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Der redliche Kaufmann

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Günter Faltin nennt die Arbeit seiner Teekampagne “redlich”. Ein Wort, das man im Business-Kontext selten hört. Zu altmodisch vielleicht, zu wenig sexy. Dabei trifft es etwas Wesentliches.

Faltin definiert Redlichkeit so: Fair zu allen Beteiligten. Du verkaufst, was du versprichst. Du zahlst faire Preise. Du machst keine halben Sachen. Kein Theater, keine aufgeblasenen Claims, keine künstliche Verknappung.

Der “redliche Kaufmann” ist für uns Solopreneure womöglich das bessere Ideal als der “disruptive Entrepreneur”.

Redlichkeit braucht keine Werbelyrik. Sie spricht für sich. Und sie zeigt sich in dem, was du tust – nicht in dem, was du darüber erzählst.

Leere Tanzfläche

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Meine Beobachtung: LinkedIn ist leer.

Ich scrolle durch meinen Feed und sehe kaum Beiträge von Leuten aus meinem Netzwerk. Es gibt offenbar sehr wenige Producer dort. (Oder der Algorithmus versteckt sie vor mir.)

Zweite Beobachtung: Ich sehe fast keinen informativen Content zu Gründung, Selbständigkeit oder Solopreneurship. Nur Corporate-Blabla und Motivationssprüche.

Das bedeutet: Auf LinkedIn ist noch viel Platz.

Während alle auf Instagram und TikTok um Aufmerksamkeit kämpfen, liegt eine der wichtigsten Business-Plattformen praktisch brach. Zumindest für authentischen Unternehmer:innen-Content.

Wer dort als Solopreneur regelmäßig echte Gedanken teilt, hat wenig Konkurrenz. Die Chance, gesehen zu werden, ist wahrscheinlich ziemlich groß.

Aber warum nutzen so wenige diese Gelegenheit?

Wenn Archetypen auf verwundete Psychen treffen

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Tad Hargrave stellt eine interessante These auf: Das Problem mit den Archetypen Artist und Entrepreneur ist nicht, dass sie existieren. Das Problem ist, dass wir sie heute fast nur noch in ihren übertriebenen Formen wahrnehmen.

Der vergeistigte, selbstbezogene Künstler, der sich um kommerzielle Realität nicht schert. Der globale, herzlose, profitmaximierende Unternehmer, dem Menschen egal sind.

Beide Zerrbilder sind abstoßend. Keiner will so sein.

Hargrave sagt: Those two energies are fundamentally repulsive to people. Und wenn diese verzerrten Bilder auf die verwundeten Seelen der heutigen Menschen treffen – was soll da Gutes rauskommen?

Die meisten Solopreneure, die ich kenne, wollen weder weltfremde Künstler noch Bro-Marketer sein. Sie suchen nach einem dritten Weg, finden ihn aber nicht – weil sie glauben, zwischen zwei Übeln wählen zu müssen.

Aber die Wahl ist falsch gestellt. Der Künstler und der Unternehmer in ihrer gesunden Form sind weder vergeistigt noch herzlos. Sie sind zwei Haltungen, die es beide in einem Business braucht.

Das Problem ist nicht der Archetyp. Das Problem ist die Karikatur.

Immer weniger leiwand

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Jetzt ist schon wieder was passiert bei der WKO.

Eines der leiwandsten Angebote der Wirtschaftskammer Wien sind die kostenlosen Meeting-Räume für EPU. Zentral gelegen am Praterstern sind diese Räume ein Segen für alle Solopreneure, die eigentlich im Homeoffice arbeiten und gelegentlich einen repräsentativen Raum brauchen, um Kund:innen oder Partner:innen zu treffen. Eine wirklich gute Idee und ein gerne genutztes Angebot, auch von mir.

Guess what? Dieses Service wird mit 1. Jänner 2026 eingestellt. Einfach so. Sang- und klanglos, ohne Alternative.

Quelle: Wirtschaftskammer Wien

Warum? Weiß kein Mensch. Findet die WKW auch nicht der Mühe wert zu erklären.

Es mag ja gute Gründe dafür geben, aber es ist diese Art der Kommunikation, die mich an der WKO so wahnsinnig stört. Sie tun und entscheiden, aber sie scheinen sich wenig Gedanken zu machen über die Wirkung, die sie damit bei ihren betroffenen Kammermitgliedern auslösen.

Ganz besonders bei uns EPU.

Das unendliche Solo-Spiel

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Viele (vielleicht die meisten) Solopreneure wollen mit ihrem Business etwas beweisen. Sie wollen Kund:innen “gewinnen” oder die Konkurrenz “schlagen”. Aber: Business ist kein Fußballmatch mit Schlusspfiff. Es ist ein unendliches Spiel.

Simon Sinek hat das schön ausgearbeitet: Du kannst etwas im Business gewinnen, aber nicht Business an sich. Das Spiel hat kein Ende. Die Akteure wechseln, aber gespielt wird immer weiter.

Mit einem finite mindset denkst du in Quartalen und Exit-Strategien. Du willst schnell groß werden, alle überholen und dann… ja, was dann?

Mit einem infinite mindset fragst du: “Wie kann ich das Spiel am Laufen halten?” Das führt zu völlig anderen Entscheidungen. Du investierst in langfristige Beziehungen statt schnelle Gewinne. Du baust Vertrauen auf, statt andere übers Ohr zu hauen. Du entwickelst dich persönlich weiter, statt ständig nur dein Business zu optimieren.

Seth Godin sagt: Für Ein-Personen-Unternehmen ist das besonders relevant, denn: Als Solopreneur bist du das Spiel.

Die Frage ist also nicht: “Wann habe ich gewonnen?” Sondern: “Wie bleibe ich im Spiel?”

Für die Fische geplant

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Man kann es mit dem Planen (im Business, im Leben) sicher übertreiben.

Aber wenn man sich schon die Arbeit macht und einen Plan aufstellt, dann muss man zwischendurch auch reinschauen und checken, ob man noch on track ist.

Sonst hätte man sich die Arbeit sparen können.

Am Ende hast du 7 Euro 30

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Wie weiß ich denn, was notwendig ist, wenn ich mit einem Business starte?

Die Antwort von Philipp Maderthaner: „Du kannst es nicht wissen. Stell dich drauf ein: Es ist sauhart, und es wird lang dauern.”

Das ist die ehrlichste Ansage zum Solopreneurship, die ich kenne. Du startest, und dann siehst du weiter. Vielleicht läuft’s. Oder vielleicht hast du am Ende 7 Euro 30 am Konto.

Damit musst du rechnen.

Vertrau deinem zukünftigen Ich

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Laura Vanderkam sagt: “Your Future Self will not be incompetent.”

Stimmt. Dein zukünftiges Ich wird nicht dümmer sein als heute, sondern klüger – mehr Erfahrung, mehr Kontext, bessere Entscheidungsgrundlagen. Trotzdem machen wir uns jetzt schon verrückt, grübeln über Szenarien, die vielleicht nie eintreten, und zweifeln daran, ob wir das dann irgendwie schaffen werden.

Dabei könnten wir uns darauf verlassen: Unser zukünftiges Ich wird die Situation schon meistern.

Zweifache Sichtbarkeit

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Sichtbarkeit hat zwei Richtungen.

Die eine kennt man: Sichtbarkeit nach außen. Wie du dich präsentierst, wie du verkaufst, wie andere dich wahrnehmen. Das klassische Marketing-Thema. Daran arbeiten die meisten.

Die andere ist entscheidender: Sichtbarkeit nach innen. Wie gut du dich selbst kennst. Wie klar du siehst, wo du strahlst. Ob du überhaupt weißt, was du zeigen willst.

Denn was nützt die beste Außen-Präsentation, wenn du nicht weißt, wer du eigentlich sein willst?

[Danke Carolin Anne Schiebel für diese Unterscheidung]

Wo sind die Demonstranten?

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In der letzten Zeit war ganz schön was los rund um die WKO.

Ich habe ja ein, sagen wir mal, eher zwiespältiges Verhältnis zu meiner Interessensvertretung und habe schon öfters kritisch über sie geschrieben (z. B. hier, hier oder hier – aber hier auch mal positiv).

Um meine Kammerumlage als Gründungsberater zu verdienen, muss ich ca. 2 Stunden pro Jahr arbeiten. Das ist nicht das Problem.

Aber: Es braucht die Umlagen von ca. 1.770 EPU wie mich, um nur mal das Gehalt des WKO-Präsidenten (inkl. Lohnnebenkosten) zu bezahlen. Und dann gibt es da ja noch die neun WK-Landespräsident:innen. Ich schätze, dass es die Umlagen von ca. 10.000 EPU braucht, um alleine diese 10 Gehälter zu finanzieren.

Dieses Geld wüsste ich gerne sinnvoller eingesetzt. Und wahrscheinlich viele, viele, viele andere EPU in Österreich auch.

Nur: Wo ist die aufgebrachte Menge, die sich vor der WKO-Zentrale an der Wiedner Hauptstraße sammelt? Wo sind die Protestmärsche von Tausenden unzufriedenen EPUs? Wo ist der Druck von der Basis, der echte Veränderungen einfordern würde?

Nirgends. Und es wird auch nicht passieren. Weil sich die österreichischen EPU viel zu klein und zu machtlos fühlen, um in so einer großen Organisation, in so einem undurchsichtigen System wirklich etwas zu bewirken. Dafür ist die WKO selbst verantwortlich, aber nicht nur.

Wir Österreicher regen uns auf, aber behalten die geballten Fäuste in unseren Taschen. Wir matschgern, aber wirklich was verändern wollen wir nicht. Wer weiß, was nachkommt.

Deshalb wird in der WKO alles so bleiben, wie es ist. Der Wind wird sich legen, und in einem halben Jahr kräht kein Hahn mehr danach.

Ich hoffe, ich irre mich.

Turbulenter Herbst

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Unlängst habe ich mit einer Gründerin gesprochen und gemeint, dass bei mir im Business gerade Hochsaison und viel los ist.

Darauf sie: “Schön! In intensiven Zeiten kann man so richtig schön zeigen, was man kann.”

Ich war von ihrer Antwort total geflasht, weil sie so unerwartet kam. Nämlich so unerwartet positiv und bestärkend. Kein Mitleid, kein Mitjammern, einfach die Botschaft: Günter, du wirst das hinkriegen. Du bist noch längst nicht am Limit.

Ein unglaublich wertvoller Gedanke.

Der Reiz des Unspektakulären

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Der Installateur kommt, macht seine Arbeit, stellt die Rechnung. Kein Drama. Keine revolutionäre neue Herangehensweise an Sanitärtechnik. Keine LinkedIn-Posts über seine “transformative Customer Journey”. Er hat ein “Boring Business“, wie es Maggie Patterson nennt: vorhersehbare Kund:innen, vorhersehbare Probleme, vorhersehbare Lösungen. Und genau das macht ihn erfolgreich.

Aber uns Solopreneuren wird eingeredet, wir müssten fancy sein. Thought Leader. Disruptor. Game Changer. Jeder Launch eine Revolution, jedes Angebot ein Signature Program.

Die ganze Online-Business-Welt schreit: Sei spektakulär – oder stirb! Und wir glauben das. Brennen aus für die Performance, während der Installateur um 16 Uhr Feierabend macht.

Das wirklich Rebellische heute wäre, ein “langweiliges” Business zu haben. Eines, wo du weißt, was nächsten Monat passiert. Wo deine Kund:innen wiederkommen, weil du solide Arbeit machst – nicht weil du sie mit dem neuesten Funnel-Automatisierungs-Hack geködert hast. 

Predictable ist das neue sexy. Auch wenn’s auf Instagram niemand liken würde.

Bezahlte Denkarbeit

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Unlängst habe ich mit Camillo diskutiert, was an einer Anstellung besonders leiwand ist: Dass man fürs Nachdenken und Konzipieren bezahlt wird.

In der Selbständigkeit ist das anders. Da gibt’s immer dieses Quirks mit der Entwicklungszeit. Wie verrechnest du die Stunden, die du für die Konzeption eines Workshops aufwendest? Berechnest du sie dem Kunden oder nicht? Und wenn ja, in welcher Höhe? Und wie rechtfertigst du das?

In der Anstellung stellt sich diese Frage nicht. Du denkst nach, du entwickelst, du konzipierst – und am Monatsende kommt das Gehalt. Ohne Diskussion, ohne Rechtfertigung.

Das ist nicht wenig wert.

Das Paradoxon der Zufriedenheit

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Viele Solopreneure horten.

Sie sammeln Wissen, perfektionieren ihre Angebote, warten auf den idealen Moment. Sie optimieren ihre Website, feilen an ihrer Positionierung, konsumieren noch einen Kurs.

Der Weg des Unternehmers ist jedoch, das weiterzugeben, was du hast. Nicht irgendwann, wenn’s (vielleicht) perfekt ist. Heute, mit dem, was schon da ist. Der umperfekte Blogpost, der aber jemandem hilft. Das Gespräch ohne ausgearbeiteten Gesprächsleitfaden, das aber einen wichtigen Gedanken klärt. Deine anekdotischen Erfahrungen, die du teilst, statt sie zu horten.

Wer wartet, bis er fertig ist, wird nie zufrieden sein. Wer gibt, was er hat, merkt plötzlich, dass er von Anfang an genug hatte.

Der 25-Jahre-Horizont

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Ich glaube, wir Solopreneure haben ein Problem mit unseren bedeutsamen Business-Projekten: Wir setzen uns insgeheim völlig unrealistische Deadlines. Das sechsstellige Jahreseinkommen bis nächstes Jahr. Die komplette Automatisierung in drei Jahren. Der Durchbruch zum Marktführer noch vor dem nächsten runden Geburtstag.

Was, wenn du dir stattdessen 25 Jahre gibst? Ein Vierteljahrhundert für dein Solopreneurship. Klingt nach ewig, aber genau das ist der Trick. Der lange Zeitraum nimmt den Druck raus.

Plötzlich muss nicht jeder Funnel perfekt sein, nicht jedes Produkt ein Sitzer. Du kannst dir erlauben, ein paar Marketing-Baustellen ruhen zu lassen, während du dich auf das konzentrierst, was Seth Godin als smallest viable breakthrough bezeichnen würde – vielleicht erstmal nur eine einzige Kundin richtig glücklich machen. Oder endlich den Stundensatz durchsetzen, der dir zusteht.

Das Paradoxe daran: Mit dem 25-Jahre-Horizont baust du wahrscheinlich schneller ein nachhaltiges Solo-Business auf als mit der Hauruck-Methode.

Die reine Orientierung an der großen Vision vom ortsunabhängigen passiven Millionen-Business birgt nämlich eine Gefahr: Am eigenen Ideal zu zerbrechen.

Die Lauten kaufen nicht

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Björn Tantau sagt: Die “lauten” Follower auf Social Media sind meist nicht die Leute, die bei dir kaufen.

Deine Fans, die alles liken, die kaufen meistens nichts. Die tun vielleicht deinem Ego gut, weil sie dich leiwand finden, aber Umsatz machst du mit ihnen nicht.

Deine Kunden sind die “Stillen”. Die schauen sich an, was du machst, aber sie haben gar kein Interesse daran, irgendwas zu liken oder zu kommentieren. Sie wollen, dass du ihnen bei ihrem Problem hilfst — nicht, dass sie von dir entertaint werden.

“Kaufbereite Menschen sind oft still — aber aufmerksam!” Sie interessieren sich aber nicht für deinen Like-Zähler, sondern für deinen Tonfall, für deine Haltung und für deinen einzigartigen Point of View.

Namen merken

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Ich habe jedes Jahr ca. 150 neue Student:innen. Und jedes Jahr setze ich mir das Ziel, mir die Namen dieser jungen Menschen zu merken. Um zu zeigen: Für mich bist du nicht nur eine Matrikelnummer. Ich nehme dich als Menschen wahr.

Das ist keine leichte Aufgabe, die ich mir da stelle, und ich schaffe es längst nicht, mir jeden Namen zu jedem Gesicht zu merken.

Ein Muster ist mir dabei aufgefallen: Am leichtesten merke ich mir die besonders Guten und die besonders Schlechten. Mit der Mitte tue ich mir am schwersten.

Was herausragt, wird leichter gemerkt. Was in der Mitte liegt, geht in der Masse unter. So geht es mir beim Namen-Merken, und so geht es den Kund:innen auf einem Markt.

Die Einsamkeit der Erfolgreichen

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Ein junger Unternehmer erzählte mir unlängst von seiner schwierigen Schulzeit an der HAK. Vom Argwohn der Lehrer:innen, weil er aus einer erfolgreichen Unternehmerfamilie kam. Von den Unterstellungen, seine Projektarbeit würden eh die Sekretärinnen erledigen. Von Neid auf das Firmenauto.

Erfolg schafft Distanz. Nicht weil du dich distanzierst, sondern weil andere es tun. Sie erfinden Geschichten über dich. Sie projizieren ihre Frustrationen auf dich. Und irgendwann merkst du: Gespräche bringen nichts mehr.

Man kann dagegen ankämpfen, sich erklären, sich kleiner machen. Oder man lernt aufzustehen und zu gehen, wenn wieder mal wer blöd daher redet. Nicht aus Arroganz, sondern aus Selbstschutz. Weil solche Diskussionen nicht zu gewinnen sind.

Erfolg hat einen Preis – den Preis, dass du in manchen Räumen nicht mehr willkommen bist.

Die Lamas sieht man

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Unlängst war ich in einem Erlebnispark in der Steiermark. Eigenartige Stimmung, denn der Betreiber muss schließen. 120 Tiere müssen umziehen – Lamas, Ziegen, Pfauen, Ponys.

Man sieht den Niedergang. Die verwaisten Gehege, das geschlossene Gasthaus, die Tiere, die bald weg sind.

Aber: Das Gleiche passiert bei vielen Solopreneuren auch – vielleicht bei jedem, früher oder später. Der Unternehmer-Traum ist irgendwann ausgeträumt. Nur sieht man’s halt von außen nicht. Der Online-Berater, der keine Kund:innen mehr findet. Die Trainerin, die seit Monaten nur noch alte Aufträge abarbeitet. Der Coach, dessen Kalender immer leerer wird. Das Business verflüchtigt sich – still, unsichtbar, ohne Zeitungsberichte.

Virtuelle Businesses scheitern genauso. Aber niemand kommt ein letztes Mal vorbei.

Verfaulte Schuhe

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Basilius von Cäsarea hat im 4. Jahrhundert geschrieben: “Dem Barfüßigen gehört der Schuh, der bei dir verfault.” Er meinte damit echte Schuhe. Aber der Gedanke ist vielschichtiger.

Wir horten Wissen, das wir teilen könnten. Kontakte, die wir vermitteln könnten. Ideen, die wir weitergeben könnten. Zeit, die wir schenken könnten. Wir sammeln das alles – und dann? Verfault im Schrank. Nicht aus Bösartigkeit, sondern aus Knappheits-Denken: “Ich könnte es ja noch brauchen.” “Vielleicht wird’s mal wichtig.” “Das ist doch mein Vorteil.”

Dabei sollten wir eigentlich wissen: Geteiltes Wissen wird mehr, nicht weniger. Vermittelte Kontakte kommen zurück. Geschenkte Zeit macht reich.

Dennoch gehen wir vielen Gelegenheiten aus dem Weg, denen der wir etwas teilen könnten. Und am Ende sitzen wir auf einem Haufen verfaulter Schuhe.