Tag#LifestyleBusiness

Künstler vs. Unternehmer

K

In meiner Gründungsberatung erlebe ich immer wieder Gründer*innen, deren Geschäftsidee irgendwo zwischen Künstler und Unternehmer angesiedelt ist. Fotograf*innen oder Designer*innen oder Theaterpädagog*innen fallen mir als Beispiele ein.

In dem Moment, wo eine künstlerische Tätigkeit auf einen unternehmerischen Kontext stößt, entstehen Reibungsflächen. Weil Kunst und Unternehmertum, das ist zwar verwandt, aber doch auch sehr unterschiedlich.

Gründer*innen, die sich als Künstler*innen begreifen, haben es meist schwer in der Marktwirtschaft. Weil eben die Spielregeln des Business andere sind als in der Kunst.

Ein Beispiel: Ein Künstler schafft zuerst seine Werke und schaut dann, wie/ob er Käufer dafür findet. Ein guter Unternehmer handelt nur, wenn er dafür auch einen Auftrag hat, also wenn er einigermaßen sicher weiß, dass er Käufer haben wird.

Ein anderes Beispiel: Ein Künstler schafft seine Werke aus sich selbst heraus, wenn ihn “die Muse küsst”. Ein guter Unternehmer braucht keine Musenküsse, um seine Aufträge qualitätsvoll abzuwickeln. Er handelt professionell.

Man sieht schon aus diesen wenigen Beispielen, dass da zwei ganz verschiedene Denkschulen aufeinander treffen.

Wer sich in beiden Welten, in der Welt der Künstler und der Welt der Unternehmer, kompetent bewegen kann, dem stehen jedoch ungeahnte Türen offen.

Selbstvermarktung

S

Ich glaube, dass es unter vielen Solopreneuren ein Missverständnis gibt, wenn es um ihr Marketing geht.

Es geht nicht darum, dass Solopreneure sich selbst vermarkten.

Es geht darum, dass sie ihr Angebot vermarkten.

Aber das persönlich.

Investitionen finanzieren

I

Bei Investitionsentscheidungen ist es hilfreich, zwei verschiedene Fragen auseinanderzuhalten:

  1. Ist die geplante Investition sinnvoll?
  2. Wie lässt sich die geplante Investition finanzieren?

Bei Gründer*innen und Solopreneur*innen beobachte ich mitunter, dass diese beiden Fragen vermischt werden.

Wenn wir die erste Frage positiv beantworten können, also wenn wir gut und vernünftig nachgedacht haben und wir zum Schluss kommen, dass die Investition sinnvoll ist, dann ist das OB geklärt.

Im Anschluss geht es dann um die Frage WIE. Wenn eine Investition sinnvoll ist, dann werden wir auch Möglichkeiten finden, diese Investition zu finanzieren.

Natürlich läuft es in der Praxis nicht immer so fein-säuberlich wie in diesem Denkmodell. Und dennoch ist es hilfreich, die zwei Fragen gut von einander zu trennen, weil verschiedene Fragen auch verschiedene Antworten verdienen.

Langer Atem, viel Geduld

L

Wir wohnen bei unserem Waldviertel-Urlaub immer bei sehr netten Gastgebern auf einem Biobauernhof.

Der Hof hat eine sehr interessante Geschichte. Die Familie Mayerhofer hat den Hof 1979 gekauft, musste aber zuerst in einem Nebengebäude wohnen, weil die ehemalige Besitzerin weiterhin am Hof lebte. Nach deren Tod 1984 wollte Familie Mayerhofer, “sobald es finanziell möglich war” auf der Sonnenseite einen neuen Wohntrakt errichten und darin umziehen.

Zunächst musste allerdings der Stall neu gebaut werden. Das war wichtiger.

Der Bau des neuen Haustraktes begann dann 1991, der Bezug erfolgte 1995.

Es dauerte also 11 Jahre von der Idee zur Verwirklichung.

Respekt für diese Konsequenz, die Ausdauer und den langen Atem!

Künstlicher Stress

K

Unlängst Familienurlaub im Waldviertel, wie jedes Jahr. Und wie jedes Jahr ein Zwischenstopp bei der Mini-Dampfbahn.

Ich habe voriges Jahr ja schon darüber reflektiert, dass ich die unternehmerische Leistung dort aller Ehren Wert finde.

Heuer waren wir so früh dort, dass wir bei der ersten Fahrt der Mini-Dampfbahn an Board waren. Nur: Weit ist sie nicht gekommen, weil sie noch zu wenig Druck am Kessel hatte. Sie ist zu früh los gefahren. Der Eigentümer hat das mit folgenden Worten kommentiert: “Hier sind eh alle auf Urlaub und haben Zeit, nur wir machen uns einen künstlichen Stress.”

Wie oft glauben wir, dass etwas dringend ist und unbedingt jetzt geschehen muss – obwohl das keiner von uns verlangt hat? Wie oft machen wir uns selbst Druck, ohne Anlass und ohne Not? Wie oft legen wir los, obwohl wir noch gar nicht richtig vorbereitet sind?

Da hilft es innezuhalten und zu fragen: Wer macht hier eigentlich den Stress – meine Kunden oder nur ich mir selbst?

Mahnung

M

Profis mahnen. Bis das Geld am Konto ist.

Mehr gibt es zu diesem Thema nicht zu sagen.

Ignaz Semmelweis

I

Ignaz Semmelweis hat die Blutvergiftung entdeckt und wie sie übertragen wird.

Er war Arzt in einer Wiener Geburtenstation. Die behandelnden Ärzte sezierten zu Ausbildungszwecken auch Leichen, ohne sich danach die Hände zu desinfizieren. (Ihre Hände haben sie sehr wohl gewaschen, aber das reichte nicht.) Dadurch wurden Keime übertragen, welche über die Schleimhäute bzw. die Gebärmutter ins Blut der Frauen gelangten und tödliches “Kindbettfieber” auslösten.

Seine Entdeckung war bahnbrechend. Sie hat Millionen Menschen das Leben gerettet und die moderne Chirurgie im 20. Jahrhundert erst möglich gemacht.

Er war aber kein lupenreiner Held. Er war lange zu passiv. Er war viel zu lange schweigsam. Er hat viel zu lange nichts zu seinen Erkenntnissen publiziert. In der Zeit sind viel zu viele Frauen gestorben. Er hätte viel mehr tun können, um seine Entdeckung zu verbreiten.

Wie so viele Lifestyle Entrepreneure auch hat er viel zu lange geglaubt, dass seine Arbeit für sich spricht und sich Vernunft und Qualität von selbst durchsetzen werden.

Ein teurer Aberglaube.

Lösungen

L

In einem Interview zum Start der neuen Saison, spricht der Trainer der Admira, Thomas Pratl, öfters von “Lösungen”, die seine Mannschaft im Spielaufbau finden muss.

Ich finde, das ist eine sehr passende Beschreibung dafür, wie Fußball (und auch jedes andere Spiel) funktioniert. Es gibt Herausforderungen, und dafür sind Lösungen zu entwickeln. Es gibt nicht die eine richtige Lösung, es gibt verschiedene, und man darf auch durchaus kreativ sein und noch nie da gewesene Lösungswege finden (wenn man kann). Hauptsache, man löst das Problem. Und das nicht einmalig und zufällig, sondern systematisch, immer und immer wieder.

Insofern ist ein Lifestyle Business auch nichts anderes als ein Spiel, bei dem wir täglich antreten und aufgefordert sind, Lösungen zu finden.

Konkurrenzlos

K

Wenn es darum geht, möglichst interessant für deine Zielgruppe zu sein, hast du viel Konkurrenz.

Wenn es darum geht, möglichst interessiert an deiner Zielgruppe zu sein, hast du praktisch keine Konkurrenz.

[Danke Dan Sullivan für diesen Gedanken.]

Hebt nicht ab

H

Ein sehr wahrer Gedanke von Gudrun Lange zum Gründen:

Wenn du nicht mit dir selbst im Reinen bist, wenn du die innere Klarheit nicht hast, wenn du nicht weißt, wer du bist und was du willst, dann ist es unheimlich schwierig, ein eigenes Business aufzubauen.

Mehr Aufträge

M

Die ersten Wochen, Monate, ja Jahre nach der Gründung können hart sein.

Das liegt daran, dass ein Business eine gewisse Anlaufphase braucht, bis es so weit ist, dass es regelmäßig genügend Umsatz und Cash Flow liefert, um für den Lifestyle Entrepreneur auch finanziell lukrativ zu sein.

Der Weg zu so einem “reifen” Business wird oft als sehr anstrengend und mühsam empfunden. Es sind die Mühen der Ebene, die es zu bewältigen gilt: Der Reiz des Neuen, der Zauber des Anfangs ist verflogen, jetzt gilt es, konsequent dranzubleiben und den Plan zu verfolgen. Fokussiert und ohne Ablenkungen.

Das bedeutet für die meisten Lifestyle Entrepreneure: Für mehr Aufträge zu sorgen. Es ist selten so, dass ein neues Business gar keine Aufträge hat. Aber sehr häufig sind es nicht genug. Was bedeutet, dass in dieser Phase die wichtigste Aufgabe die Kund*innengewinnung ist. Aufträge, Aufträge, Aufträge, darum geht es in dieser Phase.

Das ist nicht sexy, aber es ist auch nicht kompliziert. Es erfordert nur, dranzubleiben. Und genau das ist der Knackpunkt, wo viele Gründer*innen dann auch aufgeben: Weil sie die Mühen der Ebene nicht auf sich nehmen können oder möchten, sondern lieber was Neues starten. Das bringt zwar auch kein Geld, aber es fühlt sich leichter an.

Durchhalten. Weitermachen. Dranbleiben. Mehr braucht es nicht. Und trotzdem (oder deswegen) ist es nicht leicht.

Löwin

L

Unlängst hat die Berliner Polizei tagelang nach einer freilaufenden Löwin gefahndet.

Wie sich herausgestellt hat, war die vermeintliche Raubkatze in Wirklichkeit ein Wildschwein.

Natürlich kann man jetzt lachen und sagen: “Wie kann denn das passieren, dass man eine Löwin mit einem Wildschwein verwechselt? Den Unterschied erkennt ja jedes Kind!”

Aber gerade wir Lifestyle Entrepreneure sollten uns davor hüten. Denn auch in unseren Lifestyle Businesses kann es uns jeden Tag passieren (und passiert uns auch tatsächlich), dass wir Löwin und Wildschwein nicht auseinanderhalten können.

Kosten-Nutzen-Rechnung

K

Unlängst habe ich mit einer Gründerin gesprochen, die sich quasi dafür entschuldigt hat, dass sie eine “egoistische Kosten-Nutzen-Rechnung” angestellt hat.

Dabei ist es genau das, was im Unternehmertum (auch) notwendig ist: Genau hinzuschauen, nachzurechnen und dann die Entscheidung zu treffen, die ökonomisch Sinn macht.

Das ist nicht egoistisch, das ist verantwortungsvoll.

Arbeiten ohne Chef

A

Wichtiger Merksatz:

Nur, weil du als Selbständiger nicht mehr angestellt bist, heißt das nicht, dass du keinen Chef mehr hast.

Im Gegenteil: Als Selbständiger hast du wahrscheinlich den strengsten, härtesten, forderndsten, gemeinsten, ausbeuterischsten, grantigsten und unzufriedensten Chef, den du jemals gehabt hast:

Dich selbst.

The price you pay

T

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich jeder Mensch einmal im Leben selbständig machen sollte.

Gleichzeitig weiß ich, dass sehr, sehr viele Gründungen nicht den Erfolg bringen, den sich die Gründer*innen erhofft hatten – weder finanziell noch emotional.

Dieser Aspekt wird in der glamourösen Online-Business-Coaching-Welt oft ausgeklammert. Klar, ist auch schlecht fürs Business. Aber es sei in aller Deutlichkeit gesagt: Es kann gut sein, dass die Selbständigkeit nicht der Weg zu deinem persönlichen Glück ist.

Oder, wie Bruce Springsteen es ausdrückt:

Now they’d come so far and they’d waited so long
Just to end up caught in a dream where everything goes wrong.

Bruce Springsteen, The Price You Pay

Das Glücksversprechen

D

Ich weiß nicht genau, wo die Idee herkommt, dass eine Selbständigkeit der Weg zum Glück ist.

Irgendwo da draußen wird die Verheißung propagiert, dass das eigene Business die Lösung für praktisch alle Probleme ist, die man im Leben so hat. Mehr Freiheit, nicht mehr nach der Pfeife des Chefs tanzen, nur mehr mit Wunschkund*innen arbeiten, grenzenloses Einkommenspotenzial – und das quasi nebenbei, ortsunabhängig und passiv.

Meine Erfahrung als Gründungsberater ist eine andere. Ich spreche mit Menschen, die selbständig sind und das auch nie mehr missen möchten, aber dass sich alle Probleme in Luft aufgelöst hätten… Nein.

Im Gegenteil: Die Probleme, die man vor der Selbständigkeit gehabt hat (v.a. mit sich selbst), werden durch die Selbständigkeit nicht gelöst, sondern sogar noch potenziert. Und ja, die Probleme einer Anstellung sind weg, aber mit der Selbständigkeit hat man sich für neue Probleme entschieden, die es nun zu lösen gilt.

Nicht weniger Probleme, nur andere. Nicht mehr Glück, sondern ein anderes.

Überforderung

Ü

Woran liegt es, dass wir Lifestyle Entrepreneure uns immer und immer wieder überfordern?

Ich glaube, an drei Ursachen:

  1. Unsere Ansprüche sind sehr hoch. Unsere Ressourcen, unsere Kapazitäten und unser Know-How können da aber oft nicht mithalten.
  2. Wir machen zu wenige Pausen, weder kurze zwischendurch, noch längere Pausen (also Urlaub).
  3. Aktionismus. Wir sind den ganzen Tag geschäftig, aber wie viele dieser Tätigkeiten bringen unser Business wirklich weiter?

Missionieren

M

Leute, die an deinen Angeboten nicht interessiert sind, die brauchst du nicht zu missionieren.

Ja, bemüh dich, den Wert deiner Angebote zu verbessern. Ja, bemüh dich, die Vermittlung dieses Wertes immer besser hinzubekommen. Und ja, rede immer und immer und immer wieder über deine Angebote und den Wert für deine Kund*innen.

Aber wenn dir jemand (noch) nicht zuhören mag, dann halte dich nicht mit ihm auf. Kümmere dich um die Menschen, die dir ihre Aufmerksamkeit freiwillig schenken.

Alles andere wäre vergebene Liebesmüh.

Minderwertigkeitskomplex

M

Viele Gründer*innen tun sich am Anfang schwer, ihren Wert richtig einzuschätzen.

Aber: Nur, weil man neu ist am Markt, muss man nicht zu allem Ja und Amen sagen.

Und schon gar nicht alles gratis hergeben.

Schwachbrüstig

S

Eine Beobachtung, die ich bei Gründer*innen häufiger mache: Sie haben wirklich gute Ideen. Sie haben viel Motivation. Sie haben die allerbesten Absichten.

Aber: Sie haben schwachbrüstige Strategien. Sie haben keinen richtigen Anpack, um ihre Idee in ein erfolgreiches Business umzuwandeln.

Man könnte auch sagen: Sie haben kein funktionierendes Geschäftsmodell. Oder sie haben überhaupt kein Geschäftsmodell.

In solchen Momenten zeigt sich, wie viel zu gewinnen wäre, wenn Solopreneure mehr Wirtschaftskompetenz hätten.