Tag#BWL

Wem “gehört” ein Solo-Business?

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Auf den ersten Blick ist das eine absurde Frage.

Aber gehört ein Solo-Busienss wirklich nur dem Solopreneur?

Oder gehört es nicht auch (zumindest teilweise) der Gesellschaft, die in den Solopreneur mit Steuergeldern investiert hat? Was ist jeder Solopreneur der Gesellschaft “schuldig” für die Ausbildung, Förderungen, öffentlichen Servicestellen, Infrastruktur etc.? Hat er damit nicht auch gegenüber der Gesellschaft die Verantwortung, mit seinem Business etwas Positives zum großen Ganzen beizutragen?

Oder wird diese “Schuld” eh dadurch getilgt, dass er (nicht wenig) Steuern und Sozialversicherung zahlt?

Gelungener Unterricht

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Ich finde, Wirtschafts- und Finanzbildung an Schulen ist ein wichtiges Thema, und ich habe auch schon ein paar Mal darüber gebloggt (z.B. hier und hier).

In einem Podcast hat Bettina Fuhrmann, Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien, drei Kriterien genannt, die aus ihrer Sicht guten Wirtschaftsunterricht ausmachen:

  1. Ausreichend Unterrichtszeit
  2. Kompetente Lehrende
  3. Gute Unterrichtsmaterialien

Das ist einleuchtend, und jedes dieser Kriterien ist gut und wichtig.

Aber ich frage mich: Was ist mit den Schüler*innen?

Sind motivierte und interessierte Schüler*innen nicht genauso wichtig für gelungenen Unterricht – zumal Lehren und Lernen zwei Seiten der gleichen Medaille und ein Prozess der Ko-Kreation sind?

Oder brauchen wir die Schüler*innen nicht weiter berücksichtigen, weil wir in Schulen davon ausgehen können, dass sie “eh da” sind und ihnen ohnehin nichts anderes übrig bleibt, als das hinzunehmen, was sie von ihren Lehrer*innen vorgesetzt bekommen?

Minderung

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Solange die Zeichen auf Wachstum stehen, dreht sich im Wirtschaftsleben alles um Expansion und Skalierung.

Wenn sich im Wirtschaftssystem die Zeichen jedoch auf Minderung (“Nullwachstum”) drehen, dann ändern sich auf die unternehmerischen Aufgaben.

In Zeiten der Minderung ist es besonders wichtig, in die Substanz des Unternehmens zu investieren. Also: In die Beziehungen zu den Kund*innen, besonders zu den Stammkund*innen.

Oder in die Frage: Wie schaffe ich es, so einen exzellenten Job zu machen, dass ich für meine Schlüsselpartner unverzichtbar bleibe oder werde?

[Danke Philipp Maderthaner für diese Gedanken.]

Bankrott gehen

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Unlängst bei einem BWL-Seminar gehört:

Es ist besser, Bankrott zu gehen und zu wissen, warum,
als Gewinn zu machen und nicht zu wissen, warum.

Seither überlege ich, ob das stimmt.

Hängt wohl davon ab, was man unter “besser” versteht.

Die Umwandlung von öffentlichen Gütern zu privaten Gütern

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Öffentliche Güter sind in der Volkswirtschaftslehre Güter, bei denen man niemanden vom Konsum ausschließen kann und die von vielen Menschen gleichzeitig genützt werden können. Bespiele für öffentliche Güter sind Luft, eine schöne Landschaft oder Frieden.

Mit öffentlichen Gütern lässt sich allerdings kein Umsatz machen. Deshalb bieten sie private Unternehmen nicht an. Es entsteht kein Markt, und der Staat muss eingreifen.

Geld lässt sich mit öffentlichen Güntern nur verdienen, wenn sie in private Güter umgewandelt werden. Soll heißen: Wenn man Wege findet, Menschen vom Konsum eines Gutes auszuschließen, wenn sie nicht dafür bezahlen.

Das passiert sehr häufig in der Medienlandschaft. Güter, die eigentlich öffentlich sind oder sein könnten, werden in private Güter umgewandelt. Und wir merken es nicht einmal.

BWL und VWL

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Volkswirte denken anders als Betriebswirte.

Deswegen tut es mir als Betriebswirten immer wieder gut, mich auf die Sichtweisen und die Logiken der Volkswirte einzulassen und die Welt ab und zu mal auch aus ihrer Brille zu sehen.

Die schlausten Unternehmer*innen sind schließlich jene, die sich ein Gesamtbild machen können, das sich aus einigen Teilen BWL, einigen Teilen VWL und einer guten Portion eigener Erfahrung und Intuition zusammensetzt.

Das Gesetz der Straße

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Wenn man auf der Straße Musik macht, gilt ein ganz einfaches Gesetz:

Der Hut lügt nicht.

[Danke Joey Kelly für diesen Gedanken.]

Was BWL braucht

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Betriebswirtschafts-Lehre braucht nicht nur Fachexpertise, sondern auch ein volles Herz. ♥️

Solve et coagula

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Das ist ein Konzept aus der Spagyrik: Zuerst werden die Einzelteile aus der Pflanze herausgelöst (in 3 Schritten), und dann werden die reinen Einzelteile wieder zusammengemischt. So wieder zusammengesetzt, entsteht etwas, das viel potenter ist als das originale Gemisch.

So ähnlich ist es bei mir auch: Ich seziere zuerst die BWL, löse die einzelnen Konzepte heraus, bilde sie in möglichst reiner Form ab – damit ich sie gut verstehe und auseinander halten kann.

Und dann setze ich sie für meine Schüler*innen in neuer Form zusammen, um eine neue, viel potentere Wirksamkeit zu erreichen.

Die Kennzahl

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Wenn du gezwungen wärst, dich auf eine einzige betriebswirtschaftliche Kennzahl zu beschränken, um den wirtschaftlichen Erfolg in deinem Business zu messen, dann wäre es diese:

Dein Kontostand.

Lange Nacht der Museen

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Was ich heute von der Langen Nacht der Museen über BWL-Unterricht gelernt habe:

Das Erfolgsrezept der Langen Nacht der Museen ist, dass sie nachts stattfindet. Es muss nachts sein, denn: Durch die Nacht wird der Museumsbesuch zu etwas Eigenen. Er erinnert dadurch möglichst wenig an einen “normalen” Besuch im Museum.

Das ist wichtig, weil ein Museumsbesuch wird meistens als „anstrengend“ empfunden. Weil man sich auseinandersetzen muss, weil man überlegen und lesen und wahrnehmen muss.

In der Nacht jedoch gelten andere Regeln. Die strengen Regeln des Museums sind aufgehoben, und im Museum geht es ein bisschen anders, ein bisschen lockerer zu. Das Museum ist anders, obwohl die Ausstellungsstücke immer noch die gleichen sind.

Für den BWL-Unterricht könnte das bedeuten: Je weniger mein BWL-Unterricht an den BWL-Unterricht in der Schule erinnert, desto besser.

[Danke Annette Meier für den Gedanken.]

Milchpreis

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Das Phänomen, dass kleine Unternehmen oft kaum Ahnung vom Markt haben, auf dem sie agieren, ist ziemlich weit verbreitet.

Die Bio-Milchbäuerin, bei der wir geurlaubt haben, hatte keine Ahnung, was der Liter Bio-Milch im Supermarkt kostet.

Kunst und BWL

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Kunst und BWL haben viel gemeinsam.

Beide wirken elitär und unzugänglich.

Beide sind erklärungsbedürftig.

Beide müssen demokratisiert werden.

Wenn wir über Wirtschaftspädagogik sprechen, sprechen wir in gewissem Sinne von Kunstvermittlung.

[Danke Klaus Albrecht Schröder für diese Gedanken.]

5000 Folder

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Unlängst hat mir eine Gründerin folgende Geschichte erzählt:

Ein Kollege hat ihr dringend geraten, nicht zu billig zu starten und von Anfang an einen angemessenen Preis für ihre Leistung zu verlangen.

Er selbst sei nämlich viel zu billig. Seinen Preis könne er aber leider nicht erhöhen, weil er vor Jahren 5000 Folder hat drucken lassen und in denen sein billiger Preis steht. Die muss er erst verbrauchen, bevor er einen neuen Folder mit neuen Preisen drucken lassen kann.

Ein besseres Beispiel für den Sunk-Cost-Effekt wird man kaum finden.

Nicht wahnsinnig viel gelernt

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Der Unternehmer, Investor und Business Angel Hansi Hausmann (weltberühmt in Österreich) sagt über sein BWL-Studium:

„Der Titel war irgendwie wichtig, weißt eh, wennst aus Österreich kommst ist es halt wichtig, dass du das Wirtschaftsstudium gemacht hast. Ich persönlich habe nicht das Gefühl, dass ich dort so wahnsinnig viel gelernt habe. Ich habe einfach im ersten halben, dreiviertel Jahr [nach dem Studium im Job] sicher mehr gelernt als in den paar Jahren auf der Wirtschaftsuni – nämlich on the go, im Markt draußen, bei den Kunden. Man lernt vielleicht, ein bisschen diszipliniert zu lernen und zu denken im Studium. Da ist es relativ egal, was man studiert. […] Aber ein Studium insgesamt zu machen ist wahrscheinlich nicht schlecht. Ob der Inhalt jetzt so wahnsinnig wichtig war für das, was ich später gemacht habe… Da würde ich sagen, wahrscheinlich eher gar nicht. Das hätte ich alles so auch gelernt.

Hansi Hansmann in “Frühstück bei mir”, 26. Juni 2022

BWL studiert und nichts Nützliches gelernt. Beileibe kein Einzelfall, und doch bleibt die Frage:

Wie kann das sein?

Online Coaching

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Im Online-Coaching-Markt treiben sich viele Scharlatane herum – weltweit, und auch in Österreich.

Das Problem haben nicht nur die armen Menschen, die von diesen Coaches mit unhaltbaren Versprechen angelockt und anschließend abgezockt werden.

Das Problem hat der ganze Markt. Denn diese Scharlatane hinterlassen nur enttäuschte Kund*innen und verbrannte Erde. Sie ruinieren eine ganze Branche.

Und darunter leiden die vielen ehrlichen Coaches da draußen, die tatsächlich nur das Beste für ihre Kund*innen im Sinn hätten.

Profit vs. Purpose

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Im 20. Jahrhundert war das Ziel der Unternehmen, Profit zu machen.

Im 21. Jahrhundert muss das Ziel jedes Unternehmens sein, einen Purpose zu haben.

Im 20. Jahrhundert entstanden Unternehmen mit Profit, aber ohne Purpose.

Im 21. Jahrhundert entstehen Unternehmen mit Purpose, aber ohne Profit.

Profit und Purpose müssen einander aber nicht ausschließen. Im Gegenteil: Die wirklich erfolgreichen Unternehmen des 21. Jahrhunderts werden Purpose und Profit haben.

Finanzielle Ziele

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Viele Selbständige haben keine finanziellen Ziele für ihr Business.

Eine Erklärung dafür: Finanzielle Ziele würden für viele Selbständige demotivierend wirken, weil sie Angst davor haben, diese Ziele nicht zu erreichen. 

Niedrige Erwartungen oder überhaupt keine finanziellen Ziele zu haben nimmt den Druck raus und schützt vor Versagen.

Sonst müssten sie sich am Ende noch genauer mit ihrem Geschäftsmodell, dem Markt oder ihrer Strategie beschäftigen.

Dann doch lieber den Kopf in den Sand stecken.

Uneindeutigkeiten

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Für mich als Lehrenden ist eine der größten Herausforderungen, meinen Studierenden zu vermitteln, dass es auf viele Fragen und Herausforderungen in der BWL keine eindeutigen Antworten gibt.

Natürlich wäre es für sie (und auch für mich) einfacher, wenn ich sagen könnte: “Seht her: Wenn ihr in diese Situation kommt, dann macht Folgendes. Damit werdet ihr immer richtig liegen, und dann wird alles gut.”

Aber so funktioniert die Welt im 21. Jahrhundert nicht. Schon gar nicht die Wirtschaftswelt.

Es wäre eine Lüge so zu tun, als wäre die Welt eindeutig. Damit würde ich meinen Studierenden langfristig keinen Gefallen tun.

Auch wenn diese ständige Uneindeutigkeit kurzfristig wahnsinnig frustrierend ist.