Tag#Lebensfragen

Miteinander

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Eine der schönsten Besonderheiten an der Gründungsberatung ist für mich, dass ich mitunter von meinen Gründer*innen genauso viel lerne wie sie von mir.

Unlängst hat mir eine Gründerin in einem Nebensatz eine ganz besondere Lebensweisheit mitgegeben:

Das wirklich Wertvolle im Leben entsteht immer durch Interaktion.

Und ich glaube: Sie hat damit vollkommen und uneingeschränkt recht.

Liebe und Sinn

L

Spannender Gedanke von Gary Chapman:

Es ist schwer, Sinn in seinem Leben zu finden, wenn man nicht liebt und sich geliebt fühlt. Ohne Liebe verbringen (vergeuden?) wir viel Zeit damit, Sinn, Selbstwert und Sicherheit zu suchen.

Wer Sinn in seinem Business (oder in seinem Job) sucht, sucht vielleicht nach Liebe – am falschen Ort.

Waschmaschine

W

Unlängst war unsere Waschmaschine kaputt.

Ich war entschlossen, sie selbst zu reparieren. Ich bin ja ein geschickter Bursche, es gibt genügend Youtube-Videos, und so schwer kann das ja nicht sein.

Drei Reparaturstunden später musste ich mir eingestehen, dass das alles doch nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheint und dass ich wohl doch lieber einen Profi ran lassen sollte, der weiß, was er tut.

Der Profi war dann zwei Tage später im Haus. Im Endeffekt hat es ihn mehr Zeit gekostet, meine Reparaturversuche wieder zu korrigieren, als wenn ich ihn gleich gerufen hätte.

What do we learn, Palmer? What do we learn?

Intelligenz

I

Intelligent zu sein ist super, aber es ist nicht genug.

Denn auch sehr intelligente Menschen können sehr dumme Entscheidungen treffen.

Garten

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Ich wohne in einer Mietwohnung ohne eigenen Garten.

Und dennoch kann ich mir meinen eigenen “Garten” wählen. Irgendetwas in meinem Leben, um das ich mich mit genauso viel Liebe und care kümmere wie ein Gärtner um seinen Garten. 

Jeder Mensch sollte so einen “Garten” haben, dem er sich mit aller Hingabe widmet. 

[Danke Nick Offerman für diesen blühenden Gedanken.]

Zu wenig?

Z

Wir glauben oft, dass unsere Probleme daher kommen, dass wir zu wenig von etwas haben.

Dabei ist es wahrscheinlicher, dass unser Hauptproblem von einem zu viel (von allem) ausgelöst wird.

[Danke Veit Lindau für diesen Gedanken.]

Gastnehmer

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Lois Heckenblaickner ist ein kritischer Chronist der unschönen Seiten des Tourismus in seiner Tiroler Heimat.

Er zeigt die Gäste, die sich schlecht benehmen. Und er zeigt die Gastgeber, die diesen Namen eigentlich gar nicht verdienen. Deswegen nennt er sie Gastnehmer und beschreibt sie so:

Der Gastnehmer ist ein grobstofflicher Hundling, dem der Gast wurscht ist.

Lois Heckenblaikner

Solche Gastnehmer gibt es überall – längst nicht nur in Tirol, und längst nicht nur im Fremdenverkehr.

Aber in der sich tiefgreifend wandelnden Wirtschaft des 21. Jahrhunderts hat den Gastnehmern das letzte Stündchen geschlagen – in allen Branchen.

Mogelpackungen

M

Shrinkflation nennt sich der Trend, dass die Füllmenge von Packungen abnimmt, aber der Preis gleich bleibt.

Ein Beispiel: Das Packerl Haribo Goldbeeren kostet noch gleich viel wie vor einem Jahr, allerdings waren früher 200g Gummibäri drinnen und jetzt sind es nur noch 175g. Die Abnahme der Füllmenge entspricht eigentlich einer Preissteigerung um 12,5%.

Konsument*innen und deren Schützer sind darüber empört, und das kann ich nachvollziehen.

Und doch frage ich mich: Wenn im Packerl Chips früher 300g drinnen waren und jetzt sind es nur noch 200g… Ist das wirklich ein Nachteil? Meine (zugegebenermaßen subjektive) Erfahrung ist, dass ich immer ein ganzes Packerl Chips aufesse – egal, wie viel drinnen ist. Aber nicht zwei Packerl. Wenn ich jetzt nur noch 200g von diesem wohlschmeckenden, aber ungesunden Zeug esse statt früher 300g, dann müsste ich den Chips-Herstellern eigentlich sehr dankbar sein. Weil sie für mich etwas bewerkstelligen, was ich selber nicht hinkriege: Weniger Chips zu essen.

Shrinkflation könnte, so gesehen, also auch ein Tool sein, das wir zu unserem Vorteil einsetzen können – gerade weil wir weniger für unser Geld bekommen als zuvor.

Es mag zwar eigenartig klingen, aber nicht immer ist es schlecht für uns, wenn uns etwas gegen unseren Willen weggenommen wird.

Immer noch dort

I

Vor zwanzig Jahren habe ich als Student für ein paar Jahre im Kunsthistorischen Museum gearbeitet. Ich war im Aufsichtsdienst und habe aufgepasst, dass den weltberühmten Bildern in der Gemäldegalerie nichts passiert.

Unlängst war ich wieder in der Gemäldegalerie, und da ist mir aufgefallen, dass ich den einen oder anderen Aufseher wiedererkannt habe, von damals.

Während ich mit meinem Studium auch diesen Studentenjob beendet habe, sind die immer noch dort.

Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.

Gebrauchsanweisung für mich selbst

G

Von Clemens Sedmak habe ich eine spannende Idee kennengelernt:

Wie wäre es, wenn ich eine Gebrauchsanweisung für mich selbst verfassen würde? Nach dem Motto: Wie man mit Günter am besten umgeht, damit er lange hält.

Was würde in so einer Gebrauchsanweisung drinnen stehen? Wahrscheinlich, dass man mich lieber in Ruhe lassen soll, wenn ich zu wenig geschlafen habe. Oder dass ich nach ca. zweieinhalb Stunden genug habe von Besuchern, auch von jenen, die ich wirklich mag und mit denen ich sehr gerne Zeit verbringe. Oder dass ich es hasse, wenn ich beim Kochen Multitasking machen muss.

Aber wozu soll so eine Gebrauchsanweisung gut sein? Clemens Sedmak sagt:

Es lohnt sich, an einer “Gebrauchsanweisung für mich selbst” zu arbeiten; es lohnt sich dann auch, einer solchen “Gebrauchsanweisung” im Umgang mit sich selbst zu folgen; wenn ich weiß, dass ich morgens am besten arbeiten kann, werde ich mein Leben danach ausrichten; wenn ich weiß, dass ich an einem Tag zwischendurch immer wieder Momente für mich alleine brauche, werde ich dies zu berücksichtigen versuchen. Die Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein, ist Teil der Kunst, sich selbst zu kennen und das zu fördern, was mein Blühen fördern kann.”

Clemens Sedmak: Das Gute leben, S. 118f

Mit einer Gebrauchsanweisung für mich selbst mein Blühen fördern… Ein sehr schöner Gedanke!

Meinung fasten

M

Schöne Idee von Manuel Scheidegger zum Beginn der Fastenzeit: Nicht Essen fasten, sondern Meinung fasten. 

Das bedeutet: Sich mit der eigenen Meinung mal bewusst zurückhalten und stattdessen zuhören, was andere Menschen dazu denken. Oder tatsächlich genau hinzusehen, was die Fakten eigentlich sagen. Sich fragen: Wie ist eigentlich das Ding, wie es ist, und wo beginnt meine eigene Interpretation? Seinen eigenen Standpunkt in Frage stellen und für Kritik offen sein.

Dafür braucht man andere Menschen, weil alleine schaffen wir das nicht. Und wahrscheinlich braucht es Menschen, die einem unbequeme Ansichten haben oder die man überhaupt noch nie gehört hat.

Aber ein schöner Nebeneffekt des Meinungsfastens: Man lernt, die Welt klarer und wahrer zu sehen, weil man ein bisschen wegkommt vom eigenen Confirmation Bias

Bücher kaufen, Bücher lesen

B

Hartmut Rosa beschreibt ein interessantes Phänomen unserer Zeit:

Wir kaufen uns ein Buch. Das geht schnell. Das Buch zu lesen hingegen dauert lang. Statt dass wir uns die Zeit zum Lesen des Buches nehmen, kaufen wir uns lieber ein neues Buch, das wir dann auch wieder nicht lesen.

Es scheint uns mehr Lust zu bereiten, etwas Neues zu kaufen, als es tatsächlich auch zu konsumieren.

Ausgebremst

A

Eine Erkenntnis aus The Alchemist, die gerade viel Resonanz bei mir erzeugt:

Irgendwann im Laufe des Lebens wird das, was sich die Anderen über einen denken, wichtiger als das Streben nach seiner eigenen personal legend

Das ist sehr, sehr schade.

Müllsammeln

M

Gestern haben meine Kinder und ich den Müll gesammelt, der in den Vorgärten und auf dem Spielplatz in unserer Nachbarschaft herumgelegen ist.

Niemand hat uns darum gebeten. Wir haben dafür kein Lob bekommen. Praktisch niemandem wird es überhaupt aufgefallen sein.

Und dennoch (oder gerade deswegen) ist es ein wunderbares Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, einfach um seiner selbst Willen.

Das größte Geschenk

D

“Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Beziehung.”

Virginia Satir

Funktioniert nicht

F

Ob etwas funktioniert oder nicht, ist nicht in erster Linie eine Frage der Methode oder des Tools. Es ist eine Frage der Person, die sie verwendet!

Jeder von uns gebraucht ein und dasselbe Werkzeug ein bisschen anders. Die einen schaffen damit ein Kunstwerk, die anderen tun sich damit weh. 

Nur weil etwas bei jemand anderem funktioniert oder nicht funktioniert, heißt das für mich überhaupt gar nichts. Diese Information ist eigentlich vollkommen wertlos. Ob etwas für mich funktioniert oder nicht, hängt einzig davon ab, wie gut es zu mir passt und wie wohl ich mich damit fühle. 

Wenn mir ein Anzug perfekt passt, werde ich ihn auch gerne tragen. 

Unvergleichlich

U

Wenn wir mit unserem Lifestyle Business etwas Einzigartiges schaffen wollen, etwas, das nur wir schaffen können…

Warum vergleichen wir uns dann unablässig mit anderen?

Hotelzimmer

H

Von meinem Hotelzimmer aus höre ich, wie ein Mann am Gang ständig an eine Zimmertür klopft. Unablässig.

Der Mann lallt ein bisschen, er scheint betrunken zu sein. Hinter besagter Zimmertür dürfte sich seine Frau befinden, die aber kein Erbarmen mit ihm zu haben scheint. Er findet einfach keinen Einlass. Vielleicht hämmert er auch an die falsche Tür.

Ich habe natürlich keine Ahnung, was hier wirklich los ist. Was da gerade läuft.

In meinem Kopf ließe sich diese Geschichte in hundert Versionen erzählen, mit wechselnden Helden und Bösewichten, als Komödie genauso wie als Tragödie.

Welche dieser Versionen käme wohl am nächsten an „die Wahrheit“?

Und welche davon ginge mich überhaupt was an?

Erste Hilfe

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„Gscheit schauen, weiteratmen – und Fragen stellen!“ 

Das ist der Tipp von Roman Kmenta für Situationen, in denen man am falschen Fuß erwischt wird und nicht weiß, was man sagen soll.