Tag#Lehren&Lernen

Motivierende Fragen

M

Ich finde es ausgesprochen motivierend, etwas gefragt zu werden.

Das liegt vermutlich an meinem Naturell als Lehrer. Als Lehrer muss ich es ja mögen, etwas gefragt zu werden, sonst habe ich meinen Beruf verfehlt. Und nicht zuletzt fühle ich mich auch ein bisschen wichtig, wenn ich was erklären kann.

Hin und wieder bekomme ich aber auch eine Frage der anderen Art. Nämlich eine Frage, die eigentlich ein Hinweis darauf ist, dass eine Erklärung von mir nicht hilfreich war. Gar nicht so selten deswegen, weil die Erklärung ganz einfach falsch war. Weil ich einen Fehler gemacht habe.

So sehr mich die Fragen motivieren, wo ich “glänzen” kann, so sehr sind jene Fragen wertvoll, die mich daran erinnern, dass ich auch manchmal einen Blödsinn rede.

Thinking Technology

T

Ein neues Konzept, das dir hilft, die Welt ein bisschen besser zu verstehen.

Ein neues Tool, das dir hilft, deine Arbeit ein bisschen besser zu erledigen.

Ein gutes Gespräch, das dir hilft, deine Gedanken ein bisschen besser zu ordnen.

All das ist Thinking Technology.

[Danke Shannon Waller für diesen Gedanken.]

Vortragen

V

Ich liebe es, wenn ich meinen Studierenden etwas erklären kann, wenn ich vor einer Seminargruppe etwas vortragen kann.

Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen. Ich mag das theatralische Element, und ich mag die Aufmerksamkeit.

Aber ich darf mich trotzdem immer wieder fragen: Muss ich dieses Thema wirklich vortragen? Gibt es wirklich keine bessere didaktische Alternative?

Könnte ich das meine Lernenden nicht selbst erforschen lassen?

Spannung

S

Attention (Aufmerksamkeit) kommt von tension (Spannung).

Ohne eine gewisse Spannung, ohne etwas, das unser Gegenüber ein bisschen verstört oder irritiert oder überrascht, werden wir keine Aufmerksamkeit geschenkt bekommen.

Aber es ist ein schmaler Grad: Tension, die nicht aufgelöst wird, die nur Fragezeichen hinterlässt, ist kontraproduktiv. Wenn es nämlich zu anstrengend wird, verlieren wir unser Gegenüber nämlich ebenfalls.

Aufmerksamkeit entsteht durch das richtige Maß von Spannung und Entspannung.

Profi-Berater

P

Der Profi-Berater führt nicht nur ein spannendes Beratungsgespräch, sondern er sagt am Ende auch nochmal: „Ich fasse zusammen: Wir haben Folgendes besprochen: …“ Oder er fragt: “Was war in unserem Gespräch heute für Sie am wertvollsten?”

Das tut er für sich selbst, aber vor allem tut er es für seine Kund*innen.

Lernen lebt von der Wiederholung.

Was macht für mich “gute Lehre” aus?

W
  • Respekt vor der Institution (Fachhochschule) und dem Geist der Hochschullehre.
  • Respekt vor dem Fach und dessen Tradition bei gleichzeitiger Offenheit für das, was gerade jetzt in der Gesellschaft und dem Leben der Studierenden relevant ist. 
  • Respekt vor den Studierenden als Menschen mit ihren individuellen Persönlichkeiten, Zielen und Herausforderungen.
  • Respekt vor der eigenen Kompetenz als Lehrender, der Begeisterung für das Fach und dem Bestreben, stets sein Bestes zu geben.

Wirtschaftspädagogik

W

Ich bin Wirtschaftspädagoge.

Auch wenn ich nie Wirtschaftspädagogik studiert habe.

Klare Ansagen

K

Bei der Kinder-Olympiade des Judo-Vereins beobachtet:

Kinder lieben Betreuer*innen, die freundliche, aber klare Ansagen geben. Die gerade heraus sagen, was gerade wichtig und was zu tun ist. Die Grenzen aufzeigen und Überschreitungen nicht durchgehen lassen.

Diese Betreuer*innen werden von den Kindern respektiert und wirklich gern gemocht.

Die Betreuer*innen, die aus guter Intention heraus “nicht so streng” sein wollen, mit denen tun sich die Kinder hingegen schwer. Deren Ansagen sind wisch-waschi, sie sind unbeständig und inkonsequent – und damit auch die Kinder.

Gilt natürlich nicht nur für Kinder.

The spirit of play

T

Ein schönes Date, ein erfolgreiches Business-Meeting, eine gelungene Beziehung…

Alles, was wir in unserem Leben gut machen, ist der Geist des Spielens inne – the spirit of play.

Meine besten Beratungsgespräche sind “spielerisch” – ein Austausch auf Augenhöhe, in dem beide Seiten herausgefordert sind und Freude an der Interaktion empfinden.

Meine besten Lehrveranstaltungen sind wie ein Spiel. Ernsthaft, aber mit einer gewissen Leichtigkeit, mit Humor und mit Raum für spontane Ideen.

Der Grad an “playfulness” ist ein sehr verlässlicher Indikator dafür, ob etwas “passt” oder nicht.

If it’s not fun, you’re playing it wrong.

[Danke Jordan Peterson für diesen wunderbaren Gedanken.]

Wie Schulen

W

Unlängst meinte eine Gründerin zu mir: “Die meisten Unternehmen funktionieren wie Schulen.”

Das war nicht als Lob gemeint. Und sie hat recht: Was in Unternehmen gefragt ist, sind fleißige, ordentliche, nicht zu laute Mitarbeiter*innen, die zwar mitdenken, aber nicht alles in Frage stellen – und die sich auch mal was sagen lassen vom Chef.

Natürlich könnte man es auch so sehen, dass auch im Jahr 2022 viele Schulen noch wie Unternehmen funktionieren.

Insofern passt das ja gut zusammen: Man lernt in der Schule, wie man erfolgreich in einem Unternehmen agiert.

Die Frage ist nur, ob wir damit die erzieherischen und unternehmerischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts lösen werden. Meine Gründerin glaubt das nicht.

Ich auch nicht.

Selbsthilfegruppen

S

Wir Lehrer*innen lehren oft, was wir selber lernen wollen.

Wir Berater*innen beraten oft, worin wir selbst Beratung gebraucht haben oder immer noch brauchen.

Wir lehren und beraten also “unsere Themen”, die uns ein Leben lang begleiten. Diese Themen kommen nicht zufällig zu uns, sondern sind ein integraler Bestandteil dessen, was uns als Person ausmacht.

In Wirklichkeit gründen wir Selbsthilfegruppen.

Mach es besser

M

Bryan Adams erzählt folgende Geschichte über den Beginn seiner Zusammenarbeit mit dem legendären Produzenten Mutt Lange:

Way back, just before I made the album “Waking Up The Neighbours”, I had written a whole album of songs. I started working with Mutt and I played Mutt the songs, thinking that Mutt was going to produce them.
And Mutt looked at me and said, “Well, you know… That’s nice.”
I said, “What do you mean?”
He goes: “Yeah, I think… I think you can do better.”
I say, “Okay… What do you want to do?”
“Start again.”

So we scrapped the entire record and took pieces of it and re-wrote the songs and made “Waking Up The Neighbours.” […] That’s when I learned to actually not be precious about little things you come up with or the songs you come up with.
You know what? It could be better. And so – make it better!

Bryan Adams im Rockonteurs Podcast, 29. Mai 2022 (ab 14:28)

Was ich daraus lerne: Sei nicht eingeschnappt, wenn dir jemand sagt, dass deine Idee nicht besonders gut ist. Nimm die Herausforderung an und mach es besser – und lass dir dabei helfen von Menschen, die nur dein Bestes im Sinn haben.

Schnecken ausweichen

S

Heute bin ich beim Laufen auf eine Schnecke getreten. 

Wenn es regnet, kommen entlang meiner Laufstrecke jede Menge Schnecken raus. Ich weiß das, und ich versuche ihnen so gut ich kann auszuweichen. Aber heute kam eine so schnell um die Ecke, dass ich nicht rechtzeitig bremsen konnte. 

Es tat mir natürlich furchtbar leid. Während meine Gedanken noch bei der armen Schnecke waren und meinen Selbstvorwürfen und Überlegungen, wie ich solche Unglücke in Zukunft vermeiden könnte, wäre ich beinahe auf drei weitere Schnecken getreten. 

Fehler passieren. Leider. Aber ihnen nachzuhängen vergrößert das Unglück meistens nur. 

Richte den Blick nach vorne. Den anderen Schnecken zuliebe. 

Türen öffnen

T

Jordan Peterson drück wunderbar aus, warum ich so gerne Lehrer und Gründungsberater bin:

One of the reasons why good professors – and good businessmen – love to be in the position they’re in is because they can identify young people who are promising and open up doors of opportunity to them. It’s really intrinsically motivating. 

Jordan Peterson

Love my job! ❤️

Schwere Übung

S

Empfohlen von Derek Sivers:

1. Versuche das Gegenteil dessen zu finden, was du für gut und richtig hältst.

2. Denk wirklich darüber nach. Könnte das stimmen? Was davon stimmt – und warum?

Beispiel: Lifestyle Entrepreneure sind keine richtigen Unternehmer.

Mach das 20 Minuten lang. Und dann schau, was dabei raus kommt.

Die Zauberkraft von Konzepten

D

Gute Konzepte – zur richtigen Zeit am richtigen Ort – erklären uns die Welt.

Sie bringen Licht in Situationen, wo Dunkel herrschte. Sie verändern den Blickwinkel in Richtung Klarsicht. Sie lösen Aha-Erlebnisse aus und wirken verlässlich gegen Verwirrung.

Gute Konzepte wirken Wunder.

Viel hilft viel?

V

Ein neues Bildungs-Angebot der Wirtschaftskammer Österreich für Gründer*innen rühmt sich damit, dass es Zugang zu über 16.000 Kursen ermöglicht.

Grundsätzlich ist jedes Angebot willkommen, das Gründer*innen unterstützen soll.

Aber 16.000 Kurse? Im Ernst?

So viel Angebot ist in Wirklichkeit gar kein Angebot. Das Problem für Gründer*innen ist ja nicht, an Wissen und Information zu kommen. Das Problem ist, Orientierung zu finden in der Informationsflut. Zu wissen, was relevant ist und was nicht. Zu unterscheiden, was für den Start essenziell ist und was nur Ablenkung.

Es käme also nicht auf den Umfang an, sondern auf die Auswahl. Dafür bräuchten Gründer*innen Unterstützung – nicht für noch mehr ungefilterte Information.