade für Berater:innen und Lehrer:innen wie ich schwer auszuhalten. Aber: Es geht in “echten”, d.h. wirklich menschlichen Gesprächen nicht um inhaltliche Dominanz, sondern darum, dass Menschen über ihre Sorgen mit jemandem reden wollen. Menschen wollen gehört und gesehen werden.

So verstanden, ist eine Frage sehr oft keine Aufforderung für eine Antwort, sondern die Frage ist eine Einladung zu einem Gespräch. Weil ein Gespräch an sich unglaublich heilsam sein kann – egal, wer am Ende dann eine Antwort auf die Frage ausspricht.

Wenn die Angst sich meldet

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Ich kenne eine Gründerin, die mit ihrem Solo-Business bisher wirklich gut verdient hat. Sie ist eine Spezialistin in ihrem Bereich, gefragt und gesucht, und sie hat Kunden, die nicht jeden Euro zweimal umdrehen müssen.

Erstmals in ihrer Selbständigkeit erwartet sie 2025 sinkende Umsätze. Und das macht ihr Angst.

Sie weiß zwar, ganz objektiv gesehen, dass sie ein ganzes Jahr ganz ohne neue Umsätze auskommen würde, so viel hat sie auf der hohen Kante. Aber das kann sie nicht beruhigen. Die Existenzängste melden sich trotzdem.

Ich habe das in meinen Gründungsberatungen schon so oft beobachtet: Egal, wie hoch dein Kontostand ist… Die Existenzangst geht nie weg. Geld beruhigt nicht.

Seth Godin sagt: Das Beste, was wir tun können, ist zu lernen, mit unserer Angst zu tanzen.

Karriereplanung

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Vor Jahren mal in einer CEDEFOP-Studie gelesen, aber immer noch interessant: Wie gehen Erwachsene an ihre Karriereplanung heran?

  1. strategisch: Planvoll ein langfristiges Ziel verfolgend (z.B. Ärzte oder Unternehmersöhne)
  2. evaluierend: Stark reflektierend auf die aktuellen Lebensumstände
  3. aspirierend: Eine Ahnung davon, was man mal werden möchte, aber keinen konkreten Plan
  4. opportunistisch: Aus den gegebenen Optionen die beste herausgreifen

Ich glaube, diese Muster lassen sich auch sehr gut umlegen auf Gründer:innen beim Schritt in die Selbständigkeit. Da gibt es wohl auch Vertreter:innen aus allen vier Gruppen.

Berater mit Haltung

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Das, was in der Beratung genau wie in der Hochschullehre den echten Unterschied macht, sind nicht Fragen der Methodik oder der Rhetorik, sondern es sind Fragen der Haltung.

Ein wirklich toller Gründungsberater macht nicht andere Dinge, sondern er macht die Dinge anders. Haltung kann man nicht objektiv messen, aber man wird sie sofort spüren.

Haltung kann man nicht verordnen, Haltung kann man nicht managen, und Haltung kann man, fürchte ich, auch nicht in lehren

Aber man kann Haltung vorleben und andere dadurch inspirieren, zu ihrer eigenen Haltung zu finden.

Der Turmbau zu Babel

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Sabine Haag beschreibt im hörenswerten “Erklär mir die Welt”-Podcast das Gemälde “Der Turmbau zu Babel” von Pieter Breughel mit den Worten: „Man sieht hier ein Bauwerk, das einfach misslungen ist. Das muss man ganz ehrlich sagen. Aus dem wird nix mehr.“

Das ist eine schöne Metapher für ein Business, dass falsch aufgesetzt ist. Es “bärt” an allen Ecken und Enden. „Es gibt ganz viele Details, wo man sehen kann: Da ist so viel schief gelaufen”, sagt Sabine Haag.

Alle können es sehen, nur der “Bauherr” nicht. Der steht (im Bild) stolz rechts unten lässt sich huldigen. Niemand hat den Mut, ihn mit der Wahrheit zu konfrontieren, die er wahrscheinlich auch gar nicht hören möchte.

Genau hierin liegt der Wert guter Freunde und hilfreicher Gründungsberater: Sie haben keine Angst davor, dem Kaiser zu sagen, dass er nackt ist.

Satori

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Satori, das ist (für mich) eine plötzliche Erleuchtung. Eine Eingabe, eine Einsicht, ein Moment, in dem einem plötzlich etwas klar wird oder man plötzlich etwas ganz glasklar sieht. Es fällt einem förmlich wie Schuppen von den Augen.

Nach einem Satori hat sich etwas in einem verändert. Man sieht die Welt nicht mehr wie zuvor.

Ein Satori hat eine starke emotionale Seite. Die Erkenntnis lässt sich mitunter nicht gleich oder nicht völlig in Worte fassen. Die neue Klarheit ist eher ein Gefühl, ein Gedanke, ein Fragment – sehr stark spürbar, aber er entzieht sich mitunter jeder verbalen Form. Er lässt sich aber mitunter durch Bilder, Metaphern, Musik oder Slogans ausdrücken. 

Satori lassen sich nicht fabrizieren, aber sie sind immens kraftvoll.

Über die Angst

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Im Buch “The Life of Pi” gibt es in Kapitel 56 eine sehr treffende Beschreibung der menschlichen Angst:

Angst ist der einzige echte Feind des Lebens. Nur Angst kann das Leben bezwingen. Angst ist ein kluger, raffinierter Gegner, das weiß ich aus Erfahrung. Sie kennt keine Moral, akzeptiert kein Gesetz und keine Konvention, sie ist unerbittlich. Sie sucht sich bei jedem den schwächsten Punkt und findet ihn ohne Mühe.

Als Gründungsberater weiß ich: Wo die Angst ist, da liegt auch das größte Potenzial, in einem Lifestyle Business wirklich was zu verändern.

Manipulative Hilfe

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Viele Helfer:innen sind Ego-getrieben. Es geht ihnen primär um sich, darum, die eigenen “Weisheiten” anzubringen.

Es geht ihnen um ihr eigenes gutes Gefühl, das sie durch das Helfen bekommen.

Das ist nicht per se böse, aber es ist manipulativ. Es verleitet dazu, ungefragt Hilfe aufzudrängen – weil man selbst das gute Gefühl braucht, nicht der Andere die Hilfe.

Hart oder falsch?

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Eine der schwierigsten Fragen überhaupt: Habe ich nur den üblichen Gegenwind, oder bin ich am falschen Weg?

Mit anderen Worten: Soll ich dran bleiben, oder soll ich vom toten Pferd absteigen? Habe ich mich in etwas verrannt, von dem ich glaube, es ist das Paradies, aber in Wahrheit ist es nicht mein Ding? Ist es einfach nur hart, oder ist es falsch?

Diese Frage beantworten zu helfen, gehört zu den ganz großen Nummern in der Gründungs- und Unternehmensberatung.

[Danke Georg Wawschinek und Philipp Maderthaner für diesen Gedanken.]

Gründungsberatung ist nie gratis

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Eine Herausforderung im Pricing von Gründungsberatungen in Österreich:

Historisch war die Gründungsberatung eine Aufgabe von (halb-)staatlichen Organisationen oder öffentlich finanzierten Verbänden: WKO, AMS, RIZ, Wirtschaftsagentur etc.

Der Staat gibt diesen Institutionen Geld (Steuergeld), damit sie etwas Gutes für die Bürgerinnen und Bürger tun.

In diesem Kontext ist die Gründungsberatung “gratis” — für die Gründer*innen. Natürlich ist sie de facto nicht gratis, aber die Kosten dafür tragen (im Hintergrund) die Steuerzahler.

Wenn jetzt jemand hergeht und Gründungsberatung in “eigener (privater) Praxis” anbietet (wie ich), dann werden diese Kosten auf einmal transparent.

Und das Paradoxe dabei: Die Kosten der privaten Gründungsberatung sind viel geringer als die Kosten der öffentlichen Gründungsberatung — weil kleine Beratungsagenturen wie ich keinen riesigen Overhead mitzutragen haben.

Aber den Gründer (den Endkunden) haut es von den Socken. Was, sooo viel kostet das? Das ist ja ein Wahnsinn! Weil in seinem Kopf verankert ist: Gründungsberatung ist gratis.

Ja, für ihn ist öffentlich geförderte Gründungsberatung kostenlos. Aber gratis ist sie nie. Die Kosten tragen nur andere (für ihn).