Tag#Lehren&Lernen

Online-Pareto

O

Bei Online-Lehrveranstaltungen gilt ganz massiv das Pareto-Prinzip: 80 % der aktiven Beiträge kommen von 20 % der Teilnehmer:innen.

Das ist eh okay. Das ist eh immer so. Das hat viele unterschiedliche Gründe.

Aber wenn man das nicht weiß (oder darauf vergisst), dann könnte einen das schon frustrieren.

Lernen ist schwer!

L

Schau dir dieses Video an und überleg dir dabei: Was lernst du aus diesem Video über das Lehren, Lernen und Beraten?

Spoiler: Ein paar Dinge, die ich aus dieser Übung gelernt habe:

  • Als Lehrender brachst du die Einzelteile nicht unbedingt vorab sortieren. Du kannst auch einfach tun. Aber als Lernender hast du dann ganz schön viel Sortier-Arbeit.
  • Wenn eine wichtige Information fehlt, entsteht schon eine Fehlkonzeption.
  • Je größer und komplizierter das Gedanken-Gebäude ist, desto schwieriger wird das Mit-Bauen (= das Nachvollziehen).
  • Irgendwann wird es anstrengend – selbst beim reinen Zuschauen!
  • Du musst Pausen zum Reflektieren, zum Verarbeiten lassen. Gib den Lernenden “Zeit zum Atmen”.
  • Wenn man etwas nicht richtig einordnen kann, dann beschäftigt einen das ganz schön lang.
  • Obwohl du glaubst, du hast eh alles super erklärt, wird nicht alles richtig ankommen. Und die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass du nicht mal merkst, was alles falsch verstanden worden ist.

[Danke Alessandra Kenner für den leiwanden Methodik-Workshop!]

Lehren ist leben

L

Unlängst bin in einer späten Abendstunde drauf gekommen, warum mir das Lehren so taugt und warum mir das Lehren so viel Sinn schenkt:

Weil ich beim Lehren ganz im Hier und Jetzt bin. Weil ich es sein muss, um ein guter Lehrer zu sein.

Wenn ich lehre, dann bin ich präsent – und zwar voll und ganz. Und wenn ich präsent bin, dann bin ich mitten im Leben.

Wenn ich lehre, dann bin ich nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft. Wenn ich lehre, dann erschaffe ich den Moment.

Günter kocht (2)

G

Das Personal Project “Günter kocht” hat eine hidden agenda.

Ja, es geht natürlich darum, dass ich kochen lerne. Dass ich mir und meiner Familie ein gutes Essen kochen kann, ohne dass das zu einem Riesentamtam für mich wird.

Darüber hinaus geht es aber noch um zwei weitere wichtige Punkte:

  1. Ich will meine Inkompetenz normalisieren.
  2. Ich will üben, mutig zu sein, indem ich Dinge ausprobiere, die ich noch nie gemacht habe.

All das in der Sicherheit meiner eigenen Küche. Niemand schaut mir zu.

Und trotzdem bewegt sich was in mir… in die richtige Richtung.

Günter kocht (1)

G

Seit Jahresanfang habe ich ein neues Personal Project. Es heißt: Günter kocht. Jedes Monat probiere ich, ein Gericht zu kochen, nach Rezept.

Für viele ist das keine große Sache, für mich schon. Weil: Ich bin ein Anfänger in der Küche.

Und deshalb mache ich bei diesem Projekt auch ständig Anfängerfehler:

  • Ich lese mir das Rezept vor dem Kochen nicht vollständig durch.
  • Ich richte mir fast alle, aber eben nicht komplett alle Zutaten und Werkzeuge vorher her.
  • Ich unterschätze die Arbeitszeit, die ich für ein Gericht brauche.
  • Ich wähle viel zu schwierige Rezepte für mein Kompetenzlevel aus.
  • Ich ärgere mich, wenn etwas nicht nach Wunsch gelingt.

Es ist nicht angenehm, so inkompetent zu sein. Aber das muss ich aushalten (auch wenn mir das nicht leicht fällt). Denn so funktioniert Lernen: Du bist ein Anfänger und machst Anfängerfehler, bis du es nicht mehr bist und die Fehler von Fortgeschrittenen machst.

Vorausgesetzt, du bleibst dran. Und Dranbleiben ist exakt das, was ich vorhabe.

Ich werde meine Anfängerfehler einfach aussitzen.

Aufprall in Sicht

A

Es ist eines der bittersten Erlebnisse als Berater (und als Vater), wenn man mitbekommt, wie jemand mit vollem Karacho gegen die Wand unterwegs ist. Und wenn es in der aktuellen Situation nichts gibt, was diesen Aufprall verhindern könnte, weil Uneinsichtigkeit oder Unverständnis die Sicht vernebeln.

Es bleibt als Berater (und Vater) nur ein Mantra, das im besten Fall ein bisschen Trost spendet: Du wirst es noch lernen. Aber das ist heute nicht meine Aufgabe.

Besser informiert

B

Wer besser informiert ist, kann nicht nur besser mitreden.

Wer besser informiert ist, hat auch mehr Selbstsicherheit, Fragen (und Nachfragen) zu stellen.

Und: Wer besser informiert ist, traut sich auch eher, nach besseren Alternativen, Preisen und Konditionen zu fragen.

[Danke Bettina Fuhrmann für diesen Gedanken.]

Keine Fragen

K

Die Gründerin sagt: Ich habe keine Fragen.

Was sie wirklich meint: Ich habe keine Fragen an dich. Die Fragen, die ich derzeit beschäftigen, möchte ich mit dir nicht besprechen.

Sie sagt es nur nicht so, weil sie nett zu dir sein will.

Unterhalten vs. instruieren

U

Authentisch. Unperfekt. Mit Schmäh. Es könnte jederzeit was Überraschendes passieren. -> So funktionieren Videos, die unterhalten sollen.

Straight. Ein bisschen steril. Berechenbar. Ohne Ecken und Kanten. -> So funktionieren Videos, die instruieren sollen.

Ja, die wirklich tollen Lernvideos instruieren und unterhalten. Aber für den Anfang reicht es wahrscheinlich, zu entscheiden, was dir wichtiger ist und dich dann an die jeweiligen Spielregeln zu halten.

Erklärvideos

E

Unlängst habe ich ein Raster kennengelernt, anhand dessen man die Qualität von Erklärvideos bewerten kann.

Die Wissenschaftler dahinter haben sich sehr viel Arbeit gemacht und 20 verschiedene Qualitätskriterien identifiziert. Diese Kriterien haben sie in vier Bereiche gegliedert, und sie geben auch Hinweise, die man bei der Erstellung von Erklärvideos beachten kann. Sehr hilfreich, könnte man meinen.

Was bei mir als jemand, der ab und zu quick-and-dirty-Erklärvideos macht, aber tatsächlich angekommen ist: Wow! Zwanzig Sachen, die ich falsch machen kann.

Fall erledigt

F

Ich habe den Vortrag gehört. Ist der Fall damit erledigt?

Ich habe den Vortrag gehört und sogar Fotos gemacht und die Powerpoint abgespeichert. Ist jetzt der Fall erledigt?

Ich habe den Vortrag gehört und mir sogar Notizen gemacht und die Notizen in Notion abgespeichert. Ist der Fall jetzt endlich erledigt?

Keine Ahnung. Wann dein Lernen beginnt und wann es endet, entscheidest du.

Grundsätzlich: Als Zuhörer ist dein Part um nichts weniger aktiv als der des Vortragenden.

Und als Faustregel gilt: Je weniger du dich angestrengt hast, desto weniger wirst du wahrscheinlich gelernt haben.

Das Plateau lieben

D

Unlängst habe ich im Buch Stroh im Kopf? von Vera F. Birkenbihl gestöbert. Hier ein Gedanke daraus:

In jedem Lernprozess machen wir am Anfang große Fortschritte. Wir können uns erstaunlich viel in kurzer Zeit aneignen. Mit der richtigen Motivation schaffen wir in relativ kurzer Zeit eine ansehnliche Grundkompetenz in jedem Thema und bei jeder Fähigkeit.

Aber dann kommt unweigerlich ein Plateau. Wir üben und lernen zwar weiter, aber wir kommen scheinbar nicht von der Stelle. Die Zeit der schnellen Fortschritte ist vorbei, jetzt ist jeder kleine Kompetenzgewinn mühsam erkämpft.

Bis das Plateau wieder vorüber ist und wir zum nächsten Quantensprung in unserer Kompetenzentwicklung ansetzen.

Birkenbihls Idee ist deshalb, dass wir uns von diesen Lernplateaus nicht frustrieren lassen, sondern im Gegenteil, dass wir die Plateaus lieben lernen.

Denn dass ein Lernplateau auftritt, ist ein sicheres Zeichen, dass Lernen stattfindet. Und wenn wir es schaffen dranzubleiben, werden wir jedes Plateau irgendwann überwinden und zu neuen Höhenflügen ansetzen.

Was ein Seminar bringt

W

Unlängst habe ich im Buch Stroh im Kopf? von Vera F. Birkenbihl gestöbert. Hier ein Learning daraus:

Birkenbihl stellt sich darin (in einem Exkurs) die Frage, ob ein Seminar “etwas bringen” kann und kommt zu folgender Antwort:

Je höher der Punkt an Ihrer Lern-Kurve zum Seminar-Thema bereits ist, desto mehr werden Sie profitieren.

Vera F. Birkenbihl: Stroh im Kopf?, S. 79

Und es stimmt: In so vielen Formen der Lehre und Weiterbildung gilt das Matthäus-Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben. Wer schon was weiß, der wird mehr erfahren. Wer zu Beginn des Seminars mit leeren Händen da steht, wird auch am Ende nicht viel mehr haben.

Mit dem Einordnen warten

M

Konzepte und Modelle sind nützlich, keine Frage.

Aber wenn wir zu schnell sind beim “Einordnen” (vor allem bei Dingen, die wir noch gar nicht richtig verstanden haben), dann landen wir im falschen Ladl, und das Konzept erklärt in Wirklichkeit gar nichts. Und hilft auch niemandem weiter.

Ein bisschen länger neugierig sein, würde uns Michael Bungay Stanier raten.

KAWAs

K

Ich möchte an ein sehr nützliches Tool der unvergessenen Vera. F. Birkenbihl erinnern: KAWA = Kreative Assoziation, Wort-Analogie.

Man nimmt sich ein Wort (ein Konzept, eine Idee etc.) her, zerlegt es in seine einzelnen Buchstaben und notiert jeweils einen Gedanken zu jedem Buchstaben, der mit dem Wort zusammenhängt.

Für ich ist das eine strukturierte Form des Brainstormings, wo durch die Anzahl und Reihenfolge der Buchstaben eine Struktur und eine Grenze hineinkommen. Ich tue mir mit KAWAs sehr leicht, mein Unbewusstes anzuzapfen und zu schauen, was da in mir ans Tageslicht kommen will.

Zur Illustration hier ein KAWA, das ich unlängst zum Konzept “Song Of Safety” von Seth Godin erstellt habe:

Blockflöte

B

Letzte Weihnachten habe ich zum ersten Mal seit 35 Jahren wieder ein Weihnachtslied auf meiner Blockflöte aus der Schulzeit gespielt.

Es ist mir erstaunlich leicht gefallen. Ich hatte zwar jahrzehntelang nicht mehr gespielt, aber so kompliziert ist eine Blockflöte ja nicht, und die Erfahrung vieler Jahrzehnte Keyboard-Spielen hat mir geholfen.

Manchmal ist es gut, wenn wir als Erwachsene die Dinge wie Kinder angehen. Aber machmal ist es gut, wenn wir Dinge, die uns als Kinder schwer gefallen sind, wie Erwachsene angehen.

Manchmal macht sich Routine bezahlt.

Empathische Lehre

E

Unlängst habe ich eine Diskussion mitbekommen, in der ein Student einer Kollegin versucht hat, ein Buchhaltungsproblem zu erklären. Er war wirklich sehr bemüht, aber er konnte mit seiner Erklärung nicht zu ihr durchdringen.

Die Studentin hat die verfahrene Situation schließlich so zusammengefasst: “Ich verstehe dich, aber du verstehst mich nicht.”

Und damit hat sie auf den Punkt gebracht, was gute Lehre wirklich gut macht. Man darf nicht nur die richtige Lösung kennen, sondern muss auch wissen, wie man die richtige Lösung vermittelt. Oder, mit anderen Worten: Man muss zuerst verstehen, warum jemand Probleme mit dem Verstehen hat. Erst dann kann man an die Lösung des Verständnisproblems gehen.

Das Zauberwort ist Empathie. Und Empathie ist eine Kunst.

Learning by doing

L

Unlängst war ich beim Forum “Erfolgreiche Unternehmensgründung” der FH St. Pölten.

Darin präsentierten Startup-Gründer*innen nicht nur ihre Geschäftsidee, sondern auch, was sie auf ihrer unternehmerischen Reise bisher gelernt haben und welche Tipps sie Interessierten mitgeben wollen.

Am Ende der vielen Präsentationen und Podiums-Diskussionen bin in mich gegangen. Ich habe mich gefragt: So verschieden die ganzen Geschäftsideen sind, so verschieden die Gründer*innen selbst sind, so verschieden die Start-ups in ihrer Entwicklungsphase sind… Gibt es einen roten Faden? Gibt es etwas, das alle diese verschiedenen Geschichten gemeinsam haben?

Ich denke, ich habe ihn gefunden. Die Meta-Story aller Start-up-Gründer*innen lautet ungefähr so:

Als wir anfingen, hatten wir keine Ahnung, was wir da tun und worauf wir uns einlassen. Dann haben wir dazugelernt, Schritt für Schritt, learning by doing. Jetzt wissen wir ein bisschen mehr. Aber wie es weitergeht, wissen wir auch nicht. Und deswegen ist das einzige, was wir euch mitgeben können: Euch wird auch nichts anderes übrig bleiben, als euren eigenen Weg zu finden. Von uns könnt ihr nicht allzu viel lernen, weil unser Weg ist nicht euer Weg. Learning by doing ist eure beste Chance!