Tag#Lehren&Lernen

Lieblingsfehler-Karte

L

Folgendes lohnt den Versuch:

Nimm dir eine Karteikarte. Halte sie immer griffbereit. Notiere darauf die Fehler, die du immer wieder machst. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern laufend. Immer und immer wieder. Deine Lieblingsfehler eben.

Und dann, wenn eine Handvoll Lieblingsfehler auf dieser Karte stehen, dann zähle eins und eins zusammen. Schau, ob du Muster erkennst. Versuch zu ergründen, wie diese Fehler zusammenhängen.

In welchen Situationen bist du besonders fehleranfällig? In welchen Gemütslagen? Zu welchen Tages- und Jahreszeiten? Bei welchen Personen, in welchen Umgebungen?

Und vielleicht erkennst du dann auch Möglichkeiten, um deinen Lieblingsfehlern endlich ciao zu sagen – einem nach dem anderen.

Trainer-Angst

T

Die unausgesprochene Angst jedes Trainers, wenn er vor seiner Seminar-Gruppe steht:

“Ich habe Angst, dass ihr erkennt, dass ich gar nicht so gut bin, wie ihr denkt.”

Unknown unknowns

U

Am ärmsten sind jene Studierenden dran, die gar nicht wissen, dass sie etwas nicht wissen. Oder, wie Olivia Vrabl es sagt:

Die, die nicht wissen, dass sie es nicht wissen, wissen ja nicht, dass sie es nicht wissen.

Olivia Vrabl

Wer sich seiner eigenen Ignoranz bewusst ist, kann etwas dagegen tun. Oder nicht. Jedenfalls ist es seine freie Entscheidung.

Wer sich seiner Ignoranz nicht bewusst ist, dem müssen wir als Lehrer*innen die Augen öffnen. Wir müssen ihnen die Ignoranz immer wieder vor Augen führen. Denn:

Jede Lehrveranstaltung ist eine Reparaturwerkstatt.

Olivia Vrabl

Auch, wenn diese Reparaturen mitunter schmerzvoll sind – für alle Beteiligten.

Echter Profi

E

Es ist wunderbar, einem echten Profi bei der Arbeit zuzusehen.

Unlängst hatte ich einen Online-Workshop bei der Hochschule-Didaktikerin Olivia Vrabl. Sie ist überaus kompetent, sie ist sympathisch, und das Workshop-Design war abwechslungsreich und engagierend.

Nach diesem Workshop war ich nicht erledigt, sondern energetisiert.

Echte Profis können Wunder wirken.

Erlesen – Erlernen – Erproben

E

Wir Edupreneure eignen uns ein neues Thema in drei Schritten an:

  1. Erlesen: Wir lesen uns in ein Thema ein. Wir versuchen, Informationen zu bekommen und verschiedene Blickwinkel auf das Thema zu gewinnen.
  2. Erlernen: Wir eignen uns das Thema an. Wir versuchen, es zu verstehen. Wir versuchen, uns unsere eigenen Fragen dazu zu beantworten und mögliche Widersprüche miteinander zu verbinden.
  3. Erproben: Wir versuchen, das Thema an andere weiterzugeben. Wir beginnen, es zu lehren. Wir spüren dabei, welche Aspekte wir doch noch nicht so ganz durchschaut haben oder welche Fragen unserer Schüler*innen wir noch nicht beantworten können.

Und dann beginnen wir wieder von vorne.

Nachhilfe-Kraftakte

N

Bei der Mathematik-Nachhilfe mit meiner Nichte lässt sich immer wieder folgendes Phänomen beobachten:

Zwei Wochen vor der Schularbeit setzen wir uns zusammen und üben sehr fleißig die Themen und Beispiele, die zur Schularbeit kommen könnten. Weil meine Nichte schlau und fleißig ist, schaffen wir es meistens, sie gut auf den Tag X vorzubereiten und das Optimum herauszuholen. Eine gute Note ist meist der Lohn für unsere gemeinsame Mühe.

Aber – und da ist ein großes Aber: Nach der Schularbeit, sobald die Schlacht geschlagen ist, sinkt ihr Interesse an Mathematik schlagartig. Gerade an dem Moment, wo sie durch harte Arbeit ein Top-Level erreicht hätte, lässt sie schlagartig nach.

Statt auf diesem hohen Level kontinuierlich weiterzumachen und damit mit weniger Aufwand für die nächste Schularbeit ein noch besseres Ergebnis einzufahren, stellt sie die Arbeit ein – bis zwei Wochen vor der nächsten Schularbeit, wo der Kraftakt wieder von Neuem beginnt.

Mir ist schon klar, dass meine Nichte hier keine Ausnahme ist, sondern die Regel unter Teenagern. Und ich verstehe sie auch irgendwie.

Und trotzdem denke ich mir: Schade drum.

Freude am Teilen

F

Es macht mir unglaubliche Freude, mein Wissen zu teilen.

Immer, wenn ich eine neue Buch-Notiz oder Podcast-Notiz veröffentliche, fühle ich mich danach irgendwie leichter – als wäre ich ein kleines Stück gewachsen. Als hätte sich mein Herz ein klein wenig weiter geöffnet. Schwer zu beschreiben.

Das, was ich gelernt habe, gehört nun nicht mehr nur mir, sondern steht auch allen anderen interessierten Menschen zur Verfügung, die sich auch dafür interessieren. Das gibt mir ein echt gutes Gefühl.

Klar, es kann sein, dass meine letzte Buch-Notiz niemals von jemand anderem aufgerufen wird. Dass sich kein Mensch dafür interessiert, was ich hier auf dieser Website blogge und poste.

Aber darum geht es nicht. Das Teilen an sich tut mir gut.

Was ich auf dieser Website teile, teile ich also nicht für Clicks, Applaus oder Anerkennung.

Ich teile aus purem Egoismus.

Internet-Vorbilder

I

Es gibt so viele großartige Leute da draußen, die großartige Sachen im Internet machen: Blogger, YouTuber, Newsletter-Autoren, Podcaster und so weiter.

Immer, wenn ich einen neuen dieser großartigen Content-Künstler entdecke, denke ich mir einen Moment lang: “Oh nein. Das ist sooo gut, da reichen meine halbherzigen Versuche nie heran.” Oder: “So gut, wie die ist, werde ich nie im Leben werden.”

Es ist leicht, entmutigt zu werden angesichts der vielen tollen Vorbilder, die es da draußen gibt.

Aber nach den Momenten des Selbstzweifels versuche ich, diese Vorbilder als Ansporn zu sehen. Nicht, so zu werden, wie sie sind, sondern mein Bestes zu geben und mein eigenes Ding zu machen.

Und vielleicht, mit viel Glück, werde ich dann selbst für jemand anderen zu einem Internet-Vorbild.

Superstars

S

Was die Superstars jeder Branche zu Superstars macht, ist die viel besprochene “Extra-Meile”.

Dieses bisschen mehr zu tun als notwendig ist es, was die Spreu vom Weizen trennt. Was den Profi zum Profi und vor allem den Superstar zum Superstar macht. Auch dann noch weiter zu machen, wenn es echt anstrengend wird. Auch dann noch ein Schäuferl draufzulegen, wenn sich die meisten denken: “Ist wurscht, das merkt eh keiner.”

Phil Collins erzählt in seiner Autobiographie, dass er sich nach jedem Genesis-Konzert im Hotelzimmer die Aufnahme des Konzerts nochmals angehört hat, um Fehler zu finden und beim nächsten Mal noch besser zu sein.

Wo andere Party machen, legt er ein Schäuferl drauf. Das macht ihn zum Superstar.

Axel Gloger: Betriebswirtschaftsleere (2016) 📙

A

Mich hat das Buch sehr inspiriert. Nicht nur, weil es meinem praktisch-pragmatischen Ansatz, BWL zu unterrichten, entsprochen – und damit bestätigt – hat. Vielmehr habe ich das Buch als Auftrag gelesen, dass ICH mich um eine „BWL für Solopreneure” kümmern muss – wenn’s sonst keiner macht.

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Fakten und Interpretation

F

Ich habe unlängst in einem Workshop folgende Übung probiert:

Die Teilnehmer*innen hatten am Vortag eine kurze Präsentation eines Projektes gehört. Aufgabe war es nun, innerhalb der Gruppe zusammenzutragen, was ihnen von dieser Präsentation hängen geblieben ist.

Aber mit folgender Einschränkung: Es durften nur echte Fakten genannt werden – keine eigenen Interpretationen, keine Ergänzungen, keine Schlussfolgerungen. Nur das, was wirklich gesagt wurde.

Das war eine schwierige Übung. Sie macht bewusst, wie schnell wir mit unseren Interpretationen zur Stelle sind. Und wie selbstverständlich wir unsere Interpretationen für Fakten halten.

Echte Expert*innen

E

Das großartige an Expert*innen ist, dass Sie Muster erkennen, die Laien einfach nicht sehen.

Unlängst habe ich mit einer echten Expertin gesprochen. Sie hatte keine anderen Informationen vorliegen als ich, aber sie hat es geschafft, aus diesen Informationen so viel mehr herauszulesen, als ich es jemals gekonnt hätte.

Nachdem sie mir die Muster erklärt hat, waren sie auch für mich offensichtlich. Eh klar. Aber gesehen hätte ich sie ohne ihre Hilfe trotzdem nie.

Echte Expert*innen tun nichts anderes, als das (für sie) Offensichtliche auszusprechen. Und genau darin liegt der Wert von Gesprächen mit echten Expert*innen.

Nicht genügend

N

Es macht mir keine Freude, eine*n meiner Studierenden mit “Nicht genügend” zu beurteilen.

Aber machmal ist die Mindest-Leistung, die am Beginn des Semesters vereinbart wurde, einfach nicht genügend gut erbracht worden.

Dann braucht es auch die Konsequenz, das aufzuzeigen und die Studierenden mit den Konsequenzen zu konfrontieren.

Was’s wiegt, das hat’s.

Wissen, was man weiß

W

Es ist ein interessantes Phänomen:

Oft wissen wir gar nicht, was wir alles wissen, bis wir uns mit jemand anderem darüber unterhalten haben.

Das ist auch das Faszinierende an meiner Tätigkeit als Berater: Viele Metaphern, Bilder und Konzepte entstehen bei mir erst während des Gesprächs mit meinen Kund*innen. Ich wusste davor gar nicht, dass diese Gedanken in mir stecken.

Erst dadurch, dass ich sie aussprechen konnte, werden sie für mich greifbar. Erst dann kann ich sie fassen, und erst dann kann ich sie weiter verarbeiten – z.B. hier im Blog.

Didaktik der Didaktiker

D

Ich muss es leider sagen: Selbst die didaktischen Handreichungen, die von Didaktiker*innen an deutschsprachigen Hochschulen kommen, lassen Klarheit und Verständlichkeit vermissen.

Die Texte sind großteils nicht gut geschrieben. Zu lang, zu umständlich, zu vage.

Ich bin überzeugt: Das ginge viel, viel besser.

Der Anspruch von Didaktiker*innen an ihre eigenen Materialien sollte viel höher sein.

Anstrengend

A

Einige meiner Studierenden möchten sich lieber nicht anstrengen.

Sie möchten die Lösung nicht selbst suchen. Sie möchten, dass ich ihnen den richtigen Weg vorzeige. Sie möchten, dass ich Ihnen die Mühe des Ausprobierens und des Fehlermachens erspare.

Das Problem dabei: So funktioniert Lernen nicht. Lernen ist anstrengend.

Je größer die Anstrengung, desto größer der Lerneffekt.