Tag#LifestyleBusiness

Was ist Arbeit?

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Wir Solopreneur:innen kämpfen mitunter mit dieser Frage – besonders dann, wenn wir das Gefühl haben, uns anderen gegenüber für das rechtfertigen zu müssen, was wir den ganzen Tag so tun.

Österreich ist ein Angestellten-Land. Deshalb haben die meisten Menschen gelernt: “Richtige” Arbeit ist es dann, wenn es anstrengend ist. Wenn man den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt und in den Computer schaut. Wenn man am Ende des Arbeitstags erschöpft und froh ist, dass die Zeit um ist.

Was aus dieser Sicht keine “richtige” Arbeit ist:

  • Aus dem Fenster schauen und nachdenken
  • Zum Arbeiten am Balkon oder im Park zu sitzen
  • Ein (Fach-)Buch zu lesen
  • Ein Gespräch mit einem anderen Solopreneur im Spazierengehen
  • Meditieren
  • Wenn man Spaß an der Arbeit hat
  • Wenn man es leiwand hat im Homeoffice

Wohlgemerkt: Genau diese Punkte sind Merkmale eines funktionierenden Lifestyle Business. Nur dann, wenn du dir Zeit nimmst für diese “nicht-richtige” Arbeit, wirst du ein leiwandes Business haben.

Ich gehe noch einen Schritt weiter: Diese “nicht-richtige” Arbeit ist die wichtigste Arbeit in einem Lifestyle Business! Mit dieser Arbeit sollte dein Tag beginnen!

Und: Den Wert dieser Arbeit musst du anderen Menschen (und auch dir) gegenüber immer wieder verteidigen. Diese Arbeit ist höchst produktiv und wertschöpfend – auch wenn sie im Angestellten-Land Österreich nur selten wertgeschätzt wird.

Die Schluss-Pose

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Meine Tochter (7) hat mich unlängst darauf hingewiesen, dass man sich beim Tanzen Gedanken machen muss über die Schluss-Pose. Es ist nicht egal, wie man einen Tanz beendet.

Sie hat vollkommen recht. Und was sie sagt, gilt umso mehr für die vielen Tänze, die wir jeden Tag in unserem Business tanzen – mit unseren Kund:innen, mit zukünftigen Kund:innen und mit unseren Konkurrent:innen am Markt.

Wenn du ein Profi sein willst, dann muss die Pointe am Ende einfach sitzen.

Versprochene Selbstverständlichkeiten

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Wir versprechen unseren Kund:innen oft Selbstverständlichkeiten – halten das aber für wow!

Wenn wir Selbstverständlichkeiten versprechen, dann versprechen wir nicht viel. Dann haben wir ein sehr schwaches Angebot.

Wenn unser Angebot aus lauter Selbstverständlichkeiten besteht, dann brauchen wir uns auch nicht wundern, wenn unsere Kunden anfangen, beim Preis herumzuverhandeln.

Weil Selbstverständlichkeiten bekommen sie überall.

Selbstverständlichkeiten sind nichts wert.

Zorres mit Meta

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Meta hat in letzter Zeit massenhaft Accounts gesperrt. Kommentarlos. Ohne nachvollziehbare Begründung. Und angeblich ist es alles andere als leicht, die Sperre wieder rückgängig machen zu lassen.

Viele Solopreneure haben von der Reichweite profitiert, die durch die Quasi-Monopolstellung von Facebook und Instagram entstanden ist.

Jetzt müssen sie mit der dunklen Seite des Monopols klarkommen.

Zwerge

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Das Land Niederösterreich hat ein Netzwerk für Ein-Personen-Unternehmen initiiert: Wir sind 1. Dessen Ziel ist die Vernetzung dieser “Einzelkämpfer:innen” sowie eine bessere Sichtbarkeit der niederösterreichischen EPU insgesamt.

Alles sehr löblich. Alles sehr sinnvoll. Aber manchmal geht ein Schuss auch mal daneben.

Im Rahmen der #noegartenzwergtour ist “Wir sind 1” mit zwei Gartenzwergen unterwegs und möchte zeigen,

“wie vielfältig, kreativ und engagiert EPU in Niederösterreich sind – und das mit einem Augenzwinkern. Statt langweiliger Firmenporträts gibt’s bei uns Outdoor-Videoportraits mit Zwerg, Herz und Humor. In diesem Sommer besuchen wir niederösterreichische EPU – vom Studio bis zur Werkstatt – und lassen Gustl, den G‘schaftigen und Sissi Social den EPU über die Schultern schauen und auch sich selbst das ein- oder andere Mal so richtig in Szene setzen.”

EPU-Firmenportraits mit Gartenzwergen… Pfuh!

Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Nein, ich bin mir sicher, dass das keine gute Idee ist.

Worte haben Bedeutung, und deshalb ist es nicht wurscht, welche Metaphern man verwendet. EPU und Zwerge in einen sprachlichen und bildlichen Zusammenhang zu bringen, mag zwar kreativ sein, aber was soll uns das sagen? Dass EPU lustige Zwerge sind? Dass EPU zwar lieb sind, aber nicht besonders ernst zu nehmen? Dass EPU sich als drollige Dekoration eignen? Dass EPU wie Gartenzwerge auch gerne mal im Regen stehen gelassen werden?

Als ob die Selbstverzwergung vieler EPUs nicht reichen würde.

Geoff Burch: Go it Alone! (1997) 📙

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Ein dreißig Jahre altes Buch über Solopreneurship. Viele Weisheiten aus dem Buch sind heute noch genauso gültig wie damals. Das Besondere ist aber: Das Buch ist extrem lustig geschrieben, wie ein Business-Kabarett-Abend zum Lesen. Empfehlung für alle solo-selbständigen Freunde des trockenen britischen Humors.

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Wir verändern nichts

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Wir Solopreneur:innen sollten eigentlich am innovationsfreudigsten von allen Unternehmern sein.

Weil: Wir können, wenn wir wollen, unsere Strategie, unsere Zielgruppe, unser Produktangebot von heute auf morgen ändern. Wir haben keinen Aufsichtsrat, den wir fragen müssten. Wir müssen keine Business Cases abgeben. Wir haben keine Shareholder, deren Zustimmung wir bräuchten. Es liegt einzig und allein an uns selbst.

Ich beobachte jedoch eher das Gegenteil. Viele Solopreneur:innen merken, dass es in ihrem Solo-Business zwickt und zwackt und dass sie etwas verändern müssten – aber sie tun nichts.

Solopreneur:innen fallen Innovationen und Veränderungen wahnsinnig schwer. Eh klar, weil sooo wahnsinnig viel dran hängt. Wir müssen ja jedes Detail der Veränderung selbst umsetzen. Und diese Aussicht kann uns sehr schnell überwältigen.

Dann bleiben wir lieber bei dem Business, das wir haben – auch wenn es hatscht.

Gefühlt erfolgreich

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Ja, man kann “Erfolg” nicht eindeutig definieren. Jeder Mensch hat dafür andere Maßstäbe. 

Aber jeder Mensch hat ein eindeutiges Gefühl dafür, ob er gerade “erfolgreich” ist oder nicht. 

Ein schlechter Tag

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Wie gut du in deinem Business wirklich bist, zeigt sich an deinem schlechtesten Tag.

Wenn alles schief geht, wenn sich scheinbar die ganze Welt gegen dich verschworen hat…

Bist du auch an so einem Tag noch fähig, was Gutes hervorzubringen?

Unzugänglich

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Das Iron Law of the Market besagt: Ein Angebot, das nicht nützlich ist, wird vom Markt verschwinden.

Oft scheitern Angebote aber gar nicht so sehr daran, dass sie nicht nützlich wären.

Sie scheitern daran, dass sie nicht zugänglich sind.

Kurze oder lange Silbe?

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Unlängst wurde ich unfreiwillig Zeuge von schlechtem Unterricht.

Ein Kind sollte den Unterschied zwischen Silben mit langen Vokalen und Silben mit kurzen Vokalen erkennen. Also: BIE-ne (langer Vokal, dann kurzer Vokal) vs. Pin-gu-in (lauter kurze Vokale).

Die Lehrerin war sehr bemüht und geduldig, das muss man ihr wirklich zugute halten. Aber das Problem war: In ihren Erklärungen haben alle Vokale gleich lang geklungen. Das Kind konnte den Unterschied zwischen den langen und den kurzen Vokalen nicht deutlich genug hören.

Mit anderen Worten: Der Kontrast zwischen den verschiedenen Möglichkeiten war nicht stark genug. Und das Ergebnis: Das Kind hat nichts gelernt, sondern bis zum Ende der Übung nur geraten. Weil es bis zum Schluss die Unterscheidung nicht hinbekommen hat. Für das Kind klang beides gleich.

So geht es übrigens auch unseren Kunden oft, wenn sie versuchen, verschiedene Angebote zu vergleichen. Es sieht nur so aus, als ob unsere Kunden sich nicht die Mühe machen wollten, sich genau zu informieren.

In Wirklichkeit bleibt auch ihnen nichts anderes übrig als zu raten, weil die Unterschiede einfach nicht deutlich genug erkennbar sind.

Me too

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Die Marktwirtschaft hat eine wunderbare Eigenschaft: Jeder darf mitspielen. Du musst niemanden um Erlaubnis fragen.

Du hast ein gutes neues Angebot? Dann biete es am Markt an! Zeig es her, stell es anderen Menschen vor – und der Markt wird dich belohnen, wenn deine Idee wirklich so gut war, wie du dachtest.

Aber auf das zwanzigste Me-Too-Produkt hat aber niemand gewartet. Mit 08/15 wird der Markt dich eiskalt abservieren.

Die Aufgabe des Unternehmers ist die Innovation, sagt Joseph Schumpeter. Das Bessere. Das Passendere. Das Zugänglichere.

“Me Too” fehlt die Innovationskraft, und deswegen wird “Me too” vom Markt bestraft.

“Me too” ist als Anspruch einfach viel zu wenig.

Nie Zeit dafür

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Kennst du das? Diese eine Sache, die du schon lange machen willst, aber zu der du einfach nie kommst?

Greg McKeown hat eine einfache Lösung:

  1. Öffne deinen Kalender.
  2. Was ist die eine Sache, die dir wichtig ist, aber einfach keinen Platz im Kalender findet?
  3. Reserviere JETZT Zeit dafür – und behandle sie, als hätte sie dort ganz selbstverständlich ihren Platz.

Los! Worauf wartest du noch?

Wie die Raubkatzen

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Unlängst gelernt im Zoo Schmiding:

Ein Gepard hat bei der Jagd eine Erfolgsquote von 50 – 70 %. Damit ist er der erfolgreichste unter allen Raubkatzen.

Ich denke: Im Business geht es uns auch nicht viel anders wie den Raubkatzen bei der Jagd: Der Erfolgreiche hat knapp über 50 % der Zeit Erfolg.

Mehr nicht.

Genug beraten

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Eine Arbeitshypothese:

Solopreneur:innen wollen in der ersten Zeit nach ihrer Gründung nicht (mehr) beraten werden.

Sie wollen nicht (mehr) gesagt bekommen, was sie tun sollen und was nicht. Sie wollen auch nicht, dass jemand hinterfragt, was sie tun. Sie wollen es sich selbst und den anderen beweisen, dass sie es (allein) schaffen können.

Aber: Sie wollen auf dem neuen Abenteuer ihrer Selbständigkeit lernen und persönlich wachsen. Sie wollen inspiriert werden!

Als Berater habe ich in der Startphase eines Solo-Business kein Leiberl (mehr) – als Impuls-Geber allerdings schon.

Das fragmentierte Business

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Das “fragmentierte Business” ist die vielleicht größte Herausforderung für Solopreneure überhaupt.

Wir entwickeln ein leiwandes neues Produkt, aber es hängt in der Luft, weil es keine Gesamtstrategie gibt, in die es sich einordnen könnte.

Oder vielleicht gibt es sogar sowas wie eine Produkt-Strategie, aber wir scheren uns gerade nicht drum, weil wir dieses neue Produkt für so genial und revolutionär halten, dass wir es einfach machen müssen.

Die besten Solo-Businesses sind “langweilig” in dem Sinn, dass alles seinen Platz hat. Es gibt keine Lücken, und es gibt keine Irrläufer. Eines folgt logisch auf das andere. Es gibt keine Ablenkungen – nicht für die Kund:innen und nicht für den Solopreneur.

Ein gutes Solo-Business wird regelmäßig “defragmentiert” – wie eine Festplatte. Ein gutes Solo-Business ist “sauber”. Diese Sauberkeit ist aber kein Zufall, sondern zeugt von der Meisterschaft eines Solopreneurs im Vermeinden der Fragmentierungsfalle.

[Danke Monika Birkner für dieses wichtige Konzept!]

Scham im Business

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Scham spielt eine große Rolle im Business.

Viele Solopreneur:innen, die Schwierigkeiten im Business haben, die an den Mühen der Ebene verzweifeln, gehen lieber in die Komfortzone einer Anstellung zurück, als sich für den Marsch durch die Wüste einen Lehrer/Helfer/Mentor zu suchen.

Aus Scham, sich und anderen eingestehen zu müssen, dass man es alleine nicht schafft.

Das ist sehr schade.

Das beste Marketing

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Unlängst beobachtet im Urlaub an einem Gasthaus bei Salzburg:

Das beste Marketing ist ein gutes Produkt. Das Essen war super, und die experience war rundum leiwand.

Ja, sie haben auch einen coolen Slogan (“Hendl With Care”). Aber der ist nicht spielentscheidend.

Das beste Marketing ist ein gutes Produkt, und die beste Werbung ist der volle Parkplatz.