Tag#LifestyleBusiness

31 Jahre gibt’s das schon

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Noch eine Beobachtung aus dem Urlaub:

Die Kinder lieben die Minidampfbahn im Waldviertel. Und jedes Mal, wenn wir dort sind, denke ich mir: Gewaltig, was hier praktisch im Nirgendwo dasteht. Respekt vor diesem Unternehmergeist!

Heuer ist mir durch einen Nebensatz des Betreibers bewusst geworden, dass es dieses Unternehmen bereits seit mehr als dreißig Jahren gibt. Was hier zu sehen ist, ist nicht von heute auf morgen entstanden, sondern hat sich Stück für Stück über drei Jahrzehnte aufgebaut. 

Wir sehen meist nur das Ergebnis und vergessen darüber, wie jedes noch so große Unternehmen entsteht: drip by drip, wie Seth Godin sagt. 

Am Anfang haben sie sich noch bemüht

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Wir haben Urlaub gemacht bei einem Bio-Bauernhof im Waldviertel. Freundliche Leute, saubere Zimmer, tadelloses Frühstück.

Und dennoch fällt mit freiem Auge auf, dass mit den Jahren ist ein bisschen der Schlendrian eingerissen sein dürfte. Nichts Schlimmes, aber dort und da ist zu sehen, dass den Gastgebern der Anfangselan ausgegangen ist und auf Kleinigkeiten nicht mehr so viel Wert gelegt wird. Es wird getan, was zu tun ist, aber auch nicht viel mehr. 

Wie gesagt: Es gibt nicht wirklich was zu beanstanden, der Betrieb klappt reibungslos. 

Und trotzdem: Mit der Alltagsroutine ist der Zauber verloren gegangen, der aus einem Urlaubsort etwas Besonderes macht. 

Hinauf, hinunter

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Mein Onkel Florian hat eine interessante Beobachtung gemacht:

Durch das E-Bike fällt es auch ungeübten Radfahrern recht leicht, selbst sehr hohe Berge zu erklimmen. Das Problem ist aber, dass sie sich dafür beim Runterfahren komplett verausgaben – weil auch das Runterfahren sehr anstrengend ist und ihnen das E-Bike dabei nicht mehr hilft. 

So geht es mitunter auch uns Lifestyle Entrepreneuren: Wir wünschen uns, dass wir eine Abkürzung zum Erfolg hätten. Aber wenn wir den Erfolg dann haben, ist längst nicht gesagt, dass wir ihn auch derschnaufen. 

Angstsparen

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Es gibt sicher viele gute Gründe, sein Geld zu sparen. Weil man eine größere Investition vor hat, oder weil man das Glück hat, weniger Geld zu brauchen, als man zur Verfügung hat.

Aber Sparen aus der Angst heraus, dass gerade schlechte Zeiten anbrechen und einem sonst über kurz oder lang das Geld ausgehen wird, ist eine fragwürdige Motivation.

Und wird auch nur zweifelhafte Erfolge bringen, denn: Wer aus Angst beginnt zu sparen, beginnt auch damit aufzuhören zu leben.

Schätze heben

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Chancen und Belohnungen winken nur denjenigen, die in Zeiten von Unklarheit und Unsicherheit aktiv werden, Verantwortung übernehmen und Neues ausprobieren.

Den Passiven, den Faulen bleibt womöglich nur die neidvolle Nachsicht. 

Privatärzte

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Privatärzte sind nicht deswegen besser als Kassenärzte, weil sie die besseren Ärzte wären.

Die Inszenierung des Privatarztes macht den Unterschied.

Die Adresse in der Innenstadt, das goldene Türschild am Eingang, das schwere Ledersofa im Wartezimmer, die klassische Musik im Hintergrund, die Krawatte des Arztes und nicht zuletzt die teure Honorarnote – all das trägt zum Behandlungserfolg bei. Weil sie Kompetenz erwecken und das Vertrauen signalisieren: Hier bin ich in guten Händen.

Diese “Nebensächlichkeiten” sind das, was Seth Godin Placebos nennt.

Placebos wirken. Und wie!

Gründen wie Tarzan

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Das funktioniert so:

Du schwingst dich von Liane zu Liane. Mit der Liane, die dir am nächsten ist, startest du los.

Und dann schwingst du dich Liane um Liane weiter. Immer in dem Vertrauen, dass die nächste Liane rechtzeitig auftauchen wird.

Natürlich hast du keine Ahnung, wo du fünf Lianen später landen wirst.

Aber irgendwo musst du mal anfangen.

[Danke Anne Scoular für diesen Gedanken.]

Thinking Technology

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Ein neues Konzept, das dir hilft, die Welt ein bisschen besser zu verstehen.

Ein neues Tool, das dir hilft, deine Arbeit ein bisschen besser zu erledigen.

Ein gutes Gespräch, das dir hilft, deine Gedanken ein bisschen besser zu ordnen.

All das ist Thinking Technology.

[Danke Shannon Waller für diesen Gedanken.]

Latenz

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Veränderungen haben immer eine gewisse Latenz-Zeit. Soll heißen: Es dauert eine gewisse Zeit, bis die Auswirkungen einer Veränderung sichtbar und spürbar werden.

Das müssen wir immer im Kopf behalten, wenn wir uns denken: “Was soll’s, hat mal wieder nicht funktioniert. Lass ich wieder bleiben.”

Krise als Geschäftsidee

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Die allermeisten Menschen haben Angst vor jeder Veränderung. Und erst recht vor Krisen.

Es ist daher schon eine bemerkenswerte Leistung, in einer Krise die positiven Aspekte zu sehen (nach dem Motto: Was wird dadurch möglich?). Viele Menschen fordert diese Veränderung im Mindset schon sehr heraus.

Aber ich glaube, es ist nochmal eine ganz andere Hausnummer zu sagen: Welche Geschäftsidee, welches Business wird hier, in dieser Krise, gerade möglich?

Und sich dann mit vollem Einsatz über Jahre in diese wahrgenommene (aber natürlich höchst unsichere) Geschäfts-Chance reinzuwerfen.

5000 Folder

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Unlängst hat mir eine Gründerin folgende Geschichte erzählt:

Ein Kollege hat ihr dringend geraten, nicht zu billig zu starten und von Anfang an einen angemessenen Preis für ihre Leistung zu verlangen.

Er selbst sei nämlich viel zu billig. Seinen Preis könne er aber leider nicht erhöhen, weil er vor Jahren 5000 Folder hat drucken lassen und in denen sein billiger Preis steht. Die muss er erst verbrauchen, bevor er einen neuen Folder mit neuen Preisen drucken lassen kann.

Ein besseres Beispiel für den Sunk-Cost-Effekt wird man kaum finden.

Zuschauer mit Popcorn

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Die Zuschauer deines Lebens sitzen da oben auf der Tribüne, mit ihrem Popcorn, und schauen dir zu, wie du in der Arena stehst, kämpfst und dabei Fehler machst.

Und natürlich machst du mehr Fehler als die Zuschauer da oben. Sie haben ordentlich was zu lachen.

Deshalb brauchst du viel Mitgefühl mit dir selbst.

[Danke Veit Lindau für diesen Gedanken.]

Unerwartet

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Es kann immer was dazwischen kommen.

Es ist wahrscheinlich gar keine schlechte Heuristik, davon auszugehen, dass etwas dazwischen kommen wird

In der Schnellbahn sitzen bleiben

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Ein Gedanke, den mein Freund Martin bei Oliver Burkeman aufgeschnappt hat:

Wenn du wirklich herausragenden Erfolg haben willst, musst du “im Bus sitzen bleiben”. Oder, auf das Wiener Schnellbahnnetz übertragen:

Die meisten Menschen sind auf der “Stammstrecke” zwischen Meidling und Floridsdorf unterwegs. Wenn die Schnellbahn in Floridsdorf abfährt, sind die meisten Menschen bereits ausgestiegen.

Die wirklichen Durchbrüche entstehen aber, bildlich gesprochen, nicht zwischen Meidling und Floridsdorf, sondern zwischen, sagen wir, Niederkreuzstetten und Mistelbach – nämlich dort, wo fast niemand mehr in der Schnellbahn sitzt, weil es zu weit, zu langweilig oder zu mühsam wäre, bis dahin durchzuhalten.

Daher: Leg dich fest, wohin dich die Reise führen soll. Und dann bleib gefälligst sitzen, bis du dort bist.

Selbstverständlichkeiten

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Wenn man Gründer*innen fragt, was sie denn besonders macht (Stichwort: USP), dann antworten sie häufig mit Selbstverständlichkeiten.

“Ich bin kundenorientiert”, “Ich bin verlässlich und reagiere prompt” oder “Ich biete einen super Service” ist im 21. Jahrhundert nichts Besonderes. Damit lassen sich Kund*innen nicht mehr beeindrucken. Das Service-Level ist in vielen Bereichen so hoch geworden, dass man damit nicht punkten kann, sondern im Gegenteil verliert, wenn man dieses Level nicht halten kann.

Dabei ist es schon eine wirklich gute Leistung, konstant und verlässlich diese Selbstverständlichkeiten zu erfüllen. Das ist wahrlich keine Kleinigkeit.

Und wer es dann noch schafft, mit einzelnen gezielten (!) Akzenten noch zusätzlich einen Wow-Effekt zu erzeugen, der ist der Kaiser.

Unsere erste Aufgabe

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Unsere erste und wichtigste Aufgabe als Unternehmer*innen ist es, uns um unsere Kund*innen zu kümmern.

Hinzuhören, was sich unsere Kund*innen wünschen. Und natürlich dafür zu sorgen, dass wir immer wieder neue Kund*innen gewinnen. Und das nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern mithilfe eines systematischen, durchdachten und für unser Unternehmen passenden Prozesses.

Bei vielen Solopreneuren gerät diese Aufgabe jedoch unter die Räder. Solange sie mit Aufträgen ausgelastet sind, sehen sie nicht die Notwendigkeit, sich regelmäßig (sprich: täglich!) um Kundengewinnung zu kümmern. Doch dann, wenn die Aufträge nachlassen und sie plötzlich nichts zu tun haben, sollen plötzlich “aus dem Stand” neue Kund*innen daher kommen.

So funktioniert das natürlich nicht. Kundengewinnung ist eine regelmäßige strategische Aufgabe. Das Akquise-Werkl nur dann anzuwerfen, wenn die Kund*innen fehlen, ist nicht nur unglaublich anstrengend, sondern funktioniert auch nur mittelmäßig.

Es wäre viel besser, jeden Tag eine halbe Stunde dem Marketing, der Werbung und anderen Aufgaben der Kundengewinnung zu widmen. Jeden Tag eine halbe Stunde macht 2,5 Stunden in der Woche und 10 Stunden im Monat. Nicht die Welt, aber auch nicht nichts. Und wahrscheinlich 10 Stunden mehr als die meisten Solopreneure dafür investieren.

Und wenn wir schon dabei sind: Diese halbe Stunde am Tag findet natürlich nicht am Ende eines langen kräftezehrenden Arbeitstages statt. Nein, diese halbe Stunde ist die erste (weil wichtigste) Aufgabe des Tages. Deshalb wird sie auch gleich am Morgen erledigt, wenn das Energielevel bei 100 % liegt.

Unsere Kund*innen stehen an erster Stelle – und zwar nicht nur die bestehenden, sondern auch die zukünftigen.

Übervorsichtig

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Ein Kollege berichtete unlängst von einer seiner Kundinnen, einer eher nervösen Person. “Sie möchte alles richtig machen – und genau deswegen macht sie alles falsch.”

Das ist das Paradox und das Schicksal der Übervorsichtigen auf den Punkt gebracht.

In echt

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Als ich ein Kind war und wenn nicht wusste, ob etwas ernst gemeint ist oder nicht, habe ich gefragt: „In echt?“

Dabei ist es heute noch schwieriger als damals, das Ehrliche, Echte von der Täuschung zu unterscheiden. 

Deshalb sollten wir uns als Unternehmer bemühen, alles, was wir tun, „in echt“ zu tun: Echte Produkte, die unseren Kunden wirklich helfen. Eine echte Sprache, die erklärt und nicht vernebelt. Echte Beziehungen auf Augenhöhe und mit Respekt. 

In so einer Welt möchte ich leben. In echt.