Tag#Lebensfragen

Bitte Geduld! (Freewriting VI)

B

Eine der Konsequenzen, dass ich eben bin, wie ich bin, ist, dass ich nicht gerade sehr spontan bin in der Umsetzung.

Man könnte auch sagen: Bei mir dauert alles ziemlich lange. Weil ich gerne lange nachdenke. Weil ich nicht sehr spontan bin. Weil ich nicht einfach mal was ausprobiere, ohne lang zu überlegen. Weil ich mir viele Gedanken und auch Sorgen mache, bevor ich aktiv werde. Darauf bin ich nicht stolz, aber was soll ich machen.

Mitunter führt das bei Menschen in meiner Umgebung zu Frust. Meine Frau kann davon ein Lied singen, aber auch der eine oder die andere Geschäftspartner*in. Bis bei mir einmal was weitergeht!

Was dann halt immer auch ist: Dass mein mangelnder Umsatzdrang mit fehlendem Interesse gleichgesetzt wird. Nach dem Motto: Wenn Günter wirklich wollte, dann würde er doch längst. Aber das stimmt nicht. Nur, weil ich (noch) nicht tue, heißt das nicht, dass ich niemals tun werde. Es dauert halt nur sehr, sehr lang.

Aber am Ende habe ich noch jede Idee, die ich für wirklich gut befunden habe, umgesetzt.

Habt Geduld mit mir!

Ganz wenige (Freewriting IV)

G

Wie viele Menschen gibt es da draußen, mit denen du wirklich tiefgehende Gespräche führen kannst?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du das Gefühl hast, dass du tatsächlich über das sprichst, worum es im Leben wirklich geht?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo es im Gespräch nicht darum geht, recht zu haben oder gescheiter zu sein als der andere, sondern darum, gemeinsam einen Gedanken zu entwickeln und gemeinsam schlauer zu werden?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du dich auf das Gespräch schon lange vorher freust?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du sofort mitten im Gespräch einsteigen kannst, auch wenn ihr euch schon Monate lang nicht mehr gesehen habt?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du nach dem Gespräch mehr Energie hast als davor?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du das Gefühl hast, du wirst gehört, gesehen und verstanden?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du es wirklich schade finden würdest, wenn das Gespräch, das du gerade mit ihnen führst, das letzte Gespräch mit ihnen wäre?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, denen es mit dir ganz genauso geht wie dir mit ihnen?

Ich weiß es nicht. Aber ich vermute mal, es sind ganz, ganz wenige. Diese Menschen sind ein Segen, ein Geschenk des Himmels.

Und dieses Geschenk sollten wir hüten wie unseren Augapfel.

Viel zu viel vor (Freewriting II)

V

Heute war wieder (mal) so ein Tag, an dem ich viel mehr vor hatte, als ich geschafft habe.

Nicht, dass mich das überraschend treffen würde. Im Prinzip war mir schon heute Morgen klar, dass sich all die Dinge, die ich auf meine To-Do-Liste gesetzt habe, niemals ausgehen können. Völlig illusorisch. Und doch habe ich keine Aufgaben gestrichen, sondern bin nach dem Prinzip Hoffnung vorgegangen: Irgendwie könnte es ja doch sein, dass sich irgendwie doch irgendwie alles irgendwie ausgehen könnte. Wunder gescheh’n.

Natürlich ist kein Wunder eingetreten, wie soll es auch. Ich hätte zwei, ach, was sage ich… ich hätte drei bis vier Wunder gebraucht. Und so kam alles, wie es kommen musste: Am Ende des Tages stehe ich vor einer nahezu unerledigten Aufgabenliste.

Was ich mich jetzt frage: Wenn mir das ohnehin schon in der Früh klar war, dass dieses Ergebnis am Abend rauskommen würde… Wieso hatte ich dann nicht den Mut anzuerkennen, was Sache ist und gleich die richtigen Konsequenzen zu ziehen? Gleich von Anfang an Aufgaben zu verschieben oder (noch besser!) zu streichen? Warum überfrachte ich meinen Tag mit Aufgaben, obwohl ich weiß, dass diese Taktik noch nie zum Erfolg geführt hat. Noch nie!

Ist es wirklich mein unerschütterlicher Glaube an die kleinen Wunder des Lebens, oder lüge ich mich hier regelmäßig selbst an?

Zufall

Z

Gott verbirgt sich hinter dem Zufall.

Zukunft gestalten

Z

Der Zukunftsforscher Matthias Horx hat unlängst etwas sehr Spannendes gesagt:

Die Zukunft ist eine Frage des Selbstbewusstseins.
Es ist eine Frage, wie hart du dich in den Wind stellst.

Matthias Horx

Wir stehen unserer Zukunft nicht machtlos gegenüber. Wir können sie zwar nicht bis ins Detail planen und vorherbestimmen, aber wir können uns entscheiden, mit welcher Haltung wir ihr entgegentreten.

Und die Haltung, die wir wählen, wird unsere Zukunft formen.

Plausibel

P

Es kann ja sein, dass etwas plausibel klingt.

Aber das heißt noch lange nicht, dass es auch valide ist!

Merci

M

Ich habe von meinen Studierenden an der FH St. Pölten bei der letzten Einheit meiner Lehrveranstaltung “Media Cost Management and Finance” ein Packerl Merci zum Abschied bekommen.

Ich war total überrascht und gerührt.

Und gleichzeitig mag es ein Beweis sein für etwas, das seit 2000 Jahren in der Bibel steht: Gib, dann wird dir gegeben werden.

Unerkannte Privilegien

U

Wie wir als Kind aufwachsen, halten wir für ganz normal. Wir glauben, alle Kinder wachsen so auf wie wir. 

Wir sind uns unserer Privilegien überhaupt nicht bewusst – nicht als Kind, und nicht als Erwachsene.

Das ist ein Problem, wenn wir erwachsen sind, weil darin die Wurzel von Diskriminierung und Rassismus liegt. 

[Danke Betiel Berhe für diesen Gedanken.]

Die Grenzen des Systems

D

Egal, in welchem System wir uns bewegen, es wird darin Menschen geben, die die Grenzen dieses Systems ausloten. Die schauen, was sie sich erlauben können, ohne sanktioniert zu werden. Die Schwachstellen und Schlupflöcher aufstöbern und ausnutzen.

Das kann man diesen Menschen nur bedingt vorwerfen. Der moralische Kompass, dass alles erlaubt ist, was nicht verboten ist, ist weit verbreitet – und wird ja sogar von vielen “Vorbildern” in Politik, Wirtschaft und Kultur so vorgelebt.

Wenn man nicht will, dass etwas passiert, dann braucht es dafür klare Regeln. Was nicht erwünscht ist, darf einfach nicht erlaubt sein. Dann wird es auch (fast) nicht mehr passieren.

Unmoralisch?

U

Unlängst habe ich mit meinen Studierenden an der FH St. Pölten darüber diskutiert, ob es denn nicht unmoralisch ist, dass ein Ticket für das Pink-Konzert in Wien zwischen 100 und 600 Euro kostet, wo Pink doch ein geschätztes Vermögen von 180 Millionen Euro hat. Müsste Pink angesichts ihres Reichtums nicht gratis spielen?

Ein Student hat diese Frage mit folgender Faustregel beantwortet: Immer, wenn man fordert, dass irgendwer was gratis machen sollte, darf man sich fragen: Würde ich es an seiner Stelle gratis machen?

Meistens hat sich das moralische Dilemma damit schlagartig aufgelöst.

Berechnend (1)

B

Eigentlich müsste es mir klar sein, und trotzdem hat mich überrascht, was ich unlängst in brand eins gelesen habe:

Das Möbelhaus duzt uns ja nicht, weil das so eine liebenswürdige Wallander-Schrulle ist, sondern weil es damit mehr Sperrholz verkauft.

Holger Fröhlich: Nein, ich will nicht schlauer werden.
brand eins 04/2023, S. 56

Manchmal denke ich mir: Du bist unglaublich naiv!

Begleitender Neid

B

Wenige Dinge sind so gewiss wie der Umstand, dass du dein Leben lang von Neid begleitet wirst.

Da ist einerseits der Neid der Anderen. Wenn dir etwas gelingt, wenn du dir was erlaubst oder wenn sich eine Investition für dich auszahlt, wirst du mit Gewissheit auf Menschen treffen, die auch wollen, was du hast. (Wohlgemerkt: nur das Ergebnis, nicht die ganze Arbeit dahinter.)

Andererseits (und viel interessanter) ist da der Neid, den du empfindest. Die Dinge, die du auch gerne hättest. Neid ist ein verlässlicher Indikator für die Dinge, die dir wichtig sind im Leben.

Das ist grundsätzlich auch okay so. Neid ist ein Teil des Lebens. Ungesund wird es nur, wenn:

  1. dein Neid in Missgunst umschlägt.
  2. du Menschen um Dinge beneidest, die eigentlich gar nicht deinen eigenen Werten entsprechen.

Neid ist ein guter Indikator, aber ein schlechter Reiseleiter.

Auf Kante genäht

A

Über die Jahre sind in ganz vielen sozialen Systemen die Puffer weggefallen.

Das betrifft Familien ebenso wie Unternehmen, egal, wie groß oder klein sie sind. Wenn alles nach Plan läuft, geht sich alles gerade so aus. Aber wehe, es kommt etwas dazwischen. Wehe, Mama wird krank oder ein Lieferant kann nicht rechtzeitig liefern. Wenn mal etwas aus dem Ruder läuft, entgleist gleich der ganze Zug.

Das beste Mittel, um nachhaltig und gesund zu leben (als Unternehmer oder als Familienvater), wäre, nach und nach die Puffer aufzubauen: finanziell, zeitlich und energetisch.

Die Natur ist schließlich auch kein Effizienzkaiser.

Ein Grund zum Feiern

E

Ostern ist schwer zu begreifen, auch für Erwachsene. Ich glaube, kaum jemand begreift das Fest. Deswegen wird es auch so wenig gefeiert.

Ich glaube, wir feiern zu Ostern, dass wir “vom Tod auferstehen” (= unsterblich) werden, wenn wir unser Leben zur Gänze annehmen und ohne Furcht leben. Dann kann uns nichts einmal der Tod etwas anhaben. 

Wäre das nicht eine wundervolle, befreiende, „rettende“ Nachricht? Wäre das nicht der allergrößte Grund zu feiern?

Klein halten

K

Andere Menschen haben dich nicht gerne groß. Den meisten Menschen geht es besser, wenn du klein bist: nicht zu auffällig, nicht zu erfolgreich und schon gar nicht zu glücklich. Zumindest nicht glücklicher als sie.

Das geht bis in den Freundeskreis und sogar in die engste Familie hinein. Weil jede Form von Glück und Erfolg immer auch eine Provokation ist: Warum geht es dem so gut und mir nicht?

Im Anderen sehen wir, welches Potenzial wir selbst auch hätten, aber (noch) nicht ausschöpfen. Und anstatt davon motiviert zu werden, reagieren viele Menschen mit Neid und Missgunst und machen andere nieder.

Das muss allen bewusst sein, die sich selbständig machen und ganz besonders allen Lifestyle Entrepreneuren. Glaub ja nicht, dass sich jede*r in deinem Umfeld mit dir freut, wenn du mit deinem Lifestyle Business erfolgreich und glücklich bist.

Die höchste Schule

D

“Die wichtigste Bildungseinrichtung, die bedeutendste und höchste Schule, das sind wir selbst”, sagt Wolf Lotter.

Wir lernen nirgends sonst so schnell wie durch die eigene Erfahrung, besonders durch schmerzhafte Fehler.

Wir irren uns vorwärts. Und dafür gibt es auch keine Abkürzungen.