Tag#Lehren&Lernen

Wissen, was man weiß

W

Es ist ein interessantes Phänomen:

Oft wissen wir gar nicht, was wir alles wissen, bis wir uns mit jemand anderem darüber unterhalten haben.

Das ist auch das Faszinierende an meiner Tätigkeit als Berater: Viele Metaphern, Bilder und Konzepte entstehen bei mir erst während des Gesprächs mit meinen Kund*innen. Ich wusste davor gar nicht, dass diese Gedanken in mir stecken.

Erst dadurch, dass ich sie aussprechen konnte, werden sie für mich greifbar. Erst dann kann ich sie fassen, und erst dann kann ich sie weiter verarbeiten – z.B. hier im Blog.

Didaktik der Didaktiker

D

Ich muss es leider sagen: Selbst die didaktischen Handreichungen, die von Didaktiker*innen an deutschsprachigen Hochschulen kommen, lassen Klarheit und Verständlichkeit vermissen.

Die Texte sind großteils nicht gut geschrieben. Zu lang, zu umständlich, zu vage.

Ich bin überzeugt: Das ginge viel, viel besser.

Der Anspruch von Didaktiker*innen an ihre eigenen Materialien sollte viel höher sein.

Anstrengend

A

Einige meiner Studierenden möchten sich lieber nicht anstrengen.

Sie möchten die Lösung nicht selbst suchen. Sie möchten, dass ich ihnen den richtigen Weg vorzeige. Sie möchten, dass ich Ihnen die Mühe des Ausprobierens und des Fehlermachens erspare.

Das Problem dabei: So funktioniert Lernen nicht. Lernen ist anstrengend.

Je größer die Anstrengung, desto größer der Lerneffekt.

Kommt das zur Prüfung?

K

Mein Ziel als Lehrender ist es, Begeisterung für die BWL zu vermitteln. Zu zeigen, dass es sich dabei um ein sehr spannendes Thema handelt mit viel Praxisrelevanz. Ich will meine Studierenden zu eigenständigem wirtschaftlichen Denken und zum engagierten Anwenden ihres betriebswirtschaftlichen Wissens befähigen und ermutigen.

Der Fokus meiner Studierenden liegt jedoch sehr häufig auf der Prüfung. Ihr wichtigstes Ziel ist es, die Prüfung zu bestehen, um durch das Fach und im Studium weiter zu kommen.

Dadurch entsteht ein Spannungsfeld: Ich möchte Begeisterung vermitteln, die Studierenden fragen sich aber primär: Kommt das zum Test?

Dieses Spannungsfeld geht nicht weg, egal wie sehr ich mich um spannende Methoden und Inhalte bemühe.

Mit diesem Spannungsfeld müssen Lehrende wie Studierende leben.

Schule

S

Wozu gehen wir in die Schule?

In die Schule gehen Sie doch gar nicht, damit Sie sich diese Einzelheiten merken, sondern damit Sie lernen, sich mit anderen vernünftig über Sachverhalte zu verständigen.

Stefan Hopmann, Bildungswissenschaftler, NEWS 39|2021

Deshalb geht es auch nicht darum, ob wir Lehrende noch diesen Lehrinhalt vermitteln oder jene Einzelheit erwähnen. Darauf kommt es nicht an.

Es geht viel mehr darum, dass wir die Lernfreude, Lernfähigkeit und Gemeinschaft bei unseren Schüler*innen fördern.

Das brauchen sie nämlich auch noch, wenn sie erwachsen sind.

Lehrling

L

Was für Neugründer*innen sehr ernüchternd ist – speziell dann, wenn sie als Angestellte sehr erfahren und kompetent waren:

Wer ein Unternehmen gründet, wer sich selbständig macht, startet komplett von Neuem. Als Lehrling.

Es gibt viel umzulernen, dazuzulernen, und zu verlernen. Und das dauert. Das geht nicht von heute auf morgen, und das ist frustrierend.

Wer Erfolg haben möchte, braucht die Geduld und die Demut, diesen Lernprozess zuzulassen.

Auch in der Selbständigkeit ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Gute Trainer

G

Die Kunst eines einer guten Trainerin, eines guten Trainers ist es, ihrem Publikum gut zuzuhören und wirklich auf dessen Fragen einzugehen.

Nicht annehmen, was eine Teilnehmerin meinen könnte, wenn sie etwas fragt oder sagt. Sondern zuhören (und gegebenenfalls nachfragen), was die Teilnehmerin wirklich meint.

Und ausreden lassen.

Ist oft gar nicht so einfach.

Qualifizierung

Q

“Das Training war super, aber machen kann ich nichts damit.”

Was soll das bitte bringen?

Weiterbildung hat nur einen Wert, wenn das Wissen auch verwendet werden kann.

Million Dollar Ideas

M

Sich mit geeigneten Konzepten die Welt erschließen zu können, ist ungemein wertvoll – nicht nur, aber besonders im Business-Kontext.

Jedes Konzept, mit dem wir uns, unsere Kunden oder „den Markt“ besser verstehen, ist potenziell tausende von Euro wert.

Eine „million dollar idea“ hat stets ihren Ausgangspunkt in einem Menschen, der ein Konzept kapiert hat. 

Aus Wissen Handlungsanleitungen destillieren

A

Nur ganz wenige Menschen wollen deinen Blog-Artikel oder dein Buch lesen. Oder deinen Podcast hören. Oder dein Video anschauen.

Die meisten wollen nur wissen: Sag mir, was ich konkret tun soll. 

Wissen zu konkreten Handlungsanweisungen zu verdichten, das ist die wirkliche Arbeit von Lehrer*innen und wirklich guten Content Creatoren. Das macht kaum wer.

Kaum wer sagt klipp und klar, was zu tun wäre. Die meisten eiern herum. Dabei würden so viele Menschen genau diese Handlungsanleitungen besonders nützlich finden.

Dankbare und undankbare Themen

D

Auch Amateur-Trainer*innen können z.B. Marketing-Themen so unterrichten, dass sie anschaulich sind. Das liegt daran, dass das Thema an sich spannend ist. Marketing ist ein dankbares Thema.

Aber es braucht echte Profi-Trainer*innen, um Themen wie Buchhaltung anschaulich und unterhaltsam zu vermitteln. Buchhaltung ist ein undankbares Thema.

Undankbares Thema + Profi-Trainer = dankbares Publikum

Überraschungserfolg

Ü

Vor fünf Monaten habe ich für meine Studierenden ein Erklärvideo zum Thema “Cash Flow Rechnung” aufgenommen. Pandemiebedingt war damals kein Präsenzunterricht möglich, also waren Erklärvideos das zweitbeste Mittel der Wahl für meine Studierenden.

Weil das Video sowieso schon aufgenommen war, dachte ich mir: Ist ja egal, stellst du es halt auf YouTube, vielleicht kann es ja auch sonst noch jemand brauchen.

Gestern wurde das Video zum tausendsten Mal aufgerufen. 1000 Views in fünf Monaten, das hätte ich mir nie gedacht. Ganz ohne Werbung, komplett ohne Promotion. Rein organisch.

Für mich wieder mal ein Beweis dafür, wie schlecht ich darin bin, den Erfolg oder Misserfolg meines Contents vorauszusagen. Meine besten Blog-Artikel verpuffen im Nichts, dafür werden vermeintlich unscheinbare Videos wie dieses zum Renner.

Als ob ich dafür noch einen Beweis gebraucht hätte.

Selbsternannte Experten

S

Selbsternannte “Experten” sind oft diejenigen, die noch am meisten zu lernen haben. Die Meinung mit Wissen verwechseln. Die sich ihrer Wissenslücken gar nicht bewusst sind.

Also keine Angst davor, diese selbsternannten Experten zu beraten oder zu unterrichten.

Sie werden von dir mehr lernen, als sie dachten.

Ihre Lehrveranstaltung

I

Es ist ein hilfreicher Gedanke, den sich FH-Lehrende immer wieder vergegenwärtigen sollten:

Es ist die Lehrveranstaltung der Studierenden, nicht meine.

Und es schadet auch nicht, die Studierenden immer wieder mal daran zu erinnern.

Großzügigkeit

G

Großzügig zu sein, macht ungeheuer attraktiv.

Eine der besten Investitionen in das eigene Lifestyle Business ist es, großzügig sein Wissen mit anderen zu teilen, ohne sofort den eigenen Vorteil im Auge zu haben.

Der ROI davon ist unvergleichlich.

Studierende helfen Studierenden

S

Manchmal ist es gar nicht nötig, dass ich als Lehrender rasch auf eine Frage eines Studierenden antworte.

Wenn ich mir mit meiner Antwort ein bisschen Zeit lasse, kann es sein, dass mir eine andere Studierende mit der richtigen Antwort zuvor kommt.

So helfen einander die Studierenden untereinander.

Win – win.

Lebendig

L

Manchmal müssen wir etwas Neues wagen, damit wir uns wieder lebendig fühlen.

Damit wir uns mal wieder richtig g‘spüren.