Tag#Lehren&Lernen

Fangfragen

F

Nicht jede Frage, die nicht eindeutig zu beantworten ist oder die das Potenzial hat, uns in die Irre zu führen, ist eine Fangfrage.

Im Gegenteil: Praktisch jede wichtige Frage, die uns das Leben stellt, ist uneindeutig und potenziell irreführend.

Auf dem Weg zu unserem persönlichen Lebensglück müssen wir gut darin werden, die vermeintlichen Fangfragen des Lebens mutig zu beantworten.

Wasser predigen, Wein trinken

W

Es ist eine Sache, Dinge gut erklären zu können. Gut lehren zu können.

Und es ist eine vollkommen andere Sache, diese Dinge auch wirklich selber immer konsequent anzuwenden.

Vergiss daher nie: Auch deine besten Lehrer sind nur Menschen – und damit genauso fehlbar wie du.

Nichts Neues gelernt

N

Es kann sein, dass du in dem Kurs heute gar nichts Neues lernst.

Sondern dass das, was du intuitiv eh schon weißt, in Worte gefasst wird.

Das macht den Kurs nicht weniger wertvoll.

Achtung: Verwechslungsgefahr!

A

Gründer*innen tun sich oft schwer damit, folgendes auseinanderzuhalten:

  1. Das objektive Risiko
  2. Die subjektive Angst

Das ist nämlich praktisch niemals das Gleiche. Und so fürchten sie sich vor Dingen, die objektiv ein ganz geringes Risiko haben, dass sie überhaupt jemals eintreten. Und sie ignorieren völlig die größten Risikofaktoren in ihrem Business, gegen die sie sofort etwas unternehmen könnten.

Es ist eigentlich verrückt. Aber wir können besser darin werden zu unterscheiden.

Wir können es lernen.

Eine gute Reflexion

E

Eine gute Reflexion hat drei Komponenten:

  1. Der Gegenstand, der reflektiert wird. Ein bestimmter Ausschnitt, ein bestimmtes Thema, ein bestimmter Aspekt, eine bestimmte Situation. Nicht zu viel auf einmal.
  2. Die Erfahrung bzw. das Erlebnis, das damit verbunden war. Wie habe ich mich in dieser Situation gefühlt? Was hat das bei mir ausgelöst? Wie war die Auswirkung?
  3. Das Learning. Was habe ich aus dieser Situation für mein zukünftiges Leben gelernt? Was habe ich über mich selbst gelernt? Wie kann ich das, was ich gelernt habe, in Zukunft produktiv nutzen?

Mit diesem einfachen Raster kann man das Maximum aus einer Reflexionsaufgabe herausholen.

Von anderen abschauen

V

Von Josh Kaufman kenne ich das Konzept The hidden benefit of competition.

Es geht dabei darum, dass man seine Mitbewerber am Markt als einzigartige Lernressource sehen soll. Wer sich seine Mitbewerber aufmerksam anschaut, kann sich von ihnen abschauen, was gut funktioniert und was nicht. Wer seine Mitbewerber genau beobachtet, kann feststellen, welche Fehler sie gemacht haben und kann es sich ersparen, diese Fehler ebenfalls zu machen.

Oder, wie unlängst in meinem Fall: Die Websites der Mitbewerber können eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration sein. Der Aufbau. Das Design. Die Inhalte. Die Calls to Action. Im Prinzip brauche ich für meine eigene Website nur ein “Best Of” der Websites erstellen, die mir selber auch gefallen.

Dabei geht es nicht darum, anderen die Ideen zu klauen. Es geht darum, sich von der guten Arbeit anderer inspirieren zu lassen und dann sein eigenes einzigartiges Ding daraus zu machen.

So, wie es alle Künstler seit jeher machen.

Noten sind absurd

N

Stell dir vor, es gäbe keine Schulnoten. Jedes Kind, jede*r Studierende würde ganz individuell beurteilt werden und dadurch ganz genau wissen, wo sie ihre Stärken und wo sie ihre Schwächen hätten – und warum.

Und dann käme eines Tages jemand daher und würde sagen: “Schaut mal, wir hören auf mit dem individuellen Beurteilen. Wir machen das viel einfacher. Wir nehmen einfach Zahlen her, sagen wir fünf, und pressen dann die vollkommen unterschiedlichen Leistungen und Voraussetzungen der Kinder in eine dieser fünf Kategorien. Wir sagen ihnen nicht, was sie besser machen könnten oder worin sie besonders gut sind, wir geben ihnen einfach die Zahl und sie müssen dann selber drauf kommen, was das für sie konkret bedeutet.”

Eigentlich eine völlig absurde Idee.

Wie konnte sie sich jemals durchsetzen?

Das Häupl-Pröll-Syndrom

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Es ist großartig, wenn sich jemand über Jahre oder Jahrzehnte mit einer Disziplin, mit einem Fachgebiet, mit einem Thema beschäftigt. Und durch diese intensive Auseinandersetzung zu Meisterschaft gelangt. Meisterschaft in dem Sinn, dass es bei diesem Menschen so aussieht, als wäre es ganz, ganz leicht. Fast spielerisch. Effortless.

Matthias Strolz verdanke ich den Hinweis, dass Meisterschaft aber auch „abreifen“ kann. Nämlich dann, wenn man so lange im “G’schäft” ist, dass die Meisterschaft in Zynismus abgleitet.

Er nennt das in Anlehnung an zwei langjährige österreichische Landespolitiker das „Häupl-Pröll-Syndrom“: Beide große Meister, aber beide haben nicht rechtzeitig erkannt, wann sie abtreten sollten.

Ganz neue Konzepte

G

Ganz neue Konzepte anzulegen im Gehirn ist anstrengend.

Dafür brauchen Lernende Zeit, Geduld und Unterstützung.

Das gilt für meine Studierenden, und das gilt für meine Gründer*innen. Und es gilt für mich selbst.

Hart arbeiten verlernen

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Viele Lifestyle Entrepreneure arbeiten sehr hart an ihrer Geschäftsidee. Sie sind tüchtig und tun und machen – und haben trotzdem keinen (finanziellen) Erfolg.

Manche von ihnen werden dadurch verbittert. Weil sie meinen, dass sie für ihre Anstrengung auch belohnt werden sollten. Sie sind ja so fleißig, warum bleibt der Erfolg aus? Das ist doch ungerecht!

In der Schule haben wir gelernt: Wenn wir uns nur genug anstrengen, bekommen wir gute Noten. In der Schullogik führt Anstrengung direkt zu Erfolg. Mehr Anstrengung = mehr Lob.

Nur stimmt diese Logik in der Selbständigkeit halt nicht mehr. Belohnt wird im Unternehmertum, wer für andere Menschen Probleme löst. Ob er sich dabei anstrengt oder das aus dem Ärmel schüttelt, ist vollkommen egal. Was zählt, ist einzig, wie groß das Problem ist und wie kompetent die Lösung.

Schade, dass wir das in der Schule nicht lernen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als die Erfolgsstrategien unserer Schuljahre wieder zu verlernen und gegen nützlichere Strategien auszutauschen.

[Daily-Blogging-Kollege Gabe The Bass Player hat unlängst einen ähnlichen Gedanken gebloggt.]

Was und wie

W

Das Problem bei vielem, was in der institutionellen Gründungsberatung (also in Gründungsberatung von großen staatlichen oder halbstaatlichen Organisationen, in Österreich z.B. WKO, AMS, Wirtschaftsagentur, RIZ Up etc.) vermittelt wird (in Kursen, Webinaren, Beratungen etc.):

Inhaltlich ist das schon okay. Es werden relevante Informationen weitergegeben, nützliche Tipps geteilt und auf Gefahren im Gründungsprozess hingewiesen.

Aber emotional passt es nicht. Das kommt alles sehr oberlehrerhaft daher. Da ist viel “Sie müssen…”, “Sie sollten schauen, dass…”, “Versuchen Sie stattdessen,…”, “Ich würde Ihnen nicht empfehlen,…”. Es wird mit jedem Satz klargemacht, wer der Experte ist und wer der Schüler.

Ich habe da einen anderen Zugang. Ich bin Anhänger der Sichtweise, dass ein Lernprozess (und Gründungsberatung ist ein Lernprozess) ein co-creation-Prozess ist und in einem solchen nicht immer eindeutig ist, wer der Lehrer und wer der Schüler ist. Beziehungsweise, dass alle Beteiligten zu verschiedenen Zeiten diese Rollen verschieden besetzen.

Wenn man Gründungsberatung aus diesem Blickwinkel sieht, dann kommt man zu einer demütigeren Haltung. Der Gründungsberater ist nicht mehr der allwissende Experte, und der Gründer ist nicht mehr der hilflose Schüler, der möglichst viele Inhalte, Tipps und Warnungen braucht.

Unter diesem Blickwinkel sind beide auf Augenhöhe. Sie sind nicht gleichartig, aber gleichwertig (würde Jesper Juul sagen). Ich als Berater bin im besten Fall ein kompetenter Diskussionspartner. Ich kann Hinweise geben, ich kann Erfahrungen teilen, aber ich bin nicht der allwissende Wunderwuzzi, der den richtigen Weg kennt, dem es zu folgen gilt.

Ich bin davon überzeugt, dass diese demütigere Haltung einen Riesenunterschied im Gründungsberatungsprozess macht: für die Atmosphäre, für den Lernerfolg und nicht zuletzt für die Gründung als Ergebnis.

Denn: Wie > Was. In jedem Lernprozess, und auch in der Gründungsberatung.

Teure Fehler

T

Es kommt öfter vor, dass wir eine Situation falsch einschätzen.

Eine Variante davon (und die ist gar nicht so selten): Wir überschätzen unsere Fähigkeiten. Wir glauben, dass wir kompetenter sind, als wir glauben. Wir glauben, dass das ja nicht so schwer sein kann und wir das sicher auch selbst hinbekommen. Wir glauben, dass wir den Experten nicht brauchen. Ist ja nur unnötig teuer.

Voll Energie stürzen wir uns dann ins Projekt. Und dann passiert es, dass wir irgendwann (eher spät, oft einen Tick zu spät) drauf kommen: Moment mal, so leicht ist das ja doch nicht. Das ist viel anstrengender, als es aussieht.

Und dann holen wir uns doch noch den Profi. Weil wir das Projekt in den Graben gefahren haben. Und der Profi hat jetzt mehr Arbeit mit unserer “Vorarbeit”, als wenn er es gleich selbst gemacht hätte. Und für uns wird die geplante Kostenersparnis zu einem teuren Fehler.

“Learnings sind super, aber die Kostenseite nervt”, meinte unlängst ein Kollege von mir dazu.

Eine super Zusammenfassung. Wenn wir halt auch wirklich was lernen würden aus unseren teuren Fehlern…

Reife

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Unlängst habe ich mit einer Gründerin über die Reife gesprochen, die man nach ein paar Jahren in der Selbständigkeit bekommt.

Es ist eine unternehmerische Reife, weil man lernt, wie man mit den Herausforderungen umgeht. Mit unterschiedlichen Auslastungsgraden. Mit unregelmäßigem Cash-Flow. Mit anstrengenden Kunden. Mit ersten Mitarbeiterinnen, die nicht das bringen, was man erhofft hatte.

Mit dieser unternehmerischen Reife geht im besten Fall auch eine persönliche emotionale Reifung einher.

Wer als Unternehmer*in wächst, wächst auch als Mensch.

In-game coaching

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Als BWL-Trainer bin ich öfters gefordert, während eines Workshops eine Entscheidung zu treffen über den weiteren Verlauf des Workshops. Soll ich einen Teil weglassen? Soll ich eine zusätzliche Übung dazu nehmen? Soll ich die Reihenfolge umdrehen? Oder soll ich beim vorgesehenen Programm bleiben, auch wenn es nicht 100% rund ist?

Im Fußball würde man das in-game coaching nennen. Ein Fußballtrainer muss, je nach Spielverlauf, Anpassungen an der Taktik vornehmen, wenn der Matchplan nicht wie vorgesehen aufgeht.

Wirklich gute Trainer, egal ob am Spielfeld oder im Seminarraum, beherrschen dieses in-game coaching.

Das Problem dabei ist allerdings, dass solche Entscheidungen, die “in der Hitze des Gefechts” getroffen werden, ein besonderes Risiko haben, falsch zu sein. Aber was wäre die Alternative? Unternimmst du nichts, wird es mit ziemlicher Sicherheit sowieso schief gehen.

Also bleibt nichts anders übrig, als nach bestem Wissen und Gewissen Entscheidungen zu treffen. Niemand kann sagen, was die richtige Wahl ist. Und im Nachhinein ist man immer gescheiter.

Also triff deine Entscheidungen for better or for worse. Aber triff sie aus den besten Absichten.

Trainer-Egos

T

Meine Hypothese:

Alle schlechten Trainer*innen haben ein Problem mit ihrem Ego.

Oder, anders formuliert: Alles, was eine*n Trainer*in schlecht und/oder unbeliebt macht, lässt sich mehr oder weniger direkt auf deren (gekränktes) Ego zurückführen.

Ego is the enemy – (auch) aller Trainer*innen.

Kontrast

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Durch ein Buch von Garrett Gunderson ist mir bewusst geworden, wie enorm wichtig der Kontrast in der Didaktik ist.

Manche Dinge kann man nur erkennen und begreifen, indem man erkennt und begreift, was das Gegenteil davon ist. Manche Dinge sieht man erst, wenn sie nicht mehr da sind. Manche Dinge hält man für vollkommen normal, bis sie es plötzlich nicht mehr sind.

Denk ans Autofahren: Wenn du auf 100 km/h beschleunigst, spürst du richtig die Geschwindigkeitszunahme. Aber wenn du ein paar Minuten mit 100 km/h gefahren bist, hast du das Gefühl, dass du förmlich dahinkriechst. Du hast das Gefühl für die Geschwindigkeit verloren – dis du die Geschwindigkeit wieder reduzierst und den Unterschied merkst.

Bis du einen Kontrast hergestellt hast.

Prüfungsvorbereitung

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Ich liebe es zu unterrichten. Und ich liebe es, mir zu überlegen, wie ich ein Thema am besten aufbereiten kann, damit es meine Lernenden am besten verstehen und sie am meisten aus meinem Unterricht mitnehmen können.

Seminare, wo es um eine reine Prüfungsvorbereitung geht, sind jedoch eine besondere Herausforderung für mich. Ich denke, da geht es mir wie vielen Lehrer*innen.

Einerseits sind solche Kurse super, weil das Ziel vollkommen klar ist: Möglichst viele sollen die Prüfung bestehen. Somit steht von vornherein fest, was nützlich ist und was unnötig. Die Prüfung schafft den Rahmen, der mehr oder weniger eng ist.

Innerhalb dieses Rahmens habe ich als Unterrichtender dann mehr oder weniger Freiheiten in der Unterrichtsgestaltung.

Und hier liegt der Kern der Herausforderung: Mir geht der Spaß immer dann verloren, je mehr meine Freiheit als Lehrer eingeschränkt ist. Damit meine ich die Entscheidung, was von den prüfungsrelevanten Inhalten genau wichtig ist und wie sehr. Das ist immer eine subjektive Wertung des Lehrenden, und da gehen die Wertungen der Prüfungsstelle mit meinen eigenen Wertvorstellungen schon mal auseinander.

Wie dem auch sei… Ich stelle mich dieser Herausforderung, ohne mich zu beschweren. Denn eines kann mir keiner nehmen: Den Spaß, wenn ich auf der „Bühne“ des Seminarraums stehe.

Mühle

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Beim Mühle-Spielen mit meinem Sohn habe ich unlängst zwei Dinge über’s Fehlermachen gelernt:

Du gewinnst, wenn du hoch konzentriert bist, deine Züge weise planst, den Überblick behältst und keine Fehler machst.

Du gewinnst auch, wenn du nicht voll bei der Sache bist, aber dein Gegner deine Fehler nicht bemerkt.

Geschafft!

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Für meine Lehrveranstaltungen an der Fachhochschule St. Pölten bekomme ich von meinen Studierenden immer sehr freundliche, mitunter begeisterte Evaluierungen. Das freut mich natürlich sehr. Ich lehre nicht, um Applaus dafür zu bekommen, aber er tut trotzdem gut.

Dieses Mal war jedoch ein Feedback dabei, das mich besonders emotional gepackt hat. Es hat nämlich in einem Satz zusammengefasst, worum es mir in meinem Leben geht und was ich an meinen besten Tagen sein und tun will.

Ein*e Studierende*r hat geschrieben:

Ein herzensguter Mensch, der mit Leib und Seele unterrichtet.

Wenn dieser Satz am Ende meines Lebens auf meinem Grabstein steht, dann habe ich es geschafft. Dann habe ich mein Leben gelebt. Dann habe ich keinen Tag meines Lebens zu bereuen.

Lefsetz lessons

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Bob Lefsetz hat unlängst einen interessanten Newsletter ausgesendet, in dem er seine lessons aus der letzten Zeit geteilt hat. Neben Tipps zum Autokauf (niemals ein italienisches, am besten Lexus!) gab es auch ein paar wirklich interessante, nämlich:

  1. Image is intrinsic, not external. No one cares about you. Stop spending money to keep up with the Joneses.
  2. When something is cheap, buy the best, it’s much more satisfying. You can buy packaged cookies, or you can buy gourmet cookies from a shop and be elated.
  3. Reading and writing are the building blocks of a great career. You must be like a shark, you must keep learning or you calcify and die.
  4. Just because you love it, that doesn’t mean you’ll make any money doing it.
  5. Making money is a skill. Learn it, or work for the man.