Tag#Gesellschaft&Politik

Innovation

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Innovation ist nur dann möglich, wenn man sich etwas traut.

Und je mehr sich gemeinsam etwas trauen, desto besser.

[Danke Markus Peschl für den Gedanken, den er mir 2012 mitgegeben hat und der aktuell wieder sehr relevant wird.]

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Venture Capitalists haben ihre ganz eigene Logik. Sie investieren in eine Vielzahl von Start-ups und sind zufrieden, wenn eines von zehn Start-up-Investments erfolgreich ist.

Aus meiner Sicht ein wichtiger Aspekt dabei: Venture Capitalists ist es wurscht, welches der zehn Start-ups erfolgreich ist. Es geht ihnen nicht um die Menschen hinter den Start-ups, sondern rein wirtschaftlichen Erfolg.

Aber was ist mit jeder Einzelnen und jedem Einzelnen der Menschen, die zu den 90% der nicht erfolgreichen Startup-Gründer zählen? Für die sieht die Sache ganz, ganz anders aus. Für sie ist eine gescheiterte Gründung mitunter ein persönliches Drama.

Venture Capitalists ist das aber wurscht. Das muss jedem bewusst sein, der glaubt, in einem VC-Investment sein Heil zu finden.

[Danke Günter Faltin für diesen Gedanken.]

Über die Bande spielen

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Wolf Lotter sagt, dass in Unternehmen viel „über die Bande gespielt“ wird: Man spricht die Sachen nicht direkt an, sondern redet darum herum. Die Elefanten im Raum werden nicht direkt adressiert, sondern man spielt ein Theater, wo es eher um Selbstdarstellung, Gesichtswahrung und Fehlervermeidung geht.

Dass das nicht besonders hilfreich ist, dürfte klar sein. Eigentlich ist es sogar völlig kontraproduktiv. Trotzdem ist es ganz oft gelebte Praxis.

Mir fällt aber auf, dass immer mehr Menschen da nicht mehr mitmachen wollen. Sie haben das Über-Bande-Spielen satt. Sie wollen ehrliche Gespräche führen über die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Auf Augenhöhe, und von Mensch zu Mensch.

Das macht mir Mut.

Selbständige Migrant*innen

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Ich habe immer gedacht, der Anteil von Gründer*innen und Selbständigen wäre unter Migrant*innen besonders hoch — aus Mangel an Alternativen am Arbeitsmarkt, und weil die Selbständigkeit eine Möglichkeit ist für sozialen Aufstieg.

Aber das stimmt (zumindest in Österreich) nicht, sagt eine aktuelle Studie des IHS im Auftrag des Integrationsfonds. Migrant*innen sind weniger häufig selbständig als Österreicher*innen.

Wieder was gelernt!

Leistungsgesellschaft

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Ich war lange ein Skeptiker der Leistungsgesellschaft. Ich fand es unmoralisch, unsere Kinder immer auf Leistung zu drillen, als ob das das einzig Wichtige im Leben wäre.

Das Buch Ihr kriegt den Arsch nicht hoch von Evi Hartmann hat aber meine Perspektive verändert.

Es gibt Menschen, die freiwillig mehr leisten, als notwendig. Die freiwillig mehr Verantwortung übernehmen, wo sich die meisten lieber wegducken. Die freiwillig Arbeit übernehmen – nicht, weil sie dabei etwas gewinnen können, sondern weil die Arbeit einfach gemacht gehört.

Für diese Menschen müssen wir eine Leistungsgesellschaft ermöglichen. Für diese Menschen muss gelten: Leistung muss sich lohnen! Wir sollten alles unternehmen, um diesen Menschen ein ungestörtes Arbeiten zu ermöglichen und ihnen nicht ständig Steine in den Weg legen.

In unserer Welt und in unserer Gesellschaft gibt es nämlich eine Menge Probleme zu lösen und sehr viel Arbeit zu übernehmen. Wir brauchen deshalb Menschen, die mehr tun als notwendig. Deren Ziel es nicht ist, mit so wenig Anstrengung wie möglich durchs Leben und möglichst früh in Pension zu gehen.

Für diese Menschen brauchen wir eine Leistungsgesellschaft.

Für alle anderen gibt es eh Netflix.

Die Umwandlung von öffentlichen Gütern zu privaten Gütern

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Öffentliche Güter sind in der Volkswirtschaftslehre Güter, bei denen man niemanden vom Konsum ausschließen kann und die von vielen Menschen gleichzeitig genützt werden können. Bespiele für öffentliche Güter sind Luft, eine schöne Landschaft oder Frieden.

Mit öffentlichen Gütern lässt sich allerdings kein Umsatz machen. Deshalb bieten sie private Unternehmen nicht an. Es entsteht kein Markt, und der Staat muss eingreifen.

Geld lässt sich mit öffentlichen Güntern nur verdienen, wenn sie in private Güter umgewandelt werden. Soll heißen: Wenn man Wege findet, Menschen vom Konsum eines Gutes auszuschließen, wenn sie nicht dafür bezahlen.

Das passiert sehr häufig in der Medienlandschaft. Güter, die eigentlich öffentlich sind oder sein könnten, werden in private Güter umgewandelt. Und wir merken es nicht einmal.

Micro-Entrepreneurship

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Unlängst habe ich einen neuen Begriff kennengelernt: Micro-Entrepreneurship

Es ist die Idee, dass immer mehr Menschen in immer mehr Bereichen des Lebens unternehmerisch tätig werden. Nicht unbedingt in ihren eigenen kleinen Unternehmen oder als Selbständige, sondern auch als Mikro-Unternehmer in ihren Karrieren, Netzwerken und Gemeinschaften.

Micro-Entrepreneurship ähnelt der Idee des Zivilkapitalismus insofern, als Entrepreneurship hier nicht mehr nur den großen Unternehmen vorbehalten bleibt, sondern jeder Bürger und jede Bürgerin für sich unternehmerisch tätig werden kann. Eine Demokratisierung des Entrepreneurship also, ganz im Sinne eines Citizen Entrepreneurship.

Ich bin davon überzeugt, dass Micro-Entrepreneurship eines der großen Themen der nächsten Zeit ist.

[Danke Philipp Maderthaner für diesen Hinweis.]

Dialekt

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Als studierter Sprachwissenschaftler weiß ich, dass ein Dialekt, eine Umgangssprache oder eine Mundart nicht “minderwertig” sind gegenüber der Standardvariation (z.B. “Hochdeutsch”). Sie sind vollwertige Sprachen, und deren Sprecher sprechen genauso “schön” wie die Sprecher der Standardvariation.

Weil ich das weiß, versuche ich meinen Kindern von Anfang an meine Weinviertler Mundart beizubringen. Sie sollen “zweisprachig” aufwachsen: Hochdeutsch von der Mama, Mundart vom Papa. So hatte ich das zumindest geplant. In der Realität sprechen sie fast ausschließlich ihre (im wahrsten Sinn des Wortes) Muttersprache – aber das ist eine andere Geschichte.

Wie dem auch sei: Ich bleibe bei meinem Dialekt, und ich stelle immer wieder freudig und stolz fest, dass mich meine Kinder gut verstehen und manchmal sogar Freude daran haben, mit Dialektausdrücken zu spielen.

Und dennoch: Wenn ich an der FH unterrichte, gerate ich hin und wieder ins Zweifeln. Ich spreche dort eine “gehobene Umgangssprache”, die sich für mich sehr authentisch anfühlt und mit der ich mich leicht und flüssig ausdrücken kann. Aber wenn ich wie unlängst einen lehrenden Kollegen höre, der in schönstem Hochdeutsch zu den Studierenden spricht, dann denke ich mir: Heast, das klingt viel professioneller, kompetenter und gescheiter als das, was ich rede.

Als studierter Sprachwissenschaftler weiß ich nämlich auch, dass Menschen, die Dialekte, Mundarten und Umgangssprachen des Deutschen sprechen, als weniger intelligent und weniger gebildet wahrgenommen werden als Sprecher der Standardvariation (siehe z.B. hier).

Dieses Vorurteil ist natürlich Blödsinn, und ich kämpfe so gut ich kann dagegen an. Aber manchmal habe ich das Gefühl, ich kann ihm selbst kaum entkommen.

Was macht mich eigentlich aus?

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Eine Gründer*in sagte unlängst zu mir:

Ich biete so viele Sachen an – aber was macht mich denn eigentlich aus?

Und damit stellt sie die wahrscheinlich schwierigste und gleichzeitig grundlegendste Frage, die man im Zeitalter des Individualismus stellen kann: Wer bin ich eigentlich? Was macht mich besonders?

Auf diese Frage lässt sich halt leider keine endgültige Antwort finden.

Jede Antwort ist eine Momentaufnahme.

Schwer umsetzbar

S

Lang hat’s nicht gedauert, bis meine Vorhersage eingetroffen ist:

„Schwer umsetzbar“ erscheint den Pädagoginnen und Pädagogen auch die Implementierung von 13 fächerübergreifenden Themen in den Unterricht. Diese reichen von „Entrepreneurship Education“, „informatische“ und „interkulturelle Bildung“ über „reflexive Geschlechterpädagogik“ und „Gleichstellung“ bzw. „Sexualpädagogik“ bis zu „Verkehrsbildung“ und „Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung“.

Lehrerkritik an neuen Lehrplänen, orf.at Artikel vom 20. September 2022

Da wird wohl nix Gscheits raus kommen. Schade.

Moderne Wahrsager

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Fritz Meißl, Geschäftsführer des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds, auf die Frage, wie sich der Arbeitsmarkt in der nächsten Zeit entwickeln wird:

„Derzeit ist es so extrem schwierig zu beantworten, wie sich die Welt weiterentwickelt, die Gesellschaft weiterentwickelt, die Wirtschaft und damit der Arbeitsmarkt weiterentwickelt.“

“Nachgehört / Vorgedacht – ein ÖGB Podcast” vom 16. August 2022 (Link)

Derzeit!?

Es war nie leicht, und es wird nie leicht werden, die Zukunft vorauszusagen. 

Insofern sind die Experten von heute auch nicht viel mehr als moderne Wahrsager.

Entrepreneurship Education in der Schule

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In Österreich soll das Thema “Entrepreneurship Education” in Zukunft als fächerübergreifende Kompetenz im Lehrplan verankert sein, und zwar bereits in Volksschule, Mittelschule und AHS-Unterstufe (Bericht).

Diese Initiative ist natürlich löblich.

Aber ich frage mich: Wie sollen Lehrer*innen Entrepreneurship Education glaubwürdig und begeisternd unterrichten?

Mein Eindruck ist nämlich, dass die meisten Lehrer*innen ihren Beruf deswegen gewählt haben, weil sie eher nicht der unternehmerische Typ sind. Sie mögen es gerne geordnet, vorhersehbar, berechenbar und regelgeleitet. 

Daran ist nichts Schlechtes, aber es ist das Gegenteil von Entrepreneurship. Daher ist wohl zu erwarten, dass viele Lehrer*innen mit der Aufgabe, Entrepreneurship Education zu unterrichten,  überfordert sein werden – zumal fächerübergreifend. 

Da wird nicht viel Unternehmergeist bei den Schüler*innen ankommen.

Zahltag

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Ein großes Problem unserer heutigen Zeit brachte ein Gründer mal folgendermaßen auf den Punkt:

Wenn alles so billig ist… irgendjemand zahlt drauf. Und wenn niemand zahlt, zahlt die nächste Generation.

Online Coaching

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Im Online-Coaching-Markt treiben sich viele Scharlatane herum – weltweit, und auch in Österreich.

Das Problem haben nicht nur die armen Menschen, die von diesen Coaches mit unhaltbaren Versprechen angelockt und anschließend abgezockt werden.

Das Problem hat der ganze Markt. Denn diese Scharlatane hinterlassen nur enttäuschte Kund*innen und verbrannte Erde. Sie ruinieren eine ganze Branche.

Und darunter leiden die vielen ehrlichen Coaches da draußen, die tatsächlich nur das Beste für ihre Kund*innen im Sinn hätten.