Tag#BWL

Mogelpackungen

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Shrinkflation nennt sich der Trend, dass die Füllmenge von Packungen abnimmt, aber der Preis gleich bleibt.

Ein Beispiel: Das Packerl Haribo Goldbeeren kostet noch gleich viel wie vor einem Jahr, allerdings waren früher 200g Gummibäri drinnen und jetzt sind es nur noch 175g. Die Abnahme der Füllmenge entspricht eigentlich einer Preissteigerung um 12,5%.

Konsument*innen und deren Schützer sind darüber empört, und das kann ich nachvollziehen.

Und doch frage ich mich: Wenn im Packerl Chips früher 300g drinnen waren und jetzt sind es nur noch 200g… Ist das wirklich ein Nachteil? Meine (zugegebenermaßen subjektive) Erfahrung ist, dass ich immer ein ganzes Packerl Chips aufesse – egal, wie viel drinnen ist. Aber nicht zwei Packerl. Wenn ich jetzt nur noch 200g von diesem wohlschmeckenden, aber ungesunden Zeug esse statt früher 300g, dann müsste ich den Chips-Herstellern eigentlich sehr dankbar sein. Weil sie für mich etwas bewerkstelligen, was ich selber nicht hinkriege: Weniger Chips zu essen.

Shrinkflation könnte, so gesehen, also auch ein Tool sein, das wir zu unserem Vorteil einsetzen können – gerade weil wir weniger für unser Geld bekommen als zuvor.

Es mag zwar eigenartig klingen, aber nicht immer ist es schlecht für uns, wenn uns etwas gegen unseren Willen weggenommen wird.

Crowdfunding

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Ich bin ja der Meinung, dass wir europäischen Selbständigen sehr vorsichtig sein müssen, wenn wir vermeintliche Erfolgsrezepte übernehmen, die aus den USA kommen.

Es ist ein eigenartiges Phänomen, dass die Lehrmeister*innen vieler europäischer Lifestyle Entrepreneure Amerikaner*innen sind. Eigenartig deswegen, weil dabei geflissentlich ignoriert wird, dass wir in Europa eine ganz andere Kultur haben als in Amerika. Was dort funktioniert, funktioniert bei uns noch lange nicht. Und umgekehrt: Was in Amerika nie gehen würde, funktioniert in Europa wunderbar.

Ein anschauliches Beispiel für diese Diskrepanz hat mir Monika Kovarova-Simecek erzählt: In den USA ist Crowdfunding eine gängige Art der Finanzierung für Projekte und Gründungen. Deswegen glauben auch wir Europäer*innen oft, dass Crowdfunding eine reale Möglichkeit ist, an Geld zu kommen. Tatsächlich spielt Crowdfunding bei der Finanzierung von Start-ups nur eine minimale Rolle. Es funktioniert einfach bei uns nicht so wie in den USA.

Warum? Weil Europa eine andere Kultur hat als Amerika. Das sollten wir Lifestyle Entrepreneure immer im Hinterkopf behalten, wenn wir mal wieder das neueste Erfolgsrezept aus den USA vorgesetzt bekommen.

Plankosten vs. Zielkosten

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Es gibt zwei brauchbare Ansätze in der Kostenplanung für Gründer*innen:

  1. Plankostenrechnung: Ich schreibe mir auf, welche Kosten wahrscheinlich anfallen werden und berechne daraus, wie hoch der Umsatz sein muss, damit ich diese Kosten abdecken kann. Dieser Ansatz eignet sich recht gut, wenn ich ein einigermaßen stabiles und vorhersehbares Business habe.
  2. Zielkostenrechnung: Ich überlege mir zuerst, wie viel Umsatz überhaupt möglich ist, und schaue dann, wie viele Kosten sich dadurch “ausgehen”. Das heißt, ich passe meine Ausgaben flexibel an, je nachdem, ob ich gerade höhere oder niedrigere Umsätze mache. Dieser Ansatz ist besonders am Anfang eines Business hilfreich, wenn die Auftragslage nur schwer vorhersehbar ist.

Verpasste Gewinnchancen

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Es ist eine spannende Tatsache, dass Unternehmen bestimmte Gewinnchancen oft gar nicht erkennen.

  • Ein Unternehmen kann “blind” sein z.B. für einen Bedarf in der Zielgruppe, die sie eigentlich servicieren will.
  • Ein Unternehmen kann zu stur sein, um jene Veränderungen vorzunehmen, welche die Gewinnchancen erhöhen würden.

Mit einem Wort: Unternehmen können sich selbst im Weg stehen auf dem Weg zum Gewinn. Das gilt auch und besonders für Solopreneure.

Andererseits, was natürlich auch stimmt: Nicht jede Gewinnchance muss auch ergriffen werden.

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Venture Capitalists haben ihre ganz eigene Logik. Sie investieren in eine Vielzahl von Start-ups und sind zufrieden, wenn eines von zehn Start-up-Investments erfolgreich ist.

Aus meiner Sicht ein wichtiger Aspekt dabei: Venture Capitalists ist es wurscht, welches der zehn Start-ups erfolgreich ist. Es geht ihnen nicht um die Menschen hinter den Start-ups, sondern rein wirtschaftlichen Erfolg.

Aber was ist mit jeder Einzelnen und jedem Einzelnen der Menschen, die zu den 90% der nicht erfolgreichen Startup-Gründer zählen? Für die sieht die Sache ganz, ganz anders aus. Für sie ist eine gescheiterte Gründung mitunter ein persönliches Drama.

Venture Capitalists ist das aber wurscht. Das muss jedem bewusst sein, der glaubt, in einem VC-Investment sein Heil zu finden.

[Danke Günter Faltin für diesen Gedanken.]

Deformiert

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Wie würde eine BWL aussehen, die vollkommen deformiert wäre? Bis zur Unkenntlichkeit entstellt?

Wäre so eine BWL leichter zugänglich?

Nicht sehr beliebt

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Die Wirtschaftskammer lässt gerade darüber abstimmen, welche vier Webinare 2023 angeboten werden sollen. Hier der Zwischenstand:

Man beachte die letzten drei Plätze: Finanzen und Verkaufen.

Meiner Meinung nach wären das die wichtigsten Themen in der Liste. Und eben auch die unbeliebtesten.

[Bis 10. Jänner 2023 kannst du hier das Ergebnis noch korrigieren.]

Wem “gehört” ein Solo-Business?

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Auf den ersten Blick ist das eine absurde Frage.

Aber gehört ein Solo-Busienss wirklich nur dem Solopreneur?

Oder gehört es nicht auch (zumindest teilweise) der Gesellschaft, die in den Solopreneur mit Steuergeldern investiert hat? Was ist jeder Solopreneur der Gesellschaft “schuldig” für die Ausbildung, Förderungen, öffentlichen Servicestellen, Infrastruktur etc.? Hat er damit nicht auch gegenüber der Gesellschaft die Verantwortung, mit seinem Business etwas Positives zum großen Ganzen beizutragen?

Oder wird diese “Schuld” eh dadurch getilgt, dass er (nicht wenig) Steuern und Sozialversicherung zahlt?

Gelungener Unterricht

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Ich finde, Wirtschafts- und Finanzbildung an Schulen ist ein wichtiges Thema, und ich habe auch schon ein paar Mal darüber gebloggt (z.B. hier und hier).

In einem Podcast hat Bettina Fuhrmann, Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien, drei Kriterien genannt, die aus ihrer Sicht guten Wirtschaftsunterricht ausmachen:

  1. Ausreichend Unterrichtszeit
  2. Kompetente Lehrende
  3. Gute Unterrichtsmaterialien

Das ist einleuchtend, und jedes dieser Kriterien ist gut und wichtig.

Aber ich frage mich: Was ist mit den Schüler*innen?

Sind motivierte und interessierte Schüler*innen nicht genauso wichtig für gelungenen Unterricht – zumal Lehren und Lernen zwei Seiten der gleichen Medaille und ein Prozess der Ko-Kreation sind?

Oder brauchen wir die Schüler*innen nicht weiter berücksichtigen, weil wir in Schulen davon ausgehen können, dass sie “eh da” sind und ihnen ohnehin nichts anderes übrig bleibt, als das hinzunehmen, was sie von ihren Lehrer*innen vorgesetzt bekommen?

Minderung

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Solange die Zeichen auf Wachstum stehen, dreht sich im Wirtschaftsleben alles um Expansion und Skalierung.

Wenn sich im Wirtschaftssystem die Zeichen jedoch auf Minderung (“Nullwachstum”) drehen, dann ändern sich auf die unternehmerischen Aufgaben.

In Zeiten der Minderung ist es besonders wichtig, in die Substanz des Unternehmens zu investieren. Also: In die Beziehungen zu den Kund*innen, besonders zu den Stammkund*innen.

Oder in die Frage: Wie schaffe ich es, so einen exzellenten Job zu machen, dass ich für meine Schlüsselpartner unverzichtbar bleibe oder werde?

[Danke Philipp Maderthaner für diese Gedanken.]

Bankrott gehen

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Unlängst bei einem BWL-Seminar gehört:

Es ist besser, Bankrott zu gehen und zu wissen, warum,
als Gewinn zu machen und nicht zu wissen, warum.

Seither überlege ich, ob das stimmt.

Hängt wohl davon ab, was man unter “besser” versteht.

Die Umwandlung von öffentlichen Gütern zu privaten Gütern

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Öffentliche Güter sind in der Volkswirtschaftslehre Güter, bei denen man niemanden vom Konsum ausschließen kann und die von vielen Menschen gleichzeitig genützt werden können. Bespiele für öffentliche Güter sind Luft, eine schöne Landschaft oder Frieden.

Mit öffentlichen Gütern lässt sich allerdings kein Umsatz machen. Deshalb bieten sie private Unternehmen nicht an. Es entsteht kein Markt, und der Staat muss eingreifen.

Geld lässt sich mit öffentlichen Güntern nur verdienen, wenn sie in private Güter umgewandelt werden. Soll heißen: Wenn man Wege findet, Menschen vom Konsum eines Gutes auszuschließen, wenn sie nicht dafür bezahlen.

Das passiert sehr häufig in der Medienlandschaft. Güter, die eigentlich öffentlich sind oder sein könnten, werden in private Güter umgewandelt. Und wir merken es nicht einmal.

BWL und VWL

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Volkswirte denken anders als Betriebswirte.

Deswegen tut es mir als Betriebswirten immer wieder gut, mich auf die Sichtweisen und die Logiken der Volkswirte einzulassen und die Welt ab und zu mal auch aus ihrer Brille zu sehen.

Die schlausten Unternehmer*innen sind schließlich jene, die sich ein Gesamtbild machen können, das sich aus einigen Teilen BWL, einigen Teilen VWL und einer guten Portion eigener Erfahrung und Intuition zusammensetzt.

Das Gesetz der Straße

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Wenn man auf der Straße Musik macht, gilt ein ganz einfaches Gesetz:

Der Hut lügt nicht.

[Danke Joey Kelly für diesen Gedanken.]

Was BWL braucht

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Betriebswirtschafts-Lehre braucht nicht nur Fachexpertise, sondern auch ein volles Herz. ♥️

Solve et coagula

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Das ist ein Konzept aus der Spagyrik: Zuerst werden die Einzelteile aus der Pflanze herausgelöst (in 3 Schritten), und dann werden die reinen Einzelteile wieder zusammengemischt. So wieder zusammengesetzt, entsteht etwas, das viel potenter ist als das originale Gemisch.

So ähnlich ist es bei mir auch: Ich seziere zuerst die BWL, löse die einzelnen Konzepte heraus, bilde sie in möglichst reiner Form ab – damit ich sie gut verstehe und auseinander halten kann.

Und dann setze ich sie für meine Schüler*innen in neuer Form zusammen, um eine neue, viel potentere Wirksamkeit zu erreichen.

Die Kennzahl

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Wenn du gezwungen wärst, dich auf eine einzige betriebswirtschaftliche Kennzahl zu beschränken, um den wirtschaftlichen Erfolg in deinem Business zu messen, dann wäre es diese:

Dein Kontostand.

Lange Nacht der Museen

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Was ich heute von der Langen Nacht der Museen über BWL-Unterricht gelernt habe:

Das Erfolgsrezept der Langen Nacht der Museen ist, dass sie nachts stattfindet. Es muss nachts sein, denn: Durch die Nacht wird der Museumsbesuch zu etwas Eigenen. Er erinnert dadurch möglichst wenig an einen “normalen” Besuch im Museum.

Das ist wichtig, weil ein Museumsbesuch wird meistens als „anstrengend“ empfunden. Weil man sich auseinandersetzen muss, weil man überlegen und lesen und wahrnehmen muss.

In der Nacht jedoch gelten andere Regeln. Die strengen Regeln des Museums sind aufgehoben, und im Museum geht es ein bisschen anders, ein bisschen lockerer zu. Das Museum ist anders, obwohl die Ausstellungsstücke immer noch die gleichen sind.

Für den BWL-Unterricht könnte das bedeuten: Je weniger mein BWL-Unterricht an den BWL-Unterricht in der Schule erinnert, desto besser.

[Danke Annette Meier für den Gedanken.]

Milchpreis

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Das Phänomen, dass kleine Unternehmen oft kaum Ahnung vom Markt haben, auf dem sie agieren, ist ziemlich weit verbreitet.

Die Bio-Milchbäuerin, bei der wir geurlaubt haben, hatte keine Ahnung, was der Liter Bio-Milch im Supermarkt kostet.