Tag#Gründungsberatung

Prototyping

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Es wird von Gründungs- und Start-up-Coaches oft empfohlen wird: Nicht allzu lange im eigenen Kopf bleiben. Möglichst bald auf den Markt gehen und Erfahrungen sammeln. Deine potenziellen Kunden mit deinem Produkt konfrontieren und schauen, was sie dazu sagen.

Das passt grundsätzlich schon. Aber: Es gibt Menschen, die brauchen eine tiefgehende gedankliche Auseinandersetzung mit ihrer Gründungsidee. Für sie ist es wichtig, dass sie sich ausgiebig im Kopf mit ihrer Gründung auseinandersetzen.

Das ist kein bug, sondern bei diesen Menschen ist es ein feature. Denn wenn die Gründungsidee lange genug im Kopf durchgespielt wurde, dann haben diese Menschen auch den Mut, sich kompetent auf den Markt zu stellen und zu sagen: Schaut mal her, ich habe hier was echt Leiwandes entwickelt!

Und vorher nicht.

Gründen für Schüler*innen?

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Ich will ja wirklich nicht meckern.

Als Gründungsagentur des Landes Niederösterreich leistet das RIZ Up einen wertvollen Dienst für alle Gründer*innen des Landes. Generell sehe ich jede Initiative positiv, die dabei hilft, engagierten Gründer*innen einen besseren Start in ein erfolgreiches Leben als Selbständige zu ermöglichen.

Aber… Unlängst habe ich mir ein Video des RIZ Up angeschaut, Gründen für SchülerInnen. An der Oberfläche betrachtet ist mit dem Vortrag alles okay. Alles, was gesagt wird, ist inhaltlich völlig korrekt, und es ist auch recht sympathisch präsentiert.

Was jedoch aus meiner Sicht vollständig fehlt, ist eine ganz essenzielle Zutat guter Lehre: Didaktik bzw. didaktische Überlegungen. Sowas wie:

  • Was sind die Fragestellungen, die junge Menschen in Sachen Gründung wirklich interessiert?
  • Wo ist der Einstieg ins Thema, der an die Lebenswelt von Schüler*innen anknüpft und der im besten Fall sowas wie Interesse und Neugier erzeugt?
  • Wo sind Beispiele für Gründungen, die Schüler*innen tatsächlich schon mal durchgeführt haben? Wo können Schüler*innen erkennen, dass Gründung ein Thema ist, das auch sie betreffen kann?
  • Wo wird auf die besonderen Lebensumstände von Schüler*innen eingegangen? z.B. Wie gründet man neben der Schule – und was bedeutet das z.B. für die Familienbeihilfe der Eltern? Ist es schon eine Gründung, wenn wir am Maturaball selbstgemachte T-Shirts verkaufen? Darf ich überhaupt ein eigenes Unternehmen gründen, wenn ich erst 16 bin?
  • Warum werden dafür Themen besprochen, die für Schüler*innen (noch) meilenweit weg sind (z.B. die Rechtsformen OG, KG, GmbH)? Was soll das bringen, außer dass es die Zuseher*innen überfordert oder sogar Angst macht?

Diese Liste ist keinesfalls vollständig, und man kann sich jeder dieser Fragen auf unterschiedliche Weise nähern. Man kann auch völlig unterschiedlicher Ansicht sein, was ein didaktisch sinnvoller Zugang zum Thema Gründung für Schüler*innen ist. Man muss auch nicht mit mir einer Meinung sein, um ein didaktisch gutes Video zu erstellen.

Aber was ich in diesem Video für eine vergebene Chance halte, ist, dass es überhaupt keine grundlegende didaktische Linie gibt. Die absoluten didaktischen Basics fehlen komplett.

Dabei wäre das gar nicht soooo schwer. Es würde für den Anfang genügen, mit jenen zwei Fragen zu beginnen, die uns Seth Godin immer wieder stellt:

  • Who is it for?
  • What is it for?

Diese zwei Fragen ernsthaft beantwortet, und die didaktische Qualität dieses (und jedes anderen Videos) steigt exponentiell.

PS: Sollte irgendjemand vom RIZ Up das jemals lesen… Ich helfe euch gerne, ein richtig cooles und wertvolles Video für Schüler*innen zu erstellen. Sagt mir bescheid!

Angst nehmen

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Es ist eine große Leistung es zu schaffen, jemandem die Angst zu nehmen. Zum Beispiel vor der BWL. Zum Beispiel vor einer Gründung.

Das ist ein großer Nutzen. Das ist wertvoll!

Nützliche Buchnotizen

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Ich habe auf diesem Blog hunderte von Buch- und Podcast-Notizen veröffentlicht.

Warum? Weil ich glaube, dass sie von tausenden Menschen gelesen werden?

Nein. Natürlich würde ich mich freuen, wenn das so wäre. Aber aus meiner Sicht erfüllen diese Notizen mindestens eine wichtige Nebenfunktion: Sie schaffen Vertrauen.

Auch wenn ein Besucher meiner Website nie eine einzige meiner Buchnotizen lesen wird, ist es nützlich für ihn zu wissen, dass ich die Bücher gelesen habe.

Denn dann muss er sie nicht mehr lesen und kann direkt auf das Wissen zugreifen, wenn er mit mir arbeitet.

Abkürzungen geben

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(Manche) Menschen suchen nach Abkürzungen.

Sie haben so viel anderes zu tun, deshalb wollen sie genau gesagt bekommen, was sie tun sollen. Für diese klaren “Vorschriften” (Handlungsanleitungen) sind sie auch bereit, Geld zu zahlen, weil es für sie eine Abkürzung zum Ziel ist.

Für Berater*innen kann daher gelten: Nicht labern, sondern zum Punkt kommen. Konkrete Hilfe geben hin zur Problemlösung. Und das Ganze in verständlichen, klaren Worten kommunizieren.

Das ist eine Form von value creation.

(siehe auch dieser Blog)

Josef Zotter

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Ich habe höchsten Respekt vor Josef Zotters unternehmerischer Leistung. Er ist ein Visionär, der den Platz am Markt für hochqualitative und fair produzierte Schokolade gesehen hat, als ihn die meisten Anderen für einen kompletten Spinner gehalten haben.

(Und seine Schokoladen sind gut, da legst die Ohren an. Ein Traum.)

Und dennoch frage ich mich als Gründungsberater: Was können Gründer*innen von Josef Zotter wirklich lernen?

Ist es wirklich immer eine so gute Idee, mit voller Überzeugung an einer Idee festzuhalten, an die sonst niemand glaubt und auf die auch keiner gewartet hat?

Bei Josef Zotter hat es superb funktioniert. Aber auf jeden Josef Zotter kommen zwanzig andere Visionäre, denen der Markt die kalte Schulter für ihre außergewöhnliche Idee zeigt.

Coachende Haltung

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Unlängst von Dr. Andrea Klein gelernt:

Als Hochschullehrer kann ich kein Coach für meine Studierenden sein. Das gibt die Zeit und das geben die Rahmenbedingungen nicht her.

Auch als Gründungsberater bin ich kein Coach, sondern Berater.

Aber: Ich kann in beiden Rollen, als Lehrender und als Berater, eine coachende Haltung einnehmen. Das bedeutet, dass ich einen wohlwollenden Zugang, einen freundlichen Blick und ein Interesse an der Entwicklung meiner Studierenden bzw. Gründer*innen habe.

Von einer coachenden Haltung profitieren nicht nur Studierende und Gründer*innen, sondern es macht auch für mich selbst die Arbeit menschlicher und damit wertvoller.

Wasser predigen, Wein trinken

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Es ist eine Sache, Dinge gut erklären zu können. Gut lehren zu können.

Und es ist eine vollkommen andere Sache, diese Dinge auch wirklich selber immer konsequent anzuwenden.

Vergiss daher nie: Auch deine besten Lehrer sind nur Menschen – und damit genauso fehlbar wie du.

Voicebot-Beratung

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Die Wirtschaftskammer Wien plant, ab Juli 2024 einen Voicebot für Erstauskünfte in der Gründungsberatung einzusetzen.

Damit soll das Service der WKW “revolutioniert” werden.

Was mir dazu spontan einfällt:

  1. Angekündigte Revolutionen finden selten statt.
  2. Nicht jede Revolution ist auch eine Verbesserung.

Aber ich bin schon sehr gespannt, und ich würde mich ehrlich freuen, wenn der Voicebot tatsächlich dazu beitragen würde, dass Gründer*innen in Österreich besseren Zugang zu den richtigen (und v.a. relevanten) Informationen bekommt.

Achtung: Verwechslungsgefahr!

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Gründer*innen tun sich oft schwer damit, folgendes auseinanderzuhalten:

  1. Das objektive Risiko
  2. Die subjektive Angst

Das ist nämlich praktisch niemals das Gleiche. Und so fürchten sie sich vor Dingen, die objektiv ein ganz geringes Risiko haben, dass sie überhaupt jemals eintreten. Und sie ignorieren völlig die größten Risikofaktoren in ihrem Business, gegen die sie sofort etwas unternehmen könnten.

Es ist eigentlich verrückt. Aber wir können besser darin werden zu unterscheiden.

Wir können es lernen.

Eine Vorgabe

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Unlängst saß ich mal wieder auf der Tribüne bei einem Match meines Lieblingsvereins Admira Wacker.

Dabei ist mir ein Spieler der Admiraner aufgefallen, der nicht seinen besten Tag hatte. Man könnte sogar sagen, dass das Spiel völlig an ihm vorbeigelaufen ist. Ein wahnsinnig sympathischer Typ, bemüht und alles, aber in meiner Wahrnehmung hatte er keinen gewonnenen Zweikampf und keine einzige gelungene Aktion.

Beim Zuschauen ist mir die Formulierung wieder eingefallen: “Der Spieler ist eine Vorgabe.” Vorgabe in dem Sinn bedeutet Startvorteil – und zwar für den Gegner. Indem dieser Spieler für die Admira am Platz war, entstand ein Vorteil für den Gegner, weil der Spieler praktisch nicht anwesend war und die Admira quasi zu zehnt spielen musste.

Auch im Kontext der Unternehmensgründung gibt es jede Menge Vorgaben. Nämlich Gründungen, die überhaupt keinen Unterschied machen (im besten Fall) oder (im schlimmsten Fall) den Mitbewerbern sogar in die Hände spielen. Gründungen, an denen die Dynamik des Marktes völlig vorbeiläuft und die am Markt niemals Fuß fassen.

Ich sehe es als meine Aufgabe als Gründungsberater, solche Vorgaben zu verhindern, wenn ich nur irgendwie kann. Genau wie der Admira-Trainer alles versuchen wird, damit der Spieler beim nächsten Spiel wieder in seine Kraft kommt.

Ganz neue Konzepte

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Ganz neue Konzepte anzulegen im Gehirn ist anstrengend.

Dafür brauchen Lernende Zeit, Geduld und Unterstützung.

Das gilt für meine Studierenden, und das gilt für meine Gründer*innen. Und es gilt für mich selbst.

Was und wie

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Das Problem bei vielem, was in der institutionellen Gründungsberatung (also in Gründungsberatung von großen staatlichen oder halbstaatlichen Organisationen, in Österreich z.B. WKO, AMS, Wirtschaftsagentur, RIZ Up etc.) vermittelt wird (in Kursen, Webinaren, Beratungen etc.):

Inhaltlich ist das schon okay. Es werden relevante Informationen weitergegeben, nützliche Tipps geteilt und auf Gefahren im Gründungsprozess hingewiesen.

Aber emotional passt es nicht. Das kommt alles sehr oberlehrerhaft daher. Da ist viel “Sie müssen…”, “Sie sollten schauen, dass…”, “Versuchen Sie stattdessen,…”, “Ich würde Ihnen nicht empfehlen,…”. Es wird mit jedem Satz klargemacht, wer der Experte ist und wer der Schüler.

Ich habe da einen anderen Zugang. Ich bin Anhänger der Sichtweise, dass ein Lernprozess (und Gründungsberatung ist ein Lernprozess) ein co-creation-Prozess ist und in einem solchen nicht immer eindeutig ist, wer der Lehrer und wer der Schüler ist. Beziehungsweise, dass alle Beteiligten zu verschiedenen Zeiten diese Rollen verschieden besetzen.

Wenn man Gründungsberatung aus diesem Blickwinkel sieht, dann kommt man zu einer demütigeren Haltung. Der Gründungsberater ist nicht mehr der allwissende Experte, und der Gründer ist nicht mehr der hilflose Schüler, der möglichst viele Inhalte, Tipps und Warnungen braucht.

Unter diesem Blickwinkel sind beide auf Augenhöhe. Sie sind nicht gleichartig, aber gleichwertig (würde Jesper Juul sagen). Ich als Berater bin im besten Fall ein kompetenter Diskussionspartner. Ich kann Hinweise geben, ich kann Erfahrungen teilen, aber ich bin nicht der allwissende Wunderwuzzi, der den richtigen Weg kennt, dem es zu folgen gilt.

Ich bin davon überzeugt, dass diese demütigere Haltung einen Riesenunterschied im Gründungsberatungsprozess macht: für die Atmosphäre, für den Lernerfolg und nicht zuletzt für die Gründung als Ergebnis.

Denn: Wie > Was. In jedem Lernprozess, und auch in der Gründungsberatung.

Antike Unternehmensberatung

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Das Buch Kohélet ist ca. 2500 Jahre alt. Und doch gibt es eine Stelle darin, die viel besser als viele moderne Ratgeber zusammenfasst, worum’s in einem Lifestyle Business (oder im Leben überhaupt) geht:

Am Morgen beginne zu säen, auch gegen Abend lass deine Hand noch nicht ruhen; denn du kannst nicht im Voraus erkennen, was Erfolg haben wird, das eine oder das andere, oder ob sogar beide zugleich zu guten Ergebnissen führen.

Koh 11,6

Intimität und Vertrauen

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Meine Kund*innen brauchen viel Vertrauen zu mir als Gründungsberater.

Gründungsberatung, das ist eine sehr intime Tätigkeit. Im besten Fall vertrauen mir meine Kund*innen viel von sich und ihrem Leben an.

Unerfüllbarer Traum

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Der Wunschtraum der allermeisten Gründer*innen:

Maximale Freiheit bei maximaler Sicherheit.

Das geht natürlich nicht. Für niemanden.

Aber den Traum lässt sich niemand gerne nehmen.

Nicht schnell genug

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Den allermeisten Gründer*innen geht es viel zu langsam – mit dem geschäftlichen Erfolg, mit dem Umsatzwachstum, mit den Followern und so weiter.

Aber: Geschäftserfolg ist keine Bestellung bei Lieferando. Das dürfen wir nicht vergessen.

Verstehenshypothesen

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Unlängst habe ich einen spannenden Begriff aus der Psychotherapie kennengelernt: Verstehenshypothesen.

Wenn eine Psychotherapeutin ihren Klient*innen zuhört, dann tut sie das möglichst unvoreingenommen, vorurteilsfrei und wertungsfrei.

Und dennoch kann sie sich nicht dagegen wehren, sich insgeheim einen Reim auf das zu machen, was ihre Klient*innen ihr da so alles erzählen. Dass sie sich insgeheim denkt: Ah, jetzt verstehe ich langsam, was da eigentlich läuft.

Mit der Zeit bilden sich also bei der Psychotherapeutin so genannte Verstehenshypothesen heraus. Diese kann die Therapeutin gegenüber ihren Klient*innen offen aussprechen oder nicht, aber auf jeden Fall helfen sie ihr dabei, Licht ins Dunkel zu bringen.

Besonders mag ich an diesem Konzept den Namen: Es sind und bleiben Verstehens-Hypothesen. Therapeut*innen maßen sich nie an zu glauben, dass sie die alleingültige Wahrheit kennen.

Daran können wir Unternehmensberater*innen gerne mal ein Beispiel nehmen.