Tag#Gründungsberatung

(K)eine Ahnung

(

Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich sage “Keine Ahnung!”, wenn ich etwas nicht weiß.

Ich tue das, weil ich mich immer wieder daran erinnern möchte, dass ich nicht der Arroganz vieler Berater*innen verfalle, die glauben, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben.

Aber ich glaube, ich gehe damit ein bisschen zu weit. Es stimmt schon, dass ich vieles nicht weiß. Aber eine Ahnung habe ich schon. Ein Gefühl, eine Tendenz, eine Meinung.

Und das ist meistens auch das, was meine Kund*innen von mir erwarten, wenn sie mir eine Frage stellen.

Haptisch

H

Ich habe es unlängst wieder ganz stark gemerkt:

Ein großer Nachteil eines digitalen Business wie der Gründungsberatung ist, dass es digital ist. Sprich: Dass es kein sichtbares Produkt gibt. Es gibt nichts, das man angreifen könnte und an dem man den Fortschritt klar vor Augen hätte.

Mir tut es sehr gut, mir dieses haptische Erlebnis trotzdem irgendwie herzustellen. Indem ich mit Moderationskarten arbeite oder den Projektfortschritt mit Kanban-Boards visualisiere. Oder indem ich mir Symbole und Figuren im Raum aufstelle, die digitale Artefakte meines Business repräsentieren.

Wir Menschen haben jahrtausendelang unsere Arbeit mit unseren Händen vollbracht. Das können (und sollen) wir auch im 21. Jahrhundert nicht einfach so ablegen.

Blinde Flecken bei der Gründung

B

Jede*r Gründer*in hat einen Blinden Fleck bei ihrem/seinem Gründungsprojekt.

Dinge, die sie nicht wissen, von denen sie aber (noch) nicht wissen, dass sie sie nicht wissen. 

Ich sehe es als meine Aufgabe als Gründungsberater, meine Gründer*innen beim Auffinden dieser Blinden Flecken systematisch zu unterstützen.

Rat geben und nehmen

R

Es ist die Aufgabe und das Handwerk von Berater*innen, zum richtigen Zeitpunkt den passenden Rat zu geben.

Aber damit ist es nicht getan. Das Gegenüber muss unseren Rat auch nehmen können. Das hat mit den Worten zu tun, die wir wählen, aber noch viel mehr hat es mit unserer Persönlichkeit zu tun.

Findet uns unser Gegenüber sympathisch, wird es unseren Rat zumeist nehmen können.

Tut es das nicht, wird’s schwierig – egal, wie gut der Rat ist.

Miteinander

M

Eine der schönsten Besonderheiten an der Gründungsberatung ist für mich, dass ich mitunter von meinen Gründer*innen genauso viel lerne wie sie von mir.

Unlängst hat mir eine Gründerin in einem Nebensatz eine ganz besondere Lebensweisheit mitgegeben:

Das wirklich Wertvolle im Leben entsteht immer durch Interaktion.

Und ich glaube: Sie hat damit vollkommen und uneingeschränkt recht.

Nicht naiv

N

Ich will mit meiner Tätigkeit als Gründungsberater BWL und Entrepreneurship für Solopreneure zugänglich machen.

Das bedeutet aber nicht, dass über BWL und Entrepreneurship nicht auch weiterhin kritisch nachdenken werde.

Gerald Moser: Robust! (2021) 📙

G

Eine Sammlung von Vorschlägen, “wie Sie als Unternehmer unberechenbare Zeiten erfolgreich meistern”. Einige wirklich gute Gedanken, wenngleich dem Buch für mein Empfinden ein bisschen der Rote Faden fehlt.

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Mentoring

M

Markus Gull lehrt uns, was ein Mentor für seinen Mentee tun kann:

  1. Fehler des Mentees rechtfertigen, aber nicht gutheißen.
  2. Seinen Verdacht bestätigen, aber nicht dort picken bleiben.
  3. Ängste nehmen, aber nicht zum Leichtsinn treiben.
  4. Träumen Aufwind geben, aber keine Illusionen nähren.
  5. Helfen, Gegner und Gegenkräfte zu besiegen, aber nicht den Kampf abnehmen.

Und, nicht vergessen: Jeder ist ein Mentor!

Irgendwas ist bei jedem

I

Glaub nicht, dass deine Gründung besonders herausfordernd ist. Bilde dir nicht ein, dass nur du Schwierigkeiten zu überwinden hast, die unüberwindbar erscheinen. Geh nicht davon aus, dass bei den anderen alles glatt läuft, nur bei dir nicht.

Lass dir von einem Gründungsberater sagen: Irgendwas ist bei jeder*m. Jede*r hat sein*ihr Kreuz zu tragen.

Glaub mir, du würdest mit niemandem tauschen wollen. Also schultere das Kreuz, das zu dir passt, und mach dich auf den Weg – so wie alle anderen auch.

Ein guter Finanzplan

E

Von meinem UGP-Kollegen Christian Janisch habe ich eine simple, aber kraftvolle Einsicht:

Ein guter Finanzplan ist die logische Folge eines guten Businessplans.

Wenig überzeugend

W

Wenn mir jemand in einem Beratungsgespräch ein gutes Dutzend mal versichert, dass sie die ganze Situation als großes Learning sieht und dass sie die Erfahrung nicht missen möchte und dass sie volles Vertrauen hat, dass schon alles gut werden wird…

Dann frage ich ich: Wen möchtest du hier überzeugen – mich, oder doch eher dich selbst?

Meinung fasten

M

Schöne Idee von Manuel Scheidegger zum Beginn der Fastenzeit: Nicht Essen fasten, sondern Meinung fasten. 

Das bedeutet: Sich mit der eigenen Meinung mal bewusst zurückhalten und stattdessen zuhören, was andere Menschen dazu denken. Oder tatsächlich genau hinzusehen, was die Fakten eigentlich sagen. Sich fragen: Wie ist eigentlich das Ding, wie es ist, und wo beginnt meine eigene Interpretation? Seinen eigenen Standpunkt in Frage stellen und für Kritik offen sein.

Dafür braucht man andere Menschen, weil alleine schaffen wir das nicht. Und wahrscheinlich braucht es Menschen, die einem unbequeme Ansichten haben oder die man überhaupt noch nie gehört hat.

Aber ein schöner Nebeneffekt des Meinungsfastens: Man lernt, die Welt klarer und wahrer zu sehen, weil man ein bisschen wegkommt vom eigenen Confirmation Bias

Drüber reden

D

Unlängst habe ich mit einem Gründer gesprochen, bei dem es nicht richtig läuft. Man sieht in seinem Gesicht und hört in seiner Stimme, wie anstrengend es für ihn gerade ist. Wie viel er investiert und wie wenig dabei für ihn raus schaut.

Solche Gespräche sind naturgemäß schwierig. Einerseits, weil es nie angenehm für mich ist, jemanden leiden zu sehen. Andererseits, weil ich nicht einfach die schnelle Lösung parat habe, die schlagartig alles besser machen würde.

Und dennoch war nach dem Gespräch spürbar was besser als vorher. Wahrscheinlich allein deshalb, weil er drüber reden konnte.

Jenseits der Vorstellung

J

“Ich kann mir nicht vorstellen, wie man damit Geld verdienen kann”, sagt ein Berater-Kollege über einen neuen Kunden, der sich als “spiritueller Begleiter” selbständig machen will.

Damit spricht er einen zentralen Punkt in der Gründungsberatung an: Um unseren Kunden mit ihrem Business zu helfen, müssen wir uns dieses Business erst mal vorstellen können. Alles beginnt damit, dass wir unseren Vorstellungsraum erweitern.

Und das ist manchmal gar nicht so leicht.

Die Situation einschätzen

D

Unlängst habe ich mit einer Gründerin gesprochen, die gerade das erste halbe Jahr ihrer Selbständigkeit erfolgreich gemeistert hat.

Aktuell hat sie gerade einen herausfordernden Kunden zu kämpfen. Sie hat das Gefühl, dass sie mit überzogenen Erwartungen konfrontiert ist und die Zusammenarbeit insgesamt nicht so läuft, wie sie sollte.

Und weil sie ein Neuling in dem Business ist, fragt sie sich natürlich: Ist das jetzt nur für mich so, oder ist das für alle so?

Da ist es hilfreich, mit einem Berater sprechen zu können, der sagt: Ist ganz normal, geht allen so.

Innovation

I

Innovation ist nur dann möglich, wenn man sich etwas traut.

Und je mehr sich gemeinsam etwas trauen, desto besser.

[Danke Markus Peschl für den Gedanken, den er mir 2012 mitgegeben hat und der aktuell wieder sehr relevant wird.]

Ein Trainer, der zuhört

E

Unlängst habe ich einen Podcast gehört, in dem darüber gesprochen wurde, warum Jürgen Klopp erfolgreich ist. Darin wurde unter anderem gesagt:

Klopp hört einem zu. Und damit gehört er schon zu den 5 % der besten Trainer auf der Welt, weil die 95 % dann eben nicht zuhören und auf Durchzug schalten.

Tobias Escher