TagWolf Lotter

Die neue Leistungsgesellschaft

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Wolf Lotter schreibt: “Die Mühen der Ebenen bestehen darin, herauszufinden, was wir wollen.” Das ist aus seiner Sicht gefordert in einer “neuen Leistungsgesellschaft”: Nicht mehr Fleiß, nicht mehr Disziplin, nicht mehr Durchhaltevermögen – sondern Klarheit.

Ich sehe das täglich in der Beratung. Solopreneure kommen mit Umsatzproblemen, mit Positionierungsfragen, mit Marketingthemen. Aber wenn wir graben, liegt darunter fast immer dieselbe ungeklärte Frage: Was will ich eigentlich? Nicht: Was sollte ich wollen. Nicht: Was wäre klug. Nicht: Was erwarten andere von mir. Sondern: Was will ich.

Das ist die härteste Prüfung im Solopreneurship. Denn diese Frage kann dir niemand beantworten. Kein Berater, kein Coach, kein Podcast. Du musst sie selbst klären. Und zwar nicht einmal, sondern immer wieder. Weil sich die Antwort ändert, wenn du dich veränderst.

Viele Solo-Businesses scheitern nicht am Markt. Sie scheitern an dieser ungeklärten inneren Frage. Sie rennen los, ohne zu wissen wohin. Sie bauen Business auf fremden Fundamenten.

Und wundern sich dann, warum es sich falsch anfühlt, obwohl sie doch alles “richtig” gemacht haben.

Denk-Arbeit

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„Denken fühlt sich an wie Nichtstun”, sagt Gabriele Fischer in einem spannenden Gespräch mit Wolf Lotter.

Und weiter: „Ich glaube, wir sind es einfach nicht gewohnt, dass Denken als vollwertige Arbeit anerkannt wird. Wenn du zu Hause auf dem Sofa sitzt und an die Decke starrst, sieht das für deine Familie, für deinen Partner und vor allem für dich selbst nicht nach Arbeit aus.“

Und so meldet sich „das schlechte Gewissen des Freiberuflers“ (Wolf Lotter): Man könnte nachdenken (oder einfach nichts tun), aber man „traut“ sich nicht.

Wie gut ich das kenne…

Das Privileg der Orientierungslosigkeit

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Wenn du in Österreich als Gründer:in nicht weißt, welches Business du genau gründen sollst – Glückwunsch. Du hast ein Luxusproblem.

Keine existenzielle Not zwingt dich zur Selbständigkeit. Keine natürliche Bedrohung treibt dich dazu. Du musst nicht ums Überleben kämpfen. Du darfst grübeln, zweifeln, suchen. Du darfst drei Geschäftsmodelle ausprobieren und dann doch was ganz anderes machen. Das ist ein Privileg, das längst nicht alle Menschen auf diesem Planeten haben.

Aber: Das macht die Sache nicht leichter. Im Gegenteil.

Druck von außen ist eindeutig. Druck von innen ist diffus. Wenn die Miete nicht bezahlt werden kann, weißt du wahrscheinlich ziemlich klar, was zu tun ist. Wenn du dir “nur” unsicher bist, ob du den Weg der Selbständigkeit gehen willst – was dann? Es geht ja nicht um Leben und Tod.

Viele Gründer:innen verwechseln dieses Privileg mit Versagen. Sie schämen sich für ihre Orientierungslosigkeit. Dabei ist genau das – die Zeit und der Raum zum Suchen – der größte Luxus, den unser System bietet.

Wolf Lotter hat recht. Wir müssen lernen, uns ohne Zwang anzustrengen. Aber vielleicht müssen wir vorher lernen, dankbar für diesen Zwang-losen Raum zu sein.

Die höchste Schule

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“Die wichtigste Bildungseinrichtung, die bedeutendste und höchste Schule, das sind wir selbst”, sagt Wolf Lotter.

Wir lernen nirgends sonst so schnell wie durch die eigene Erfahrung, besonders durch schmerzhafte Fehler.

Wir irren uns vorwärts. Und dafür gibt es auch keine Abkürzungen.

Leseliste: Bücher, die ich 2022 gelesen habe

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  1. Dorie Clark: The Long Game (Meine Notizen)
  2. Sahra Wagenknecht: Die Selbstgerechten
  3. Wolf Lotter: Strengt euch an! (Meine Notizen)
  4. Michael A. Singer: Die unbändige Seele
  5. Gerald Schöpfer / Günther Witamwas (Hrsg.): Unternehmertum und Gründergeist (Meine Notizen)
  6. George S. Clason: Der reichste Mann von Babylon (Mein Podcast)
  7. Seth Godin: Permission Marketing
  8. Paul Jarvis: Company Of One
  9. Michael Bungay Stanier: The Coaching Habit (Meine Notizen)
  10. Michael Bungay Stanier: The Advice Trap (Meine Notizen)
  11. Peter Drucker: The Effective Executive
  12. Ichiro Kishimi/Fumitake Koga: Du bist genug
  13. Markus Brunnermeier: Die resiliente Gesellschaft (Meine Notizen)
  14. Andreas Herzog: Mit Herz und Schmäh (Meine Notizen)
  15. Jordan B. Peterson: Beyond Order (Meine Notizen)
  16. Bjørn Thorsten Leimbach: Männlichkeit genießen! (Meine Notizen)
  17. Jessica Hagy: How to be interesting (Meine Notizen)
  18. Gottfried Epp: Positive Self-Leadership (Meine Notizen)
  19. Oscar Wilde: Das Gespenst von Canterville
  20. Wolf Lotter: Zusammenhänge (Meine Notizen)
  21. Austrofred: Alpenkönig und Menschenfreund
  22. August Höglinger: Macht und Verantwortung (Meine Notizen)
  23. Petra Bock: Mindfuck (Meine Notizen)
  24. Derek Sivers: How to live (Meine Notizen)
  25. Austrofred: Ich rechne noch in Schilling
  26. John Stepper: Working Out Loud (Meine Notizen)
  27. Cal Newport: Deep Work (Meine Notizen)
  28. Markus Hengstschläger: Die Lösungsbegabung (Meine Notizen)
  29. Oliver Burkeman: 4000 Wochen (Meine Notizen)
  30. Ben Furman: Ich schaffs!
  31. Evi Hartmann: Ihr kriegt den Arsch nicht hoch! (Meine Notizen)
  32. Günter Faltin: Kopf schlägt Kapital
  33. Derek Sivers: Anything You Want (Meine Notizen)
  34. Seth Godin: This Is Marketing
  35. Catharina Bruns: Work is not a job
  36. Alois Prinz: Der erste Christ (Meine Notizen)
  37. David Goodhart: Kopf Hand Herz (Meine Notizen)
  38. Garrett B. Gunderson: Killing Sacred Cows (Meine Notizen)
  39. Agatha Christie: Wunderbare Weihnachten

[Meine Leseliste 2021]

Über die Bande spielen

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Wolf Lotter sagt, dass in Unternehmen viel „über die Bande gespielt“ wird: Man spricht die Sachen nicht direkt an, sondern redet darum herum. Die Elefanten im Raum werden nicht direkt adressiert, sondern man spielt ein Theater, wo es eher um Selbstdarstellung, Gesichtswahrung und Fehlervermeidung geht.

Dass das nicht besonders hilfreich ist, dürfte klar sein. Eigentlich ist es sogar völlig kontraproduktiv. Trotzdem ist es ganz oft gelebte Praxis.

Mir fällt aber auf, dass immer mehr Menschen da nicht mehr mitmachen wollen. Sie haben das Über-Bande-Spielen satt. Sie wollen ehrliche Gespräche führen über die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Auf Augenhöhe, und von Mensch zu Mensch.

Das macht mir Mut.

Kapitalismus-Kritik

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Eine Sache, die Wolf Lotter sehr stört und die mir in Diskussionen mit an sich sehr schlauen Menschen auch immer wieder auffällt:

Viele derer, die meinen, dass der Kapitalismus an allem Schlechten in der Welt schuld sei (Klimakrise, Kriege, soziale Isolation, Korruption etc.), haben (leider) erstaunlich wenig Ahnung vom Kapitalismus.

Um etwas zu kritisieren, müsste man sich zuerst mal gründlich damit auseinandersetzen. Schon in der Bibel heißt es:

“Lobe keinen Menschen, ehe du nachgedacht hast;
denn das ist die Prüfung für jeden!”

Sir 27,7

Mit dem Kapitalismus ist es wie mit dem Handy: Das Handy ist nicht schuld. Das Handy ist das, was wir Menschen damit machen. Es ist der Umgang mit dem Handy, den man kritisieren kann. Aber das Handy ist nur ein Ding. Es hat keine Agenda.

Auch der Kapitalismus ist nur ein Werkzeug, das von Menschen geschaffen wurde. Der Kapitalismus an sich will gar nichts. Wir Menschen sind es, die den Kapitalismus für unsere Sache einsetzen. Und diese Sache ist mal gut und mal schlecht. Und manchmal selbstzerstörerisch.

Ja, am Kapitalismus gäbe es viel zu verbessern. Da tut sich ein breites Feld auf, und da gibt es auch schon durchdachte Überlegungen (z.B. die Gemeinwohlökonomie).

Aber reparieren kann nur jemand, der tragfähiges Vorwissen hat.

Echte Experten

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Ein Gedanke vom Entrepreneurship Summit 2020 in Berlin. Wolf Lotter sagt: Man muss nicht nur was wissen, sondern man muss dieses Wissen auch teilen können.

Wissen ist die einzige Ressource, die sich vermehrt, wenn man sie teilt. Die Zeiten, wo Expertenwissen wie ein Staatsgeheimnis gehütet wurde, sind in unserer Netzwerkgesellschaft vorbei. Wissen hat nur dann Wert, wenn es auch zugänglich gemacht wird.

Experten sind nur dann echte Experten, wenn sie sich nicht nur “Experte” nennen, sondern ihr Expertenwissen auch meisterhaft vermitteln können.