Tag#Lebensfragen

Flughöhe

F

Wenn man jemanden länger nicht getroffen hat, ist es gar nicht so leicht, ins Gespräch zu kommen. Es hat sich in der Zwischenzeit zwar viel getan, aber dann auch wieder doch nicht viel Interessantes, das erzählenswert wäre.

Es ist eine Frage der Flughöhe.

Auf sehr hoher Flughöhe sind Gespräche mitunter schwierig, weil sie notwendigerweise oberflächlich sind. Wenn man sich regelmäßiger trifft, ist die Flughöhe niedriger und die Gespräche werden interessanter.

Zumindest geht es mir so.

Baumfalke

B

Unlängst gelernt im Falknerei- und Greifvogelzentrum Waldreichs:

In der Falknerei wurden und werden verschiedenste Greifvogelarten für unterschiedliche Zwecke ausgebildet und verwendet. Die meisten davon natürlich für die Jagd, aber einer, der Baumfalke, nicht.

Es ist nämlich sehr schwer, mit einem Baumfalken erfolgreich zu jagen. Aber was für ihn spricht, ist seine Schönheit und sein angenehmes Wesen. Man hat ihn einfach zum Spaß geflogen.

Im Englischen heißt der Baumfalke übrigens hobby.

So wurde der Falke zu einem weltweit verwendeten Begriff für eine passionierte, aber profitlose Tätigkeit.

Genial

G

Selbst, wenn du der genialste Mensch der Welt wärst, würdest du Fehler machen.

Weil du noch nicht weißt, was überhaupt das Problem ist.

Mühle

M

Beim Mühle-Spielen mit meinem Sohn habe ich unlängst zwei Dinge über’s Fehlermachen gelernt:

Du gewinnst, wenn du hoch konzentriert bist, deine Züge weise planst, den Überblick behältst und keine Fehler machst.

Du gewinnst auch, wenn du nicht voll bei der Sache bist, aber dein Gegner deine Fehler nicht bemerkt.

Lefsetz lessons

L

Bob Lefsetz hat unlängst einen interessanten Newsletter ausgesendet, in dem er seine lessons aus der letzten Zeit geteilt hat. Neben Tipps zum Autokauf (niemals ein italienisches, am besten Lexus!) gab es auch ein paar wirklich interessante, nämlich:

  1. Image is intrinsic, not external. No one cares about you. Stop spending money to keep up with the Joneses.
  2. When something is cheap, buy the best, it’s much more satisfying. You can buy packaged cookies, or you can buy gourmet cookies from a shop and be elated.
  3. Reading and writing are the building blocks of a great career. You must be like a shark, you must keep learning or you calcify and die.
  4. Just because you love it, that doesn’t mean you’ll make any money doing it.
  5. Making money is a skill. Learn it, or work for the man.

Es ist alles wahr!

E

Das sagte der Ostbahn-Kurti immer, wenn er auf der Bühne wieder mal eines seiner G’schichteln erzählt hat.

Er sagte es mit einem Augenzwinkern, aber trotzdem mit Überzeugung. Als Jugendlicher fand ich das lustig, weil ich es für Selbstironie hielt.

Später bin ich dann drauf gekommen, dass sehr viel Weisheit hinter seinen Worten steckte, und dass er das wahrscheinlich sehr genau wusste.

Mit der Wahrheit ist es nämlich so eine Sache, gerade in Geschichten. Manchmal, z.B. in Märchen, ist die Geschichte an sich nicht “wahr” im strengen Sinn, aber die Geschichte dahinter, die Botschaft, die “Moral”, die ist sowas von wahr.

Jordan Peterson meinte einmal, dass die großen Geschichten der Weltliteratur wahrer als wahr sind. Natürlich sind sie streng genommen erfunden, aber in ihnen findet sich verdichtet so viel Wahrheit über die Menschen, ihre Sehnsüchte, ihre Schwächen, ihr Ringen mit sich selbst und anderen, dass sie wahr sein könnten.

Gute Geschichten müssen nicht wahr sein. Sie sind wahrhaftig.

Headliner

H

Zur Festival-Saison ein spannender Gedanke von Gabe The Bass Player:

Es ist ein ganz bestimmter Typ von Bands, die Headliner auf einem Festival sind. Das sind Bands, die eine große Bühne vor einem großen Publikum “füllen” können. Bands, die “große Musik” machen.

Der Irrtum ist zu glauben, dass eine Band nur bekannt genug sein muss, dann kann sie auch Festival-Headliner werden. Aber das stimmt nicht. Damit eine Band eines Tages Headlines werden kann, muss sie von Anfang an “große Musik” machen.

Bereits dann, wenn sie noch längst nicht auf Festivalbühnen spielt.

Versprochen ist versprochen (Freewriting XXII)

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Mein Sohn war heute sehr verstört, weil ein Freund ihm ein “hoch und heiliges Versprechen” gegeben und es dann gebrochen hat.

Für ihn war das vollkommen unverständlich. Weil wir ihm seit sieben Jahren einbläuen, dass man seine Versprechen halten muss. Wenn man etwas zusagt, dann gilt das. Punkt.

Für mich ist das auch ein Kennzeichen von professionellen Selbständigen und Unternehmer*innen. Profis überlegen sich zweimal, was sie versprechen. Aber wenn sie etwas versprochen haben, dann gilt’s. Amateure hingegen nehmen es mit ihren Versprechen nicht so genau. Sie versprechen bald mal was, aber diese Versprechen sind nicht verbindlich, sondern bestenfalls Absichtserklärungen.

Böses Blut entsteht immer dann, wenn Profis (mein Sohn) und Amateure (sein Freund) aufeinandertreffen. Der eine versteht nicht, wie man ein Versprechen brechen kann, und der andere versteht nicht, wo überhaupt das Problem ist.

Solche Missverständnisse lassen sich nur schwer auflösen, weil sie die Werte-Ebene betreffen. Die lassen sich nicht ausdiskutieren, die lassen sich nur leben – oder eben nicht.

Mir ist es wichtig, meinem Sohn den Wert mitzugeben, dass Versprechen zählen. Aber ich kann ihm nicht den Frust ersparen, der entsteht, wenn andere Menschen das anders sehen.

Adel verpflichtet (Freewriting XIX)

A

Ich glaube fest daran, dass mit einem Geschenk immer auch eine Verpflichtung einhergeht. Das steht wunderbar beschrieben bei Lewis Hyde. Aber es geht dabei nicht nur um Geschenke im klassischen Sinn, sondern auch um Geschenke in Form von Ressourcen, insbesondere Geld und Talente.

Wer ein Talent hat, hat auch die Pflicht, dieses Talent zum Wohle aller einzusetzen. Es wäre falsch, dieses Talent nicht auszuleben oder nur egoistische Ziele damit zu verfolgen.

In der Bibel heißt es: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.* Das drückt für mich sehr prägnant aus, worum es geht: Nimm die Privilegien, die du bei deiner Geburt bekommen hast, als Geschenke an. Und dann geh mit diesen Geschenken verantwortungsvoll um. Pass auf auf sie, entwickle sie weiter, und tu Gutes damit.

Und: Genauso großzügig, wie du deine eigenen Geschenke mit anderen teilst, darfst du zugreifen, wenn andere Menschen dir ihre Geschenke anbieten und mit dir teilen wollen.

Geben und Nehmen, der Blutkreislauf des guten menschlichen Zusammenlebens.

[*Hinweis für alle Solopreneure: Umsonst meint hier nicht gratis!]

Barmherzigkeit (Freewriting XIV)

B

Unlängst habe ich im UGP das Wort “Erbarmen” gebraucht im Zusammenhang mit einer Beratungssituation. Ein Kollege meinte dann, dass die Worte “Erbarmen” und “Barmherzigkeit” sehr schöne Worte sind, die man wahrscheinlich zu wenig liest und hört und fühlt.

Er hat recht. Barmherzigkeit ist wohl eines der edelsten Geschenke, die man einem Mitmenschen machen kann. Barmherzigkeit im Großen, aber noch viel mehr in den vielen kleinen Dingen des Alltags.

Der Begriff Barmherzigkeit ist religiös aufgeladen. Wahrscheinlich wird er deswegen heute so selten verwendet. Aber das “Konzept” dahinter ist aktueller denn je.

Barmherzig zu sein, bedeutet für mich, einen Menschen mit all seinen Schwächen und Verfehlungen zu sehen und ihm trotzdem in seiner Not zu helfen. Barmherzigkeit bedeutet anzuerkennen, dass wir alle im selben Boot sitzen und die Not des Anderen auch meine eigene Not sein könnte.

Wie schön könnte die Welt sein, wenn Barmherzigkeit unser default mode in unserem Umgang miteinander wäre! Der Himmel auf Erden.

Unzureichend (Freewriting XII)

U

Es gibt diese Momente, an denen ich weiß, dass das, was ich gerade tue, nicht gut genug ist. Dass ich gerne mehr tun würde — aber es geht halt gerade nicht.

Besonders schmerzvoll sind diese Momente, wenn sie Menschen betreffen, die ich liebe. Wenn ich gerne mehr sagen oder tun würde, aber nicht mehr zusammenbringe. Wenn ich einer schwierigen Situation lieber aus dem Weg gehe, statt zu tun, was notwendig ist.

Ich versuche, in diesen Momenten nicht zu streng mit mir zu sein. Ich bin auch nur ein Mensch, und das Leben ist kompliziert.

Und gleichzeitig sind es diese Momente, die mir meine eigenen Grenzen und Schwächen so unbarmherzig vor Augen führen, dass meine Energie dahinschmilzt wie Eis in der Sonne.

Ich tue immer mein Bestes, aber an manchen Tagen ist mein Bestes verdammt wenig.

Im Alter (Freewriting XI)

I

Mein Schwiegervater wird heuer 88 Jahre alt.

Er hört schon sehr schlecht, und sein Gedächtnis ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Und so kommt es vor, dass er immer wieder von den gleichen Dingen spricht. Seine Lieblingsthemen.

Heute habe ich mal genauer hingehört, was denn die Themen eigentlich sind, die ihm besonders wichtig sind:

  1. Die Arbeit. Dass man “einen Posten” hat, der möglichst sicher ist. Weil sich heutzutage, so meint er, viele Menschen schwer tun, einen guten Job zu bekommen und zu behalten.
  2. Die Familie. Er hat jedes Mal eine Riesenfreude, wenn seine Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder da sind. Es erfüllt ihn mit Stolz, seine Familie zu sehen, seine Nachkommen.
  3. Der Charakter von Menschen. Dass manche Menschen neidisch sind. Dass manche Menschen unehrlich sind. Dass er mit seinen Chefs immer gut ausgekommen ist. Dass er froh ist, unproblematische Nachbarn zu haben.
  4. Seine Frau. Wie froh er ist, dass er sie hat, und wie gut sie sich um ihn kümmert.
  5. Seine Tochter. Wie fleißig sie ist, und dass sie ein guter Mensch ist.

Gut möglich, dass ich in 45 Jahren über die vollkommen gleichen Dinge reden werde.

Wie Erwachsene (Freewriting IX)

W

Obwohl wir im Business alle Erwachsene sind, benehmen wir uns oft nicht so.

Woran erkennt man Erwachsene?

  1. Sie übernehmen Verantwortung für das, was sie tun.
  2. Sie geben Versprechen und halten sie ein.
  3. Sie übernehmen auch Verantwortung für ihre Fehler und versuchen nicht, sich bei anderen abzuputzen.
  4. Sie gehen unangenehmen Gesprächen nicht aus dem Weg, sondern sagen, was gesagt werden muss.
  5. Sie handeln integer. Das heißt, sie haben einen Wertekompass, an den sie sich auch dann halten, wenn es unbequem ist.
  6. Sie ändern ihre Meinung, wenn sie etwas Neues gelernt und erkannt haben, dass sie unrecht hatten.
  7. Sie bitten um Entschuldigung.
  8. Sie streichen nicht beim ersten Gegenwind die Segel.
  9. Sie wissen, wofür es sich zu streiten lohnt und wofür nicht.
  10. Sie wollen nicht recht haben, sondern sind an der Wahrheit interessiert.
  11. Sie können mit Sunk Cost umgehen.
  12. Sie lassen ihre Entscheidungen nicht von ihrem Ego leiten.
  13. Sie bleiben auch in Unsicherheit und Zweifel handlungsfähig.
  14. Sie können durch ihre Angst hindurchgehen.
  15. Sie führen Gespräche auf Augenhöhe und hören zu.

Es würde uns allen gut tun, wenn wir uns öfter wie Erwachsene begegnen würden.

Bitte Geduld! (Freewriting VI)

B

Eine der Konsequenzen, dass ich eben bin, wie ich bin, ist, dass ich nicht gerade sehr spontan bin in der Umsetzung.

Man könnte auch sagen: Bei mir dauert alles ziemlich lange. Weil ich gerne lange nachdenke. Weil ich nicht sehr spontan bin. Weil ich nicht einfach mal was ausprobiere, ohne lang zu überlegen. Weil ich mir viele Gedanken und auch Sorgen mache, bevor ich aktiv werde. Darauf bin ich nicht stolz, aber was soll ich machen.

Mitunter führt das bei Menschen in meiner Umgebung zu Frust. Meine Frau kann davon ein Lied singen, aber auch der eine oder die andere Geschäftspartner*in. Bis bei mir einmal was weitergeht!

Was dann halt immer auch ist: Dass mein mangelnder Umsatzdrang mit fehlendem Interesse gleichgesetzt wird. Nach dem Motto: Wenn Günter wirklich wollte, dann würde er doch längst. Aber das stimmt nicht. Nur, weil ich (noch) nicht tue, heißt das nicht, dass ich niemals tun werde. Es dauert halt nur sehr, sehr lang.

Aber am Ende habe ich noch jede Idee, die ich für wirklich gut befunden habe, umgesetzt.

Habt Geduld mit mir!

Ganz wenige (Freewriting IV)

G

Wie viele Menschen gibt es da draußen, mit denen du wirklich tiefgehende Gespräche führen kannst?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du das Gefühl hast, dass du tatsächlich über das sprichst, worum es im Leben wirklich geht?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo es im Gespräch nicht darum geht, recht zu haben oder gescheiter zu sein als der andere, sondern darum, gemeinsam einen Gedanken zu entwickeln und gemeinsam schlauer zu werden?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du dich auf das Gespräch schon lange vorher freust?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du sofort mitten im Gespräch einsteigen kannst, auch wenn ihr euch schon Monate lang nicht mehr gesehen habt?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du nach dem Gespräch mehr Energie hast als davor?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du das Gefühl hast, du wirst gehört, gesehen und verstanden?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, wo du es wirklich schade finden würdest, wenn das Gespräch, das du gerade mit ihnen führst, das letzte Gespräch mit ihnen wäre?

Wie viele Menschen gibt es da draußen, denen es mit dir ganz genauso geht wie dir mit ihnen?

Ich weiß es nicht. Aber ich vermute mal, es sind ganz, ganz wenige. Diese Menschen sind ein Segen, ein Geschenk des Himmels.

Und dieses Geschenk sollten wir hüten wie unseren Augapfel.

Viel zu viel vor (Freewriting II)

V

Heute war wieder (mal) so ein Tag, an dem ich viel mehr vor hatte, als ich geschafft habe.

Nicht, dass mich das überraschend treffen würde. Im Prinzip war mir schon heute Morgen klar, dass sich all die Dinge, die ich auf meine To-Do-Liste gesetzt habe, niemals ausgehen können. Völlig illusorisch. Und doch habe ich keine Aufgaben gestrichen, sondern bin nach dem Prinzip Hoffnung vorgegangen: Irgendwie könnte es ja doch sein, dass sich irgendwie doch irgendwie alles irgendwie ausgehen könnte. Wunder gescheh’n.

Natürlich ist kein Wunder eingetreten, wie soll es auch. Ich hätte zwei, ach, was sage ich… ich hätte drei bis vier Wunder gebraucht. Und so kam alles, wie es kommen musste: Am Ende des Tages stehe ich vor einer nahezu unerledigten Aufgabenliste.

Was ich mich jetzt frage: Wenn mir das ohnehin schon in der Früh klar war, dass dieses Ergebnis am Abend rauskommen würde… Wieso hatte ich dann nicht den Mut anzuerkennen, was Sache ist und gleich die richtigen Konsequenzen zu ziehen? Gleich von Anfang an Aufgaben zu verschieben oder (noch besser!) zu streichen? Warum überfrachte ich meinen Tag mit Aufgaben, obwohl ich weiß, dass diese Taktik noch nie zum Erfolg geführt hat. Noch nie!

Ist es wirklich mein unerschütterlicher Glaube an die kleinen Wunder des Lebens, oder lüge ich mich hier regelmäßig selbst an?

Zufall

Z

Gott verbirgt sich hinter dem Zufall.

Zukunft gestalten

Z

Der Zukunftsforscher Matthias Horx hat unlängst etwas sehr Spannendes gesagt:

Die Zukunft ist eine Frage des Selbstbewusstseins.
Es ist eine Frage, wie hart du dich in den Wind stellst.

Matthias Horx

Wir stehen unserer Zukunft nicht machtlos gegenüber. Wir können sie zwar nicht bis ins Detail planen und vorherbestimmen, aber wir können uns entscheiden, mit welcher Haltung wir ihr entgegentreten.

Und die Haltung, die wir wählen, wird unsere Zukunft formen.

Plausibel

P

Es kann ja sein, dass etwas plausibel klingt.

Aber das heißt noch lange nicht, dass es auch valide ist!