Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Niemand interessiert sich

N

Wenn ich mir die Besucher-Zahlen meiner Website anschaue, dann lerne ich daraus zwei Dinge:

Die schlechte Nachricht: Praktisch niemand interessiert sich für meine Website. Mein Blog und meine Notizen erscheinen quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die gute Nachricht: Praktisch niemand interessiert sich für meine Website. Das bedeutet, dass ich in aller Ruhe alles ausprobieren kann, was ich möchte, ohne dass tausend Menschen sofort darauf reagieren.

Ich genieße also meine vorläufige Unsichtbarkeit. Irgendwann wird es damit sowieso vorbei sein.

Keiner mehr da

K

Es hat überhaupt keinen Sinn, einen Workshop oder eine Lehrveranstaltung zu überziehen.

Sobald die offizielle Endzeit erreicht ist, schalten die Teilnehmer*innen geistig ab. Jeden Satz, den ich danach noch sage, geht ins Leere. Alles, was dann noch folgt, ist das reinste Selbstgespräch.

Ich kann genauso gut gleich aufhören zu reden, auch wenn ich mit meinem Stoff noch nicht “durch” bin.

Denn selbst wenn vielleicht noch alle anwesend sind, ist eh schon keiner mehr da.

Die Umwandlung von öffentlichen Gütern zu privaten Gütern

D

Öffentliche Güter sind in der Volkswirtschaftslehre Güter, bei denen man niemanden vom Konsum ausschließen kann und die von vielen Menschen gleichzeitig genützt werden können. Bespiele für öffentliche Güter sind Luft, eine schöne Landschaft oder Frieden.

Mit öffentlichen Gütern lässt sich allerdings kein Umsatz machen. Deshalb bieten sie private Unternehmen nicht an. Es entsteht kein Markt, und der Staat muss eingreifen.

Geld lässt sich mit öffentlichen Güntern nur verdienen, wenn sie in private Güter umgewandelt werden. Soll heißen: Wenn man Wege findet, Menschen vom Konsum eines Gutes auszuschließen, wenn sie nicht dafür bezahlen.

Das passiert sehr häufig in der Medienlandschaft. Güter, die eigentlich öffentlich sind oder sein könnten, werden in private Güter umgewandelt. Und wir merken es nicht einmal.

Die Verantwortung wahrnehmen

D

Ja, es ist nicht immer alles lustig in der Selbständigkeit. Es gibt viel zu tun, und nicht für alles sind wir auch wirklich talentiert. Manches nervt einfach.

Aber das entlässt uns nicht aus der Verantwortung, die wir für unser Business haben.

Wir müssen die Buchhaltung nicht mögen, aber wir bleiben immer dafür verantwortlich. Wir haben eine Abneigung dagegen, unsere Angebote durchzukalkulieren und uns einen Überblick über unsere Kostenstruktur zu verschaffen. Aber das entlässt uns nicht aus der Verantwortung, dass ein funktionierendes Business auch und vor allem bedeutet, dass es finanziell funktioniert.

Treat your business like a f***ing business!

Lieblos

L

Dein Angebot ist total wichtig. Es bringt auf den Punkt, womit du anderen Menschen helfen willst und kannst. Womit du, ja, die Welt ein Stück weit besser machen möchtest.

Aber ich sehe so viele lieblos gestaltete Angebote. Wenig durchdacht. Handgestrickt. Nicht professionell. Kaum mehr als unbedingt notwendig. Kraftlos kommuniziert.

Und das finde ich ewig schade. Wenn wir der Welt schon etwas von uns anbieten, warum nicht mit der ganzen Hingabe, zu der wir fähig sind?

Weltuntergang

W

Es ist nicht nötig, dass du stündlich die News auf orf.at checkst.

Sollte die Welt untergehen, wirst du es auch so mitbekommen.

[Danke Anitra Eggler für diesen wichtigen Hinweis.]

Vorfall statt Rückfall

V

Alles bringt uns weiter.

Auch wenn es gerade schwierig ist.

[Danke Barbara Wallner für diesen Gedanken.]

Perfekt unsympathisch

P

Wenn jemand so perfekt wirkt, wenn alles so durchdacht ist, alles so gut gemeint ist, alles Gesagte so gescheit ist…

… dann wirkt das bald mal ein bisschen full on.

Da entsteht beim Gegenüber leider mehr Abwehrhaltung als Sympathie.

Trainerwechsel

T

Die Admira hat also (wieder) einen neuen Trainer. Rolf Landerl folgt auf Roberto Pätzold.

Im Juni 2022, als Pätzold als Nachfolger von Andreas Herzog vorgestellt wurde, hieß es von den Vereinsverantwortlichen noch:

Wir haben uns bei der Verpflichtung des neuen Cheftrainers die notwendige Zeit genommen, sorgsam abgewogen und letztlich eine Entscheidung getroffen, von der wir vollends überzeugt sind. Roberto Pätzold trägt unsere Ausrichtung und Ziele vollends mit und ist von seinem Profil her prädestiniert, den notwendigen Neuanfang voranzutreiben.

Philip Thonhauser, Präsident

Jetzt, kein halbes Jahr später, sieht die Sache anscheinend anders aus:

Nach der Analyse der letzten Wochen mit Blick auf die Entwicklung der Mannschaft sind die Vereinsführung und die sportliche Führung gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass wir eine personelle Veränderung vornehmen und Roberto Pätzold freistellen. 

Marcel Ketelaer, Sportvorstand

Irgendjemand hat sich da anscheinend gewaltig geirrt. Vielleicht der Trainer, vielleicht die Vereinsverantwortlichen, wahrscheinlich beide.

Aber die Frage bleibt: Wie kann etwas so falsch sein, das vor wenigen Monaten noch so richtig war?

PS: Ich wünsche dem neuen Trainer Rolf Landerl und der ganzen Mannschaft alles Gute für die Rückrunde.

Durchtheoretisieren

D

Ein Business lässt sich nicht bis zum Ende durchplanen. Man kann es nicht allein durch Nachdenken zum Erfolg führen.

Man muss ausprobieren.

Business ist keine Theorie.

[Danke Sarah Tschernigow für diesen Gedanken.]

Hypothesen

H

Wir sind sehr schnell dabei, über andere Menschen Hypothesen aufzustellen: Warum der eine so eigenartig ist. Warum die andere so erfolgreich ist. Warum bei ihm alle Beziehungen in die Brüche gehen. Warum sie so ein anstrengendes Kind hat.

In Wirklichkeit wissen wir einen Sch…dreck.

Was uns aber nicht davon abhält, zu allem und jedem eine Meinung zu haben.

BWL und VWL

B

Volkswirte denken anders als Betriebswirte.

Deswegen tut es mir als Betriebswirten immer wieder gut, mich auf die Sichtweisen und die Logiken der Volkswirte einzulassen und die Welt ab und zu mal auch aus ihrer Brille zu sehen.

Die schlausten Unternehmer*innen sind schließlich jene, die sich ein Gesamtbild machen können, das sich aus einigen Teilen BWL, einigen Teilen VWL und einer guten Portion eigener Erfahrung und Intuition zusammensetzt.

Spaß und Erfolg

S

Wir Selbständige haben meist eh Spaß an unserer Arbeit. Das ist nicht das Problem.

Jetzt brauchen wir nur noch Erfolg.

Einzelkämpfer

E

Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei. Denn:

Diese komplexe Welt, in der wir leben, erlaubt uns nicht mehr, dass wir alle Dinge alleine machen und alle Fragen selber beantworten.

Hubertus Porschen, Mut zur Gründung Podcast vom 22. September 2022

Kein Werkzeug dabei

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Einmal kam eine Studentin zur schriftlichen Prüfung, die hatte nichts zum Schreiben dabei. Und auch ihren Taschenrechner hatte sie vergessen.

Dafür mag es ein Dutzend Gründe geben, und ich will nicht urteilen.

Aber eines steht für mich fest: Echte Profis kümmern sich darum, dass sie ihr Werkzeug zur Hand haben, wenn sie es brauchen.

Nulltbester

N

Als ich unlängst beim Spielen Letzter geworden bin, meinte meine vierjährige Tochter, ich sei damit “Nulltbester”.

Tolles Reframing. 😁

Strenge und Milde

S

Wir Selbständige sind meist ziemlich streng mit uns selbst. Mitunter sogar gnadenlos.

Wir gönnen uns kaum Pausen oder Müßiggang. Wir wollen immer noch und noch ein Projekt umsetzen. Mit dem Erfolg, den wir haben, sind wir selten zufrieden. Und wenn’s mal nicht gut läuft, sind wir schnell mit Selbstvorwürfen zur Stelle.

Wie wäre es, wenn wir öfter mal mit einem milden Auge auf uns sehen würden?

Wäre es möglich, dass es uns dann nicht nur besser geht, sondern sich auch der Erfolg leichter einstellen würde?

Was stimmt nicht mit dir?

W

Das ist meistens keine nützliche Frage. Und auch keine faire.

Mit dir ist alles in Ordnung. Kann schon sein, dass du einen Fehler gemacht hast. Dass du eine Situation falsch eingeschätzt hast. Dass du einen Moment unaufmerksam warst. Dass du dich geirrt hast.

Das kann alles passieren, das gehört (leider) zum Leben dazu. Wo gehobelt wird, fallen Späne.

Aber nichts davon kann dich in Frage stellen.

Bürokratie und Individualität

B

In öffentlich geförderten Unterstützungsprogrammen für Gründer*innen (wie das UGP des AMS Wien) bewegen wir uns als Berater*innen ständig zwischen den Rollen Bürokrat und Sozialarbeiter:

Wie viel ist standardisiert, wie viel ist individuell? Was lässt sich „digitalisieren“, wozu braucht es „den Menschen?“ Was ist möglich, und was geht einfach nicht?

Das ist auch eine zentrale Konfliktlinie in vielen Gründungsprojekten: Wie passt die eigene Individualität in die standardisierten Formen, mit denen wir uns das gesellschaftliche Zusammenleben organisieren?

Keinen Fehler machen

K

“Wenn Sie in Ihrem Unternehmen etwas falsch machen, haben Sie dafür die Konsequenzen zu tragen!”, sagt die Dame von der WKO beim Gründer*innen-Workshop.

Und genau darum geht es vielen Gründer*innen in der Gründungsphase: Nur ja keine Fehler machen mit Gewerbe, Finanzamt oder Sozialversicherung.

Für diese Menschen ist die wertvollste Beratungsleistung, Orientierung zu geben im Gründungs- und Behördendschungel und sie da unbeschadet durchzubringen.

Dabei geht es beim Gründen doch eigentlich um etwas ganz, ganz anderes…