Tag#Gründungsberatung

Bildungsanlässe

B

Menschen verändern sich nicht, wenn sie nicht müssen. Und Menschen lernen nicht dazu, wenn es nicht einen wirklich guten Grund dafür gibt. Denn: Lernen ist anstrengend.

Mit anderen Worten: Menschen möchten nur dann etwas lernen, wenn es einen Bildungsanlass gibt. Einen guten Grund, der die Mühe des Lernens rechtfertigt.

Menschen brauchen Bildungsanlässe, um aktiv zu werden. Und gute Lehrer kennen die Bildungsanlässe ihrer Schüler, denn nur dann können sie ihre Schüler “abholen”.

Ein kurzes Gespräch (Freewriting XXIV)

E

Heute hatte ich ein Gespräch mit einem Kunden, das hat keine Viertelstunde gedauert. Es gab nichts Neues bei ihm, er hatte keine Fragen, also waren wir ruck-zuck fertig.

Es war mein letzter Beratungstermin vor dem Wochenende, so gesehen hat mir das nichts ausgemacht. War ich schneller fertig und daheim bei den Kindern.

Aber irgendwie denke ich mir schon: Wie kann es sein, dass es immer wieder Gründer*innen gibt, welche die Möglichkeiten zum Lernen und Austauschen so leichtfertig ziehen lassen? Ich begründe das meistens mit der Selbstverantwortung, die jeder Mensch – und auch jede*r Gründer*in – hat. Ich kann (und will) niemanden zu seinem Glück zwingen. Und doch wurmt es mich.

Es ist sicher so, dass wir im UGP einen Querschnitt aller Persönlichkeitstypen und Charaktere haben. Da sind Interessierte dabei und weniger Interessierte. Da sind Menschen dabei, die gerne etwas Neues erfahren und welche, die lieber ihre Ruhe haben wollen.

Und noch etwas: Gerade als Berater sollte man nicht den Fehler machen zu denken, dass nur das, was man selbst für gut und richtig hält, auch tatsächlich für alle gut und richtig ist.

Barmherzigkeit (Freewriting XIV)

B

Unlängst habe ich im UGP das Wort “Erbarmen” gebraucht im Zusammenhang mit einer Beratungssituation. Ein Kollege meinte dann, dass die Worte “Erbarmen” und “Barmherzigkeit” sehr schöne Worte sind, die man wahrscheinlich zu wenig liest und hört und fühlt.

Er hat recht. Barmherzigkeit ist wohl eines der edelsten Geschenke, die man einem Mitmenschen machen kann. Barmherzigkeit im Großen, aber noch viel mehr in den vielen kleinen Dingen des Alltags.

Der Begriff Barmherzigkeit ist religiös aufgeladen. Wahrscheinlich wird er deswegen heute so selten verwendet. Aber das “Konzept” dahinter ist aktueller denn je.

Barmherzig zu sein, bedeutet für mich, einen Menschen mit all seinen Schwächen und Verfehlungen zu sehen und ihm trotzdem in seiner Not zu helfen. Barmherzigkeit bedeutet anzuerkennen, dass wir alle im selben Boot sitzen und die Not des Anderen auch meine eigene Not sein könnte.

Wie schön könnte die Welt sein, wenn Barmherzigkeit unser default mode in unserem Umgang miteinander wäre! Der Himmel auf Erden.

Boost

B

Unlängst sagte eine Gründerin in einem Beratungsgespräch (auf Englisch) zu mir:

Things are advancing but very slowly. Hopefully we have a boost.

Klar, die Hoffnung stirbt zuletzt, aber erfahrungsgemäß kommt so ein Boost nicht einfach daher.

Wobei… Manchmal schon. Dann heißt es, das Eisen zu schmieden, solange es heiß ist. (Seth Godin hat dazu unlängst einen lesenswerten Beitrag geschrieben.)

Aber zu allen anderen Zeiten müssen wir uns an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Und das geht nur Schritt für Schritt. Eines nach dem anderen. No hurry, no pause.

Eine Lokomotive rollt auch ganz langsam an, aber wenn sie dann mal unterwegs ist…

Richtig und falsch

R

Auch Expert*innen und Berater*innen können im Grunde nicht beurteilen, ob etwas richtig oder falsch ist. Niemand kann in die Zukunft schauen.

Wir können bestenfalls voraussagen, ob etwas in Schmerz oder Leid enden wird. Aber selbst dann: Wenn wir jemanden vor dem Schmerz bewahren möchten, tragen wir möglicherweise nur dazu bei, seinen Schmerz langfristig zu vergrößern. 

Da wäre es besser gewesen, wir hätten den kurzfristigen Schmerz zugelassen, um ihn von langfristigem Leid zu erlösen. 

Kunde oder Teilnehmer

K

Es macht einen Unterschied, ob Gründungsberater*innen des UGP die Gründer*innen als Kunden oder als Teilnehmer bezeichnen.

Ich weiß nur noch nicht genau, welchen.

Taube Ohren

T

Ich glaube, fast alle Lehrer*innen da draußen haben Schüler*innen, an denen sie sich die Zähne ausbeißen.

Als Gründungsberater habe ich erst heute wieder mit so jemandem telefoniert. Egal, was ich sage, es scheint einfach nicht anzukommen. Die berühmten tauben Ohren.

Fast Eddie Felson (Paul Newman) bringt im Film Die Farbe des Geldes wunderbar auf den Punkt, woran es liegen kann:

Entweder unterrichte ich dich nicht richtig, oder du hörst mir nicht zu.
Oder du hörst zu, aber du verstehst nicht.

Fast Eddie Felson in “Die Farbe des Geldes

Eines von den dreien also. Wenn ich jetzt nur wüsste, was…

Gefährlicher Unfug

G

Es gibt Business Coaches da draußen, die sagen: Wenn du einen Plan B hast, dann bist du nicht all-in mit deinem Business! Dann bist du nicht committed genug!

Was für ein Bullshit.

In Wahrheit ist es so, dass der klassische sorgfältige Kaufmann immer einen Plan B hat. Er würde niemals alles auf eine Karte setzen. Gute Unternehmer versuchen immer, ihr Risiko zu streuen. Genau das macht sie zu guten Unternehmern.

Bitte glaubt nicht alles, was da draußen von selbsternannten Business Coaches an Unfug verzapft wird!

Bittere Wahrheit

B

Nicht alles, was unsere Kunden brauchen würden, wollen sie auch (kaufen).

Zum Schmied, nicht zum Schmiedl

Z

Wenn wir etwas wirklich lernen wollen, dann sollten wir nicht von Menschen lernen, die selbst nur ihre eigenen Erfahrung anzubieten haben.

Wir sollten lernen von Menschen, welche die Konzepte dahinter durchschaut haben.

Von Menschen also, die uns verständlich erklären können: Warum funktioniert etwas, und warum funktioniert etwas anderes (bei mir) nicht?

Angst vor den Zahlen (2)

A

Eine Konsequenz, die aus der Angst der Gründer*innen vor den Zahlen (bzw. vor dem Ergebnis) entsteht:

Viele Gründer*innen haben zwar ein Gefühl, aber relativ wenig Wissen über den Finanzierungsbedarf ihrer Gründung. Sprich: Wie viel Geld sie denn überhaupt brauchen, um Ihr Business auf die Beine zu stellen und in der Startphase abgesichert zu sein.

Aber es wäre doch sehr nützlich, das zu wissen, oder?

Angst vor den Zahlen (1)

A

Viele Gründer*innen scheuen sich davor, einen Finanzplan zu erstellen. Wenn man von außen drauf schaut, könnte man meinen, dass viele Gründer*innen Angst vor Zahlen haben.

Aber das stimmt nicht. Sie haben keine Angst vor den Zahlen, sie haben Angst vor dem Ergebnis

Dass sich herausstellt, dass sich ihre Gründungsidee nicht rechnet. Dass sie das, was sie bisher als ungutes Bauchgefühl hatten, nun schwarz auf weiß vor Ihnen sehen.

[Danke Michaela Schächner für diesen Gedanken.]

Die Quelle ist nicht wichtig

D

Für alle Berater*innen und Lehrer*innen:

In unserer Kultur geht es immer mehr weg von “Von wem ist das?” hin zu “Wofür ist das gut?“.

Traurig sein

T

Unlängst habe ich mit einer Gründerin gesprochen, die ohne eigenes Verschulden plötzlich zwei Kunden und damit einen Großteil ihres Umsatzes verloren hat.

Neben den konkreten und ganz praktischen Tipps, wie man mit so einer Situation umgehen kann, war mir eine Botschaft ganz wichtig: Dass sie sich die Zeit nimmt und sich erlaubt, über diesen Verlust traurig zu sein.

Auch wenn wir ganz professionell sind, dürfen wir uns zugestehen, dass wir alle nur Menschen sind. Und die meisten Menschen macht es traurig, wenn sie etwas verlieren.

Und das darf auch so sein. Da müssen wir nicht drüber stehen.

Unbändiger Gründungswille

U

Ich begleite derzeit einen Gründer, dessen Gründungsidee für mein Dafürhalten ein bisschen, nun ja, schwachbrüstig ist.

Ich habe ihn mehrfach darauf angesprochen, er sieht das anders. Denn was für diesen Gründer spricht: Er ist uneingeschränkt determined.

Dieser Mann wird gründen – mit oder ohne mir.

Dann besser mit mir.

Cato

C

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass sich jeder Mensch wenigstens einmal im Leben selbständig gemacht haben sollte.

Irgendwas

I

Wenn Menschen länger arbeitslos sind, dann kommen sie häufig irgendwann in die Situation, dass sie endlich wieder aktiv werden wollen. Endlich wieder was arbeiten wollen.

Irgendwas.

Und wenn sich Menschen aus der Arbeitslosigkeit selbständig machen möchten, dann merke ich: Sie wollen endlich was gründen.

Irgendwas.

Unbehagen

U

Der Grund, warum wir nicht vom Denken ins Handeln kommen, ist meistens die Angst.

Und unter Gründer*innen ganz besonders die Angst vor ehemaligen Lehrer*innen und Kolleg*innen.

Was die wohl sagen werden, wenn wir auf einmal hergehen und sagen: So, jetzt bin ich Experte für…