Tag#BWL

Der Preis eines Teams

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Unternehmer:innen mit Mitarbeiter:innen sagen über eben diese Mitarbeiter:innen oft Sachen wie:

  • “Das müsste ihnen ja eigentlich klar sein!” oder
  • “Aber sie verstehen es einfach nicht!” oder
  • “Aber es ist ihnen wurscht!” oder
  • “Wenn’s ich nicht mache, dann macht es niemand.” oder
  • “Sie rufen mich an, weil sie dann wissen, dass es gemacht wird.”

Unternehmer:innen mit Mitarbeiter:innen haben in der Regel höhere Umsätze als Solopreneur:innen.

Aber sie zahlen auch ihren Preis dafür.

Attila Dogudan spricht

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Unlängst war ich bei der Hauptversammlung von Do&Co. Dort habe ich vom CEO, Attila Dogudan, folgendes gelernt:

  1. “Alles, was wir tun, ist das Skalieren eines Restaurants.” — Egal ob im Flugzeug oder im Fußballstadion: Wenn’s in einem Restaurant nicht funktioniert (= schmeckt), funktioniert’s auch nicht woanders.
  2. “Es geht immer um den Kunden. Es geht immer um ein innovatives Kundenerlebnis.” Der Mehrwert für den Kunden steht immer im Vordergrund.
  3. “Do&Co verkauft nicht einfach nur Essen. Wir verkaufen Erlebnisse.” Das nennt Attila Dogudan als Schlüssel für die hohe Kundenzufriedenheit.
  4. Der Aufsichtsrats-Chef sagt, dass im Vorstand der Einsatz “außerordentlich” ist — sowohl zeitlich als auch von der Passion her. Hier sind sehr leidenschaftliche, fleißige Leute am Werk. Man könnte, weniger fein, auch sagen: Es sind Spinner. Getriebene. Echte Unternehmer halt.
  5. Zeigen, wofür man steht — nicht nur, was man tut. Das ist für Do&Co noch eine Challenge, besonders gegenüber ihren jungen Mitarbeiter:innen.
  6. Das Problem mit der Gen Z durch die Brille von Attila Dogudan: Do&Co steht im globalen Wettbewerb, und da setzt sich durch, wer Qualität liefert. Und Qualität braucht braucht Mitarbeiter:innen, die diese Qualität auch leisten können. (Nicht gesagte Schlussfolgerung: Und wer nicht entspricht, dem muss man die Wadln vire richten — oder den Weisel geben.)
  7. Attila Dogudan meint, durch KI könnte in Zukunft der waste (= das Essen, das weggeschmissen wird) um 20 – 30 % reduziert werden. Das wäre ein Riesending — ökonomisch, aber auch für’s Klima.
  8. Es wird viel Wirbel um vegetarisch und vegan gemacht. Die Praxis zeigt aber: Wenn die Leute frei wählen können, dann werden nur 6 % vegetarische und 2 % vegane Speisen gewählt.
  9. Do&Co zieht sich lieber aus einem Geschäft zurück, als dass man Kompromisse machen muss bei der Qualität.
  10. Der Weg zu (noch) höheren Margen ist eine (noch) bessere Auslastung.
    • Vgl. Geoff Burch: “Of all the enterprises that come to me to say they have failed, the biggest cause is a lack of work.”

Zorres mit Meta

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Meta hat in letzter Zeit massenhaft Accounts gesperrt. Kommentarlos. Ohne nachvollziehbare Begründung. Und angeblich ist es alles andere als leicht, die Sperre wieder rückgängig machen zu lassen.

Viele Solopreneure haben von der Reichweite profitiert, die durch die Quasi-Monopolstellung von Facebook und Instagram entstanden ist.

Jetzt müssen sie mit der dunklen Seite des Monopols klarkommen.

Kinder machen Business

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Unlängst habe ich einen Vormittag lang in der dritten Volksschulklasse meines Sohnes unterrichtet. 17 Neunjährige, eine Lehrerin und ich haben ein Unternehmen gegründet: einen Apfelsaft-Stand.

Dieses Projekt war, wie man sich vorstellen kann, in mehrerlei Hinsicht spannend. Aber eine Erkenntnis hat sich mir besonders eingeprägt:

Die Probleme, die Neunjährige bei der Zusammenarbeit in mehreren Teams haben, sind haargenau dieselben wie bei den Erwachsenen.

Oder, anders formuliert: Erwachsene haben immer noch die gleichen Probleme wie Neunjährige, wenn sie in verschiedenen Abteilungen zusammenarbeiten sollen – und oft auch noch haargenau die gleichen Lösungsstrategien.

Me too

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Die Marktwirtschaft hat eine wunderbare Eigenschaft: Jeder darf mitspielen. Du musst niemanden um Erlaubnis fragen.

Du hast ein gutes neues Angebot? Dann biete es am Markt an! Zeig es her, stell es anderen Menschen vor – und der Markt wird dich belohnen, wenn deine Idee wirklich so gut war, wie du dachtest.

Aber auf das zwanzigste Me-Too-Produkt hat aber niemand gewartet. Mit 08/15 wird der Markt dich eiskalt abservieren.

Die Aufgabe des Unternehmers ist die Innovation, sagt Joseph Schumpeter. Das Bessere. Das Passendere. Das Zugänglichere.

“Me Too” fehlt die Innovationskraft, und deswegen wird “Me too” vom Markt bestraft.

“Me too” ist als Anspruch einfach viel zu wenig.

Das fragmentierte Business

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Das “fragmentierte Business” ist die vielleicht größte Herausforderung für Solopreneure überhaupt.

Wir entwickeln ein leiwandes neues Produkt, aber es hängt in der Luft, weil es keine Gesamtstrategie gibt, in die es sich einordnen könnte.

Oder vielleicht gibt es sogar sowas wie eine Produkt-Strategie, aber wir scheren uns gerade nicht drum, weil wir dieses neue Produkt für so genial und revolutionär halten, dass wir es einfach machen müssen.

Die besten Solo-Businesses sind “langweilig” in dem Sinn, dass alles seinen Platz hat. Es gibt keine Lücken, und es gibt keine Irrläufer. Eines folgt logisch auf das andere. Es gibt keine Ablenkungen – nicht für die Kund:innen und nicht für den Solopreneur.

Ein gutes Solo-Business wird regelmäßig “defragmentiert” – wie eine Festplatte. Ein gutes Solo-Business ist “sauber”. Diese Sauberkeit ist aber kein Zufall, sondern zeugt von der Meisterschaft eines Solopreneurs im Vermeinden der Fragmentierungsfalle.

[Danke Monika Birkner für dieses wichtige Konzept!]

Lehrbuch-BWL

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Die “reine Lehre” der BWL wäre in der Praxis gar nicht umsetzbar.

Es gibt in der Praxis keinen einzigen Betrieb, der sich nach einem BWL-Lehrbuch, also “lehrbuchmäßig” führen lassen würde.

Auch insofern stellt sich die Frage, warum die BWLer auf so einem hohen Ross sitzen?!

BWL: Teuer, aber nutzlos

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Wenn jemand 5 Jahre in der HAK war und danach BWL studiert hat (3 Jahre Bachelor, 2 Jahre Master), dann hat er/sie 10 Jahre BWL-Ausbildung intus.

10 Jahre!

Bei allem Respekt vor der BWL: Die Betriebswirtschaftslehre ist keine Raketenwissenschaft, die man 10 Jahre studieren müsste, um sie zu verstehen. Wirklich nicht.

So lange BWL-Ausbildungen verursachen hohe volkswirtschaftliche Kosten für stark abnehmende Grenzerträge. Soll heißen: Der Nutzen von BWL-Ausbildungen ist im ersten Jahr am höchsten und nimmt mit jedem weiteren Jahr deutlich ab. Ich gehe so weit zu behaupten: Der Grenznutzen wird in den letzten Ausbildungsjahren sogar negativ!

Mit anderen Worten: Die Inhalte, die man in den letzten Ausbildungsjahren lernt, schaden dem Verständnis für BWL sogar. Die Lehre muss ja mit den Jahren immer “theoretischer” werden (mit den wirklich relevanten praktischen Inhalte ist man ja in kürzester Zeit “durch”), und es ist daher kein Wunder, dass viele BWL-Student:innen sagen, dass sie im Studium kaum was gelernt haben, das sie später tatsächlich “brauchen”.

Ich behaupte: Durch eine so lange BWL-Ausbildung wird das Verständnis für die tatsächlich wichtigen BWL-Grundkonzepte nicht gefördert, sondern erschwert.

Das klingt paradox, aber ich bin mir sicher: Weniger wäre viel mehr im BWL-Studium.

Fachkräftemangel gelöst

F

Es klingt ja auf’s erste Hinhören sehr schlau: Wenn es zu wenige Köche gibt, dann muss man sie halt besser bezahlen! Dann wird es auch mehr Köche geben!

Ja, stimmt schon. Wenn man das Gehalt der Köche verdoppelt, dann hat man doppelt so viele Bewerber – aber nur mehr halb so viele Gäste. 

Weil die Gastronomiebetriebe diese höheren Personalkosten an ihre Gäste weitergeben müssen, aber die Gäste nicht bereit sind, mehr für’s Essen im Gasthaus zu bezahlen. Dass ein Rechtsanwalt teuer ist, okay – aber beim Schnitzel hört sich das Verständnis auf!

Aus dem Fachkräftemangel in der Gastronomie kommt man nicht so leicht raus, wie man auf den ersten Blick vielleicht glaubt.

Es sind nämlich nicht (immer) die gierigen Kapitalisten, die ihr Personal ausbeuten und höhere Löhne verhindern — sondern (oft) die gierigen Konsumenten.

Das Klimaticket wird teurer

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Eine Maßnahme im aktuellen Sparpaket der Bundesregierung, die mir besonders missfällt: Der Preis des bundesweiten KlimaTickets wird von derzeit 1.095 Euro im August auf 1.300 Euro erhöht – und im Jänner 2026 dann nochmal auf 1.400 Euro.

Man kann diese Entscheidung berechtigterweise klimapolitisch hinterfragen, aber ich möchte mir den betriebswirtschaftlichen Aspekt davon anschauen.

Die Überlegung hinter der Preiserhöhung lautet wahrscheinlich ungefähr so:

Es gibt in Österreich ca. 300.000 Nutzer:innen des bundesweiten KlimaTicket. Wenn der Preis um 200 Euro erhöht wird, dann bedeutet das Mehreinnahmen von 60 Mio. Euro.

Nur stimmt diese Rechnung halt nicht. Weil die Elastizität der Nachfrage nicht berücksichtigt wurde. Ich behaupte nämlich, es gibt gar nicht so wenige Menschen (wie mich), die das KlimaTicket aktuell gar nicht voll ausnutzen, aber dessen Convenience schätzen. Und diese Menschen sagen jetzt: So ein KlimaTicket ist zwar super, aber für mich als Gelegenheitsnutzer zahlt es sich jetzt einfach nicht mehr aus. Jetzt ist eine Schmerzgrenze überschritten, das ist mir zu teuer.

Wenn sich das 20 % der bisherigen KlimaTicket-Nutzer:innen denken und kein Klimaticket mehr kaufen, dann fehlen plötzlich 60.000 Kund:innen – und damit auch deren Umsatz. Und das wiederum würde bedeuten, dass 66 Mio. Euro weniger ins Budget fließen als vor der Preiserhöhung.

Also ein klassisches Verlustgeschäft.

Ich fürchte daher: Diese Maßnahme nicht nur schlecht für’s Klima, sondern bringt auch nichts für die Budgetsanierung.

Kurz: Eine ganz schlechte strategische Entscheidung.

Der vorsichtige Kaufmann

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Bei den österreichischen Bilanzierungsregeln gilt das “Prinzip des vorsichtigen Kaufmanns“.

Für mich ist es Ausdruck der österreichischen Seele, und gleichzeitig macht es etwas mit uns.

Wer Vorsicht zum unternehmerischen Prinzip erklärt, braucht sich nicht wundern, wenn wenig wirklich Innovatives herauskommt.

Das Wirtschaftlichkeitsprinzip

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Das Wirtschaftlichkeitsprinzip ist ein grundlegender Gedanke in der Betriebswirtschaftslehre: Mit möglichst wenig Geld oder Mühe möglichst viel erreichen.

So werden Unternehmen erfolgreich.

Nach diesem Prinzip funktioniert auch unser gesamtes Wirtschaftssystem, die Marktwirtschaft. Und auch die “Philosophie” dahinter, der Kapitalismus, folgt diesem Prinzip

Im falschen Kontext verwendet, richtet das Wirtschaftlichkeitsprinzip aber großen Schaden an – z.B. in Politik, Bildung oder Kunst. Man muss extrem aufpassen, wenn man versucht, einen Staat, eine Schule oder ein Theater wie einen “Betrieb” nach wirtschaftlichen Kriterien zu führen. Meistens hat das zahlreiche unerwünschte Nebeneffekte.

Aber das wertet das Wirtschaftlichkeitsprinzip im richtigen Kontext nicht ab. Und wir Solopreneure sind in der Verantwortung, uns damit auseinandersetzen.

Denn Hobbys unterliegen nicht dem Wirtschaftsprinzip – ein Business hingegen schon.

Viel zu viele

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Viel zu viele Solopreneur:innen führen ihr Business, ohne dass sie auch nur die grundlegendsten betriebswirtschaftlichen Kenntnisse haben.

Viel zu viele Solopreneur:innen führen ihr Business alleine aufgrund ihres Bauchgefühls, nicht abgesichert mit rationalen wirtschaftlichen Überlegungen.

Viel zu viele Solopreneur:innen führt dieser Umstand ins Verderben.

Ertragsmechanik

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Die Ertragsmechanik ist der Herzschlag deines Geschäftsmodells – der Rhythmus, der bestimmt, wann, wie viel und wodurch Geld in deine Kasse kommt. Es geht also um die Frage, wie du deinen Kund:innen den Wert, den du schaffst, in Rechnung stellst.

Die Ertragsmechanik ist entscheidend, weil sie bestimmt, ob dein Geschäftsmodell wirtschaftlich tragfähig ist.

Also: Ob du nur Applaus bekommst oder auch Gagen

Wachstum und Schrumpfung

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Gabriel Felbermayr sagt: Wachstum setzt Schrumpfung voraus. Damit ein Sektor wachsen kann (z.B. Rüstungsindustrie), muss ein anderer schrumpfen (z.B. Automobilindustrie) und dort Ressourcen (Mitarbeiter, Kapital etc.) freigeben.

Es ist ganz normal, dass Firmen pleite gehen. Daraus können neue bzw. andere Firmen wachsen.

Für den einzelnen Mitarbeiter, der jetzt ohne Job ist, mag das zwar tragisch sein, aber ohne, dass etwas Altes stirbt, kann nichts Neues entstehen.

In der Natur genauso wie im Business.

Nie ist Ruhe

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In unserem Wirtschaftssystem kann niemals Ruhe sein, weil der Kapitalismus so nicht funktioniert.

Kapitalismus bedeutet ständige Veränderung, lauter Vorläufigkeiten und immerwährende Instabilität. Was heute noch normal ist, wird morgen in Frage gestellt. Was sich heute keiner vorstellen kann, ist übermorgen nicht mehr wegzudenken. Kapitalismus, das ist auch die ständige Suche nach dem Neuen, nach dem Besseren.

Wer ein Unternehmen gründet, der baut ein Haus in einem Erdbebengebiet, wo jeden Tag die Wände wackeln.

Bereite dich besser darauf vor!

Die fabelhafte Welt der Marie

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Die Raiffeisenbank Mödling hat sich zum Weltfrauentag etwas Besonderes einfallen lassen:

Unter dem Titel “Die fabelhafte Welt der Marie” erwarten die Teilnehmerinnen (die Veranstaltung richtet sich exklusiv an Frauen) zwei “hochspannende” Vorträge: einer zum Thema “Life- und Moneyhacks”, und einer mit Skiweltmeisterin Lizz Görgl.

Dagegen ist an sich gar nichts zu sagen. Ich bin sicher, dass es eine leiwande Veranstaltung wird. Und jede Initiative, die dabei hilft, dass Frauen ihre Scheu vor allem verlieren, was mit Geld, Veranlagung, Finanzmanagement, Vorsorge etc. zu tun hat, ist grundsätzlich willkommen.

Aber: Beim Weltfrauentag geht es eigentlich um etwas ganz, ganz, ganz Anderes. Ich werde den Verdacht nicht los, dass hier (wieder mal) ein Unternehmen den Tag für Marketing nützen will.

Femvertising heißt das übrigens. (Mehr dazu)