Tag#BWL

Die Kennzahl

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Wenn du gezwungen wärst, dich auf eine einzige betriebswirtschaftliche Kennzahl zu beschränken, um den wirtschaftlichen Erfolg in deinem Business zu messen, dann wäre es diese:

Dein Kontostand.

Lange Nacht der Museen

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Was ich heute von der Langen Nacht der Museen über BWL-Unterricht gelernt habe:

Das Erfolgsrezept der Langen Nacht der Museen ist, dass sie nachts stattfindet. Es muss nachts sein, denn: Durch die Nacht wird der Museumsbesuch zu etwas Eigenen. Er erinnert dadurch möglichst wenig an einen “normalen” Besuch im Museum.

Das ist wichtig, weil ein Museumsbesuch wird meistens als „anstrengend“ empfunden. Weil man sich auseinandersetzen muss, weil man überlegen und lesen und wahrnehmen muss.

In der Nacht jedoch gelten andere Regeln. Die strengen Regeln des Museums sind aufgehoben, und im Museum geht es ein bisschen anders, ein bisschen lockerer zu. Das Museum ist anders, obwohl die Ausstellungsstücke immer noch die gleichen sind.

Für den BWL-Unterricht könnte das bedeuten: Je weniger mein BWL-Unterricht an den BWL-Unterricht in der Schule erinnert, desto besser.

[Danke Annette Meier für den Gedanken.]

Milchpreis

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Das Phänomen, dass kleine Unternehmen oft kaum Ahnung vom Markt haben, auf dem sie agieren, ist ziemlich weit verbreitet.

Die Bio-Milchbäuerin, bei der wir geurlaubt haben, hatte keine Ahnung, was der Liter Bio-Milch im Supermarkt kostet.

Kunst und BWL

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Kunst und BWL haben viel gemeinsam.

Beide wirken elitär und unzugänglich.

Beide sind erklärungsbedürftig.

Beide müssen demokratisiert werden.

Wenn wir über Wirtschaftspädagogik sprechen, sprechen wir in gewissem Sinne von Kunstvermittlung.

[Danke Klaus Albrecht Schröder für diese Gedanken.]

5000 Folder

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Unlängst hat mir eine Gründerin folgende Geschichte erzählt:

Ein Kollege hat ihr dringend geraten, nicht zu billig zu starten und von Anfang an einen angemessenen Preis für ihre Leistung zu verlangen.

Er selbst sei nämlich viel zu billig. Seinen Preis könne er aber leider nicht erhöhen, weil er vor Jahren 5000 Folder hat drucken lassen und in denen sein billiger Preis steht. Die muss er erst verbrauchen, bevor er einen neuen Folder mit neuen Preisen drucken lassen kann.

Ein besseres Beispiel für den Sunk-Cost-Effekt wird man kaum finden.

Nicht wahnsinnig viel gelernt

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Der Unternehmer, Investor und Business Angel Hansi Hausmann (weltberühmt in Österreich) sagt über sein BWL-Studium:

„Der Titel war irgendwie wichtig, weißt eh, wennst aus Österreich kommst ist es halt wichtig, dass du das Wirtschaftsstudium gemacht hast. Ich persönlich habe nicht das Gefühl, dass ich dort so wahnsinnig viel gelernt habe. Ich habe einfach im ersten halben, dreiviertel Jahr [nach dem Studium im Job] sicher mehr gelernt als in den paar Jahren auf der Wirtschaftsuni – nämlich on the go, im Markt draußen, bei den Kunden. Man lernt vielleicht, ein bisschen diszipliniert zu lernen und zu denken im Studium. Da ist es relativ egal, was man studiert. […] Aber ein Studium insgesamt zu machen ist wahrscheinlich nicht schlecht. Ob der Inhalt jetzt so wahnsinnig wichtig war für das, was ich später gemacht habe… Da würde ich sagen, wahrscheinlich eher gar nicht. Das hätte ich alles so auch gelernt.

Hansi Hansmann in “Frühstück bei mir”, 26. Juni 2022

BWL studiert und nichts Nützliches gelernt. Beileibe kein Einzelfall, und doch bleibt die Frage:

Wie kann das sein?

Online Coaching

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Im Online-Coaching-Markt treiben sich viele Scharlatane herum – weltweit, und auch in Österreich.

Das Problem haben nicht nur die armen Menschen, die von diesen Coaches mit unhaltbaren Versprechen angelockt und anschließend abgezockt werden.

Das Problem hat der ganze Markt. Denn diese Scharlatane hinterlassen nur enttäuschte Kund*innen und verbrannte Erde. Sie ruinieren eine ganze Branche.

Und darunter leiden die vielen ehrlichen Coaches da draußen, die tatsächlich nur das Beste für ihre Kund*innen im Sinn hätten.

Profit vs. Purpose

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Im 20. Jahrhundert war das Ziel der Unternehmen, Profit zu machen.

Im 21. Jahrhundert muss das Ziel jedes Unternehmens sein, einen Purpose zu haben.

Im 20. Jahrhundert entstanden Unternehmen mit Profit, aber ohne Purpose.

Im 21. Jahrhundert entstehen Unternehmen mit Purpose, aber ohne Profit.

Profit und Purpose müssen einander aber nicht ausschließen. Im Gegenteil: Die wirklich erfolgreichen Unternehmen des 21. Jahrhunderts werden Purpose und Profit haben.

Finanzielle Ziele

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Viele Selbständige haben keine finanziellen Ziele für ihr Business.

Eine Erklärung dafür: Finanzielle Ziele würden für viele Selbständige demotivierend wirken, weil sie Angst davor haben, diese Ziele nicht zu erreichen. 

Niedrige Erwartungen oder überhaupt keine finanziellen Ziele zu haben nimmt den Druck raus und schützt vor Versagen.

Sonst müssten sie sich am Ende noch genauer mit ihrem Geschäftsmodell, dem Markt oder ihrer Strategie beschäftigen.

Dann doch lieber den Kopf in den Sand stecken.

Uneindeutigkeiten

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Für mich als Lehrenden ist eine der größten Herausforderungen, meinen Studierenden zu vermitteln, dass es auf viele Fragen und Herausforderungen in der BWL keine eindeutigen Antworten gibt.

Natürlich wäre es für sie (und auch für mich) einfacher, wenn ich sagen könnte: “Seht her: Wenn ihr in diese Situation kommt, dann macht Folgendes. Damit werdet ihr immer richtig liegen, und dann wird alles gut.”

Aber so funktioniert die Welt im 21. Jahrhundert nicht. Schon gar nicht die Wirtschaftswelt.

Es wäre eine Lüge so zu tun, als wäre die Welt eindeutig. Damit würde ich meinen Studierenden langfristig keinen Gefallen tun.

Auch wenn diese ständige Uneindeutigkeit kurzfristig wahnsinnig frustrierend ist.

Fade Gesichter

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Mick Jagger und seine Kollegen von den Rolling Stones sind Millionäre. Und trotzdem verlangen sie horrende Preise für ihre Konzerttickets.

Da lässt sich mit einigem Recht die Frage stellen: Menschen, die so reich sind, die mit ihren Fans so viel verdient haben… Sollten die nicht inzwischen gratis spielen? Haben die nicht längst genug?

Ja, das haben sie wahrscheinlich. Aber: Mick Jagger will beim Konzert nicht in lauter fade Gesichter schauen. Deswegen spielt er nicht gratis. Er will, dass nur echte Fans kommen.

Der Enthusiasmus würde einfach fehlen, wenn die Tickets gratis wären. Was nichts kostet, ist nichts wert.

Wenn die Tickets teuer sind, ist die Stimmung einfach besser. 

Wir dürfen nicht, was wir sollen

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Wir leben in einer paradoxen Welt.

Wir sollen konsumieren, denn darauf beruht unser Wirtschaftssystem. Das sichert Arbeitsplätze. 

Wir dürfen aber nicht (mehr) so viel konsumieren, denn das ruiniert das Klima und das ist nicht nachhaltig. 

Marianne Gronemeyer sagt, das ist ein Kennzeichen von Absurdistan – der Welt des unbegrenzten Wachstums. 

Dein Markt

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Damit dein Marketing greifen kann und Effekte erzielt, musst du deinen Markt definiert haben.

Viele definieren ihren Markt entweder gar nicht, und wenn dann zu unpräzise und vor allem zu groß.

Wir müssen unseren Markt so eng fassen, dass wir die Chance haben, ihn mit unseren Marketing-Signalen innerhalb kürzester Zeit nicht nur zu erreichen, sondern zu durchdringen.

Erst wenn wir das geschafft haben, können wir daran denken, unseren Markt Schritt für Schritt zu erweitern.

[Danke Philipp Maderthaner für den Hinweis.]

Kauderwelsch

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Als Nebenerwerbs-Sprachwissenschaftler wundere ich mich immer wieder darüber, wie umständlich sich viele Betriebswirte ausdrucken. Wobei… “Umständlich” ist eh noch nett ausgedrückt. Oft ist es schlicht unverständlich.

Ein Beispiel gefällig?

Eine Expertin für die Optimierung von Geschäftsmodellen versucht zu erklären, warum das Geschäftsmodell so wichtig ist für ein Unternehmen:

Seit jeher verändert sich unsere Welt. In den letzten Monaten hat das Tempo durch die Pandemie einen Gang zugelegt. Umso wichtiger ist es, dass sich Unternehmen zukunftsorientierte ausrichten. Grundsätzlich steckt hinter jedem Unternehmen ein Geschäftsmodell. Manchmal ist es bewusst formuliert, meist wird es unbewusst administriert. Es ist aber unabdingbar, sich mit dem Ist-Stand auseinanderzusetzen und die Hauptbereiche eines Geschäftsmodells im Detail zu betrachten. So erkennen Unternehmer die zentrale Funktionsweise und die Erfolgsfaktoren. Mit einem bewusst ausgearbeiteten Geschäftsmodell differenziert man sich vom Mitbewerb und befriedigt die Kundenbedürfnisse besser. Damit kann das Kerngeschäft gestärkt und darauf aufbauend, Neues entwickelt werden.

Ich kann mir schon vorstellen, was die Dame eigentlich sagen will. Ich kann mir aus dieser Aussage schon zusammenreimen, worum es ihr geht. Nicht zuletzt deswegen, weil ich schon vorher gewusst habe, was ein Geschäftsmodell ist und warum ohne Geschäftsmodell kein Unternehmenserfolg möglich ist.

Aber: Warum in aller Welt macht man es den Leser*innen so schwer? Warum versteckt man ganz wichtige Botschaften hinter Buzzwords und in aufgeblähten Sätzen? Wem, bitte, soll das nützen?

Den Leser*innen sicher nicht. Aber auch der Expertin und ihrem Beratungsangebot nicht.

Denn wer, bitte, kauft etwas, das er nicht versteht?

Rolling Stones

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Ein Ticket für das Rolling-Stones-Konzert am 15. Juli in Wien kostet zwischen 130 und 675 Euro.

Warum können die Rolling Stones solche Preise verlangen?

Weil sie sechzig Jahre daran gearbeitet haben, ein Monopol zu werden. Keine andere Band ist wie die Rolling Stones. Wer die Rolling Stones sehen will, muss eben diese Preise bezahlen – oder es sein lassen.

Niemand wird über Nacht zum Monopolisten. Aber harte, konsequente Arbeit an “seinem Ding” über Jahrzehnte zahlt sich irgendwann aus.

Ein Kunde, der nicht bezahlt

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Ist kein guter Kunde.

Es heißt zwar „Der Kunde ist König“, aber das gilt nur für Kunden, die sich auch gut zu „benehmen“ wissen. Und das heißt unter anderem, sich an die Vereinbarungen halten – genauso, wie du es tust. Das bedeutet nicht zuletzt auch, dass er dich pünktlich und vollständig bezahlt. Das ist kein Entgegenkommen des Kunden, sondern das ist Teil des Deals. Das steht dir zu. Punkt.

In dem Moment, wo ein Kunde dich nicht (mehr) bezahlen will, ändern sich die Spielregeln. Du brauchst kein Verständnis mehr zu zeigen, und du musst auch nicht länger Geduld mit ihm haben – egal, wie die bisherige Zusammenarbeit gelaufen ist und die lange die Zusammenarbeit schon besteht. Du sind ihm nichts schuldig, solange er dir dein Geld schuldig bleibt.

Deswegen: Feuer diesen Kunden! Arbeite nicht mehr für ihn. Verschwende keine weitere Zeit, Gedanken und Energien an diesen Kunden. Konzentrier dich auf die Zukunft und auf deine verlässlichen Kunden. Steh für dich ein und lass dir das nicht gefallen. Diesen Selbst-Respekt hast du dir verdient.

Und: Werde nicht weich, wenn sich dieser Kunde doch wieder mal melden sollte und Besserung gelobt. Wer das einmal macht, macht das wieder. Bleib bei deiner Entscheidung.

Es gibt Kunden, die dir auf deinem Weg mehr schaden als nützen.

Und ein Kunde, der nicht bezahlt, ist so einer.

Kapitalismus-Kritik

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Eine Sache, die Wolf Lotter sehr stört und die mir in Diskussionen mit an sich sehr schlauen Menschen auch immer wieder auffällt:

Viele derer, die meinen, dass der Kapitalismus an allem Schlechten in der Welt schuld sei (Klimakrise, Kriege, soziale Isolation, Korruption etc.), haben (leider) erstaunlich wenig Ahnung vom Kapitalismus.

Um etwas zu kritisieren, müsste man sich zuerst mal gründlich damit auseinandersetzen. Schon in der Bibel heißt es:

“Lobe keinen Menschen, ehe du nachgedacht hast;
denn das ist die Prüfung für jeden!”

Sir 27,7

Mit dem Kapitalismus ist es wie mit dem Handy: Das Handy ist nicht schuld. Das Handy ist das, was wir Menschen damit machen. Es ist der Umgang mit dem Handy, den man kritisieren kann. Aber das Handy ist nur ein Ding. Es hat keine Agenda.

Auch der Kapitalismus ist nur ein Werkzeug, das von Menschen geschaffen wurde. Der Kapitalismus an sich will gar nichts. Wir Menschen sind es, die den Kapitalismus für unsere Sache einsetzen. Und diese Sache ist mal gut und mal schlecht. Und manchmal selbstzerstörerisch.

Ja, am Kapitalismus gäbe es viel zu verbessern. Da tut sich ein breites Feld auf, und da gibt es auch schon durchdachte Überlegungen (z.B. die Gemeinwohlökonomie).

Aber reparieren kann nur jemand, der tragfähiges Vorwissen hat.