Eine Sammlung von Vorschlägen, “wie Sie als Unternehmer unberechenbare Zeiten erfolgreich meistern”. Einige wirklich gute Gedanken, wenngleich dem Buch für mein Empfinden ein bisschen der Rote Faden fehlt.
(mehr …)Schöne Worte
Oft tun wir Lifestyle Entrepreneure uns schwer, die richtigen Worte für unsere Angebote zu finden. Wie sollen wir am besten beschreiben, was wir zu bieten haben und womit wir helfen können?
Es gibt viele Wege, sich auszudrücken, aber eine Grundregel scheint mir immer zu gelten: Je ehrlicher du bist, desto schöner werden deine Worte sein.
[Danke Nick Offerman für diesen Gedanken.]
Business mit Kindern
Ich würde sagen: Nimm deine Kinder nicht als Ausrede, deinen Traum vom eigenen Business nicht zu realisieren.
Aber mach dein Business auch nicht für deine Kinder.
Gründerinnen müssen Haie sein
Meint die New Yorker Unternehmerin Sophia Sunwoo in brand eins.
Obwohl ich nachvollziehen kann, wo der Gedanke herkommt (zumal es Frauen in allen Bereichen schwerer haben als Männer, immer noch), fürchte ich, dass er in die Irre führt.
Man verändert ein Problem nicht dadurch, dass man mehr von dem macht, was das Problem eigentlich verursacht hat.
Traumerfüllung
Das ultimative Versprechen, mit dem man Gründer*innen ködern kann: “Mach dir keine Sorgen: Wir kümmern uns um deine Neukunden! Wir führen dich zum Schotter. Zahl uns einfach 3000 Euro im Monat, und die Sache ist geritzt!”
Die Sehnsucht, keine Akquise machen und nicht verkaufen zu müssen, ist so stark, dass man sogar das glaubt, was eigentlich zu gut ist um wahr zu sein.
Wenn der Wunsch der Vater des Gedanken ist, machen Menschen mitunter sehr dumme Sachen.
Irgendwas ist bei jedem
Glaub nicht, dass deine Gründung besonders herausfordernd ist. Bilde dir nicht ein, dass nur du Schwierigkeiten zu überwinden hast, die unüberwindbar erscheinen. Geh nicht davon aus, dass bei den anderen alles glatt läuft, nur bei dir nicht.
Lass dir von einem Gründungsberater sagen: Irgendwas ist bei jeder*m. Jede*r hat sein*ihr Kreuz zu tragen.
Glaub mir, du würdest mit niemandem tauschen wollen. Also schultere das Kreuz, das zu dir passt, und mach dich auf den Weg – so wie alle anderen auch.
Wozu das alles?
Von Simon Sinek stammt ja der Rat, immer mit dem Warum zu beginnen.
Die Frage nach dem Warum dürfen sich natürlich auch Gründer*innen stellen, wenn es darum geht, den Sinn bzw. den Purpose ihres Business herauszuarbeiten – sofern ihnen das überhaupt wichtig ist.
Die Frage nach dem Warum führt allerdings dazu, dass wir nach hehren Gründen für unser Tun suchen – und oftmals nicht wirklich fündig werden. Soooo großartig ist unser Business nun auch wieder nicht, und fundamental verbessern werden wir die Welt damit wahrscheinlich auch nicht.
Einfacher und nützlicher ist dagegen die Frage nach dem Wozu. Wozu möchtest du dein eigenes Business gründen bzw. betreiben? Was willst du damit erreichen? Wozu tust du dir das alles an?
Die Antworten darauf können vergleichsweise banal ausfallen: Weil ich genug Geld zum Leben verdienen will. Weil ich mir irgendwann einen Porsche kaufen will. Weil ich sonst keine Chance für mich am Arbeitsmarkt sehe. Weil ich nie mehr im Leben einen Chef haben will.
Diese Gründe sind vielleicht nicht gerade hochtrabend, aber sie haben einen unschlagbaren Vorteil: Sie sind ehrlich dir selbst gegenüber.
Ein guter Finanzplan
Von meinem UGP-Kollegen Christian Janisch habe ich eine simple, aber kraftvolle Einsicht:
Ein guter Finanzplan ist die logische Folge eines guten Businessplans.
Nicht wertvoll genug
Am interessantesten sind die Menschen, die sich dein Angebot ernsthaft angeschaut haben, die hin- und herüberlegt haben, die mit dir in Kontakt oder sogar in einem Erstgespräch waren – und am Ende doch nicht gekauft haben.
Sie müsstest du in aller Bescheidenheit fragen: Warum war ich nicht wertvoll genug für dich?
[Danke Uri Levine für diesen Gedanken.]
Die letzte Meile
Selbst, wenn man genau weiß, was man will, und selbst, wenn man schon 95% des Weges gegangen ist…
Selbst dann ist es noch keine g’mahte Wiesn. Die letzten Meter auf dem Weg können sich für Gründer*innen und Solopreneure besonders anstrengend anfühlen – gerade dann, wenn das Ziel schon in Sichtweite ist.
Networking, das funktioniert
Networking ist für viele Gründer*innen und Solopreneure ein schwieriges Thema. Man mag’s meist nicht nicht machen, weil sich die gängigen Networking-Formate sehr künstlich anfühlen und im Endeffekt Zeitverschwendung sind.
Eine Gründerin hat mir unlängst erzählt, dass Sie jedoch ihren eigenen Zugang zum Networking gefunden hat. Sie spielt begeistert Tennis, und sie hat sich jetzt für die Hobbyliga angemeldet. Damit wird ihr jede Woche ein*e neue*r Gegner*in zugeteilt, gegen den*die sie spielen darf. Natürlich lernt man sich dabei auch ein bisschen kennen, und hat neben der gemeinsamen Liebe zum Tennis vielleicht auch den einen oder anderen beruflichen Anknüpfungspunkt. Und wenn nicht, macht’s auch nichts, das Tennisspielen ist ja an und für sich schon wertvoll.
Ich denke, dass in dieser kleinen Geschichte das Geheimnis der erfolgreichen Netzwerker*innen auf den Punkt kommt: Sie haben ihren ganz persönlichen, ihren ganz eigenen Zugang zum Networking gefunden, der dafür sorgt, dass Networking für sie nicht eine unnatürliche Zeitverschwendung ist, sondern ihnen sogar Spaß macht.
Kollegen
Wir Solopreneure sind aus einem guten Grund keine Angestellten (mehr).
Wir lieben unsere Freiheit und unsere Unabhängigkeit. Wir lieben es, dass wir uns nach keinem Chef richten müssen. Und wir lieben es, nicht Montag bis Freitag zu fixen Zeiten arbeiten zu müssen.
Was uns aber manchmal doch fehlt, sind die Kolleginnen und Kollegen. Menschen, die an der gleichen Sache arbeiten und mit denen man sich fachlich austauschen kann. Menschen, die unter den gleichen Sachen leiden und mit denen man gemeinsam ein bisschen jammern kann. Menschen, die mal einen Schmäh reißen oder einen Kuchen zum Geburtstag mitbringen.
Es tut uns daher gut, wenn wir uns “Kolleg*innen” auch in der Selbständigkeit suchen. Denn den Austausch und die Begegnung von Mensch zu Mensch brauchen wir Solopreneure genauso sehr wie jeder andere Mensch auch.
Crowdfunding
Ich bin ja der Meinung, dass wir europäischen Selbständigen sehr vorsichtig sein müssen, wenn wir vermeintliche Erfolgsrezepte übernehmen, die aus den USA kommen.
Es ist ein eigenartiges Phänomen, dass die Lehrmeister*innen vieler europäischer Lifestyle Entrepreneure Amerikaner*innen sind. Eigenartig deswegen, weil dabei geflissentlich ignoriert wird, dass wir in Europa eine ganz andere Kultur haben als in Amerika. Was dort funktioniert, funktioniert bei uns noch lange nicht. Und umgekehrt: Was in Amerika nie gehen würde, funktioniert in Europa wunderbar.
Ein anschauliches Beispiel für diese Diskrepanz hat mir Monika Kovarova-Simecek erzählt: In den USA ist Crowdfunding eine gängige Art der Finanzierung für Projekte und Gründungen. Deswegen glauben auch wir Europäer*innen oft, dass Crowdfunding eine reale Möglichkeit ist, an Geld zu kommen. Tatsächlich spielt Crowdfunding bei der Finanzierung von Start-ups nur eine minimale Rolle. Es funktioniert einfach bei uns nicht so wie in den USA.
Warum? Weil Europa eine andere Kultur hat als Amerika. Das sollten wir Lifestyle Entrepreneure immer im Hinterkopf behalten, wenn wir mal wieder das neueste Erfolgsrezept aus den USA vorgesetzt bekommen.
Plankosten vs. Zielkosten
Es gibt zwei brauchbare Ansätze in der Kostenplanung für Gründer*innen:
- Plankostenrechnung: Ich schreibe mir auf, welche Kosten wahrscheinlich anfallen werden und berechne daraus, wie hoch der Umsatz sein muss, damit ich diese Kosten abdecken kann. Dieser Ansatz eignet sich recht gut, wenn ich ein einigermaßen stabiles und vorhersehbares Business habe.
- Zielkostenrechnung: Ich überlege mir zuerst, wie viel Umsatz überhaupt möglich ist, und schaue dann, wie viele Kosten sich dadurch “ausgehen”. Das heißt, ich passe meine Ausgaben flexibel an, je nachdem, ob ich gerade höhere oder niedrigere Umsätze mache. Dieser Ansatz ist besonders am Anfang eines Business hilfreich, wenn die Auftragslage nur schwer vorhersehbar ist.
Sales-Aufwand
Meine Erfahrung: Es ist in der Regel nicht einfacher, kleinere (= billigere) Produkte zu verkaufen als große (= teure).
Der Sales-Aufwand für ein 5.000-Euro-Produkt ist nicht fünfmal so hoch wie für ein 1.000-Euro-Produkt. Ich würde sogar sagen, der Aufwand ist annähernd gleich hoch.
Wenn du also denkst, es wäre eine gute Idee, “kleinere” Produkte in dein Portfolio aufzunehmen, weil sich die leichter verkaufen… wahrscheinlich nicht.
Lutz Langhoff: German Angst — Meine Pläne und die Panik der Verwandten 🎙
be on fire Podcast #17, 13. Jänner 2022
(mehr …)Lutz Langhoff: German Angst – ist Gründen russisches Roulette? 🎙
be on fire Podcast #16, 6. Jänner 2022
(mehr …)Lockerheit
Die wirklich Erfolgreichen ihrer Zunft können harte Arbeit und Zielstrebigkeit mit einer gewissen Leichtigkeit verbinden.
Der Ex-Schirennläufer Hans Knauss drückt das so aus:
Die letzten fünf Prozent, dass Leute Rennen gewinnen, ist eine Lockerheit. Aber des bringst ganz schwa her.
Hans Knauss in “Ö3 Frühstück bei mir”, 22. Jänner 2023
Auf Umwegen
Viele Lifestyle Entrepreneure wollen auf keine Fall salesy wirken. Ja nicht zu marktschreierisch. Ja nicht zu aufdringlich.
Deswegen halten sie sich oft vornehm zurück, wenn es darum geht, über sich zu sprechen. Oder, ganz konkret, auf der Website zu einem kostenlosen Erstgespräch aufzufordern.
Diese vornehme Zurückhaltung hat aber zur Folge, dass sie es ihren potenziellen Kund*innen unnötig schwer machen, sich von ihnen die Hilfe zu holen, die sie ja eigentlich suchen.
Statt den Menschen, die bei uns Hilfe suchen, klar zu sagen, was wir für sie tun und wie sie mit uns arbeiten können, schicken wir sie auf unnötige Umwege, damit wir nur ja nicht zu aufdringlich wirken.
Es ist paradox. Weil wir damit das Gegenteil dessen erreichen, was wir eigentlich wollen.
Verpasste Gewinnchancen
Es ist eine spannende Tatsache, dass Unternehmen bestimmte Gewinnchancen oft gar nicht erkennen.
- Ein Unternehmen kann “blind” sein z.B. für einen Bedarf in der Zielgruppe, die sie eigentlich servicieren will.
- Ein Unternehmen kann zu stur sein, um jene Veränderungen vorzunehmen, welche die Gewinnchancen erhöhen würden.
Mit einem Wort: Unternehmen können sich selbst im Weg stehen auf dem Weg zum Gewinn. Das gilt auch und besonders für Solopreneure.
Andererseits, was natürlich auch stimmt: Nicht jede Gewinnchance muss auch ergriffen werden.