Tag#LifestyleBusiness

Im Garten (Freewriting XXVI)

I

Ich bin nicht gerade der geborene Gärtner, und doch mag ich es sehr gern, in einem Garten herumzuspazieren.

Es ist schon interessant, wie attraktiv etwas ist, wenn man sich nicht darum kümmern muss. Das Genießen fällt viel leichter, wenn man die ganze Arbeit ausblenden kann, die einem auffallen würde, wenn man nicht nur Garten-Besucher, sondern auch Garten-Besitzer wäre.

Und so kommt es, dass es mir gestern Spaß gemacht hat, ein bisschen die Paradeiser zu gießen und die Himbeeren vom Unkraut zu befreien. Weil ich gerade Zeit hatte, und weil ich, wie gesagt, nicht musste.

Es ist vollkommen okay, nach Lust und Laune zu agieren, sozusagen der Inspiration zu folgen, wenn man keine Verpflichtungen eingegangen ist. Ein bisschen hier und ein bisschen da, das kann sehr entspannend sein. Weil es zwar eine Beschäftigung, aber keine Arbeit ist.

Es ist deshalb keine Arbeit, weil es nicht ernsthaft ist. Aber gerade die Ernsthaftigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg, wenn es um Lifestyle Businesses geht. Wirst du das Unkraut auch dann zupfen, wenn es dir keinen Spaß macht? Wirst du die Paradeiser auch dann gießen, wenn du müde bist und eigentlich weder Zeit noch Lust hast?

Wirst du tun, was zu tun ist, auch wenn du gerade nicht die Inspiration dazu fühlst?

Versprochen ist versprochen (Freewriting XXII)

V

Mein Sohn war heute sehr verstört, weil ein Freund ihm ein “hoch und heiliges Versprechen” gegeben und es dann gebrochen hat.

Für ihn war das vollkommen unverständlich. Weil wir ihm seit sieben Jahren einbläuen, dass man seine Versprechen halten muss. Wenn man etwas zusagt, dann gilt das. Punkt.

Für mich ist das auch ein Kennzeichen von professionellen Selbständigen und Unternehmer*innen. Profis überlegen sich zweimal, was sie versprechen. Aber wenn sie etwas versprochen haben, dann gilt’s. Amateure hingegen nehmen es mit ihren Versprechen nicht so genau. Sie versprechen bald mal was, aber diese Versprechen sind nicht verbindlich, sondern bestenfalls Absichtserklärungen.

Böses Blut entsteht immer dann, wenn Profis (mein Sohn) und Amateure (sein Freund) aufeinandertreffen. Der eine versteht nicht, wie man ein Versprechen brechen kann, und der andere versteht nicht, wo überhaupt das Problem ist.

Solche Missverständnisse lassen sich nur schwer auflösen, weil sie die Werte-Ebene betreffen. Die lassen sich nicht ausdiskutieren, die lassen sich nur leben – oder eben nicht.

Mir ist es wichtig, meinem Sohn den Wert mitzugeben, dass Versprechen zählen. Aber ich kann ihm nicht den Frust ersparen, der entsteht, wenn andere Menschen das anders sehen.

Die Zahlen im Griff? (Freewriting X)

D

Solopreneure und ihr Finanzmanagement ist ein leidiges Thema.

Zum einen ist es so, dass sich viele Solopreneure praktisch nicht um ihre Finanzen kümmern. Solange genug Geld am Konto ist, ist doch alles in Ordnung, oder? Das gilt insbesondere auch für Gründer*innen. Die wollen am Anfang oft gar nicht so genau wissen, wie viel Umsatz sie eigentlich machen müssten, um gut von ihrer Geschäftsidee leben zu können. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß – und kann mich im worst case auch nicht enttäuschen, wenn ich es nicht erreiche. Erfolglos, aber ich weiß es nicht.

Zum anderen ist es so, dass gerade Solopreneure eigentlich Experten sein müssten in Sachen Finanzmanagement. Kaum vorstellbar, dass irgendein größeres Unternehmen so schlecht mit seinen Zahlen umgehen würde wie der durchschnittliche Solopreneur. Dabei ist ein Solo-Business eine Riesenherausfoderung, für die es das beste Finanzmanagement bräuchte, das es überhaupt nur gibt!

Und mir selbst geht es ja nicht viel anders. Meist habe ich bestenfalls ein ungefähres Gefühl für die Zahlen in meinem Business. Von einem regelmäßigen Controlling mit klaren Kennzahlen kann ich wohl kaum sprechen.

Bis jetzt. Ab heute ändert sich das.

Professionell (Freewriting VIII)

P

Unlängst hat sich Philipp Maderthaner in einer Podcast-Folge mit der Frage beschäftigt, ob man als Unternehmer bzw. Unternehmen auf Social Media sein muss.

Einen Aspekt seiner Antwort fand ich besonders interessant. Er meinte, dass man sich bei der Frage, ob Social Media oder nicht, um eine professionelle Auseinandersetzung bemühen sollte. Ja, er hat sogar gesagt, er erwartet von einem Unternehmer, dass er sich professionell mit dieser Frage auseinandersetzt.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang professionell? Es bedeutet, dass wir uns nicht von unserer privaten Meinung leiten lassen oder von unseren persönlichen Vorlieben ausgehen. Es ist völlig unerheblich, ob wir privat Facebook, Twitter, Insta etc. mögen oder nicht. Eine professionelle Haltung sieht sich z.B.. Facebook völlig umemotional an und fragt: Wie kann Facebook mir helfen, mein Unternehmen zum Erfolg zu bringen?

Gerade wir Solopreneure tappen häufig in die Falle, dass wir unsere privaten Meinungen unreflektiert in unser Business übertragen. Aber da sollten wir wirklich aufpassen, weil wir uns dadurch mitunter Chancen vergeben.

Private Meinungen und Intuitionen haben ihren Platz, gar keine Frage. Aber sie sollten nicht das einzige Kriterium sein, wenn wir unternehmerische Entscheidungen treffen.

Angehalten (Freewriting VII)

A

Ein häufiges Problem in Ein-Personen-Unternehmen: Alles steht und fällt mit dem Aktivitätsgrad der Unternehmerin bzw. des Unternehmers. Oder, wie es eine befreundete Unternehmerin ausgedrückt hat: When I stop, everything stops.

Solange alles gut bei uns läuft, solange wir ausgeschlafen, ausgeglichen und gesund sind, geht’s auch unserem Business gut. Da geht richtig was weiter. Aber sobald etwas ein bisschen aus dem Ruder läuft, sobald wir ein paar Tage lang krank sind (oder die Kinder!) oder wenn ein familiärer Notfall dazwischen kommt, steht die Mühle. Weil einfach alles auf Kante genäht ist in unseren EPU und wir kaum Puffer oder Backup haben.

Dabei sagt uns ja die Erfahrung, dass außerplanmäßige Ereignisse nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind. Eigentlich müssten wir es ja besser wissen, und doch treffen wir kaum Vorkehrungen für den Fall, dass unser Business auch mal ohne uns laufen muss. Weil wenn wir aktiv sind, dann ist ja eh alles in bester Ordnung. Und wenn wir dann doch mal wieder ausfallen, dann nehmen wir und ganz fest vor, jetzt aber wirklich bald was zu unternehmen, endlich zu automatisieren und auszulagern usw.

Und dann…

Zu zweit gründen (Freewriting I)

Z

Es hat viele Vorteile, als Solopreneur zu gründen. Sich also allein auf den Weg in die Selbständigkeit zu machen. Zuallererst, aus meiner Sicht, dass man keine Kompromisse eingehen braucht und wirklich seine Gründungsidee so umsetzten kann, wie man sie sich vorgestellt oder erträumt hat. Man muss sich nach niemandem richten, braucht sich kein Einverständnis abholen, braucht niemanden um Erlaubnis zu fragen.

Wahrscheinlich ist die Sehnsucht, sich mit der eigenen Selbständigkeit auch ein großes Stück Freiheit zu “erkaufen”, genau mit diesem Gedankengang verbunden: Alleine gründen = maximal mögliche Freiheit.

Allerdings komme ich in der letzten Zeit immer mehr drauf, dass diese Gleichung möglicherweise nicht stimmt. Mitunter ist eine Gründung zu zweit der bessere Weg in die Selbständigkeit und paradoxerweise auch zu mehr Freiheit.

Ja, eine Gründung mit einem Mitgründer oder einer Mitgründern braucht mehr Abstimmung, und da und dort wird es auch Kompromisse brauchen. Aber dafür eröffnen sich durch die Zusammenarbeit Freiheitsräume, die als Solo-Selbständiger einfach nicht da wären. Es ist eine andere Form der Freiheit, die durch eine Gründung zu zweit möglich wird. Nicht besser oder schlechter, nicht einfacher oder komplizierter, sondern schlicht anders.

Womöglich lohnt es sich also, sich zumindest den Gedanken zu erlauben, ob eine Partnerschaft auf dem Weg zur maximalen individuellen Freiheit nicht sogar der bessere Zugang ist.

Im Namen des Kindes

I

Ich hatte einmal einen Gründer, der wollte seine Firma nach seinem Sohn benennen. In der Hoffnung, dass sein Sohn eines Tages dieses Unternehmen übernehmen und weiterführen wird.

Es ist mir schon klar, dass das ein Ausdruck von großer Liebe eines Vaters für seinen Sohn ist.

Aber ob sein Sohn das dereinst genauso sehen wird?

Ich habe da meine Zweifel…

Boost

B

Unlängst sagte eine Gründerin in einem Beratungsgespräch (auf Englisch) zu mir:

Things are advancing but very slowly. Hopefully we have a boost.

Klar, die Hoffnung stirbt zuletzt, aber erfahrungsgemäß kommt so ein Boost nicht einfach daher.

Wobei… Manchmal schon. Dann heißt es, das Eisen zu schmieden, solange es heiß ist. (Seth Godin hat dazu unlängst einen lesenswerten Beitrag geschrieben.)

Aber zu allen anderen Zeiten müssen wir uns an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Und das geht nur Schritt für Schritt. Eines nach dem anderen. No hurry, no pause.

Eine Lokomotive rollt auch ganz langsam an, aber wenn sie dann mal unterwegs ist…

Kühn

K

Wirklich gewagte Ideen und Handlungen zahlen sich meistens aus.

Weil sie kaum jemand tut.

Aufsichtsrat

A

In einer Aktiengesellschaft gibt es den Aufsichtsrat. Der Aufsichtsrat wird von den Eigentümern (= den Aktionären) bestimmt und hat die Aufgabe, der Geschäftsleitung (= dem Vorstand) auf die Finger zu schauen, ob er eh alles richtig macht.

Einzelunternehmer haben keinen Aufsichtsrat. Sie verfügen nicht über so ein Kontrollorgan – und braucht auch keines. Das unternehmerische Risiko, die Gefahr, dass ihm das Geld ausgeht… das sollte eigentlich schon Kontrolle genug sein, damit sie keine Dummheiten machen.

Hinkend und tanzend

H

Unlängst habe ich eine alte Unternehmer-Weisheit kennengelernt:

Das Geld kommt hinkend rein und geht tanzend raus.

Ich interpretiere das so: Es ist sehr mühsam, Geld zu verdienen (= Umsatz zu machen), aber ausgeben tut sich das sauer verdiente Geld quasi wie von selbst.

Die unternehmerische Kunst wäre jetzt, das umzudrehen.

Verkaufen und Vertrauen

V

Verkaufen braucht Vertrauen.

Nämlich zu allererst mal unser eigenes Vertrauen in unser eigenes Angebot.

Wer kein bedingungsloses Vertrauen in sein Angebot hat, wird auch nicht fähig sein, es überzeugend zu präsentieren und zu verkaufen.

Gefährlicher Unfug

G

Es gibt Business Coaches da draußen, die sagen: Wenn du einen Plan B hast, dann bist du nicht all-in mit deinem Business! Dann bist du nicht committed genug!

Was für ein Bullshit.

In Wahrheit ist es so, dass der klassische sorgfältige Kaufmann immer einen Plan B hat. Er würde niemals alles auf eine Karte setzen. Gute Unternehmer versuchen immer, ihr Risiko zu streuen. Genau das macht sie zu guten Unternehmern.

Bitte glaubt nicht alles, was da draußen von selbsternannten Business Coaches an Unfug verzapft wird!

Bittere Wahrheit

B

Nicht alles, was unsere Kunden brauchen würden, wollen sie auch (kaufen).

Nicht im Geringsten

N

Was bei anderen funktioniert, kann ich als Inspiration nehmen, aber ich darf überhaupt nicht versuchen, nicht im Geringsten versuchen, diese Konzepte auf mein Business überzustülpen.

[Danke Anne Bucher für diese Formulierung.]

Urlaubsplanung

U

Was den Urlaub von Solo-Selbständigen betrifft, stelle ich folgendes Muster fest:

Der Urlaub, der fix gebucht und bezahlt ist, findet statt.

Der Urlaub, der “spontan” passieren soll (weil man ist ja schließlich selbständig!), findet nicht statt.