Tag#Gesellschaft&Politik

First Mover Advantage in Österreich

F

Wir Österreicher sind ein ängstliches Volk. Sehr vorsichtig. Nur keine Wellen schlagen. Nur nichts riskieren, es könnte ja schief gehen.

Das ist die negative Seite. Die positive: Wer in Österreich etwas wagt, hat meistens den First Mover Advantage. Wer etwas probiert, das schief gehen könnte, hat meistens wenig Konkurrenz zu fürchten.

Wer in Österreich erfolgreich ist, hat schnell Neider. Aber wer in Österreich etwas riskiert, das schief gehen könnte, braucht praktisch keine Angst vor Nachahmern haben.

Kapitalismus-Kritik

K

Eine Sache, die Wolf Lotter sehr stört und die mir in Diskussionen mit an sich sehr schlauen Menschen auch immer wieder auffällt:

Viele derer, die meinen, dass der Kapitalismus an allem Schlechten in der Welt schuld sei (Klimakrise, Kriege, soziale Isolation, Korruption etc.), haben (leider) erstaunlich wenig Ahnung vom Kapitalismus.

Um etwas zu kritisieren, müsste man sich zuerst mal gründlich damit auseinandersetzen. Schon in der Bibel heißt es:

“Lobe keinen Menschen, ehe du nachgedacht hast;
denn das ist die Prüfung für jeden!”

Sir 27,7

Mit dem Kapitalismus ist es wie mit dem Handy: Das Handy ist nicht schuld. Das Handy ist das, was wir Menschen damit machen. Es ist der Umgang mit dem Handy, den man kritisieren kann. Aber das Handy ist nur ein Ding. Es hat keine Agenda.

Auch der Kapitalismus ist nur ein Werkzeug, das von Menschen geschaffen wurde. Der Kapitalismus an sich will gar nichts. Wir Menschen sind es, die den Kapitalismus für unsere Sache einsetzen. Und diese Sache ist mal gut und mal schlecht. Und manchmal selbstzerstörerisch.

Ja, am Kapitalismus gäbe es viel zu verbessern. Da tut sich ein breites Feld auf, und da gibt es auch schon durchdachte Überlegungen (z.B. die Gemeinwohlökonomie).

Aber reparieren kann nur jemand, der tragfähiges Vorwissen hat.

Komfortzonen-Bürger

K

Etwas zum Nachdenken von Wolf Lotter:

Es ist in unserer Gesellschaft schwer, nichts zu tun.

Aber es ist ganz, ganz leicht, intellektuell faul zu sein.

Einfache Antworten

E

Natürlich sind wir alle auf der Suche nach einfachen Antworten. Das Leben ist kompliziert genug, und es wäre sehr hilfreich, wenn es zumindest da oder dort jemanden gäbe, der genau sagen könnte, was konkret zu tun ist.

Expert*innen erfüllten genau diese Aufgabe (oder sollten sie erfüllen). Sie können komplexe Sachverhalte vereinfacht darstellen und Handlungsanleitungen geben. Sie ermöglichen es, dass wir nicht alles wissen müssen, sondern uns auf das konzentrieren können, was gerade für uns wichtig ist.

Das Problem entsteht aber dann, wenn wir zwar einfache Antworten bekommen, aber auf die falschen Fragen.

BWL und die gesellschaftliche Transformation

B

Die BWL hat in der öffentlichen Diskussion oft keinen leichten Stand. Sie ist gerne der Buhmann und Sündenbock für die Probleme in unserer Gesellschaft – von sozialer Ungerechtigkeit bis zum Klimawandel. Nach dem Motto: Diese verdammten Betriebswirte, die machen uns mit ihrem ständigen Profitdenken und ihrem ewigen Wachstum doch vollkommen kaputt!

Als Betriebswirt bin ich fest davon überzeugt, dass die BWL hier unter ihrem Wert geschlagen wird. Die BWL hätte nämlich einiges beizutragen zu positiven Veränderungen in unserer Gesellschaft. Da gäbe es spannende Konzepte, die man diskutieren könnte. Da gibt es bewährte Traditionen, auf die wir uns nur rückbesinnen müssten.

Aber nicht nur das. Ich sage: Die BWL kann rein gar nichts dafür. Es liegt immer noch an den Menschen, wie sie die Konzepte der BWL (und andere Phänomene unserer modernen Gesellschaft) verwenden.

Die Gier des Menschen gab es lange, bevor die BWL erfunden wurde.

Geschwurbel

G

Aus dem Jahresbericht irgendeines österreichischen Unternehmens:

Durch umfangreiche Analysen unserer Kernzielgruppe gelingt eine einzigartige Fusion aus Wissenschaft und Praxis – mit den Vorteilen, Erkenntnisse von der Praxis für die Praxis zu gewinnen und Innovationen anzutreiben. Damit sind wir am Puls einer sich ständig wandelnden Arbeitswelt.

Was für ein Schrott. Wie kann man in so vielen Worten praktisch nichts sagen? Lauter Gemeinplätze, praktisch keine Aussage. Ein einziges Buzzword-Bingo.

Liebe Unternehmen, verkauft eure Mitarbeiter*innen nicht für blöd. Diejenigen, die sich noch für euch interessieren und die ihr nicht schon längst mit solchen Unsinnigkeiten abgeturnt habt, interessieren sich dafür, was euch wirklich beschäftigt.

Redet doch Klartext. Sprecht von dem, was euch wirklich bewegt. Offen und ehrlich, ohne Selbstbeweihräucherung.

Lasst die Marketing-Sprache weg, und sprecht wie echte Menschen.

Brav

B

Wir Österreicher*innen sind sehr brav.

Wir halten uns an die Regeln. Wir haben meist ein schlechtes Gewissen, wenn wir etwas tun, was vielleicht nicht ganz “sauber” sein könnte. Wir wollen keine Scherereien. Wir wollen nichts falsch machen.

Deshalb üben wir mitunter vorauseilenden Gehorsam. Damit blockieren wir uns jedoch, und wir schränken unsere Handlungsspielräume ein.

“Ask for forgiveness, not permission”, sagen die Amerikaner.

Pessimisten sind lauter

P

Wir Menschen nehmen pessimistische Menschen tendenziell als intelligenter wahr als optimistische.

Eine negative Konzertbesprechung klingt intelligenter als eine positive. Ein Lehrer, der schlechte Noten vergibt, wirkt anspruchsvoller als einer, der eher positiv beurteilt. Ein Unternehmensberater, der vor allem die Fehler aufzeigt, wirkt kompetenter als ein Kollege, der vor allem auf die guten Seiten des Unternehmens fokussiert.

Das ist ein Problem.

Weil wir dadurch nämlich dazu neigen, eher auf die Pessimisten als auf die Optimisten zu hören.

Unpopulär

U

Das Richtige zu tun, ist manchmal unpopulär. Man stößt damit andere Menschen vor den Kopf.

Damit müssen wir leben. Denn: Was wäre die Alternative?

Teil der Lösung sein

T

Selbst der kleinste Beitrag kann am Ende einen enormen Unterschied machen, wenn es um eine clevere, faire und nachhaltige Lösung geht.

“Ich möchte Teil der Lösung sein” darf nicht nur ein Lippenbekenntnis sein.

Es ist ein Aufruf zum Handeln.

Ehrlichkeit (2)

E

Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, dann ist Ehrlichkeit notwendig.

Wenn wir zueinander und uns gegenüber nicht ehrlich sind, brauchen wir uns nicht wundern, wenn alles bleibt, wie es ist.

Hervorragende Betriebswirte

H

Unser Land braucht hervorragende Betriebswirte. Nicht gute Betriebswirte, sondern hervorragende.

Die Herausforderungen unserer Zeit sind groß. Es gibt viel zu tun.

Gute, also durchschnittliche, Betriebswirte werden diese Herausforderungen nicht lösen. Gute Betriebswirte werden keinen großen Erfolg haben. Wir brauchen sehr, sehr gute Betriebswirte, weil wir sehr, sehr große Räder drehen müssen. Wir brauchen sie wie einen Bissen Brot.

Die Zukunft unserer Welt liegt maßgeblich in den Händen jener jungen Betriebswirt*innen, welche dieser Tage mit ihrem BWL-Studium beginnen.

Wir zählen auf euch!

Böse Leistungsgesellschaft

B

Es ist sehr en vogue, die Leistungsgesellschaft zu kritisieren.

Aber: Was kritisieren wir eigentlich, wenn wir Leistung oder die Leistungsgesellschaft kritisieren?

  • Die Art und Weise, wie wir arbeiten und leisten?
  • Die Ergebnisse, die unsere Leistungen erbringen?
  • Das Wofür?
  • Oder Leistung als solche?

Leistung als solche zu kritisieren, ist keine gute Idee. Wenn wir Dinge verändern wollen, brauchen wir Leistung. Wir wollen ja was bewirken. 

Über das Wie und vor allem das Wozu der Leistung… Das lasst uns gerne neu denken.

[Danke Benjamin Rolff für diesen Gedanken.]