AutorGünter Schmatzberger

Lebensfrohe Manager*innen

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Unlängst hat mir ein Student folgende spannende Frage gestellt:

Wenn man als Manager arbeitet und dabei immer versucht, Risiken zu erkennen bzw. zu vermeiden und immer auf den Worst Case vorbereitet zu sein – kann man dann überhaupt noch optimistisch auf’s Leben blicken?

Meine Antwort: Ja. Das ist so ähnlich wie vor einer Prüfung. Je besser man sich vorbereitet hat, desto entspannter wird man vor der Prüfung sein. Und desto optimistischer wird man der Prüfung entgegensehen.

Ur geärgert

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Unlängst habe ich mich ur geärgert über jemanden.

Sie hat mich gefragt, wie es mir geht und was ich beruflich gerade so tue. Ich habe zu erzählen begonnen, aber ziemlich bald gemerkt, dass sie sich eigentlich nicht dafür interessiert. Schlimmer noch: Sie hat sich darüber lustig gemacht – oder mich zumindest nicht ernst genommen.

Ich bin stolz, sagen zu können, dass ich dieses Gespräch ruhig, höflich, aber bestimmt beendet habe.

Erst viel später ist mir klar geworden, dass ich dabei so höflich war, dass sie gar nicht mitgekriegt hat, dass ich ur angefressen war in diesem Moment.

Jetzt frage ich mich: Hätte ich ihr deutlicher sagen sollen, dass sie sich daneben benommen hat?

Ich weiß es immer noch nicht.

Leseförderung in der Praxis

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Eine kuriose Variante von NIMBY berichtet brand eins in seiner Ausgabe März 2024:

88 Prozent der Menschen in Deutschland finden, dass Kinder in der Schule mehr zum Lesen animiert werden sollen.

Gleichzeitig beträgt der Anteil der Menschen in Deutschland, die selbst seltener als einmal pro Woche ein Buch lesen, 51 Prozent.

Und das liegt nicht daran, dass die Menschen in Deutschland zu wenig Zeit zum Lesen hätten. Denn durchschnittlich verbringt jede*r Deutsche 10 Stunden pro Woche auf Social Media.

Und ein 300-Seiten-Buch hätte man in ca. 9 Stunden gelesen.

Preis-Bevormundung

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Relativ oft erlebe ich es, dass besonders Gründer*innen, die sehr emphatisch und beziehungsorientiert sind, ziemlich strugglen bei der Preisfindung.

Ein Gedanke, der sie besonders beschäftigt: Was, wenn ich zu teuer bin und damit die Kunden, die meine Hilfe am meisten brauchen würden, sich meine Angebote dann nicht mehr leisten können?

Grundsätzlich ist es ja löblich, sich solche Gedanken zu machen und zu hinterfragen, wie sich die Preisstrategie auf die Zielgruppe auswirkt. So weit, so gut.

Das Problem beginnt hier: In dem Moment, wo wir annehmen, dass sich ein bestimmter Kunde unser Angebot nicht leisten kann, dann nehmen wir diesem Kunden seine Selbstbestimmung. Wir sind es, die diesem Kunden unterstellen: Ui, das wirst du dir wahrscheinlich nicht leisten können!

Wer sind wir denn, dass wir besser wissen als unsere Kunden, was sie sich leisten wollen und was nicht?

Biete dein Angebot zum regulären Preis an und überlass deinem Kunden die Entscheidung, ob ihnen dieses Angebot den Preis wert ist oder nicht.

Aber lass die Entscheidungsmacht dort, wo sie hingehört.

Wunder gescheh’n – nicht

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Du kannst davon ausgehen, dass kein Wunder geschehen wird. Wunder passieren ausgesprochen selten – sonst wären es ja keine Wunder.

Stell dich lieber ein auf einen Marsch durch die Wüste. Es wird anstrengend. Tagelang wirst du einen Schritt vor den anderen setzen, und du wirst keinen Fortschritt erkennen. Es wird Tage geben, da möchtest du lieber umkehren – oder überhaupt aufgeben.

Auch auf dem Marsch durch die Wüste werden keine Wunder passieren.

Aber von Zeit zu Zeit wirst du in eine Oase kommen. Und dafür lohnt sich der Weg.

Bedingungsloses Grundeinkommen

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Ich halte das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) für das wichtigste sozialpolitische Projekt der nächsten 100 Jahre.

Es gibt viele gute Argumente dafür, einige bemerkenswerte Argumente dagegen, aber vor allem sehr viel Unwissen und (noch schlimmer) Halbwissen rund um das BGE.

In Österreich setzt sich der Verein Generation Grundeinkommen für das BGE ein. Die haben unlängst eine super neue Website gelauncht, die nicht nur leiwand aussieht, sondern auch ausgewogen informiert.

Es lohnt sich, an der Zukunft mitzuarbeiten. Oder zumindest kompetent darüber sprechen zu können.

[PS: Ein gesegnetes Osterfest allen Leserinnen und Lesern meines digitalen Lerntagebuchs!]

Normalsterblich

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Vergiss nicht: Auch du bist kein Wunderwuzzi. Auch du bis kein unsterblicher Superheld. Auch du hast deine Grenzen, und die werden dir mitunter schmerzlich aufgezeigt.

Auch du hast Dinge, an denen du leidest. Auch du hast Menschen in deinem Leben, die nicht immer das Beste für dich wollen. Auch dir geht die Puste aus, wenn du dich überanstrengst.

Willkommen in der Welt der Normalsterblichen.

Sie ist die einzige Welt, die wir Menschen zur Verfügung haben.

Alle von uns.

Der Leidensweg

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Wir haben zwei Möglichkeiten, mit einer Situation umzugehen: Akzeptieren oder verändern.

Wir wählen aber meistens die dritte Option: Wir leiden.

[Danke Marcel Clementi für diesen Gedanken.]

Das kaputte Keramik-Ei

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Unlängst beobachtet in der Kindergarten-Gruppe meiner Tochter:

Die Kinder haben für Ostern Keramik-Eier gebastelt. Schön mit Glitzersand verziert, jede*r eines. Mit Holzstab zum Reinstecken in die Erde. Sehr schön eigentlich.

Das Problem mit Keramik ist halt, dass sie zerbrechlich ist. Und so geschah es, dass einem Kind beim Anziehen das Keramik-Ei runtergefallen ist. Es war natürlich kaputt – beyond repair, wie man so schön sagt.

Der Bub war sichtlich unglücklich darüber, aber er hat kein Wort gesagt. Und wie war die Reaktion des Erwachsenen? Vorwürfe. Ich hab ja gesagt, du sollst darauf aufpassen. Ich kann jetzt auch nicht zaubern. Das kommt davon…

Ich will dem Vorwerfenden jetzt keine Vorwürfe machen. Ich werfe sicher nicht den ersten Stein. Wahrscheinlich war er auch traurig über das Missgeschick und hat seine Trauer eben nur mit Vorwürfen ausdrücken können. Wir sind alle nur Menschen, und wir können eben auch nicht raus aus unserer Haut.

Aber eines war offensichtlich: Geholfen haben die Vorwürfe dem Buben nicht. Und dem zerbrochenen Ei klarerweise auch nicht.

Kann ich nur hoffen, dass sie wenigstens dem Erwachsenen geholfen haben.

Umzug

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Mein Blog ist umgezogen. Neuer Server, neues Design, neue Struktur – das ganze Programm.

Wie bei jedem Umzug ist nicht alles ganz ohne Schrammen abgelaufen. Aber insgesamt alles in grünen Bereich. A job well done.

Dass ich das heute so stolz sagen kann, hat nur am Rande mit mir zu tun. Ich habe den Erfolg Josha, meinem freundlichen Helfern von WP Space, zu verdanken.

Denn der Umzug wäre beinahe zu einer Vollkatastrophe geraten. In meiner grenzenlosen Selbstüberschätzung habe ich nämlich versucht, den Umzug ganz ohne Hilfe selbst zu machen. Kann ja nicht so schwer sein, oder?

Der Versuch ist natürlich komplett schief gegangen. Nur das Einspielen eines Notfall-Backups hat das komplette Armageddon verhindert. Und gebraucht habe ich dafür… ewig.

Wenn ein Experte wie Josha ran geht, ist in 20 Minuten alles erledigt und funktioniert so, wie es soll.

Wenn’s wichtig ist, lass einen Experten ran.

Als ob ich noch einen weiteren Beleg dafür gebraucht hätte…

Freischwimmen

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In der ersten Zeit nach der Gründung ist man als Solopreneur schnell mal überfordert. Es gibt viel aufzubauen, viel zu erledigen, viel zu lernen. Vieles muss man zum allerersten Mal machen, und es fehlen Routine und Routinen.

Aber das ist nur eine Phase. Das geht vorbei. Irgendwann wird dieser ganze Wahnsinn normal, und wir denken nicht mal mehr groß darüber nach.

Irgendwann hat jeder Gründer schwimmen gelernt” , sagt Frank Probst.

Danke

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Meine laaaaaange Liste von Menschen, denen ich dankbar bin, weil sie auf die verschiedensten Arten und Weisen mein Leben begleitet und bereichert haben. Ich stehe auf den Schultern von Riesen.

  1. Alfred Adler
  2. David Allen
  3. Sebastian Baumann
  4. Vera F. Birkenbihl
  5. Monika Birkner
  6. Lars Bobach
  7. Alain de Botton
  8. Rutger Bregman
  9. ´Brené Brown
  10. Bill Bryson
  11. James Carse
  12. Markus Cerenak
  13. Jim Collins
  14. Ehrenfried + Brigitte Conta Gromberg
  15. Wolfgang U. Dressler
  16. Peter Drucker
  17. Chris Ducker
  18. Steve Dotto
  19. Anitra Eggler
  20. Michael Ensle
  21. Gottfried Epp
  22. Günter Faltin
  23. Tim Ferriss
  24. Viktor Frankl
  25. Erich Fromm
  26. Martina Fuchs
  27. Kathrin Gildner
  28. Axel Gloger
  29. Seth Godin
  30. Hubert von Goisern
  31. Adam Grant
  32. Helmut Gruber
  33. Johanna Grüblbauer
  34. Nikolai Frederik Severin Grundtvig
  35. Garrett Gunderson
  36. Markus Gull
  37. Colin Hay
  38. Heinz Herczeg
  39. Andrew Hickey
  40. Gerald Hörhan
  41. Michael Hyatt
  42. Lewis Hyde
  43. Jesper Juul
  44. Matthias Kahr
  45. Josh Kaufman
  46. Ernest Maria Kellermann
  47. Peter J. Klein
  48. Roman Kmenta
  49. Stefanie Kneisz
  50. Hubert Koci
  51. Gernot Kohl
  52. Jennifer Kosche
  53. Bernhard Kozljanic
  54. Christian Kreidl
  55. Lutz Langhoff
  56. Bob Lefsetz
  57. Veit Lindau
  58. Brian R. Little
  59. Wolf Lotter
  60. Antonio Lupatelli (Tony Wolf)
  61. Philipp Maderthaner
  62. Matthäus, Markus, Lukas, Johannes
  63. Greg McKeown
  64. Victor Mihalic
  65. Dan Miller
  66. Valentina Mötz
  67. Brigitte Müllauer
  68. Wendelin Munter
  69. Georg Olbrich
  70. Tibor Papai
  71. Stephan Park
  72. Camillo Patzl
  73. Esther Perel
  74. Jordan B. Peterson
  75. Die “Pfarrerstöchter” Sabine Rückert und Johanna Haberer
  76. Maik Pfingsten
  77. Christine Pleyl
  78. Daniela Prattes
  79. Richard David Precht
  80. Steven Pressfield
  81. Joe Pulizzi
  82. Dave Ramsey
  83. Bernhard Reingruber
  84. Willi Resetarits
  85. Erich Ribolits
  86. Carl Rogers
  87. Richard Rohr
  88. Wolfgang Römer
  89. Don Miguel Ruiz, Don José Ruiz
  90. C. Otto Scharmer
  91. Hans Bernhard Schmid
  92. Martin Schmidt
  93. Gina Schöler
  94. Gordon Schönwälder
  95. Ramit Sethi
  96. Barbara Sher
  97. Michael A. Singer
  98. Simon Sinek
  99. Ernesto Sirolli
  100. Derek Sivers
  101. Lemony Snicket
  102. Michael Spieler
  103. Bruce Springsteen
  104. Michael Steininger
  105. Dan Sullivan
  106. Krista Tippett
  107. Thomas Ungersböck
  108. Olivia Vrabl
  109. Neale Donald Walsch
  110. Paul Watzlawick
  111. Veronika Weiß
  112. Hupo Weninger
  113. Karin Wess
  114. Astrid Wiesenöcker
  115. Mona Wiezoreck
  116. Melody Wilding
  117. Chris Williamson

Und mein ganz besonderer Dank gilt meiner Familie und meinen Freunden:

Viki, Andi und Elisabeth; Karl und Martina; Thomas und Adrienn; Karl, Christl, Hannerl, Sepp, Florian und Andrea; Stefan, Simon, Emanuel, Martina, Christian; Josef, Erna und Pepi; Georg und Erna; Karin, Gerhard, Nadja und Luise; Norbert, Margarete, Felix und Alex; Martin; Marcus, Lisa, Oliver und Lena; Gabi, Sandra H, Sabine, Sandra S-H, Barbara M-H, Barbara R, Gernot; Max, Alex, Sigi, Dani, Julia; Klaus, Martin, Peter; Karl, Maria, Karl, Martina; Gerhard. Teddy.

Dauerschuldverhältnisse

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Vulgo: Abos

Es werden immer mehr, und sie greifen um sich. Auch in meinem Business, auch in unserem Haushalt.

Und wenn man sie nicht regelmäßig im Auge hat, dann beginnen die Abos zu wuchern. Dann sammeln sich Mitgliedsbeiträge, Lizenzen, Monats- und Jahresgebühren etc. an, die man eigentlich gar nicht mehr braucht.

Und dann heißt es: Zurückstutzen – und zwar radikal. Von unnötigem Ballast trennen. Ressourcen frei machen für sinnvollere Investitionen.

Zweimal im Jahr gehe ich die Liste mit meinen Abos durch und entscheide: Was darf bleiben, was kann weg? Und was weg kann, wird sofort gekündigt. Damit ich nicht irgendeine Frist übersehe und das Abo noch ein Jahr an der Backe habe.

Heute ist wieder so ein Tag. Ich habe meine Abo-Heckenschere schon neben mir liegen.

Wahrheit und Lügen

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Unerfahrene und Ahnungslose kann man leicht anlügen. Ja, sie wollen mitunter sogar angelogen werden. Sie wollen hören, dass es leicht ist und dass es schnell geht und dass sie sich überhaupt nicht anstrengen müssen.

Die Erfahrenen haben schmerzlich gelernt, dass sie angelogen wurden. Sie fallen auf diese Lügen nicht mehr herein. Im Gegenteil: Sie sehnen sich nach der Wahrheit. Sie sehnen sich nach jemandem, der sagt, dass es nicht leicht ist, es nicht schnell geht und dass sie sich ordentlich anstrengen müssen.

Erfahrenen kann man keine Lügen mehr auftischen. Unerfahrenen jedoch ist es schwer, die Wahrheit zu verkaufen.

Härter werd’n

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Unlängst ist dieser 25 Jahre alte STS-Song zufällig auf meine Playlist gerutscht. Darin singt Günter Timischl:

Der Rock’n’Roll muass gschwaßt sein und da gibt’s nur ans: Härter werd’n!

Ich denke, was für den Rock’n’Roll gilt, gilt auch für die Selbständigkeit als Lifestyle Entrepreneur: Wenn du in die Arena steigst, wenn du das Spielfeld betrittst, wenn du dich darauf einlässt, dann musst du dich auch ganz darauf einlassen.

Mit Halbherzigkeit wirst du nichts erreichen. Und wenn du noch halbherzig unterwegs bist, dann gibt’s nur eins: Härter werd’n!

Das Angebot auch verkaufen

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Du hast ein Angebot auf deiner Website stehen. Endlich, denn du hast eh wochenlang daran herumgedoktert. Die Texte optimiert, passende Bilder gesucht und wieder ausgetauscht, dir tausend Gedanken gemacht über den richtigen Preis.

Und dann kommt er tatsächlich, der langersehnte Moment, wo ein potenzieller Kunde dir eine Nachricht schreibt und Interessen an einer Zusammenarbeit mit dir ausdrückt.

Und was tust du? Du verkaufst nicht dein Angebot auf der Website, sondern du bastelst an einer Sonderlösung. Weil dieser Kunde so ein spezieller Kunde ist. Weil du ihn mit dem Standard-Preis nicht verschrecken willst. Weil du ihm einen Rabatt geben willst, um den er gar nicht gefragt hat.

Was ist da los? Warum stehst du nicht zu seinem Angebot, in das so viele Gedanken und so viel Herzblut geflossen sind?

Was braucht es (noch), damit du dein Angebot auch “stehen” kannst?

Invisible Marketing

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Man lernt ja nicht aus. Unlängst habe ich ein Konzept kennengelernt, wo ich mir gedacht habe, gibt’s ja gar nicht: invisible marketing.

Bisher dachte ich, dass Marketing gerade das Gegenteil von invisible ist: Auf sich aufmerksam machen, interessierte Menschen zu seinen Angeboten führen und zeigen, was man drauf hat.

Die Idee von invisible marketing ist, kurz gesagt, dass man Marketing macht, ohne dass es der potenzielle Kunde merkt. Es ist eine subtile Form des Marketing, wo die Marketing- bzw. Werbe-Botschaften “versteckt” und dadurch vermeintlich sympathischer daher kommen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass invisible marketing als Konzept besonders für jene Menschen interessant ist, die sich mit der Vorstellung von Selbstvermarktung generell schwer tun oder überhaupt meinen, Marketing und Verkauf wären Teufelszeug.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob ein neuer Begriff uns Solopreneuren tatsächlich dabei hilft, die Herausforderung Marketing für uns zu lösen. Vor allem dann nicht, wenn Konzepte wie invisible marketing zu dem (falschen) Eindruck führen, dass wir auch ohne Marketing (also quasi “unsichtbar”) erfolgreich sein können.

Denn Marketing ist es, und Marketing bleibt es – egal, welches Modewort wir davor stellen.