Tag#Gesellschaft&Politik

Das Klimaticket wird teurer

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Eine Maßnahme im aktuellen Sparpaket der Bundesregierung, die mir besonders missfällt: Der Preis des bundesweiten KlimaTickets wird von derzeit 1.095 Euro im August auf 1.300 Euro erhöht – und im Jänner 2026 dann nochmal auf 1.400 Euro.

Man kann diese Entscheidung berechtigterweise klimapolitisch hinterfragen, aber ich möchte mir den betriebswirtschaftlichen Aspekt davon anschauen.

Die Überlegung hinter der Preiserhöhung lautet wahrscheinlich ungefähr so:

Es gibt in Österreich ca. 300.000 Nutzer:innen des bundesweiten KlimaTicket. Wenn der Preis um 200 Euro erhöht wird, dann bedeutet das Mehreinnahmen von 60 Mio. Euro.

Nur stimmt diese Rechnung halt nicht. Weil die Elastizität der Nachfrage nicht berücksichtigt wurde. Ich behaupte nämlich, es gibt gar nicht so wenige Menschen (wie mich), die das KlimaTicket aktuell gar nicht voll ausnutzen, aber dessen Convenience schätzen. Und diese Menschen sagen jetzt: So ein KlimaTicket ist zwar super, aber für mich als Gelegenheitsnutzer zahlt es sich jetzt einfach nicht mehr aus. Jetzt ist eine Schmerzgrenze überschritten, das ist mir zu teuer.

Wenn sich das 20 % der bisherigen KlimaTicket-Nutzer:innen denken und kein Klimaticket mehr kaufen, dann fehlen plötzlich 60.000 Kund:innen – und damit auch deren Umsatz. Und das wiederum würde bedeuten, dass 66 Mio. Euro weniger ins Budget fließen als vor der Preiserhöhung.

Also ein klassisches Verlustgeschäft.

Ich fürchte daher: Diese Maßnahme nicht nur schlecht für’s Klima, sondern bringt auch nichts für die Budgetsanierung.

Kurz: Eine ganz schlechte strategische Entscheidung.

Der vorsichtige Kaufmann

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Bei den österreichischen Bilanzierungsregeln gilt das “Prinzip des vorsichtigen Kaufmanns“.

Für mich ist es Ausdruck der österreichischen Seele, und gleichzeitig macht es etwas mit uns.

Wer Vorsicht zum unternehmerischen Prinzip erklärt, braucht sich nicht wundern, wenn wenig wirklich Innovatives herauskommt.

Der Selbstbetrug der Solopreneure

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Spannender (und beunruhigender) Gedanke von Felix Klopotek aus dem Buch “Zonen der Selbstoptimierung” zum Thema “der Selbstbetrug der Solopreneur:innen”:

Die Kreative, der alles auf die gute Kommunikation ankommt, redet sich nicht nur ihr austauschbares Rädchen-Dasein schön, sie weiß noch nicht einmal, an welcher Stelle in der Megamaschine Kapital sie sich dreht.

Diesem Gedanken folgend, müssen wir als Solopreneure akzeptieren, dass wir in Wirklichkeit nur ein sehr kleines Rädchen in einer ganz großen Maschine sind, die sich Kapitalismus nennt. Wir können uns zwar einbilden, dass wir uns durch unsere Selbständigkeit individuelle Freiheiten schaffen, aber diese Freiheiten sind klar umgrenzt.

Oder, anders formuliert: Diese Freiheiten werden dem individuellen Solopreneur zugestanden, damit er seine Rolle im Gesamtsystem optimal erfüllen kann. Und wenn er diese Rolle nicht (mehr) erfüllt, dann ist er auch die verdient geglaubten Freiheiten los.

Solche Gedanken hören wir Solopreneure nicht sehr gern. Sie beunruhigen. Sie legen uns nahe, dass wir vielleicht sehr naiv sind. Da hören wir lieber weg.

Und dennoch: Ich finde, dass es gut tut, sich mit dieser Sichtweise auseinanderzusetzen. Weil es den Blick auf das Ganze vervollständigt.

Wachstum und Schrumpfung

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Gabriel Felbermayr sagt: Wachstum setzt Schrumpfung voraus. Damit ein Sektor wachsen kann (z.B. Rüstungsindustrie), muss ein anderer schrumpfen (z.B. Automobilindustrie) und dort Ressourcen (Mitarbeiter, Kapital etc.) freigeben.

Es ist ganz normal, dass Firmen pleite gehen. Daraus können neue bzw. andere Firmen wachsen.

Für den einzelnen Mitarbeiter, der jetzt ohne Job ist, mag das zwar tragisch sein, aber ohne, dass etwas Altes stirbt, kann nichts Neues entstehen.

In der Natur genauso wie im Business.

Die fabelhafte Welt der Marie

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Die Raiffeisenbank Mödling hat sich zum Weltfrauentag etwas Besonderes einfallen lassen:

Unter dem Titel “Die fabelhafte Welt der Marie” erwarten die Teilnehmerinnen (die Veranstaltung richtet sich exklusiv an Frauen) zwei “hochspannende” Vorträge: einer zum Thema “Life- und Moneyhacks”, und einer mit Skiweltmeisterin Lizz Görgl.

Dagegen ist an sich gar nichts zu sagen. Ich bin sicher, dass es eine leiwande Veranstaltung wird. Und jede Initiative, die dabei hilft, dass Frauen ihre Scheu vor allem verlieren, was mit Geld, Veranlagung, Finanzmanagement, Vorsorge etc. zu tun hat, ist grundsätzlich willkommen.

Aber: Beim Weltfrauentag geht es eigentlich um etwas ganz, ganz, ganz Anderes. Ich werde den Verdacht nicht los, dass hier (wieder mal) ein Unternehmen den Tag für Marketing nützen will.

Femvertising heißt das übrigens. (Mehr dazu)

Regierungsprogramm

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Ich habe mir das Regierungsprogramm der neuen Dreier-Koalition angeschaut. Ja, alle 211 Seiten.

Ich war nämlich neugierig, was darin geschrieben steht über Solopreneure (Ein-Personen-Unternehmen, EPU) und Gründer:innen. Welche Änderungen sind geplant? Gibt es Dinge, die sich verbessern könnten? Was wird sich verschlechtern?

Kurz gesagt: Viel steht nicht drin. Eigentlich fast gar nichts.

Was können Gründer:innen erwarten?

  • Die elektronische Gründung soll für möglichst viele Unternehmensformen ermöglicht werden. Insgesamt sollen (digitale) Gründungen rascher gehen und weniger bürokratisch werden. (S. 32, S. 35, S. 181)
  • Die Höhe der Geringfügigkeitsgrenze soll eingefroren werden. (S. 96)
  • Das Zugangsinstrument “individuelle Befähigung” soll gestärkt werden, und das Verfahren zur Feststellung soll beschleunigt werden. (S. 31)
  • Entrepreneurship Education an Schulen soll ausgebaut werden. (S. 189)
  • Österreich soll im Bereich “Female Entrepreneurship” ins Spitzenfeld aufsteigen. (S. 35)

Was können Ein-Personen-Unternehmen erwarten?

  • Die Basispauschalierung (inkl. Vorsteuerpauschale) soll erhöht werden: 2025 zunächst auf 320.000 Euro sowie 13,5 % und ab 2026 dann auf 420.000 Euro sowie 15 %.
  • Selbständige Frauen und Unternehmerinnen sollen gestärkt werden durch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie – vor allem im ländlichen Raum. (S. 134)
  • Die Leistungen des Künstler-Sozialversicherungsfonds sollen gesichert werden. (S. 203)
  • Investitionen in KI und Digitalisierung sollen gefördert werden. (S. 181)
  • Karenz und Kinderbetreuungsgeld für EPU sollen vereinfacht werden. (S. 104)
  • Die Gewerbeordnung soll bundesweit einheitlich(er) vollzogen werden. (S. 32)

Der eine oder andere Punkt mag zwar im Detail ganz nett sein, aber der große Wurf ist das alles nicht. Vor allem berührt das Regierungsprogramm keines der Anliegen, die ich für EPUs am dringendsten empfinde.

Wir Solopreneure sind die längste Zeit schon das Stiefkind der österreichischen (Wirtschafts-) Politik, und ich fürchte, daran wird sich auch in den nächsten fünf Jahren nichts ändern.

Wicked Problems

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Die einfachen Probleme sind bereits gelöst.

Was übrig bleibt, sind die wicked problems: Probleme, die viele Ursachen haben. Probleme, die keine eindeutigen Lösungen haben. Probleme, wo man gar nicht weiß, wo man ansetzen soll, weil alles miteinander verwoben ist – wie ein Haufen Mikado-Stäbchen.

Wicked problems brauchen Menschen, welche die Zeit und Mühe auf sich nehmen, ein Problem wirklich zu verstehen. Die es aushalten, verschiedene Perspektiven gleichzeitig einzunehmen. Und die die nötige Geduld haben, den Mikado-Haufen Stäbchen für Stäbchen abzutragen.

Mit einem Wort: Wicked problems sind eine Riesenchance für uns Solopreneure!

Gründungsberatung ist nie gratis

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Eine Herausforderung im Pricing von Gründungsberatungen in Österreich:

Historisch war die Gründungsberatung eine Aufgabe von (halb-)staatlichen Organisationen oder öffentlich finanzierten Verbänden: WKO, AMS, RIZ, Wirtschaftsagentur etc.

Der Staat gibt diesen Institutionen Geld (Steuergeld), damit sie etwas Gutes für die Bürgerinnen und Bürger tun.

In diesem Kontext ist die Gründungsberatung “gratis” — für die Gründer*innen. Natürlich ist sie de facto nicht gratis, aber die Kosten dafür tragen (im Hintergrund) die Steuerzahler.

Wenn jetzt jemand hergeht und Gründungsberatung in “eigener (privater) Praxis” anbietet (wie ich), dann werden diese Kosten auf einmal transparent.

Und das Paradoxe dabei: Die Kosten der privaten Gründungsberatung sind viel geringer als die Kosten der öffentlichen Gründungsberatung — weil kleine Beratungsagenturen wie ich keinen riesigen Overhead mitzutragen haben.

Aber den Gründer (den Endkunden) haut es von den Socken. Was, sooo viel kostet das? Das ist ja ein Wahnsinn! Weil in seinem Kopf verankert ist: Gründungsberatung ist gratis.

Ja, für ihn ist öffentlich geförderte Gründungsberatung kostenlos. Aber gratis ist sie nie. Die Kosten tragen nur andere (für ihn).

Immer Teil der Lösung

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“Die Wirtschaft ist immer Teil der Lösung”, sagte unlängst WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker beim Neujahrsempfang der WKNÖ. Deshalb solle die nächste Bundesregierung den Fokus auf die Wirtschaft legen.

Klar, dass er sowas sagt. Das ist schließlich seine Aufgabe als Chef einer Interessensvertretung.

Dass das nicht stimmt, ist aber genauso klar. “Die Wirtschaft” (was immer er damit genau meint) ist oft genug auch Teil des Problems. Oder alleiniger Verursacher eines Problems. Jedenfalls ist “die Wirtschaft” genauso wenig eine Insel der Seligen wie alle anderen Teile unserer Gesellschaft.

Ich finde, es stünde der WKO und ihren Vertreter:innen gut zu Gesicht, bei der Wahrheit zu bleiben und für diese Wahrheit Verantwortung zu übernehmen.

Denn eines ist sicher: Die Wahrheit ist immer Teil der Lösung.

Wie man die Generation Y beeindruckt

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Sollte die Generation Y zufällig deine Zielgruppe sein (also die Generation, die im Zeitraum der frühen 1980er bis zu den späten 1990er Jahren geboren wurde), dann gebe ich dir hier einige Schlaglichter, die du beachten könntest:

Ständige Weiterentwicklung: Sie sehnen sich nach sofortigem Feedback und sind hoch motiviert und ehrgeizig. Sie suchen nach Gelegenheiten für kontinuierliches Lernen.

Flexibilität: Generation Y schätzt ein hohes Maß an Freiheit und Autonomie.

Prestige: Die Generation Y möchte, dass ihre Freunde und Gleichaltrigen respektieren, was sie tun.

Herausforderung: Zu langsame Arbeit langweilt sie.

Stolz: Diese Generation möchte wissen, dass ihre Arbeit von Bedeutung ist. Die Möglichkeit, einen Unterschied zu machen und gleichzeitig die eigene Karriere voranzubringen, ist für sie von großem Interesse.

Ein bisschen was Besonderes

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Wir wollen alle ein bisschen besser sein als der Durchschnitt. Weil sich jeder von uns für ein bisschen etwas Besonderes hält.

Nicht viel besser als die Anderen, aber doch ein bisschen. Jeder von uns fühlt sich ein bisschen speziell.

Wenn jeder ein bisschen besser sein will als der Durchschnitt, dann verschiebt sich der Durchschnitt Stück für Stück nach oben. 

So entstehen „shifting baselines”. Das, was wir für „normal” für „durchschnittlich” halten, wird langsam immer mehr. Praktische Beispiele: Kindergeburtstagspartys, Hochzeitsfeiern, Urlaubsreisen, Wohnungsgrößen.

Aber dieser Effekt hat auch eine positive Seite: Wenn wir selbst jeden Tag nur ein kleines Stück besser sind als gestern, wenn wir jeden Tag unsere Baseline ein kleines Stück nach oben schieben, dann machen wir über die Zeit einen ziemlich großen Sprung nach oben.

Einen Tag Bundeskanzler

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Wenn ich einen Tag lang Bundeskanzler wäre, dann würde ich:

  1. Einführung einer Gründungskarenz, analog zur Bildungskarenz. Ein Jahr, wo man seine Selbständigkeit aufprobieren kann: ohne Finanzamt, ohne SV, ohne Gewerbeanmeldung. Wo man sich z.B. mit Gründungsberatung weiterbilden kann. Nach dem Jahr kann man entscheiden, ob man in die Selbständigkeit wechseln will oder lieber in der Anstellung bleibt. Erst dann muss man sich mit dem österreichischen Behördendschungel auseinandersetzen.
  2. Einführung eines Gründungskontos, analog zur Idee des Bildungskontos von NEOS. Kann als Startkapital für eine Gründung abgerufen werden.
  3. Abschaffung der nachträglichen Umqualifizierung in der Sozialversicherung. Rechtssicherheit für EPU und ihre Auftraggeber.
  4. Überfällige EPU-freundliche Reformen in der Sozialversicherung:
    1. Abschaffung der Lückenschluss-Problematik. Umstieg in die Vollversicherung erst ab Überschreiten der Gewinngrenze ohne rückwirkende Konsequenzen (analog zur neuen Regelung in der Kleinunternehmer-Regelung der USt).
    2. Vollkommene Gleichstellung von Neuen Selbständigen und Gewerbetreibenden in der SV.
    3. Ende der Doppelversicherung bei SVS und ÖGK, wenn man Selbständigkeit mit Anstellung kombiniert.
  5. Reform der WKO zu einer EPU-Lobby-Organisation, die dieser Aufgabe tatsächlich fähig und würdig ist.

[PS: Ich weiß, dass ein österreichischer Bundeskanzler keine Gesetze machen kann, sondern nur das Parlament. Aber sein Wort hätte trotzdem Gewicht.]

Zumuten und zutrauen

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Jetzt sind die Koalitionsverhandlungen also ergebnislos zu Ende gegangen.

Beate Meinl-Reisingers Statement dazu war ziemlich lang. Es waren viele politische Botschaften dabei, Erklärungen und Narrative für ihre NEOS-Anhänger und wahrscheinlich auch ein paar persönliche Rechtfertigungen.

Aber es war auch ein Satz dabei, der mich berührt hat:

Ich glaube, wir müssen uns mehr zumuten, und ich glaube, wir müssen uns mehr zutrauen. Denn Mut und Vertrauen ist letztlich das, was uns alle wieder nach vorne bringt.”

Ich finde nämlich, das ist ein kraftvoller Gedanke zum Start des Geschäftsjahres 2025.

Daniel Pink: A Whole New Mind (2005) 📙

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Untertitel; Moving from the Information Age to the Conceptual Age. Und dort sind wir im Jahr 2024 endgültig angekommen. Woran sich z.B. die Gründungsberatung in Zukunft orientieren muss, hat Daniel Pink vor 20 Jahren schon vorweg genommen. Wirklich spannend.

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WKO-Rechnung

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Ich habe 2024 an die Wirtschaftskammer Niederösterreich 122 Euro an Grundumlage bezahlt.

Dafür habe ich als Gegenwert im Laufe des Jahres 2024 bekommen:

  • EPU-Convention in Baden – gratis; geschätzter Wert eines Tickets: 100 Euro
  • WKO Bildungsscheck – 1x jährlich: 100 Euro
  • UBIT NÖ Klimaticket-Förderung: 450 Euro
  • Gratis-Meetingräume bei der WK Wien – geschätzter Gegenwert: 57 Stunden x 20 Euro = 1.440 Euro
  • UBIT NÖ Co-Working-Space-Förderung: 162,50
  • 8 einstündige WKO Webinare – gratis; geschätzter Wert: 400 Euro
  • Gesamtsumme: ca. 2.660 Euro

Ich bin nicht immer ein Fan davon, was die WKO an politischer Arbeit für Ein-Personen-Unternehmen leistet.

Aber eines muss ich in aller Klarheit und Dankbarkeit auch sagen: Ich werde als Mitglied von der WKO nicht abgezockt. Im Gegenteil: Ich bekomme von der WKO ein Vielfaches dessen zurück, was ich an Grundumlage zu zahlen hatte.

Und das nicht nur 2024, sondern jedes Jahr.