AutorGünter Schmatzberger

Verpasste Möglichkeiten

V

Es ist ziemlich egoistisch, aus seinen Möglichkeiten nichts zu machen – und feig.

Du hast dir Wissen angeeignet, das auch für andere interessant sein könnte? Warum teilst du es dann nicht?

Du hast Kleidung, die du nicht mehr brauchst? Warum verschenkst du sie dann nicht?

Du hast eine Zweitwohnung, die die längste Zeit schon leer steht? Warum vermietest du sie nicht an jemanden, der eineWohnung sucht?

Du hast Kontakte, die für jemand anderen hilfreich sein könnten? Warum stellst du nicht großzügig den Kontakt her?

Aus den Möglichkeiten, die du hast, nichts zu machen – besonders dann, wenn die Kosten dafür gering wären… Welche Ausrede hast du dafür?

Notizbücher

N

Ich liebe Notizen, und ich liebe Notizbücher. Sie begleiten mich schon mein Leben lang, und Notizen sind der Ausgangspunkt fast aller meiner großen und kleinen Projekte.

Wer Notizbücher führt, ist mir grundsätzlich systematisch. Und noch cooler finde ich, wenn ein junges Wiener Startup beschließt, selbst schöne und hochwertige Notizbücher herzustellen.

So geschehen bei Xaraktiras, einem Projekt meiner lieben Freundin Daniela Prattes. Für ihren Blog hat sie mich interviewt. Wir sprechen über Notizen, Notizbücher, C. G. Jung und Hermann Maier. Aber lies selbst…

Lange und kurze Wege

L

Handelsübliche BWL-Bücher sind für Solopreneure, die sich in Sachen Wirtschaftskompetenz aufschlauen wollen, völlig ungeeignet.

Das Problem ist nicht, dass in den Büchern etwas Falsches drinnen stünde. Der Inhalt ist schon okay, aber er ist viel zu theoretisch, zu umständlich und zu langatmig aufbereitet. Der Weg zur konkreten Lösung, zur hilfreichen Handlungsanweisung ist viel zu lang.

Solopreneure brauchen kurze Wege. Sie können sich viele Umwege einfach nicht leisten.

Wirkungskreis

W

Es ist leicht, sich über Dinge zu beschweren, die man nicht ändern kann.

Wesentlich schwieriger ist es, darüber nachzudenken, was man aus den Möglichkeiten rausholen kann, die man hat. Also zu schauen, was im eigenen Wirkungskreis liegt, und diese Sachen dann konsequent, Schritt für Schritt zu verbessern.

Das Schwierige dabei ist nämlich, dass man für die Möglichkeiten im eigenen Wirkungskreis Verantwortung übernehmen kann – und muss. Wenn du da nichts weiter bringst, liegt es an niemand anderem außer dir.

Da ist es dann doch oft bequemer zu sagen: “Ich würde ja gerne, aber…”

Märkte sind Gespräche

M

Das ist die erste von 95 Thesen des Cluetrain Manifesto.

Für mich als Sprachwissenschaftler ist das ein ganz spannender Blickwinkel auf das, was wir “Marktwirtschaft” nennen. Märkte entstehen, indem echte Menschen miteinander reden. Indem sie sich füreinander interessieren und einander zuhören.

Nicht, indem jeder Anbieter versucht lauter zu schreien als der andere.

Gay Hendricks: Lebe dein Leben, bevor es andere für dich tun: Mehr wagen und über sich selbst hinauswachsen (2010) 📙

G

Diesem Buch mangelt es etwas an Kohärenz, aber es ist ein Panoptikum an interessanten Perspektiven und Sichtweisen. Das Konzept der „oberen Limits” (im Original: upper limit challenge) finde ich genial und lässt sich hervorragend im Alltag beobachten. Andere Konzepte wie die “Einstein-Zeit” waren mir etwas zu steil. Der Titel ist dem Buch wenig dienlich, weil er sehr generisch ist und auf die besonderen Juwelen des Buches nicht eingeht.

(mehr …)

Bear App: 13 interessante Facts

B

Ich habe die App Bear für mich entdeckt. Bear ist eine Notiz-App, die sehr reduziert und schön designt ist und sich wunderbar zum ablenkungsfreien Schreiben eignet.

Hier habe ich 13 interessante. Facts über Bear zusammengestellt, die du vielleicht noch nicht gewusst hast.

  1. Man kann sich in Bear auch Vorlagen machen, die man dann mit “Duplicate” verwenden kann.
  2. Bear kann einzelne Notizen oben hinpinnen.
  3. Bear kann man gut mit Tags organisieren, die dann in der Sidebar angezeigt werden. Das funktioniert gut, weil es die Inbox frei hält.
  4. Nested Tags sind unendlich möglich.
  5. Man kann sogar die Symbole der Tags verändern.
  6. Der pdf-Export aus Bear sieht ganz gut aus. Wenn man da vorne noch ein Cover-pdf einfügt, hat man ein ganz passables Dokument!
  7. Bear hat ein “Archiv“. Das bedeutet, dass man seine Haupt-Liste nur mit den aktuellen Notizen befüllen kann, die man gerade bearbeitet. Der Rest kommt ins Archiv, bis man wieder daran arbeitet.
  8. Bear hat eine Export- und eine Backup-Funktion.
  9. Bear kann Markdown:
    • * + Leerzeichen: Aufzählung
    • – + Leerzeichen: Todo
    • Interner Link: [[
  10. Rechts unten ist eine Formatierungs-Bar. Die kann man auch entkoppeln und verschieben.
  11. Cool ist, dass sich die internen Links verändern, wenn sich der Notiztitel verändert. (Das wünsche ich mir in Evernote seit Jahren.)
  12. Bear zeigt zu jeder Notiz die Anzahl der Wörter an und errechnet eine ungefähre Lesezeit
  13. Bear gibt es momentan nur für Apple-Geräte. Ein Webclient ist allerdings in Entwicklung. 

150 Arbeitstage

1

Der durchschnittliche Österreicher schaut pro Tag 196 Minuten fern (Quelle). Das sind pro Jahr 71.540 Minuten bzw. 1.192 Stunden. Umgerechnet sind das fast 150 Arbeitstage pro Jahr – pro Person!

Bei 8 Millionen Österreichern wären das ca. 1,2 Milliarden Arbeitstage. Pro Jahr!

Was wir in dieser Zeit alles gemeinsam schaffen könnten!

Bootstrapper

B

Solopreneure haben drei Möglichkeiten, dir Unternehmen zu finanzieren:

  1. Eigenkapital: Sie haben so viel Geld (gespart, geerbt, gefunden), dass sie alle Investitionen aus eigenen Mitteln finanzieren können.
  2. Fremdkapital: Das Geld kommt in Form von Krediten von der Bank, von Lieferanten oder von der Oma.
  3. Bootstrapping: Alle Investitionen müssen erst verdient werden durch das Geld, das von den Kunden kommt. Es wird nur das Geld ausgegeben, das die Kunden zuerst bezahlt haben.

Aus meiner Sicht ist Bootstrapping der nachhaltigste Weg, der langfristig auch am wenigsten Kopfzerbrechen macht.

Bootstrapping ist aber trotzdem keine Spazierfahrt. Seth Godin hat in seinem Manifest des Bootstrappers die Anforderungen wunderbar auf den Punkt gebracht.

Bist du mutig genug, Bootstrapper zu werden?

Seth Godin: Das Manifest des Bootstrappers 🪴

S

Meine Übersetzung von Seth Godins “The Bootstrapper’s Manifesto”.

Das Manifest des Bootstrappers

Kleben Sie dies auf Ihren Badezimmerspiegel und lesen Sie es jeden Abend vor dem Schlafengehen laut vor:

  1. Ich bin ein Bootstrapper. Ich habe Initiative und Einsicht und Mut, aber nicht viel Geld. Ich werde Erfolg haben, weil meine Bemühungen und mein Fokus größere und besser finanzierte Wettbewerber besiegen werden. Ich habe keine Angst. Ich konzentriere mich auf das Wachstum meines Geschäfts – nicht auf Unternehmenspolitik, beruflichen Aufstieg oder andere unnötige Ablenkungen.
  2. Ich werde meine Fähigkeiten einsetzen, um der Keyplayer in jeder Abteilung meines Unternehmens zu werden, und gleichzeitig erkennen, dass die Unterstützung von Experten das Geheimnis meines Erfolgs sein kann. Ich werde ein leidenschaftlicher und intelligenter Benutzer von Technologie sein, um meine zwei wertvollsten Vermögenswerte zu erhalten: Zeit und Geld.
  3. Meine Geheimwaffe ist das Wissen, wie man Bürokratie abbaut. Meine Größe macht mich schneller und flinker als jeder Konkurrent jemals sein könnte.
  4. Ich bin ein Laserstrahl. Ablenkungen werden versuchen, meinen Fokus zu trüben, aber ich werde nicht von meinem erklärten Ziel und Plan abweichen – bis ich sie ändere. Und ich weiß, dass Pläne gemacht wurden, um geändert zu werden.
  5. Ich bin langfristig dabei. Der Aufbau eines Unternehmens, das von Dauer ist, trennt mich vom Opportunisten und ist eine Investition in meine Marke und meine Zukunft. Überleben ist erfolgreich, und jeder Tag, der vergeht, macht es mir noch leichter, meine Ziele zu erreichen.
  6. Ich verspreche, mehr über mein Thema zu wissen als jeder andere. Ich werde lesen und lernen und lehren. Mein größtes Kapital ist der Wert, den ich für meine Kunden durch meine Bemühungen erzeugen kann.
  7. Mir ist klar, dass es für mich auf dem Rückweg schöner ist, wenn ich Menschen auf dem Weg nach oben gut behandle. Ich werde in meinen Geschäften gewissenhaft ehrlich und offen sein und meine Position als furchtloser Bootstrapper nicht nutzen, um unfaire Vorteile zu erlangen. Mein Ruf wird mir folgen, wohin ich auch gehe, und ich werde täglich in ihn investieren und ihn streng schützen.
  8. Ich bin der Außenseiter. Mir ist klar, dass andere mir meinen Erfolg gönnen, und ich werde ihre Hilfe dankbar annehmen, wenn sie mir angeboten wird. Ich verstehe auch die Macht von Gefälligkeiten und werde sie anbieten und gewähren, wann immer ich kann.
  9. Ich habe weniger zu verlieren als die meisten anderen – eine Tatsache, die ich zu einem bedeutenden Wettbewerbsvorteil machen kann.
  10. Ich bin ein Verkäufer. Früher oder später wird mein Einkommen von den Verkäufen abhängen, und diese Verkäufe können nur von mir getätigt werden, nicht von einem Vertreter. Ich werde verkaufen, indem ich anderen helfe, das zu bekommen, was sie wollen, indem ich Bedürfnisse identifiziere und sie erfülle.
  11. Ich bin eine Guerilla. Ich werde hartnäckig, konsequent und bereit sein, in das Marketing von mir und meinem Unternehmen zu investieren.
  12. Ich werde messen, was ich tue, und mich oder meine*n Lebenspartner*in nicht belügen. Ich werde strikte finanzielle Ziele setzen und meine Leistung ehrlich bewerten. Ich werde mir Grenzen für Zeit und Geld setzen und diese auch nicht überschreiten.
  13. Vor allem werde ich mich daran erinnern, dass die Reise die Belohnung ist. Ich werde jeden Tag lernen und wachsen und genießen.

Quelle: Seth Godin: The Bootstrapper’s Manifesto, https://seths.blog/wp-content/uploads/2013/09/8.01.bootstrappersbible-1.pdf

Übersetzung: Günter Schmatzberger

Fehler (2)

F

Ein Paradox: Es ist wichtig, dass du Fehler machst. Fehler sind gut für dich.

Weil: Menschen, die keine oder selten Fehler machen, werden nicht gemocht. Ihre Perfektion provoziert, weil sie allen anderen ihre Fehlerhaftigkeit wie einen Spiegel vorhält. Das war in der Schule schon so, und das ist in der Arbeitswelt so.

Gelegentliche Fehler machen menschlich, machen zugänglich und machen sympathisch.

Fehler

F

Es ist nicht angenehm, Fehler zu machen. Und es ist nicht angenehm, Fehler zuzugeben.

Der Amateur wird versuchen, Fehler zu vertuschen. Er sucht nach Ausreden, Sündenböcken und Relativierungen.

Der Profi steht zu seinem Fehler. Er sagt, was Sache ist – klar, ehrlich und rechtzeitig. Er trägt die Konsequenzen und gibt niemand anderem die Schuld.

Bist du Profi oder Amateur?

Macht das Sinn?

M

Als Berater wird man öfter mal gefragt: Wenn ich mich so oder so entscheide, macht das Sinn?

Natürlich weiß das ein*e Berater*in auch nicht mit Sicherheit.

Die beste Antwort in solchen Situationen ist vielleicht: So wie es klingt, ist es zumindest kein Unsinn.

Scham

S

Beratungen werden schwierig, wenn Scham im Spiel ist.

Wenn z.B. eine Gründerin anderthalb Jahre nach der Gründung in Schwierigkeiten steckt, weil sich ihr Unternehmen nicht so entwickelt hat, wie sie es sich gewünscht hatte, weil ihre Umsätze hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben sind, oder weil sie glaubt, dass in den Augen des Beraters ihr Unternehmen ein Misserfolg ist…

Dann wird es schwierig, weil es nicht mehr um “das Unternehmen” geht, sondern darum, das Gesicht zu wahren. Es geht darum, den Selbstwert aufrecht zu erhalten, den Status zu sichern und Schuldige für die Situation zu finden.

Solange Scham im Spiel ist, ist echter Fortschritt nicht möglich. Darum ist es die wichtigste (und schwierigste!) Aufgabe des Beraters, durch die Scham-Schutzmauer zu dringen und über das zu reden, was wirklich ist. Ohne Drama, ohne Wertung.

Es ist, wie es ist. Reden wir darüber, wie es von hier aus weitergehen könnte.

0,1 %

0

Im ersten Semester meines Fachhochschul-Studiums habe ich mir, wie wahrscheinlich jeder BWL-Student in Österreich, ein Buch gekauft: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre von Lechner/Egger/Schauer (mittlerweile Egger/Egger/Schauer). Ein Totschläger mit fast 1.000 Seiten.

Damals habe ich daraus vielleicht 100 oder 200 Seiten gelesen. Nicht aus Interesse, sondern zur Prüfungsvorbereitung. Wahrscheinlich wie damals jeder BWL-Student in Österreich.

Jetzt, 20 Jahre später, habe ich mir vorgenommen, das komplette Buch zu lesen. Aus Interesse. Jeden Tag ein paar Seiten, in einem Jahr will ich fertig sein.

Damit werde ich wohl zu den 0,1 % der BWLer in Österreich gehören, die wissen, was in diesem Grundlagenbuch tatsächlich drinnen steht – und zu den 0,01 %, die das Buch aus Interesse freiwillig gelesen haben.

[Meine Notizen zum Buch.]